Vinci, Pierino da

Vinci, Pierino da, Bildhauer, war der Sohn des Bartolomeo da Vinci, des jüngsten Sohnes Piero's, welcher den berühmten Leo- nardo erzeugt hatte. Dem Pierino wurde nach Vasari (deutsche Ausgabe IV. 104 ff.) schon als Kind Grösse des Genies prophe- zeit, aber kein langes Leben. Dieser Prophet war Fra Giuliano Ristori von Proto, und auch Vasari macht ein Breites über das frühe Talent des Knaben. Der Vater brachte ihn bei Bandinelli in die Lehre, und dann zu Tribolo, da ersterer wenig Sorgfalt auf den Knaben verwendet hatte. Er übertraf in wenigen Monaten alle seine Mitschüler, und somit übertrug ihm der Meister einige Arbeiten, die er mit grossem Beifall vollendete. Vasari rühmt be- sonders eine Gruppe, welche den Bacchus mit Schale und Wein- traube vorstellt, und einen Satyr zu seinen Füssen. Pierino führte dieses Werk in Nebenstunden in Stein aus, und zur Zeit Vasari's war es im Hofe des Ludovico Capponi zu Florenz. Nach einem kurzen Aufenthalte in Rom , nahm er mit Tribolo an der Ausfüh- rung des Brunnens im Labyrinth zu Castello Theil, welcher noch heut zu Tage Proben seiner Kunst zeigt. Er modellirte die vier liegenden Kinder, welche im Wasser spielen, und von Lastricati in Erz gegossen wurden. Hierauf führte Vinci ein Ecce homo als Basrelief in Marmor aus, welches Luca Martini erhielt, und dann die Maske des Abzugscanals auf dem Platze von S. M. novella in Sandstein, welche 1748 weggenommen wurde. Jetzt unternahm Vinci eine zweite Reise nach Rom, wo er durch Francesco Ban- dini dem Michel Angelo vorgestellt wurde, welcher von nun an grossen Einfluss auf ihn übte. Das erste Werk, welches er in Rom ausführte, war einer Zeichnung von Michel Angelo entnommen, und stellte Christus am Kreuze in halb erhobener Arbeit dar. Dann modellirte er für Luca Martini den berühmten Moses desselben in Wachs, zwei Drittel Ellen hoch. Auch einige antike Bildwerke restaurirte er, wie eine Venus in Basrelief für den Cardinal Ri- dolfi, und ein Pferd für Francesco Bandini. Später lud ihn der Provveditore Luca Martino nach Pisa ein, wo er eine Gruppe in Marmor fertigte, welche die Herzogin ihrem Bruder Don Garzia di Toledo schenkte, der sie bei dem Brunnen seines Gartens zu Chiaia in Neapel aufstellte. Dieses Werk stellt einen jungen lie- genden Flussgott dar, welchem drei Kinder die Vase empor heben. Von ihm ist auch die Statue der Abundantia in Travertin auf der Piazza della Berlina zu Pisa, welche er nach Vasari im Auftrage des Herzogs Cosimo von Florenz fertigte. Berühmt ist ein Basrelief, welches Ugolino vorstellt, wie er blind und kummervoll auf den Körpern seiner auf dem Boden verschmachtenden Kinder umher-

Tritt hinzu, zur Bezeichnung des Ortes, wo jene Begebenheit vorfiel, strömt unten in der Breite des Bildes der Arno, an dessen Ufer der Hungerthurm in Pisa sichtbar ist. Auf diesem zeigt sich der Hunger selbst in Gestalt eines nackten, dürren Weibes. Pierino goss dieses Werk in Bronze (1 Elle hoch und 3 El. breit). Es be- findet sich im Palaste des Grafen della Gherardesca zu Pisa, wird aber von Einigen fälschlich dem Michel Angelo beigelegt. Man findet Gypsabgüsse davon. Dann rühmt Vasari auch ein kleines Marmorbasisrelief, welches die heil. Familie vorstellt, und zu seiner Zeit im Studierzimmer des Herzogs in Florenz aufgestellt wurde. Dieses Bildwerk sieht man jetzt im Corridor der Gallerie der Uf- fizien daselbst. Es ist mit mehr Gefühl modellirt, als man von einem Schüler des Michel Angelo erwarten sollte. Ein weiteres Werk, welches der Künstler fertigte, ist ein Relief, welches das von Cosimo restaurirte Pisa vorstellt. Auf diesem Basrelief er- scheint der Herzog von den allegorischen Gestalten seiner Tugen- den umgeben, wie er die allegorische Pisa im Gefolge der Tugend

und Tugendaufrichtet. Die Stadt erkennt man aus dem Wappen- schild, auf welchen sie sich stützt, und aus dem in der Ferne er- scheinenden Meere. In der Ape Italiano III. p. 32. ist dieses jetzt im vatikanischen Museum befindliche Werk auf tav. VIII. abge- bildet, wird aber irrig dem Michel Angelo zugeschrieben, mit der Bemerkung, es stelle die von Cosimo de Medici (Pater Patriae)

emporgehobene Stadt Florenz dar. Diese genannten Arbeiten hatten dem Vinci grossen Ruf erworben, und man bewunderte den Neffen des grossen Leonardo. Desswegen übertrugen ihm auch die Erben des Bartolomeo Turini die Ausführung des Grabmale des Messer Baldassare Turini, für welchen Leonardo in Rom 1546 arbeitete, hatte. Pierino liess sich einen Marmorblock aus Carrara bringen, und fing eine Statue zu arbeiten an, deren Entwurf ganz in der Weise des Michel Angelo behandelt war. Allein das Werk kam nicht zu Stande, da Vinci erkrankte, und in Padua verge- bens die Herstellung seiner Gesundheit hoffte. Er starb bald nach seiner Ankunft in Florenz, erst 33 Jahre alt. Das Todesjahr nennt Vasari nicht, er fügt nur ein Sonett bei, welches Benedetto Varchi zu seinem Gedächtnisse dichtete. Dieser Varchi wurde als Anhäu- ger der Strozzi 1537 aus Florenz verbannt, aber 1512 wieder be- gnadigt. Im Gedichte wird Pierino als zweiter Vinci gepriesen, und Varchi klagt, dass er bereits alt und grau, den blühenden Künstler hinscheiden sehen.

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