Vinci, Leonardo da, färbtem Papier von Leonardo, welche einen Band ausmachen. Dieser Band in gr. Fol. stammt aus Melzi's Verlassenschaft, und besteht aus den drei Abtheilungen, welche der Bildhauer Pompeo Leoni von dem oben erwähnten Mazzanti erhielt. Auf einem Hefte steht mit goldenen Buchstaben: Disegni di Leonardo da Vinci „restaurati da Pompeo Leoni, worunter doch wahrschein- lich die Zeichnungen enthalten sind, welche er in einem Bande vor dem Verderben schützte. Leoni besaß auch noch viele andere Zeichnungen von Leonardo, welche eben- falls diesem Bande beigefügt sind. Er kam zuletzt in den Besitz Karls I. von England, und blieb dann bis zur Thronbesteigung Georg II. unbeachtet. Damals wurde er im Zimmer der Königin Carolina in Kensington gefunden, nebst den Porträten von Holbein. Dieser Band enthält sicher den grössten Theil der anatomischen Zeichnungen, welche Leonardo in Pavia nach den unter den Augen des Marcantonio della Torre anatomisirten Körpern ausführte. Ueber die anatomischen Studien des Meisters haben wir schon oben S. 301 gesprochen. Vasari sagt, Leonardo habe diese mit grösstem Scharfsinn in Röthel und mit Federumrissen ange- stellten Zeichnungen den Knochenbau vollständig dargestellt, darnach die Nerven verbunden, und sie mit Muskeln umzogen, von denen die ersten an den Knochen sitzen, die zweiten die Kraft verleihen, fest zu halten, und die dritte Bewegung geben. Jedem Theil schrieb er nach Vasari's Befehle in schlechter Schrift die Erklärung bei, die verkehrt der linken Hand geschrieben ist. In solcher Weise sind die Zeichnungen im brittischen Museum behandelt,
Dann erwähnen wir hier auch eines Werkes des Luca Pacioli del Borgo S. Sepolcro, welcher drei Jahre zu Mailand im Hause Leonardo's lebte, und die Maximen desselben in einem Lehrbuche verarbeitete, wahrscheinlich unter literarischer Beihilfe des Mei- sters, obgleich Pacioli die Autorschaft für sich allein in Anspruch nimmt, und dem Leonardo nur die Zeichnungen vindicirt. Das Werk, worüber wir schon oben S. 302 zu sprechen kamen, wurde 1509 gedruckt, unter dem Titel: De divina proportione. Opus tutti gl'ingegni perspicaci e curiosi necessario. Ogni ciascun studio- re della Philosophia, Prospettiva, Pittura, Schiittura, et altre Mat- ematiche suavissima, sottile etc., Venetiis imp. per Paganinum Paganinis de Brixia 1509, fol.;
Die vielen Holzschnitte dieses eminent seltenen Werkes, geo- metrische Figuren, Proportionen der Buchstaben, architektonische Entwürfe, Köpfe etc., sind nach Zeichnungen Leonardo's gemeis- set, und wahrscheinlich hat er sich selbst im Praktischen der Holz- schnitzkunst versucht, wie aus der Vorrede zu erhellen scheint, wo Pacioli sagt: Nec vero multo post spe animas alunt Jibelld cui de divina Proportione titulus est, Ludovica Pacioli; medialanensi nuncupavi, Tanta ardore ut schemata quoque Vincii nostri Leonardi manibus scalpta: quod opticae instru- rem reddere possent addiderim. Leonardo hat nach dieser Anleihe selbst Einiges geschnitten, z. B. die beiden Köpfe mit den Pro- portionslinien, wie Weigel, Kunstkatalog Nr. 0986, glaubt,
Dann erwähnen wir auch einiger Werke, welche Hand- schriften des Meisters imitiren, oder Skizzen desselben im Stiche geben. Die Hauptsammlang seiner Zeichnungen ist jetzt in Paris und London, da die derartigen Schätze aus der Ambrosiana zu Mailand nach der Restauration 1815 unbegreiflicher Weise in Italien zurückgelassen wurden. Mehrere Zeichnungen haben wir
Originalzeichnungen aufmerksam machen, auf die berühmte Zeich- nung des Christuskopfes in der Akademie zu Mailand, auf die Köpfe der Apostel, welche sich bis 1850 in der Sammlung des Königs von Holland im Haag befanden, und worüber wir ein Kupferwerk von Dutertre haben, u. s. w. Eine bedeutende Anzahl von Zeich- nungen des Meisters ist noch zerstreut, Viele mögen echt seyn, andere zweifelhaft. Charakterköpfe und Karikaturen kommen noch öfter vor, theilweise von höchstem Interesse, wie die drei Blätter aus der Sammlung des Grafen Sternberg, Frenzel's Cata-
Aus der Zeit, als die Ambrosiana noch ihre 13 Zeichnungs- bände bewahrte, haben wir zwei Kupferwerke, in welchen viele solcher Zeichnungen abgebildet sind. Das eine hat den Titel:
Disegni di L. da Vinci, incisi e publicati da C. G. Gerli. Ra- gionamento premesso — Italiano e francese. Mit 61 Blättern, nebst Titelkupfer. Milano 1784, gr. fol. Giust. Vallardi veranstal- tete eine neue Ausgabe mit denselben 61 Kupfern, und mit eigenem Text. Disegni di L. da Vinci — riprodotti con note illust. Mi- lano 1830, gr. fol.
Fast gleichzeitig mit Gerli veranstaltete auch G. Mantelli eine Ausgabe von solchen Handzeichnungen, welche, in der Ambrosiana sich vorfanden, unter dem Titel: Raccolta di disegni incisi da Gi- rolamo Mantelli. di Canobio sugli originali esistenti nella Biblio- theca Ambrosiana di L. da Vinci e de suoi scoları Lombardi. Mi-
lano 1785, gr. fol.
Die Zeichnungen, nach welchen die Blätter der genannten Werke gestochen sind, befinden sich jetzt wohl alle auf der Bi- bliothek Mazarin zu Paris. In Mailand ist nur noch der gering- ere Theil solcher Werke.
Reich an köstlichen Original-Zeichnungen von Leonardo's Hand ist die k. Sammlung in Buckingham House zu London. Sie sind entweder in rother oder schwarzer Kreide, oder mit Stift auf farbig grundirtes Papier, auch mit der Feder gezeichnet, doch wenige nur aquarellirt, oder mit Weiss erhöht. Da ist das be- rühmte Porträt des Meisters, welches Bartolozzi gestochen hat. Andere Zeichnungen enthalten Karikaturen, Pferde und andere Thiere, allerlei Entwürfe für Optik, Perspektive und Hydraulik, eine Stückgießerei und allerhand Kriegsmaschinen, Landkarten, und endlich auch eine grosse Menge anatomischer Zeichnun- gen mit erklärender verkehrter Schrift. Ueber diese anatomi- schen Blätter haben wir schon oben berichtet. Es ist diess einer der 13 Bände, welche Cav. F. Melzi zusammenfügte. J. Cham- berlaine hat einen Theil dieser Zeichnungen bekannt gemacht, unter dem Titel: Original designs of the most celebrated Masters, comprising some of the works of L. da Vinci, the Carracci etc. in his Majesty's collection. Engraved by Bartolozzi, Tomkins, Schiavonetti etc., with a biograph, and histic sketches of L. da Vinci and the Carracci. London 1796, 1812, gr. fol. Nur der erste Theil enthält aber Facsimiles von Handzeichnungen Leonar- do's. Auch R. Dalton hat einige Blätter mit Zeichnungen aus der brittischen Sammlung bekannt gemacht: Recueil de 13 pieces d'apres les dessins de L. da Vinci, qui sont dans la collection du Roi d' Angleterre. Dieses Werk enthält Leonardo's Bildniss, männliche und weibliche Köpfe, einen stehenden Mann als Karikatur bei
Vinci, Leonardo da.
einem fünfseite, zwei Blätter Croquis und zwei Blätter mit Perlen, fol. 5
Auch in der Sammlung des Generals Guise in Christ-Church- College zu Oxford sind einige interessante Blätter von ihm, be- sonders reich war aber die Sammlung des Malers Sir Thomas Lawrence in London, welche nach dessen Tod zerstreut wurde. Die Kunsthändler Woodburn brachten die Sammlung durch Kauf an sich, und ließen dann einzelne Kunstschätze ab, wie die berühm- ten Zeichnungen der Apostelköpfe zum Abendmahl an den König von Holland etc. Wir haben aber ein Verzeichnis der Kunst- sammlung des Th. Lawrence, unter dem Titel: The Lawrence Gallery. Catalogues of the choicest specimens of original drawings by the great masters etc. All collected by Sir Th. Lawrence and exhibited at Mess. Woodburn's Gallery. London 1835 30, & Vas. fünfte Heft beschreibt 100 Zeichnungen von L. da Vinci, Giulio Romano, F. Primaticcio, und P. de' Vaga.
Leonardo da Vinci fertigte auch eine Menge von Zeichnungen, wie sie ihn gerade der Moment einjgab. Darunter gehören die vielen Studien nach dem Leben. Wenn er irgend einem Menschen mit ungewöhn- lichen Gesichtszügen, Bärten oder Haarschnitten begegnete, prägte er sich seine Gestalt also ein, dass er sie im Hause getreu zeichnen konnte. Dann ging er Missetätern bis zur Richtstätte nach, um ihre Todesangst und Verzweiflung zu betrachten. Viele andere Zeichnungen entwarf er in Gesellschaft, wo er alle Gäste zu erheitern wusste. Bei dieser Gelegenheit zeichnete er gerne Carrikaturen, welche Lachen erregten. Lomazzo (Trattato della pitura I, 1.) erzählt, dass er einst Bauern zum Mahle geladen hatte, denen er so lächerliche Geschichten erzählte, dass sie vor Lachen die tollsten Gebärden machten, worauf er hinging und sie so getreu zeichnete, dass man sich bei Betrachtung der Blätter des Lachens nicht enthalten konnte. Hier sind auf diesen Zeichnungen Namen beigeschrieben, und da sie den mailändischen Dialekt verraten, so kann man annehmen, dass in Mailand ein Theil der Carrikaturen entstanden sind. Eine bedeutende Anzahl von solchen sind gestochen, schon in oben genannten Werken von Gerli, Mantelli und Chamberlain, dann in eigenen Sammlungen, wie folgt:
Variae figurae et probae artem picturae incipiendae juventuti utiles, a Wenceslao Hollar Boh. exc. f. aere inc. Antverpiae Anno 1645.
Die Zeichnungen, nach welchen Hollar diese seltene Folge mit geistreich gezeichneten Köpfen, monströsen Profilen, und anderen Entwürfen,
Variae figurae et probae a W. Hollar Bohemo collectae 3 aqua forti aerı, insculptae. Antverpiae Anno 1645. Clement delaf excudit. Folge von 12 Blättern mit Charakterköpfen und Büsten, qu. 12. und qu. 8.
Diversae effigies a W. Hollar aqua forti aeri insculptae. Antverpiae 1648. Folge von 12 Blättern mit Charakterköpfen, auf einem Blatte, der Todtenkopf am Schluss, qu. 12. und qu. 8.
Eine Folge von 12 kleinen Blättern mit comischen Köpfen, Leonard da Vinci inv. W. Hollar fecit. H. 2 Z. 4 L, Br. 1 Z. 8. Recueil de têtes de caractere et charges, dessines d'après L. da Vinci florentin et gravées par le Comte de Caylus. numerierte Köpfe in Rundungen, je sechs auf einem Blatte, 12 Zeichnungen aus dem französischen Cabinet, und aus jenem
gen nach. Zeichnungs-Imitation von Ph. Calmer, qu. fol.
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