Vinchon, Auguste Jean Baptiste, Historienmaler, geboren
Paris 1780, war Schüler von Serangeli, und gewann 1810
den zweiten großen Preis mit dem Bilde, welches Jakobs Tod
der Genesis vorstellt. Im folgenden Jahre concurrirte er um
den ersten Preis, welcher durch ein Gemälde aus der alten Geschichte
gewonnen werden musste. Es stellt den Diagoras vor, wie
seine beiden Söhne zu Olympia in den Tempel tragen, wo er
Todes findet. Dieses Bild hat viele Verdienste, sowohl in der
ständigen Vertheilung der Gruppen, als in der brillanten Färbung.
Auch war Vinchon bereits in der Technik Meister, welche es
in der Folge zur höchsten Bravour des Pinsels steigerte.
Der grosse Preis setzte ihn in den Stand, in Rom seine Studien
fortzusetzen; die Meisterwerke, welchen er hier begegnete, äff-
tet er, aber nichts in seiner Anschauungsweise. In S. Trinità al Monte
Pincio ist eine Kreuzigung in Fresco von ihm, welche alle Züge und Fehler
der modernen französischen Schule besitzt, nur dass er damals noch der
gemäßigteren Richtung huldigte, welche später unberücksichtigt blieb.
Ein anderes schönes Bild aus der Zeit seines römischen Aufenthaltes
(1816) ist durch den grossen Stich von A. Caron bekannt.
Es stellt den Cyparissus dar, wie er das verwundete Bein
verbindet. Sein Gemälde mit Ajax, welcher die Güter herbeiholt,
fordert (1810), streift in der energischen Handlung an die Helden der Bühne, Nach seiner Rückkehr aus Italien erhielt er den Auf- trag, die Capelle des heil. Moriz in St. Sulpice mit Fresken zu schmücken, da er in Rom durch mehrere Werke dieser Art seine Tüchtigkeit in der Technik der Frescomalerei bewiesen hatte. Die Bilder sind aus dem Leben des heil. Moriz genommen, und durch lithographirte Nachbildungen bekannt, welche Vinchon mit We- ber, Renoux und d'Hardivilliers ausführte. In den beiden Sälen des Tribunal de Commerce im Börsenpalais sind Bilder grau in Grau von ihm gemalt. An dem einen der Plafonds stellte er die Abundantia dar, wie sie die Industrie belohnt, und an dem an- deren die Wahrheit, welche die Falschheit entlarvt. In anderen Räumen sind allegorische Figuren zu sehen, ebenfalls Grisellen. Später malte er in vier Sälen des Musée du Louvre 35 Bilder nach Art des Basreliefs, bei deren Ausführung ihm 1827 auch an- dere Künstler behülflich waren. Im Tribunal de premiere Instance ist ein grosses Frescobild, welches den Heiland darstellt. Im Jahre 1853 setzte er die Grisellen im siebenten Saale des Louvre fort, und wählte da Darstellungen aus Homer.
Inzwischen malte Vinchon auch Bilder in Öl. Im Lazareth zu Marseille ist ein grosses Gemälde, welches die Aufopferung des jungen Mazet vorstellt (1822), und im Museum zu Orleans sieht man ein anderes grosses Bild, Jeanne d'Arc auf den Mauern der genannten Stadt. Auch Genrebilder malte der Künstler zuweilen. Im Jahre 1827 sah man das Bild eines alten Griechen auf der Brandstätte seines Hauses, Properz und Cynthia in Tivoli, und einen Hirten, welcher an der Ruine eines römischen Kaisergrabes schläft. In der Capelle St. Vincent de Paul sind zwei schöne Ge- mälde in Öl, welche die Religion als Trösterin im Leiden und im Tod vorstellen. Von den romantischen und heidnischen Hi- storien, welche der Künstler bis 1813 zu Tage förderte, heisst es im Kunstblatt des genannten Jahres, dass sie Proben kalter, see- lenloser Bravourmalerei seyen. Schliesslich erwähnen wir noch die grossen Bilder, welche er im Auftrage der Regierung für das historische Museum in Versailles ausführte. Sie stellen den Ein- zug der Franzosen in Bordeaux 1451, die Krönung Carl VII. in Rheims 1429, den grässlichen Kampf im Saale des National- Convents am 1. Prairial An III., die Einweihung der constitution- ellen Charte 1814, und die feierliche Sitzung bei Eröffnung der zwei Kammern 1842 dar.
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