Vignon, Barthelemy, Architekt , geboren zu Lyon 1760, begann
seine Studien an der Akademie in Paris unter David Leroy und machte sich durch eine grosse Anzahl von Entwürfen bekannt, deren aber wenige zur Ausführung kamen, obgleich ihm mehrere Preise zu Theil wurden. Im Jahre 1705 wurde sein Plan zu einem Palais des Tribunaux de Paix ausgezeichnet. Er hatte dabei die römischen Prätorien im Sinne, und zum Peristyl nahm er die bei- den kleinen Tempel zu Pola in Istrien zum Vorbild. Im Jahre 1800 brachte er das Modell zur Ausstellung, es blieb aber dabei. Landon, Annales V, 55., gibt eine Abbildung dieses Werkes. Zwei andere Entwürfe, welche in dem bezeichneten Jahre die von der Regierung ausgesetzten Preise erhielten, geben ein Monument zu Ehren der für das Vaterland gefallenen Krieger (Landon XII, 87), und eine Ruhmessäule der französischen Armeen. Damals concurrirten elf Künstler, welche Geldbelohnungen von 2000 bis 6000 Fr. erhielten, kein Projekt wurde aber ausgeführt. Das Monument der Gefallenen sollte auch die Stelle eines öffentlichen Brunnens versehen, was von Kennern nicht gebilliget wurde. Den Entwurf zur Ehren-Colonne wählte der Kaiser seiner Einfachheit wegen aus, die Jury hatte aber dem Architekten Vignon nur das Accessit zuerkannt. Im Jahre 1801 erhielt er für den Entwurf einer Co- lonne zu Ehren des Frieden bringenden Mars oder zur Feier der französischen Triumphe den Preis, und für den Plan zu einem Denk- mal des General Desaix eine goldene Medaille, die Ausführung unternahm aber der Bildhauer Fortin nach dem Plane von Percier. Vignon's Entwurf ist in Detournelle's Grands prix d'Architecture, und in dessen Recueil d'Architecture abgebildet. Im Jahre 1802 überreichte er dem Ministerium des Inneren den Plan zu einem Schlachthause, wobei er alle Vorschriften der Sanitäts-Polizei ins Auge gefasst hatte. In Detournelle's Projets choisis IV, 2. und bei Landon XI, 35. findet man die Abbildungen dieses verständigen Planes. Aus dem Pausanias Francais, Paris 1806 p. 506, ersehen wir auch, dass der Künstler den Plan zu einem Bankhause und einem Handelsgerichtshof gefertiget habe, welcher auf dem Platze der Magdalenenkirche errichtet werden sollte. Ob sich dieses so verhält, lassen wir dahin gestellt seyn, da Gabet Dict. de Artistes, Paris 1831, nichts davon erzählt. Wir haben aber von einem Ar- chitekten Pierre Vignon die folgende Schrift, welche sich auf jene Pro jekte bezieht: Mémoire sur un projet pour placer, conformé- ment aux intentions des S. ..., la Bourse, le Tribunal de com- merce et la Banque de France, dans les constructions de la nou- velle église de la Madeleine. Paris 1806, 4. Dieser P. Vignon gab auch folgendes Werk heraus: Monuments commémoratifs pro- jetés en l'honneur de Louis XVI., et de la famille. Paris 1816, et sur le Rétablissement des académies des beaux-arts. Paris 1814, 4. Von unserem B. Vignon ist ferner der Plan zu einem Irrenhause, welcher für Dr. Tenon's Memoires sur les aliénés, und für Durand's Parallele d'Architecture gestochen wurde.
Vignon hatte aber auch als praktischer Architekt eine glän- zende Periode. Er leitete mit Thibaut den inneren Umbau des Pa- lais de l'Élysée, und des Schlosses von Neuilly für Mme. Murat, Königin von Neapel. Dann verschönerte er das Schloss und den Park von Malmaison, und hatte den Titel eines Architekten der Kaiserin Josephine. Die Bergerie und das grosse Treibhaus sind nach seinen Zeichnungen neu gebaut. Auch Louis Bonaparte, der nachmalige König von Holland, ernannte ihn zu seinem Baumeister. Es war ihm die innere Decoration seines Palastes in Paris und des Schlusses St. Leu anvertraut. Vignon war auch Mitglied
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