Vieira de Mattos, Francisco, Maler und Radirer, genannt Vieira Lusitano, wurde 1660 zu Lissabon geboren, und zeigte schon in jungen Jahren entschiedene Anlage zur Kunst. Der Mar- quis von Abrantes, portugiesischer Gesandte, nahm ihn desswegen mit sich nach Rom , wo Vieira unter Lutti und Trevisani sieben Jahre den Studien oblag, und einige Preise gewann. Er zeichnete mit Eifer nach der Antike, kopierte auch mehrere Bilder der Car- racci im Palazzo Farnese , so wie solche von Rafael und Michel Angelo, und galt daher bei seiner Rückkehr in Lissabon für einen fertigen Maler. Jetzt übertrug ihm der König die Ausfüh- rung eines grossen Gemäldes, welches das heil. Sakrament zum Gegenstande hatte, so wie andere Bilder für die Patriarchalkirche, welche er unvollendet liess. Vieira hatte zur Tochter eines ange- sehenen Spaniers, zur Donna Inez Elena de Lima y Mello, eine leidenschaftliche Liebe gefasst, da er schon als Knabe im Hause Zutritt hatte. Die Besuche setzte er nach seiner Rückkehr von Rom fort, und war fortan wohl gelitten, bis die Eltern das zärtli- che Verhältniss erfuhren. Jetzt musste Inez den Schleier nehmen, worüber Vieira in Verzweiflung gerieth. Er warf sich dem Könige zu Füssen, um durch seine Verwendung die Hand der Donna zu erhalten; allein seine Bitten waren vergebens, obgleich der Künst- ler das Bildniss des Königs zu vollster Zufriedenheit gemalt hatte.
Vieira bildete einige Schüler, hatte aber noch mehr Nach- ahmer. Zu den ersteren gehören Joachim Manoel da Rocha, Ant. Joachim Pedrao, Pedro Matheos, Margado de Setubat und Catha- rina Vieira, die Schwester des Meisters. Im Hause Moreira Dias zu Lissabon sind zwei Bilder von ihr, die Evangeliste: Johannes und Lucas. Sie soll nach Vieira's Zeichnungen auch mehrere Bil- der für die Capelle des heil. Joachim gemalt haben.
Folgende Blätter sind nach ihm gestochen.
Die Vermählung der heil. Jungfrau. Ang., Ricci del. P. L. Bombelli inc. 1761, gr. fol.
Die Ruhe der heil. Familie auf der Rückkehr von Aegypten, P. L. Bombelli sc. Romae 1773, fol.
Die Madonna mit dem schlafenden Kinde. Agost. Ratti scul. Val, 12. ;
St. Eligius, gest. von C. Gregori, fol.
Die Marter des heil. Lorenz, in einem Rahmen, Fran. Vieira invent. et delin. Gabriel Mathieu incise, fol.
Die Verwandlung der Nymphe Egeria, radirt von Faucci 1701, fol.
Die Entdeckung der Schwangerschaft der Calisto, Royer exe., fol.
Phalaris und Perillus, gest. von A. Ratti. Dieses Blatt soll in Folge einer Wette entstanden seyn. Ratti wollte in einer Nacht fertig werden.
Eigenhändige Radirungen. Diese Blätter sind kräftig behandelt, und nicht häufig zu finden.
Die Geburt des Johannes, rundes Blatt, in den untern Ecken der viereckigen Einfassung die Dedication an seine Freunde. In der Mitte unten: Franc. Vieira Luzitano invento et fec., fol.
Die Flucht nach Aegypten, nach N. Poussin, fol.
Ein solches Blatt fanden wir dem F. Vieira zugeschrieben, wir konnten uns aber von der Richtigkeit der Angabe nicht überzeugen.
- Die Marter der heil. Ursula mit ihren Gefährtinnen. Fran.
Vieira inventor fecit Romae sculp. per Anno 1717, fol.
Es finden sich schwarze und rothe Abdrücke. 4) Neptun verfolgt die Coronis, welche mit Flügeln versehen unter dem Schutze der Minerva entflieht. Oben rechts Amor. Links unten auf der Tafel: Se Pallas divide anciosa etc. Franc. V. Luzit. inv. pinxit et sculpsit Romae 1724. Kräftig radirtes Hauptblatt, von Weigel auf 2 Thl. gewerthet. H. 10 Z. 6 L., Br. 8 Z.
I. Wie oben, aber ohne Jahrzahl. II. Mit der Schrift rechts unten: Fran. Vieira inv. pin. 1724
Allegorie auf den Tod eines früh verstorbenen Künstlers. Die Parzen erscheinen an seinem Todbette, und Atropos
Allegorische Darstellung. Rechts auf einem Piedestal sitzt der königliche Genius mit dem Lusitanischen Wappenschilde, und die in der Mitte stehende Figur hält als Äbtissin eccle- siastica den Saturn gefesselt. Rechts sitzt ein Flussgott mit dem Drachen. Links unten: Fran. Vieira Luzitano inven. et escul. Lisboa 1728. Im Rande zwei Strophen: Se a sombra do Real Genio se apura etc., fol.
Ein junges sitzendes Weib mit dem Vogel in der Hand, wie sich ein nacktes Kind an sie lehnt. F. Vieira fec. In Crayon- stich und rot gedruckt, Schönes Blatt, H. 5 Z. 2 L., c.
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