Vieillevoye, Francisco, genannt Vieira Portuense, von seiner Ge- burtsstadt Porto, wurde von seinem Vater Domingo Francisco in den Anfangsgründen der Kunst unterrichtet. Dieser war Droguist, malte Ländschaften in Pleinair's Manier, und wollte auch in sei- nem Sohn einen Landschafter herangebildet sehen. Francisco verband aber zugleich das Studium der menschlichen Figur, wobei ihn João Camo behilflich war. Von der Compagnie des Douro 1780 mit einer Pension von 30.000 Reis beschenkt, begab er sich nach Rom, wo Domenico Corvi ihn aufnahm, welcher zwar als Zeichner streng war, aber keinen Farbensinn hatte. Im Jahre 1791 erhielt er in Rom den ersten Preis für die am schönsten bekleidete Figur, nach einiger Zeit ging aber der Künstler nach Parma, um die Werke des Correggio zu studiren. Hier fand Vieira großen Beifall, und der Herzog bestellte ihn zum Zeichenmeister einer der Prinzessinnen. Bald darauf übertrug ihm die Akademie das Rektorat. In Parma fertigte er eine treffliche Copie von Cor- reggio's S. Hieronymus, welche jetzt der Herzog von Palmella be- sitzt. Auch die berühmte Magdalena copirte er. Diese Nachbil- dung erhielt später Luis Pinto de Balsam. Dann zeichnete er auch Fresco- und Oelgemälde nach Correggio, dem Carracci, von Parmegiano etc. Diese Zeichnungen wurden in Raspina's Schule gestochen: Le plus instru Pitture Parmensi, 60 Blätter, Parma, Bodoni 1800, fol. Im Jahre 1794 nach Rom zurückge- kehrt, blieb er noch drei Jahre in dieser Stadt, bis er mit B. Cal- listo nach Deutschland sich begab. Längere Zeit fesselten ihn
Dresdens Kunstschätze, wo er mehrere Meisterwerke der Gallerie copirte. Hierauf ging er nach Hamburg, und dann nach London, wo er das Bildniss Bartolozzi's malte, und auch eine grosse Platte zu radiren begann, welche aber nicht vollendet wurde. In Lon- don malte er das durch Bartolozzi's Stich bekannte Bild des Vi- ratus, und eine grosse Kreuzabnehmung für die Capelle des por- tugiesischen Gesandten D. João d'Almeida. Ein bewundertes Bild war jenes der unglücklichen Inez de Castro, welche ihre Kinder Alfonso IV. vorführt. Nicht weniger schön fand man ein Gemälde mit Jupiter und Leda, welches Bartolozzi im Stiche bekannt machte.
Im Jahre 1802 kehrte Vieira nach Lissabon zurück, in Be- leitung der Nichte Bartolozzi's, welche er kurz zuvor heirathete. Der Friede zwischen Frankreich und Portugal gab ihm Ge- legenheit zu einem grossen Gemälde, welches bei einer Ceremonie in S. Dominga aufgestellt wurde. Es stellt die Lusitania vor, um- geben von den Tugenden, den Künsten und anderen allegorischen Gestalten. Die Lusitania trägt das Bildniss des Königs Juan VI. am Halse. Hierauf wurde er zum Direktor der Akademie in Porto ernannt, wo er kaum eingetroffen war, als er durch Empfehlung des D. João d'Almeida und des Grafen d'Anadia das Dekret des ersten Malers des Königs erhielt. Er bezog einen Gehalt von 2.000.000 Reis, musste aber dafür mit Dom. Ant. Sequeira den k. Palast in Ajuda mit Gemälden verzieren. Sein letztes Werk stellt den Duarte Pacheco dar, wie er die Passage von Cambalam zu Cochim verteidigte. Dieses Bild ist im Palast zu Mafra, aber nicht ganz vollendet, da der Künstler erkrankte. Man brachte ihn nach der Insel Madeira, wo er 1805 im 30. oder 40. Jahre starb. Vieira Portuense gilt neben D. A. Sequeira für den ersten Maler Portugals seiner Zeit. Er hatte eine bewunderungswürdige Leich- tigkeit in Handhabung des Pinsels, welche auch seiner Erfindungs- gabe gleichkommt. Hierin, und als Colorist steht er über Sequiras, kommt ihm aber in Correctheit der Zeichnung nicht gleich, wenn auch seine Bilder der Grazie nicht entbehren. Graf A. Raczynski, Dict. hist. art. du Portugal, Paris 1847, gibt Nachricht über die- sen Meister.;
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