Viehl, P.

Viehl, P., s. Viel,

le, le, der Name einer aus der Normandie stammenden Familie, welche zwei Jahrhunderte Glasmaler zählte.

Guillaume le Vieil; der älteste dieses Geschlechtes, arbeitete in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts für verschiedene Kirchen der Normandie, doch erreichte er die Vorzüge der älteren Meister nicht mehr. Zu seiner Zeit war diese Kunst bereits im Verfall. Sein gleichnamiger Sohn wurde 1640 in Rouen geboren, und er- erbte das Geheimniss der Farbenbereitung und des Schmelzens der Gläser vom Vater. Ihre Arbeiten sind nicht zu unterscheiden. Im Jahre 1685 besserte er die Fenster des Domes in Rouen aus, und fügte neue Stücke hinzu. In der Kirche des heil. Kreuzes zu Or- leans sind ebenfalls Glasmalereien von ihm. Sein Erwerb war ge- ring, denn er starb in dürftigen Umständen. Sein Sohn, ebenfalls Guillaume genannt, wurde um 1676 in Rouen geboren, und von J. Jouvenet, seinem Großvater mütterlicher Seits, unter- richtet, sodass er selbstständiger erscheint, als seine Vorgänger. Hierauf weihte ihn der Vater in seine Kunst ein, welche er fortan pflegte, und noch zu einer gewissen Nachblüthe brachte. Im Jahre 1695 nahm sich der Bau-Intendant Mansart in Paris seiner an, und von dieser Zeit an fehlte es ihm nicht mehr an Arbeit. Er malte in der k. Capelle zu Versailles einige Friesen, das Wappen des Dauphins am Stiegenfenster im Schlosse zu Meudon , einige Fenster der Invalidenkirche zu Paris, wozu F. le Moine, sein Jünger, J. Jouvenet, Restout und Fontenay die Cartons geliefert hatten, sol- che in der Capelle St. Marie in Notre Dame, in St. Nicolas- du-Chardonnet, und St. Roch zu Paris. Für diese Kirche be- stellte auch ein Privatmann bei ihm Bilder, welche er aber später nicht mehr bezahlen konnte. Sie stellen die heilige Familie dar.

Der jüngere G. le Vieil hatte einen Sohn, Namens Jean le Vieil, welcher von F. Jouvenet und Varin unterrichtet wurde. In Notre- Dame zu Paris (Capellen Noailles und Beaumont), im Hôtel de Toulouse, in St. Bernardin, im Schlosse zu Crepy, in der Capelle zu Versailles u. s. w. hinterliess er Glasmalereien, wovon sich nur ein Theil erhalten hat. Er starb 1755.

Sein Bruder Pierre le Vieil, geb. zu Paris 1702, widmete sich den Wissenschaften, und wollte in den Benediktiner Orden treten, als der Vater starb, und zehn unmündige Kinder hinterliess. Jetzt fing er an, die väterliche Kunst zu betreiben, und erlangte vor allen Künstlern dieses Namens Ruf, vorzugsweise durch sein Werk über Glasmalerei. Überigens fand er nur Gelegenheit zur Restau- ration alter Glasmalereien. Er besserte die Fenster in Notre Dame zu Paris, in St. Etienne du-Mont, in St. Victor etc. aus. P. le Vieil war noch im Besitze des Geheimnisses der Farbenbereitung und des Schmelzens, fand aber die gehörige Aufmunterung nicht, und begnügte sich somit, das Verfahren der Nachwelt in einem eigenen Werke zu überliefern, welches beim Tode des Meisters (um 1771) im Manuscripte vollendet war. Louis le Vieil, der Sohn des Jean le Vieil, welcher ebenfalls auf Glas malte, gab es unter folgendem Titel heraus: L'art de la peinture sur verre et de la vitrerie, Paris 1774, 4. Im Jahre 1770 erschien zu Nürnberg eine deutsche Uebersetzung. Dieses Werk wurde in neuerer Zeit eifrig studirt, trug aber zur Restauration der Glasmalerei wenig bei, indem sich die praktischen Vortheile, die nur vor dem Schmelz- ofen und im Laboratorium erworben werden, nicht auf Papier fest- fassen lassen. Zur Zeit des Künstlers war die Glasmalerei fast un- tergegangen, und le Vieil selbst nur im geringen Grade eingeweiht. Die alten Recepte theilte er freilich getreu mit. Niemand konnte aber darnach Bilder schaffen, wie wir sie in alten Kirchen bewun- dern. Diese Kunst wurde gleichsam wieder neu erfunden, zunächst

in München, wo Frank ohne P. le Vieil die alte Farbenpracht aufschloss.

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