Vicentino, Giuseppe Nicolo

Vicentino, Giuseppe Nicolo, heisst jener Formschneider, nach welchem Vasari im Leben des Marc Anton Joannicolo Vicentini nannte, wodurch sich in die chalcographischen Werke Irrthümer einschleichen konnten. Man wollte den Joannicolo Vicentino des Vasari retten, konnte aber den Joseph Nicolaus Vicentinus nicht damit zusammen- bringen, dessen Name auf Holzschnitten vorkommt. Vasari musste als Autorität gelten, und um seinem Joannicolo die Stelle zu sichern, sollte dieser dem unabweislichen Joseph Nicolaus gegenüber Johann Nicolaus Rossilianus oder Giannicolo Rossigliano heissen. Dieser Rossigliano ist aber fingiert, und somit kam der erste Irrthum, zunächst durch Papillon, ein Falsum. Vasari baute deshalb den abgekürzten Namen Jo. willkürlich für Johann statt Joseph gelesen, und darin liegt das ganze Geheimniss.

Der volle Name dieses Meisters: Joseph Nicolaus Vicentini, steht auf einem Helldunkel nach Parmesano, die Heilung der Aussätzigen vorstellend. Doch sind nur die ersten 4 Drucke mit diesem Namen versehen. Im Jahre 1608 setzte Andr.

Dem Joseph Nicolaus Vicentinus gegenüber tritt der Form- schneider Nicolo Boldrini, welcher nach einigen von Vicenza , nach anderen von Trento stammt, und mit dem Obigen für Eine Person gehalten wird. Huber nimmt zwei Künstler an, und lässt beide um 1510 geboren werden, den Boldrini sonderba- rer Weise in Wien, so wie es ist, der dem Papillon in Deutsch- land Stimme verschaffte. Der Joannicolo des Vasari heisst bei ihm Nicolai Vicentino, genannt Rossigliani. Ein urkundlicher Beleg für Boldrini ist das grosse Blatt mit Tizians Venus und Cupido, auf welchem steht: Nicolaus Boldrinus Vicentinus incide- bat 1566. Auf anderen Blättern liest man: Nic. bol., und Nich. B. V. T. Dann werden auch Monogramme auf diesen Künstler gedeutet, wie der Buchstabe B mit dem I. quer durch.

Es findet sich auf einem Blatte mit der Anbetung der Hirten nach Tizian. Heller (Gesch. d. Holzsch. 185) legt dieses Zeichen dem

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Hans Burgkmair bei, weil es sich auch auf dem Bildnisse des Schwarzenärgers nach Dürer findet. Heller deutet dagegen die Buch- staben S. B. auf Boldrini, welche demnach Sculpsit Boldrini be- deuten müssten, was dahin gestellt bleibt. Auf einem Blatte mitt- lerer Grösse mit der Kreuzabnehmung stehen in einer Einfassung die Buchstaben B. F., welche Boldrini Fecit bedeuten sollen. Ge- wagter ist die Erklärung eines Monogramms, welches aus den zu- sammenhängenden Buchstaben ND. und B. besteht. Sie sollen Nicolo Detto Boldrini heissen. Zum Artikel über Boldrini werden wir einen Nachtrag geben. Bis dahin verweisen wir auf das Werk von Baseggio.

Aus dem Gesagten geht hervor, dass die früheren Nachrichten über Jos. Nic. Vicentini und Nic. Boldrini verwirrt sind. Grösseres Licht verbreiteten die neueren Schriftsteller darüber, vornehm- lich G. B. Baseggio, Memorie dei tre celebri Intagliatori in legno Vicentini, Venezia, 8. In zweiter, verbesserter Ausgabe: Intorno a tre celebri intagliatori in legno Vicentini. Memoria di Giamb. Ba- seggio. Bassano 1843, 8. Dieses Werk enthält das Leben der Formschneider Giuseppe Nicolo Vicentino, Nic. Boldrini und Giu- seppe Scolari. Interessant ist auch das Werk von Gius. Cadorin, l'acsimile dei più rari Intagli in legno disegnati da Tiziano. Auf Stein gezeichnet von Aug. Tramontini. I, Heft, Venezia 1843, roy. fol. Dieses Werk enthält Copien seltener Blätter von N. Vicen- tino und N. Boldrini.

Blätter von J. N. Vicentini

  1. Anbetung der Könige. Maria sitzt links mit dem Kinde auf dem Schoosse, welchem sich ein König knieend naht. Der zweite umarmt den heil. Joseph, und der dritte emp- fängt aus der Hand seines Dieners eine Vase. Im Grunde links kommt das Gefolge der drei Magier heran. Links am Stuhle der heil. Jungfrau: F. P. (Franc, Parmensis). Hell-

"Vicentini, Giuseppe Nicolo.

dunkel von drei Platten, von Bartsch, P. gr. XII p. 20. dem Vicentino beigelegt. Im zweiten Drucke steht an der Stelle der Buchstaben F, P., das Monogramm des A. An- dreani mit der Jahrzahl MDCV. H. 6 Z. 1 L., Br. 8 Z. 10 L.

Die Anbetung der Könige. Maria sitzt rechts auf dem Bo- den mit dem Kinde im Schoosse, und die Könige bringen links knieend ihre Geschenke dar. Der Stall ist rechts im Grunde, links der Zug der Könige. Rechts unten sind die Buchstaben F. P. (Franc. Parmesano), Helldunkel von drei Platten, von Bartsch 1. c. p. 30. dem Vicentini beigelegt, H. 12 Z. 8 L., Br. 9 Z. 3 L.

Christus heilt die Aussätzigen. Er geht mit seinen Jüngern nach rechts hin, und wendet den Kopf nach den Kranken um, welche ihn um Hilfe anflehen. Eines der meisterhaf- testen Blätter nach Parmesano's Zeichnung. Helldunkel von drei Platten, Rechts unten: Joseph Nicolaus Vicentini, da- neben eine laubähnliche Verzierung, als Schneidmesser- versuch zu betrachten. I. Wie oben. ; II. Mit dem Zeichen des Andrea Andreani und der Schrift: in Mantova 1608. ' Zani hält Vicentini's Blatt irrig für Copie nach A. An- dreani. Man sieht oberhalb des Monogramms von Andreani die deutlichen Spuren des Wortes Joseph.

Die heil. Jungfrau von Heiligen umgeben. Sie sitzt mit dem Kinde auf dem Schoosse in Mitte des Blattes, und legt ihre Hand auf den Nacken der links knieenden St. Mar- garetha. Dabei steht St. Anton der Eremit und St. Maria

Magdalena, und rechts vorn sieht man den hl. Philippus mit

  • einem Engel, Rechts unten: F. P. Nic. Vicentino F.

Helldunkel von drei Platten. H. 30 Z. 6 L., 8 Z. 8 L.

Die Sibylla Tiburtina zeigt dem Augustus die heil. Jungfrau im Himmel. Sie sitzt auf den Wolken von Engeln um- geben, und blickt nach dem Kaiser, welcher staunend die Hände erhebt. Hinter ihm bei der Säule sieht man zwei Diener. Vasari legt eine solche Darstellung nach Parmi- giano's Zeichnung dem Anton da Trento bei, Helldunkel von zwei Platten, Die Wiederholung dieses Gegenstandes in drei Platten erklärt Bartsch, P. gr. XII. p. 40. als wahr- scheinlich Arbeit des J. N. Vicentino, Man unterscheidet dieses Blatt von jenem des A. da Trento an dem Pfeiler und der Säule rechts über den Dienern. Sie sind nicht mit Laubwerk geziert. H. 12 Z. 8 L., Br. 9 Z. 9 L.

Clelia entflieht mit ihren Gefährtinnen aus dem Lager des

Porsenna. Sie erscheint gegen den Mittelgrund zu Pferd, und links breiten sich die Zelte aus. Helldunkel von drei

Platten. Links unten: Matthring Jos. Nic. vs Vicent. H.

II.

10 Z. 5 L., Br. 15 Z. 10 L.

Wie oben. |

Statt der obigen Schrift: Matthrin Invent 16 (das Zeichen A. Andreani's) 08. In Mantova, Es wurde von Andreani eine neue Lichtplatte angewendet. Die Wellen des Flusses sind nur wenig angedeutet, während sie im alten Drucke stark mit Strichen bedeckt sind.

  1. Ajax gibt sich in Gegenwart des Agamemnon und der an-

deren Feldherren den Tod. Er fällt links zu Boden und

und stemmt den rechten Arm gegen die Erde, Helldunkel von drei Platten, nach einer Zeichnung des Polidoro Ja Ca- ravaggio. Rechts unten: Pvlidoro Car. Jo, Nic, Vicen, H. 11 Z. 6 L., Br. 15 Z. 4 L.

  1. Wie oben.

1, Die ursprüngliche Schrift durch folgende ersetzt: Polidoro da Caravaggio Invent. (das Zeichen Andreani's) in man- tova 1598.

  1. Diana auf der Jagd. Sie eilt mit ihren Hunden nach links hin, und im Grunde wird der Hirsch von zwei Hunden überwältigt. Helldunkel von zwei Platten, nach Parmesa- no's Zeichnung. Bartsch 1, c. p. 113 erklärt dieses Blatt als Arbeit des A. da Trento, oder des J. Vicentini, H. 3 Z. 1c L., Br. 5 Z. 0 L.

  2. Herkules erwürgt den Nemäischen Löwen. Er umschlingt im Profil nach links das Thier mit den Armen. Im Grunde ist eine Höhle, wo der hintere Theil eines Löwen sichtbar wird. Rechts vorn lehnt die Keule des Heros, Helldunkel von zwei Platten. Links unten am Steine: Raph, Vr. — JO, Nic Viceno Ho 9 z. 3 Lo, Br. 7 Z. 1 Lo

ll Wie oben.

lll, Mit der Schrift: Raph. Vr., und das Zeichen des A. An- dreani.

Diesen schönen Holzschnitt schreibt G./B. Baseggio dem N. Boldrini zu. Bartsch l. c. p. 120. gibt nur den Clair- obscur an. Es gibt aber eine gegenseitige Copie im Cha- rakter Boldrini's, Auf dieser erscheint die Keule links,

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