Verschaffelt, Peter von, Bildhauer und Architekt, geb. zu Gent 1710, war als Knabe Zögling seines Grossvaters, eines gewöhnli- chen Holzschäiers; fand aber dann an Minelli einen bessern Meister. Nach erstatdeter Lehrzeit eilte er den Wanderstab , und musste in Paris als armer Jüngling in Bouchardon's Atelier für 25 Solde arbeiten, da ihm dieser Künstler auch den Besuch der Akademie gestattete. Er gewann den ersten Preis, und ver- besserte nach und nach seine Lage in dem Grade, dass er nach zehn Jahren (1737) mit 100 Louisd'or die Reise nach Rom an- treten konnte. Hier fand er an dem Maler Soubleyras einen Freund, und durch den Cardinal Staatssekretär Valenti die Gunst des Pap- stes Benedikt XIV. Der Künstler fertigte die Marmorstatue dessel- ben, welche im Kloster Monte Cassino bei Neapel aufgestellt wurde. Dieser Kirchenfürst übertrug ihm auch noch mehrere an- dere Werke, welche mit grossem Beifall beehrt wurden. Pietro Fiamingho, wie ihn die Römer nannten, fertigte die Statue des Evangelisten Johannes, und vier grosse Basreliefs von Engeln an der Facade der Kirche St. Croce, das Modell zum Engel auf dem Castel S. Angelo, das Brustbild des Papstes für das Capitol, eine Statue des heil. Paulus für die Peterskirche in Bologna , einen Ge- nius mit den päpstlichen Attributen für den Dom zu Ancona u. s. w. Endlich fiel er in die Ungnade des Cardinals Valenti, und da auch seine Gattin mit Tod abgegangen war, verliess er Rom , um ei- nem Rufe des Prinzen von Wales nach London zu folgen. Hier führte er nur wenige Arbeiten aus, da der Prinz nach neun Monaten starb. Der Ruf des Künstlers war aber nach Deutschland gedrun- gen, und daher berief ihn der Churfürst Carl Theodor 1752 als Kunstdbildhauer nach Mannheim. In dieser Eigenschaft organisirte er die Akademie daselbst, welche von dieser Zeit an zu den vor- züglichsten deutschen Kunstanstalten gezählt wurde. Zugleich ver- schaffte ihm der Churfürst Gelegenheit, durch Werke in Marmor seinen Namen auf die Nachwelt zu bringen. In der Jesuitenkirche zu Mannheim sind Statuen, Gruppen und Basreliefs von ihm, und andere Sculpturen zieren den Schlossgarten in Schwetzingen, mei- stens mythologische Figuren. Diese Werke fanden zahlreiche Lob- redner, obgleich es der Künstler nicht sehr genau nahm, und der manierirten Richtung Bernini folgte. Dem Apollo in seinem Tempel gab er die Lyra in die rechte Hand, und als man dieses nicht geeignet finden wollte, antwortete er mit der ihm gewöhnli- chen Laune, Apollo müsste eine klägliche Gottheit seyn, wenn er nicht mit beiden Händen spielen könnte. Viel genauer richtete er den Zopf an seiner Bildsäule des Churfürsten im Rittersaale des Schlosses in Mannheim zurecht, und die Frisur der gnädigsten Gebieterin daselbst. In Brüssel ist die 14 F. hohe Statue des Prin- zen Carl von Lothringen, welche nach seinem Modelle zu Mann- heim in Erz gegossen wurde, und in Gent das eiserne Denkmal des damaligen Bischofs.
In den letzteren Jahren befasste sich Verschaffelt auch mit der Baukunst. Er baute das grosse Zeughaus in Mannheim, und die Kirche in Oggersheim, welche die Lorettokapelle in sich schliesst. Diese Kirche gefiel dem Churfürsten so sehr, dass er den Meister in den Adelstand erhob. Im Jahre 1703 starb er. Ein Ungenannter beschrieb sein Leben: Kurze Lebensbeschreibung des Ritters
Nagler's Künstler-Lex. XX. Bd. 12
† A. Karcher hat für diese Biographie das von Sintenis gemalte Bild- niss des Künstlers gestochen. Im: rheinischen Museum VII. 1797 ist ebenfalls das Bildniss des Meisters, von Karcher nach A. D. Terbusch (Lissensky) gestochen. Böschhauser in Mannheim grä- virte eine Denkmünze mit dem Brustbilde Verschaffelt's. Im Avers mit der Schrift: P. de Verschaffelt, Eq. Rom., im Revers die Alleg- gorie mit der Legende: Surdescensus annis, Aute delector.
Stiche nach diesem Meister. †
Man findet diesem Künstler die meisten der oben im Artikel seines Sohnes Maximilian genannten Blätter beigelegt, da sie ge- wöhnlich nur mit Verschaffelt del. bezeichnet sind. Wir halten den jüngeren Verschaffelt für den Zeichner, welcher als solcher berühmt war. Von unserm Künstler komponirt ist aber der saty- rische Triumph de Midas, welchen E. Verelst gestochen hat. Die- ses Blatt ist äusserst selten. Ausserdem ist von A. Schlicht das Zeughaus in Mannheim gestochen.
Folgendes radirte Blatt wird ihm selbst zugeschrieben:
Fünf Genien, drei mit einem Bock beschäftiget, und ein an- derer eine Maske tragend. Ohne Namen. †
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