Veneziano, Bonifazio

Veneziano, Bonifazio, Maler von Venedig , der Nebenbuhler Ti- zian's, wurde um geboren, und mit einem solchen Talente begabt, dass er zu den Glanzpunkten der venetianischen Schule gehört. Man macht ihn bald zu einen Schüler von Palma vecchio, welcher jünger ist, oder zu jenen Giorgione's, der zu einer Zeit starb, als Bonifazio 11 — 12 Jahre alt war. Andere halten Ti- zian als Antonio's Meister, es ist aber nicht nachzuweisen, dass er Schüler dieses nicht viel älteren Künstlers gewesen ist. So viel ist aber gewiss, dass in Antonio's Werken Tizian's naturgemässe Auffassung und dessen Harmonie der Farben oft so täuschend her- vortreten, dass man bei Betrachtung von ungewissen Bildern fra- gen muss, ob Tizian oder Bonifazio der ä[lt]er[ere] sei. Und wirklich dürfte in auswärtigen Gallerien mancher angebliche Ti- zian ein Bonifazio seyn. Schon Boschini sagt, er folge dem [T]izian, wie der Schatten dem Körper. Doch [e]r ist kein sklavischer Nachahmer desselben, sondern machte sich in origineller Weise die Vorzüge eines Palma, Giorgione und Tizian zu eigen. Er of- fenbar[t] nicht selten ein freies, selbstschöpferisches [T]alent, und verfuhr dabei mit einer Grazie, welche dem Tizian öfters fehlt.

Indessen sind die Schriftsteller über Kunst mit diesem Meister nicht einig, und theilweise im Irrthum. Vasari, Ridolfi, Boschini und Zasmetti nennen ihn richtig einen Venezianer, Sansovino, Lomazzo, Morelli , Lanzi, der Fortsetzer des Cronista Zagata (il Diacon Veronese), und Orlandi verwechseln ihn mit Bonifazio Bembo von Cremona, oder mit Bonifazio Veronese. Der erstere war in Cremona thätig, und wird von Vasari im Leben der Fer- rareser Benvenuto Garofalo und Girolamo de Carpi als einer der guten Maler der Stadt erwähnt. Er starb gegen 1500. Nachrich-

Veneziano, Bonifazio. Zu ihm geben. Zwar Lanzi und besonders Graf B. de Sore- sina, Pittura Cremonese, Milano 1824. Wir haben seiner unter B. Bembo erwähnt. Eine Verwechslung der Werke dieses Meisters mit jenen des Bonifazio Veneziano ist jetzt nicht mehr möglich, und auch Bonifazio da Verona wurde in neuerer Zeit näher bekannt. Er ist es aber namentlich, mit welchem die Ven- ezianer die Ehre theilen musste, und in den Catalogen der Gal- lerien in Wien, Dresden, Paris etc. noch immer statt desselben figurirt, so dass auch in diesem Lexikon der Venezianer Bonifazio nach Lanzi u. A. als Veroneser erscheint, welcher 1553 im 50. oder 62. Jahre gestorben seyn soll, auf die Angabe Zanetti's hin, welcher in seinem Werke: Della pittura Veneziana, Venezia 1771, S. 303 sagt, es finde sich im Necrologio der Kirche S. Ermagora sub 10. Oct. 1553 der Tod eines Bonifazio Pittore angezeigt. Allein Zanotto, Pinacotheca della Accademia Veneta, Ven. 1831 ff. fand im Buche der Compagnia de' Pittori Veneti unter dem Jahre 1530 einen Bonifazio da Verona eingetragen, und diess ist wahr- scheinlich der Bonifazio Pittore des Zanetti, welcher 1553 starb, da nach Moschini, Guida per Venezia 1815 (Nuova Guida 1828) S. 565 die Thätigkeit des Venezianers Bonifazio bis 1570 (richtig 1562) reicht. Dass es zwei Bonifazio gebe, geht auch aus dem Stile der Gemälde hervor, die jetzt alle dem Veneziano beige- legt werden. Seine Werke sind großartig, von herrlicher Färbung, im Geiste Tizian's behandelt, die anderen ohne Kraft der Farbe und trocken. Die Figuren des Veronesers erscheinen gedehnt, meister- haft gezeichnet jene von Bonifazio Veneziano. Die geringeren Arbei- ten sind wahrscheinlich von Bonifazio da Verona, von welchem Sansovino, der Zeitgenosse Vasari's, in seiner Venezia descritta S. 205, 250 Werke beschreibt, während er jene des Venezianers übergeht, und wahrscheinlich nicht kennt. Er schreibt dem Verone- ser das Abendmahl in St. Maria Mater Domini, und die Bilder in der Sakristei von S. Sebastiano zu, wo er 1517 malte. Auch in Verona sind Bilder von ihm, in St. Maria in Organo ein schö- nes Altarwerk. Zancon hat unter dem Namen des Bonifacio da Verona einige Bilder im Umrisse gestochen, sie dürften aber gros- sentheils von B. Veneziano seyn. Bonifazio Veneziano hinterließ in den Kirchen und andern öffentlichen Gebäuden Venedigs zahlreiche Werke, wovon Vasari im Leben des Jacopo Sansovino nur zwei nennt, jene der Kirche der Serviten und von Santo Spirito, mit der Bemerkung, dass er diesen trefflichen, im Colorit sehr vorzüglichen Maler früher nicht gekannt habe. Gegenwärtig sind die meisten Bilder in der Gallerie der Akademie der Künste zu Venedig vereinigt, und in Zanotto's oben erwähntem Galleriewerke gestochen, gr. fol. Das Hauptwerk des Meisters daselbst stellt den Reichen im Evangelio dar, wie er beim Mahle schwelgt, während der arme La- zarus bettelt. Dieses Gemälde ist figurenreich, da Mahl und Con- cert vereinigt sind. Im Kunstblatt 1855 Nr. 05 ist es beschrieben. Ehemals war dieses Bild, welches alle Vollkommenheiten Tizian's in sich fasst, im Besitze der Familie Grimani, und durch den Vice- könig Eugen kam es aus dem Dogenpalast in die akademische Gallerie. Gest. von Zuliani, für Zanotto Pinacotheca. Die Anbetung der Könige, ein ausgezeichnet schönes und großes Bild aus dem Magistrato del monte novissimo, gest. von Viviani. Die Anbetung der Könige, ein Meisterwerk im edlen Style Ti- zian's, ehedem in den Uffizi della Casa del Consiglio de' Dieci, gest. von M. Cuminato.

Der Heiland auf dem Throne umgeben von David, Marcus, S. Ludwig, S. Dominicus und S. Justina. Am Fusse des Thrones spielt ein Engel die Laute. Dieses grosse und herrliche Bild malte Bonifazio 1530 für den Magistrato de' Governatori all' En- trate. Gest. von Zulani,

Die Ehebrecherin vor Christus geführt, eine reiche, lebendige Composition, welche neben dem reichen Prasser zu den ausge- zeichnetetsten Werken des Meisters gezählt werden muss. Aus dem Magistrato del Sale, Gest. von Zuliani.

Christus unter den Aposteln, wie er zu Philippus spricht: Qui videt me, videt et patrem! Dieses Bild wird schon von Vasari gerühmt, welcher es in St. Maria de' Servi sah. Gestochen von Zuliani.

Die heil. Jungfrau mit dem Kinde, welches dem kleinen Jo- hannes das Kreuz reicht. Zur einen Seite sieht man Hieronymus und Bonaventura, zur anderen Catharina, im Style des Palma sen, gemalt, aber grossartiger. Ehedem in der Scuola di S. Pasquale, gest. von Zuliani.

Die heil. Jungfrau mit dem Kinde in der Glorie, in Ehrfurcht und Staunen betrachtet von St. Franz, St. Petrus und Paulus, St. Jakob von Aragonien und St. Clara. Dieses schöne Bild ist ein Denkmal der Frömmigkeit des Procurators Franc. Mocenigo, wel- cher es 1543 anordnete. Es stammt aus der Kirche St. Maria Mag- giore. Gest. von Viviani.

Die heil. Jungfrau mit dem Kinde und dem kleinen Johannes und drei Heiligen, Geschenk des Ascanio Molin an die Akademie. Den ehemaligen Standort kennen wir nicht.

Der Kindermord, ehedem in den Stanze delle Magistrature a Rialto. Gest. von Zuliani.

St. Hieronymus und die seelige Margaretha di Lione, ehedem in der Carthause S. Andrea del Lido in Venedig.

Der Evangelist Marcus sein Evangelium schreibend, ein dem Tizian würdiges Bild und von edler Form, aus dem Palaste (Ma- gistrato del Sale). Gest. von Viviani.

St. Bruno und St. Catharina, zwei herrliche Gestalten, ehe- dem in der Certosa S. Andrea del Lido. Gest., von Viviani.

St. Silvester und St. Barnabas, ebenfalls grossartige Figuren von sprechendem Ausdruck, 1562 gemalt. Aus dem Magistrato dei Governatori dell' Entrate. Gest. von Zuliani.

Der Apostel Jakobus und St. Dominicus, ehedem im Magi- strato di Rialto.

Der Apostel Paulus und St. Franz von Assisi, aus dem Magi- strato del Sale.

Alle oben genannten Werke sieht man jetzt in der Gallerie der Akademie; es ist aber damit das Verzeichniss der Werke dieses Meisters in Venedig noch nicht geschlossen. Vor allem nennen wir das von Vasari gerühmte, figurenreiche Bild, welches Bonifazio für den Altar der Nonnen von Santo Spirito malte. Es stellt die heil. Jungfrau dar in Anbetung des ewigen Vaters, der von Engeln umgeben in der Luft schwebt. Unten ist eine grosse Anzahl von Kindern, Männern und Weibern jedes Alters. In der Carthause sieht man ein Abendmahl des Herrn. Im herzoglichen Palaste ist jetzt das berühmte Bild aus der Scuola de' Sar- tori, 1533 mit dem Feuer eines Giorgione gemalt. Es stellt die heil. Jungfrau mit dem Kinde, unten den Täufern Johannes, St.

In der Gallerie zu Florenz ist eine Darstellung des Abend- mahles, vollkommen in der Weise Tizians gemalt. Der Künstler wird im Cataloge, wie häufig, Bonifazio Veronese genannt. In der Pinakothek zu Mailand sind zwei grosse Gemälde von ihm, das eine aus dem Magistrato del Sale, das andere aus der Carthause zu Venedig.

In der Gallerie des Louvre ist eine Erweckung des Lazarus, figurenreiche Composition, im Cataloge dem Bonifazio Veronese zugeschrieben. In England sind vier reiche Bilder, welche ge- wöhnlich dem Tizian zugeschrieben werden, nämlich die Trium- phe nach Petrarcas Dichtungen. Im vorigen Jahrhunderte besass sie Sir Smith. S. Pomarede hat sie 1750 nach Zeichnungen ge- stochen.

In der k. k. Gallerie des Belvedere zu Wien sind mehrere Bilder von Bonifazio Veneziano, im Cataloge passt aber die An- gabe der Lebensgrenzen (1501 — 1553) nicht auf den Venezianer Bonifazio, sondern auf den Veroneser, welcher vielleicht Theil an den Bildern hat. Man sieht da die Heiligen Hieronymus und Ja- kobus auf einer steinernen Erhöhung; St. Hieronymus im Buche lesend und Johannes den Täufer mit dem Lamme; St. Franz von Assis und St. Andreas mit Kreuz und Buch, jedes dieser Bilder in lebensgrossen Figuren und mit landschaftlichem Grunde. Zwei andere Gemälde dieser Gallerie bilden Pendants. Das eine stellt Maria dar, wie sie knieend die Botschaft des Engels erwartet, das andere den verkündenden Engel, lebensgrosse Gestalten.

In der k. Gallerie zu Dresden sind ebenfalls Gemälde von Bonifazio, im Cataloge wird aber der Künstler B. Bembi von Val d'Arno (1501 — 1553) genannt. Da ist ein Salvator mundi mit der Weltkugel, kräftig im Style Tizians behandelt, was auf B. Veneziano schliessen lässt. Ferner ist da die Erweckung des La- zarus in ganzen Figuren, ein Bild der Madonna mit dem Kinde, welches sich zur knieenden St. Catharina wendet, während Joseph und der Eremit St. Anton gegenüber stehend, fast lebensgrosse Fi- guren, und ein drittes Standbild stellt die Findung des Mo- ses dar.

Das k. Museum in Berlin besitzt von Bonifazio die Anbetung der Hirten, mit Gebirgslandschaft im Grunde, und dem verkün-

Schliesslich bemerken wir noch, dass manches Bild des Boni- fazio Veneziano unter Tizian's Namen gestochen seyn könnte.

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