Velasquez de Silva, Don Diego, Maler, war der Sohn des Juan Rodriguez de Silva und der Donna Geronima Velasquez, so dass der Künstler D. Diego Rodriguez de Silva y Velasquez heisst. Seine Vorfahren stammen aus Portugal , liessen sich aber in Se- villa nieder, wo Diego den 6. Juni 1509 in S. Pedro getauft wurde, wie C. Bermudez*) aus dem Taufbuche ersah, so dass
*) Diccionario hist. de los mas ilustres profesores de las bellas artes, V. 155 ff. Bermudez gibt ausführliche, theils urkund-
liche Nachrichten über diesen grossen Meister, welche Fiorillo IV. 235 — 42 im Auszuge benutzte. Seit Bermudez (1800) ging eine Dislocation der Gemälde des Künstlers vor, was aber später über den Bildungsgang desselben geschrie- ben wurde, basiert immer auf der Angabe des C. Bermudez, mit Hinweisung auf die Autorität des Rafael Mengs. Eine charakteristische Schilderung gibt E. Collotz im Kunstblatt
Velasquez de Silva, Don Diego.
gezwungen, die an einander gereihten Farben zu verschmelzen und abzutönen, und so das durch ihre grelle Nachbarschaft ent- springende Missverhältniss zu schwächen, und so viel als möglich zu vermeiden; Velasquez dagegen, welcher nach dem Beispiele der Natur nur befreundete Farben zusammenbringt, erspart sich die Nothwendigkeit dieser Farbenüberginge und Abtönungen, indem er nicht zu fürchten hat, das Auge durch die Zusammenstellung von Tönen zu beleidigen, die sich von selbst mit einander ver- mählen, und wovon sich einer durch den andern geltend macht. Gerade dieses freimüthige Verfahren und der feste Farbenauftrag verleiht den Gemälden des Velasquez ihren Zauber, und indem er nicht vom Ernsten und Soliden abging, war er doch eben so anmuthig, als die koketten und manierirten Coloristen. Allein dabei blieb Velasquez in seinen Studien nicht stehen. Das Malen von Ansichten nach Art der Niederländer lehrte ihn die Phänomene der Beleuchtung, da er aber in Folge der allzugrossen Strenge und Genauigkeit bei Nachahmung der Form sich einen etwas harten und trockenen Styl angeeignet hatte, so bekehrte er sich davon, als er einsah, dass die Entfernung die Formen und Umrisse der Gegenstände unbestimmt mache und verändere. Von nun an wurde seine Art zu malen leichter, freier und geistreicher; er ahmte die Natur nicht mehr nach wie sie wirklich ist, sondern wie sie zu seyn scheint, und erreichte so durch allmähliges Her- aufbilden die höchste Stufe der Vollendung und Naturwahrheit. Denn in seiner letzten Manier, bemerkt Mengs, scheint seine Hand gar keinen Anteil an der Ausführung seiner Werke zu haben, sondern alles lediglich durch seinen Willen hervorgezaubert zu seyn. Zu den frühesten Arbeiten des Meisters gehören ausser den Portraits, deren er schon früh mit grösster Lebenswahrheit malte, einige Gemälde, in welchen das Nackte des menschlichen Körpers das Hauptstudium des Meisters war, wobei er aber noch mit einer Härte verfuhr. Dann malte der Künstler Darstellungen aus dem gemeinen Leben nach der Weise des Bamboccio und von Teniers. Das berühmteste Bild dieser Art ist der Wasserträger von Sevilla, jetzt im Museum zu Madrid. Der in Lumpen gehüllte Alte reicht einem Knaben Wasser. Er ist ein Meisterstück gemeiner Naturwahrheit, wenn auch das Bild noch etwas hart und trocken erscheint, da die Gegensätze von Licht und Schatten zu streng gegohen sind. Ein Werk verwandter Richtung, welches aber den Künstler bereits auf einer hohen Stufe der Meisterschaft zeigt, sind seine betrunkenen Bauern mit Bacchus, welcher einen der- selben krönt, Finto Baco genannt, jetzt im Museum zu Madrid. Von einem dritten Werke dieser Art, welches sich in demselben Museum befindet, und zwei Spinnerinnen vorstellt, sagt Mengs geradezu, die Hand scheine keinen Theil daran gehabt zu haben, und nur der Wille des Meisters, der Hauch seiner Seele habe es geschaffen. Weniger lässt sich dieses von einigen historischen Bil- dern behaupten, welche Velasquez noch in Sevilla ausgeführt hatte. Das vorzüglichste darunter ist die Anbetung der Hirten, oder die Geburt Christi, im Besitze des Grafen von Aquila. Im Kapitelsaal des Carmen calzado sah man zu Anfang dieses Jahr- hunderts noch zwei Jugendarbeiten von Diego, die Empfängniss Maria, und den Evangelisten Johannes, im Begriffe die Apoka- lypse zu schreiben.
Velasquez verlebte in Sevilla erfolgreiche Jahre. Pacheco's Haus war der Vereinigungspunkt aller Schöngeister, welche in der
stadt lebten. Die Conversationen von Künstlern, Gelehrten und Dichtern, denen D. Diego beiwohnte, erweiterten seine Kennt- nisse, und das Talent und die Bildung des jungen Künstlers machten es selbst dem Pacheco wünschenswerth, ihn für immer für sich zu gewinnen. Er gab ihm desswegen seine Tochter D. Juana zur Ehe. Als Jüngling von ungefähr zwei und zwanzig Jahren war er entschiedener Anhänger des Louis Tristan, des- sen reizende Färbung und Lebendigkeit der Composition mit un- widerstehlichem Zauber auf ihn wirkte. Er copirte vor vielen italienischen und flandrischen Meisterwerken, welche er in Se- villa vorfand, ein Gemälde desselben, und verließ von dieser Zeit an die strenge Anhänglichkeit an die gemeine Natur. Im Jahre 1622 ging er endlich nach Madrid, wo ihn seine Lands- leute D. Louis und D. Melchor de Alcázar, so wie der Cano- nicus D. Juan de Fonseca y Figueroa mit Liebe und Freund- schaft empfingen. Durch letzteren erhielt er die Wege zu den Kunstschätzen der Stadt offen, welche ihn zunächst nach Madrid gelockt hatten. Von eigenhändigen Gemälden aus dem genannten Jahre nennt man nur das Bildniss des Dichters D. Luis de Gongora, nach dessen Vollendung Diego nach Sevilla zurück- kehrte. Allein Fonseca war in Madrid unablässig bemüht, das Talent seines Schützlings zu rühmen, und schon 1623 wurde die- ser durch den Herzog von Olivarez, den ersten Minister des Kö- nigs, nach Madrid berufen. Velasquez ging dahin in Begleitung des Pacheco's, der, wie er sagt, Zeuge des Ruhmes seines Eidams seyn wollte. Die Dankbarkeit gegen Fonseca legte in Madrid den Grund zu Diego's Glück. Er malte dessen Bildniss, welches mit ungetheiltem Beifall aufgenommen wurde, und selbst den Kö- nig zum Lobe stimmte. Als Anerkennung setzte er dem Maler seine Zuschrift vom 6. April 1623, welche C. Bermudez in Abdruck gibt, einen monatlichen Gehalt von 20 Dukaten aus, und räumte ihm eine Wohnung im Pardo ein. Zugleich trug er ihm auf, das Bildniss des Cardinal-Infanten zu malen, und am 30. August wollte er selbst zu seinem Bildnisse sitzen. Velasquez malte den König in Lebensgrösse auf einem herrlichen Pferde, und der Fürst war so entzückt darüber, dass er dem Künstler erlaubte, das Bild in der Hauptstrasse der Stadt dem grossen Publikum zur Schau aus- zustellen. Man bewunderte das Werk allgemein, und B. u. V. Car- ducho, E. Caxes und A. Nardi, welche ebenfalls Philipp II. ge- malt hatten, wurden weit in Schatten gestellt. Die Dichter er- schöpften sich in ihren Versen zum Lobe des Werkes, und selbst Pacheco stimmte die Leier an. Alexander der Grosse und Apelles mussten zum Vergleiche dienen. Doch blieb auch der König nicht zurück. Er ernannte am 31. Okt. 1623 den Künstler zum Kam- mermaler mit einem weiteren Gehalte von 300 Dukaten, und si- cherte ihm die Bezahlung jedes seiner Werke zu. Zugleich wollte er, dass nur Don Diego sein Bildniss male. Hierauf begann der Künstler das Bildniss des Prinzen von Wales, welcher als Kunst- richter ein Wort führte; allein dieses Gemälde blieb wegen der schnellen Abreise des Prinzen unvollendet. Hierauf projektirte man zum Ruhme Philipp II. ein Denkmal, welches zugleich auch die Vertreibung der Mauren aus Spanien zum Gegenstande haben sollte. Alle Cammermaler wurden aufgefordert, Entwürfe einzu- liefern, aber Velasquez erhielt den Preis. Das Bild wurde im gros- sen Saale des Alcazar aufgestellt, und allgemein bewundert. Ueber- diess verschaffte es dem Künstler die Stelle eines Uebrig de camera, so wie das ehrenvolle und einträgliche Amt eines Ayuda de ca-
mera del Rey, wozu später auch noch die Stelle eines aposentador mayor kam.
Im Jahre 1628 hatte Velázquez das Vergnügen, den großen Rubens in Madrid zu sehen, mit welchem er schon früher in Kor- respondenz stand. Diese beiden Künstler schlossen innige Freund- schaft, und Rubens widmete sich während seines neunmonatlichen Aufenthaltes fast ausschließlich dem Umgange Diego's. Sie wechselten ihre Ansichten über flämische und italienische Kunst aus, und dies nährte den lang gehegten Wunsch des Künstlers, Italien zu sehen. Philipp IV. gab endlich der dringenden Vor- stellung desselben nach, bewilligte einen Urlaub auf zwei Jahre, und legte seinem Gehalte noch weitere 400 Dukaten als Reisegeld bei. Verschen mit Empfehlungsbriefen, reiste der Künstler den 10. August 1620 von Barcelona ab. Zu Venedig nahm ihn der spanische Gesandte in sein Haus auf, da er demselben empfoh- len war. Hier studierte er die Werke Tizians, P. Veroneses und Tintorettos, zeichnete und kopierte einige derselben. Man nennt besonders eine Kopie der großen Kreuzigung von Tintoretto, wie von dessen Christus mit den Jüngern in Emmaus, welcher in den Be- sitz des Königs von Spanien kam. Von Venedig aus begab sich der Künstler über Ferrara, Cento, Loreto und Bologna nach Rom, wo ihn Papst Urban VIII. in den Vatikan aufnahm. Nach kurzer Ruhe ging D. Diego an die Arbeit. Er kopierte mehrere Grup- pen aus dem jüngsten Gerichte des Michelangelo, dessen Prophe- ten und Sibyllen, und mehrere Partien aus Rafael's vatikanischen Fresken. Mitteilungen veränderte er seine Wohnung, indem ihm Graf Monterey, der spanische Gesandte, in der Villa Medici ein bequemeres Atelier einrichten ließ. Ein ganz Jahr ver- floss, ohne dass Velázquez ein Gemälde eigener Composition aus- führte, jetzt aber malte er sein eigenes Bildnis, welches er dem Pacheco überschickte. Dann nennt Bermudez ein Gemälde, wel- ches Jakob vorstellt, wie ihm die Söhne Josephs blutigen Rock vorzeigen, und des Vulkan im Museum zu Madrid. Einige Zeit darauf unternahm Velázquez eine Reise nach Neapel, wo er mit Spagnoletto zusammentraf, und ein Bildnis der Königin von Un- garn malte. Nach Rom kehrte Diego nicht mehr zurück, da er zu Anfang des Jahres 1631 nach Madrid berufen wurde.
Velázquez hatte jetzt in Rom die Antike, Rafael und Michel- Angelo, in Venedig P. Veronese und Tintoretto kopiert; allein es erging ihm wie Rubens, er konnte weder seinen Charakter än- dern, noch wollte er seine urkräftige Originalität abgeben. Er kam von seinen Reisen in Italien als echter Spanier zurück; das Studium der Antike hatte seinen Stil nicht bis zum Ideal gesteigert; seine Bestimmung war nun einmal ausschliesslich im Be- reich der Wirklichkeit zu herrschen. Wenn es ihm an Flügeln fehlte, um sich über die Wolken emporzuschwingen, und den übermenschlichen Ausdruck dieser Regionen zu vergegenwärtigen, so war er vielleicht der größte von allen, deren Füße je die Erde berührten. Seine Gemälde wurden erhaben durch Ausdruck und Charakter, und bekamen oft eine hochpoetische Farbe, wenn er nichts als wahr und naturgetreu sein wollte. Velázquez legte in das einfachste Portrait mehr Poesie und Schwung, als viele andere Historienmaler in ihre symbolischen Compositionen hineinlegen. Er hatte allerdings die schönsten Modelle, welche sich nur ein Künstler wünschen kann. Ihm sass nicht die schwerfällige, prosaische, dicke und fleischige Natur der holländischen Ateliers, sondern die spanische Natur des Madrider Hofes, welche damals
Das erste Werk, welches Velasquez nach seiner Ankunft in Madrid unternahm, war das Bildniss des Königs. Dieser Fürst räumte ihm ein Zimmer nicht weit von dem seinigen ein, um ruhig sitzen zu können. In der Zwischenzeit malte er das Bildniss des Prinzen Don Baltasar. Diese beiden Meisterwerke sind jetzt im Museum zu Madrid. Ein zweites Portrait des Kö- nigs, zu Pferd dargestellt, ist jetzt in der Gallerie zu Florenz. Man hatte gerade die Absicht dem Könige im Garten von Buon- retiro ein Monument zu setzen. Pietro Tacca in Florenz erhielt den Auftrag, eine Reiterstatue auszuführen, und musste zu die- sem Zwecke ein Bildniss des Königs haben. Velasquez malte den König zu Pferd, so wie ihn Tacca darstellen sollte. Er malte auch den Kopf desselben einzeln. Um diese Zeit malte Velasquez auch den Herzog von Modena, welcher sich 1638 in Madrid auf- hielt, und den Künstler mit einer goldenen Halskette belohnte. Ferner malte er den Don Adrian Pardo Pareja, Admiral der spa- nischen Armada. Dieses Bildniss gehört zu den Meisterwerken Diego's. Es ist mit solcher Wahrheit dargestellt, dass Philipp IV. sich dadurch täuschen liess. Als er das Bild von ungefähr sah, sagte er zu demselben voll Verwunderung: Ihr seyd noch immer hier? Habe ich euch denn nicht schon vor drei Wochen abgefert- iget? Warum reiset ihr nicht ab? Im Jahre 1630 malte Velasquez das berühmte Bild des gekreuzigten Heiland, welches aus S. Placido in das Museum zu Madrid gelangte. Hier ist auch das berühmte Bildniss des Herzogs von Olivarez, ein Gemälde erster Grösse, wie wir schon oben bemerkt; Dieser Fürst war ein be- sonderer Gönner unsers Meisters, welcher bis 1643, wo er als Prä- mier-Minister seine Abdankung erfuhr, der wärmste Lobredner des Künstlers war, und ihn selbst beim König in solche Gunst setzte, dass auch nach dem Fall des Herzogs seine Verhältnisse sich nicht änderten, da Diego vor allen andern Malern der Günst- ling Philipp IV. blieb. Bald darauf malte Velasquez ein grosses Bild, welches den König vorstellt, wie er unter dem Jubel des Volkes den 8. August 1644 in Lerida einzieht. Philipp IV. kam damals aus Aragonien, und der Künstler begleitete ihn zurück.
nach Madrid, wo er jetzt wieder das Bildniß des Königs malte, diesmal in Jagdkleidung mit der Flinte und mit Hunden, Auch den Cardinal-Infanten D. Fernando, den Bruder des Königs, malte er als Jäger, und beide waren bis zum Athem getroffen. Die Kö- nigin Isabella von Bourbon stellte er ebenfalls in Lebensgrösse dar, wie sie auf einem weissen Pferde sitzt, als Gegenstück zum Reiter- bilde des Königs, welches diesmal der Critik nicht entging, da man das Pferd nicht gelungen fand. Andere dagegen priesen Rei- ter und Pferd, und Velasquez selbst schien sehr zufrieden gewesen zu seyn, da er wider Gewohnheit den Namen auf das Gemälde setzte: Didacus Velazquius, pintor regis expinxit. Ferner malte er um jene Zeit auch den Prinzen D. Baltasar Carlos, auf einem ga- lopirenden Pferde in Lebensgrösse, und einige andere Bildniss- welche aus dem neuen Palaste in das Museum zu Madrid kamen. Ueberdies malte er den Dichter Francisco Quevedo y Villegas, dessen Freund, dann den Cardinal Borja, Erzbischof von
Sevilla, den D. Nicolas de Cordoba Lusigniano, den Maestro de Camera Pereira, den Marquis de la Lapilla, den seeligen Si- mon de Roxas, und das Bild einer Dame von ausgezeichneter Schönheit. In diese Zeit fällt auch die Uebergabe von Breda unter Don Ambrosio de Spinola, ehedem im Comodiensaal zu Buonre- tiro, jetzt im Museum zu Madrid.
Während dieser grossen Arbeiten kam man auf den Plan zu einer Akademie der zeichnenden Künste in Madrid, und der Kö- nig ertheilte daher seinem Cammermaler den Auftrag, nach Italien zu reisen, um daselbst Modelle, Statuen, Gemälde u. s. w. anzu- kaufen, welche zur Einrichtung des Lokales im Alkazar nöthig wären. Velasquez schiffte sich im November 1648 zu Malaga ein, zugleich mit dem Herzog von Naxera, welcher in Trento die An- kunft der Königin D. Maria Anna von Oesterreich zu erwarten hatte. D. Diego machte seine italienische Reise über Genua, Mail- land, Padua, Venedig nach Bologna, wo er die Maler Michele Colonna und Agostino Mitelli bewog, in die Dienste seines Kö- nigs zu treten. Von Bologna aus ging er über Modena, Parma, Florenz nach Rom, blieb aber jetzt nur kurze Zeit in dieser Stadt, da ihn der Graf Onnate nach Neapel einlud. Nach Rom zurück- gekehrt, empfing ihn Papst Innocenz X. in einer feierlichen Au- dienz, was in Folge einer Mission geschehen seyn könnte; denn Lope de Vega sagt, dass Velasquez 1648 als Gesandter an Inno- cenz X. geschickt wurde. Auch Preciado (Arcadia pictorica) be- hauptet, dass der Künstler als ausserordentlicher Minister am rö- mischen Hofe gelebt habe. In jedem Falle hielt man den Künstler in Rom für eine wichtige Person, da ihm auch die Cardinäle Astali, Pamfili und Barberini, so wie andere hohe Personen des Hofes ihre Aufwartung machten. Auch die Akademie von S. Luca zollte dem Meister Verehrung, wofür er das Bildniß des Juan de Ba- reja überschickte, des sogenannten Sklaven des Künstlers. Dieses Portrait fertigte er zur Uebung, bevor er an das Bildniß des Pap- stes ging, es blieb aber nicht in der Akademie, obgleich Velas- quez zum Academico Romano erwählt wurde. Nach einem Briefe des F. Preciado (Lettere pittoriche IV. 321) besass es der Cardinal Acquaviva. An seinem Bildnisse des Papstes erneuerte sich jene Wundersage, welche von Rafael's Bildniß Leo X. und von Ti- zian's Portrait Paul III. geht. Er war so täuschend ähnlich, dass ein Cämmerling glaubte, es wäre der Papst selbst, und den Hof- leuten sagte, sie möchten leise sprechen, weil der heilige Vater im Zimmer wäre. Auch der Papst war mit seinem Abbilde sehr
zufrieden, weil er dem Künstler eine goldene Kette mit seinem Bildnisse gab. Dieses Bildniss war im Besitze des Cardinals Pam- fili, und jetzt sieht man es in der Gallerie Doria. Auch in der Gallerie Corsini, in Aspleyhouse, und im Louvre zu London, zu St. Petersburg kommt es unter Velasquez Namen vor. Dann malte Velasquez auch den Cardinal Nepoten Pamfili, zwei Kämmerer, und den päpstlichen Majordomus. Ferner kaufte Ve- lasquez in Rom Gemälde, Büsten, Statuen und andere Kost- barkeiten. Das Museum Odescalchi, welches den grössten Theil der Kunstschätze der Königin Christina von Schweden enthielt, kam damals nach Spanien, und wurde in S. Ildefonso aufbewahrt. Es kam nämlich die Errichtung der Akademie nicht zu Stande, und Velasquez reiste 1651 wieder nach Madrid ab, wo ihn der König mit gewohnter Auszeichnung empfing, und ihm die Stelle eines Aposentador mayor (Marschal des Hofes) übertrug, welche jedoch seine Zeit nicht ausschliesslich in Anspruch nahm. Doch nennt man nur ein grosses Gemälde, welches 1650 vollendet wurde, und allerdings längere Zeit in Anspruch nehmen musste. Es ist unter dem Namen der Familie bekannt, und das berühmteste Werk des Meisters, welches L. Giordano die Theologie der Malerei nannte. Den Mittelpunkt bildet die elfjährige Infantin Maria Margaretha, welche von den beiden Kammerdamen D. Maria Augusta Sarmiento und D. Isabel de Velasco, Gräfin von Fuensalida, be- dient wird. Rechts sieht man die Zwergen Nicolasito Pertusano und Maria Barbola, welche damals am Hofe lebten. Hinter ihnen im Schatten steht die Ehrendame D. Marcella de Ulloa und ein anderer Höfling. Im Grunde öffnet sich eine Thüre, durch welche man auf die von einem Sonnenstrahl beleuchtete Treppe sieht, auf welcher Joseph Nieto, der Aposentador der Königin steht. Das Ganze bildet ein Zimmer, welches eine wirkliche Tiefe des Raumes zu haben scheint, so meisterhaft ist die Luftperspektive behandelt, und die Beleuchtung der Treppe. Im Zimmer sind Ge- mälde angebracht. Velasquez selbst steht hinter der Staffelei mit dem Pinsel in der Hand, und da man den Inhalt der Leinwand von vorn nicht sieht, brachte er an der Wand gegenüber einen Spiegel an, welcher die Bildnisse des Königs und der Königin re- flektirt. Der König war bei der Betrachtung dieses magischen Bildes ganz entzückt, und bemerkte nur, dass noch etwas fehle, wobei er, wie es heisst, den Pinsel ergriff, und dem Künstler den Orden von Santiago an die Brust malte. Dies ist vielleicht nur eine unbegründete Sage, und dürfte auf der königlichen Erlaub- niss beruhen, diesen Orden an die Brust malen zu dürfen. Sicher ist, dass der König den 12. Juni 1658 die Erhebung vor das Or- dens-Capitel gebracht hatte. Es war aber eine päpstliche Dispens nöthig, welche erst den 7. Oktober 1659 erfolgte, und den 28. No- vember desselben Jahres ist das Diplom ausgefertigt. Inzwischen leitete der Hidalgo in spe die Arbeiten, welche M. Colonna und A. Mitelli, F. Rizi und J. Careno im Hofpalaste ausführten. Im Jahre 1650 malte er das Bildniss des achtjährigen Prinzen Felipe Prospero von Asturien, dann das Portrait der Infantin Donna Mar- garetha, welches an den Hof nach Wien geschickt wurde, wo man jetzt im Belvedere drei Bildnisse von Prinzessinnen sieht. Ein kleines Oval mit dem Bildnisse der Königin aus jener Zeit galt als Muster der Kunst.
Im Jahre 1660 musste er als Hof-Aposentador eine Reise nach Irun machen, um für die Infantin D. Maria Teresa Zimmer in Stand zu setzen, da diese Prinzessin dem Könige Ludwig XIV. von Frankreich die Hand reichen musste. Velasquez machte sei-
Fonso.
Velasquez de Silva, Don Diego. Um Amte Ehre, und ordnete einen glänzenden Empfang an. Doch waren die Beschwerden der Reise für ihn zu gross, so dass er nach seiner Ankunft in Madrid den 4. Juli erkrankte und den 7. August 1660 starb. Sieben Tage darnach folgte ihm seine Gattin Juana in die Gruft nach, und Spanien hat keinen größeren Künst- ler mehr aufzuweisen. Im Allgemeinen sind ausser ihm nur Tizian und Van Dyck zu nennen, welche ihn aber in seiner Weise nicht übertrafen.
Im Museum zu Madrid sind jetzt 64 Bilder dieses Meisters, welche aus den k. Palästen, aus dem Escurial, und aus Kirchen kommen. Darunter sind viele der schon oben erwähnten Haupt- werke des Meisters. Einige sind im älteren spanischen Gallerie- werke gestochen, die meisten lithographirt in Don Jose Madrazo's Collección litografica de cuadros del Rey de Espana etc. Madrid 1826 ff., gr. 401. Zu den ausgezeichnetsten Werken gehören:
Philipp IV. zu Pferd in Rüstung, in natürlicher Grösse.
Isabella Königin von Spanien, Gemahlin des Obigen, auf ei- nem weissen Pferde, in Lebensgrösse in ihrer Jugend dargestellt. Diese beiden Bildnisse gehören zu den Hauptwerken des Meisters. Ehedem sah man sie im neuen Palaste, mit den folgenden.
Philipp IV. als Jäger mit der Flinte und mit Hunden, in Le- bensgrösse.
Philipp IV. und seine Gemahlin, beide in halber Figur, wahr- scheinlich die Bildnisse, welche in der Gallerie der Infantin im
Escurial waren.
Die Königin Isabella, kleines Oval von ausgezeichneter Schön- heit;
Philipp IV. betend, ehedem im Escurial, wahrscheinlich in der Bibliothek, wo man ein Bildniss dieses Fürsten sah.
Philipp III. zu Pferd, in Lebensgrösse in einer Landschaft. Margaretha, Königin von Spanien zu Pferd, in einer Land- schaft.
Die oben genannten grossen Reiterbildnisse waren früher im Palacio nuevo zu Madrid.
Don Fernando, Cardinal-Infant, als Jäger mit Hunden, in
Lebensgrösse,
Don Baltasar Carlos als sechsjähriger Jäger mit zwei Hunden,
sehr schönes Bild. Prinz Don Baltasar Carlos zu Pferd in einer Landschaft, in
Lebensgrösse, Don Felipe Prospero von Asturien als achtjähriger Prinz in
einer Landschaft. Don Carlos Colonna, Büste aus dem Buen Retiro. Bildniss eines Infanten mit einem Hunde, ehedem in S. Ilde-
Don Guzman, Herzog von Olivarez, das berühmteste von den Reiterbildern des Meisters, wie oben erwähnt. Ehedem war die- ses Bild im neuen Palaste zu Madrid.
Don Adrian Pulido Pareja, Admiral der spanischen Armada, ein schon oben erwähntes berühmtes Bild des Meisters.
Die sogenannte Familie, ehedem im neuen Palaste, das schon oben beschriebene Meisterbild von magischer Wirkung.
Die Skizze besass zu Anfang unseres Jahrhunderts Don Gaspar de Jove Llanos, und C. Bermudez die Rothsteinzeichnung des Künstlers,
Barbarossa, Bild eines Afrikaners mit dem Schwerte.
Das Bildniss eines Papstes, halbe Figur aus dem neuen Palaste
Bildniss eines Mannes mit einem Hunde, ehedem im neuen Palaste.
Die beiden Zwerge des Königs Philipp IV., der eine bärtig mit dem Hute auf dem Kopfe und im Buche blätternd, der andere mit beiden Händen an der Hütte.
Jakobs Söhne, wie sie dem Vater das blutige Gewand des Josephs zeigen, ehedem im Escurial.
Hiob auf dem Miste, ein Bild aus dem neuen Palaste,
St. Veronika mit dem Schweisstuche, ehedem in S. Ildefonso.
Christus am Kreuze, für die Mönche von S. Placido in Ma- dríd gemalt, ein Bild von ergreifender Wirkung. Später besass es der Herzog von S. Fernando, welcher es dem letztverstorbenen Könige schenkte.
Die Marter des heil. Stephan, das beste Werk des Künstlers dieser Art, aber nicht so schön, als seine rein menschlichen Ge- genstande.
Die Krönung der heil. Jungfrau,
Die Uebergabe von Breda, eines der berühmtesten Werke des Meisters in dieser Richtung, el cuadro de las lanzas genannt, ein grosses Gemälde, ehedem im neuen Palaste zu Madrid. Der Mar- quis de Pescara und andere Offiziere sind Portraite. Alles ist höchst vollendet, selbst die Schäfte der Lanzen, woher das Bild den Namen hat.
Die Schmiede des Vulkan (la fragua de Vulcano), berühmte Bild aus der früheren Zeit des Meisters, ehedem im neuen Palaste.
Merkur und Argus, ehedem im neuen Palaste, trefflich in Darstellung des Nackten,
Mars, nackte Figur, ehedem im neuen Palaste,
Der Philosoph Menippus, als Bettler im Mantel, zu seinen Fü- ßen Bücher und ein Krug.
Der Dichter Aesop, stehend im Mantel, in der Rechten ein Buch haltend.
Diese beiden Bilder waren früher im neuen Palaste,
Der Wasserträger von Sevilla (Aguador de Sevilla), wie er einem Knaben ein Glas Wasser reicht, während ein zweiter junger Mensch trinkt, lebensgross. Dieses Bild ist höchst sorgfältig vol- lendet, nach Mengs dem Gebiete gemeiner Wahrheit entnommen, Es ist indessen durchaus nicht an Teniers und Ostade zu denken,
Bacchus und die Trinker, finto Baco, oder los Borrachos (die Schläuche) genannt. Der Bauernbacchus sitzt nach links auf ei- nem Fasse, und krönt einen Zecher. Bei Angabe der eigenhän- digen Radirung des Meisters ist dieses berühmte Bild näher be- schrieben. Es gehört der Uebergangsperiode des Meisters an, von so schöner Wahl sind aber die durstigen Herren gar nicht, als Mengs angibt. Der Wasserträger und die Jungen haben viel mehr Anstand.
Die Spinnerinnen (las hilanderas), das von Mengs hoch geprie- sene Werk, mit dem oben genannten ehedem im Palacio nuevo zu Madrid. Man zählt dieses Bild zu den schönsten Werken des Meisters. Die beiden Spinnerinnen sind wirklich schöne und ge- wählte Figuren, und sie können als Muster einer natürlichen Dar- stellung gelten.
Ein junger Mensch mit einem Hunde, ganze Figur,
Eine Bude mit zwei Jungen, welche essen.
Ein Hund auf einem Kissen, ehedem im Palaste Buenretiro.
Velasquez de Silva, Don Diego.
Eine Schweinsjagd im Walde des Pardo, ehedem im neuen Palaste, kleine Figuren.
Die berühmte Landschaft mit den Eremiten St. Paul und St. Anton, eines der Hauptwerke dieser Art, ehedem im neuen Palaste,
Die Ansicht des Pardo. Hauptbild dieser Art, ehedem im neuen Palaste. |
Die Ansicht der Allee der Königin in Aranjuez, ein sehr schönes Bild. . '
Der Triumphbogen des Titus, meisterhaftes Gemälde,
In der Akademie S. Fernando sind die Bildnisse des Königs Philipp IV., und der Donna Mariana de' Austria, halbe Figuren,
bei den Carmelitern zu Sevilla sieht man Bilder aus der frühesten Zeit des Meisters: die Empfängniss Mariä, und S. Jo- hannes die Apokalypse schreibend.
In der Carthause zu Xeres de la Frontera ist ein Bild des kranken Hiob.
Im Capitelsaale der Cathedrale zu Plasencia sieht man eine Geburt Christi. | '
Im Palaste des Herzogs von Gandia war noch zu Anfang un-
sers Jahrhunderts das Bildniss des Cardinals Borja.
Auch nach Amerika kamen Gemälde von Velasquez. In der Sammlung des Marquis Apartada Fagoaga zu Mexico ist ein wunderschönes Bild einer Nonne aus der genannten Familie. In einer Capelle der Barfüsser Kirche zu Lima ist eine heil. Familie
mit lebensgrossen Figuren, eines der schönsten religiösen Bilder
des Meisters. Es ist Eigenthum einer uns unhekannten Familie Der Marques St. Maria daselbst besitzt das Bildniss eines Vice-, Königs, und ein Bild des heil. Sebastian. Im Spital der Desam- barados zu Lima ist ein Bild des heil. Joseph mit dem Jesuskinde als ausgezeichnet zu nennen. ;
England besitzt ebenfalls Hauptwerke von Velasquez, wor- über Waagen in seinem Werke über Kunstwerke und Künstler Aufschluss gibt. In der National - Gallerie zu London ist eine grosse Schweinsjagd, welche 18160 um 2200 Pf. St. angekauft wurde*.
König Ferdinand VI[, schenkte das Bild dem Lord Cowley. Man sieht auf diesem Gemälde Philipp IV. mit seinem ältesten Sohne und den Grossen des Hofes, darunter den Herzog- Minister Olivarez, auf der Saujagd. H. 5 F., Br. 0 F. Ein zweites Gemüälde der Na- tionalgallerie stellt ein Stiergefecht vor. Es wurde 18390 aus der Sammlung des Lord Cowley um 4000 Pf. St. gekauft.
In der Bridgewater - Gallerie ist das Bildniss eines natürlichen Sohnes des Herzogs von Olivarez, lebensgrosse Figur, der in vol- lem Lichte genommene jugendliche Kopf in einem wunderbar- klaren , warm - bräunlichen Ton gemalt. Lord Egerton kaufte die- ses Bild aus der Sammlung des Grafen Altamira.,
Der Graf von Carlisle erwarb aus der Gallerie Orleans ein schö- nes Bild der Findung des Moses für 500 Pf. Es ist aber nach Waagen nicht von Velasquez sondern von G. Honthorst. Henry Hope kaufte um den gleichen Preis Loth und seine Tüchter aus derselben Sammlung.,
In der Gallerie des Staffordhouse zu London ist S. Carolus Borromäus in einer Versammlung von Geistlichen, eine lebendig geistreiche Skizze.
In Aspleyhouse findet man eine Wiederholung des im Mu- seum zu Madrid befindlichen Wasserverkäufers, einen alten Mann, der dem Jungen zu trinken gibt, Dieses berühmte Werk >
In Landsdowne-house sieht man das Brustbild des Ministers Grafen von Olivarez, aus der Sammlung des Friedensfürsten stammend, von grosser Energie der Auffassung und meisterlich behandelt; ferner das Brustbild des Künstlers. Zwei Landschaften mit Figuren, in glühendem Tone, frei und geistreich behandelt, gehören ebenfalls zu den Hauptwerken dieser Sammlung,
In der Grosvenor Gallery ist ein Bildniss Philipp IV. als Knabe auf einem andalusischen Pferde, welches man in England mit eini- gen Veränderungen öfter begegnet. Auch Sir Thomas Hamlet besitzt ein solches.
In der Bildersammlung in Dulwich College sind zwei ähnliche, lebendig aufgefasste, klar und kräftig gemalte Bilder. Das eine stellt Philipp IV. als Prinzen von Asturien zu Pferd vor, und kommt in der Sammlung des Marquis von Westminster und des Banquier Rogers in Wiederholungen vor. Auf dem zweiten Ge- mälde erscheint derselbe Prinz als König von Spanien, Meisterstück mit dem Commandostabe, besonders meisterhaft behandelt.
Sir Thomas Baring in London besitzt das lebensgrosse Bild eines spanischen Feldherrn, mit Landschaft im Grunde. Die le- bendige Auffassung, der trefflich impastirte, geistreiche Vortrag, und die Färbung, welche hier nicht, wie in andern Bildern, kühl röthlich oder blass, sondern von einem warmen, glühenden Gold- ton ist, zeigen den Portraitmaler ersten Ranges in seiner ganzen
Rasse,
In der Bildersammlung zu Leighton Court ist eine in den Him- mel fahrende Maria, lebensgroße Figur, im Grunde Landschaft, Dieses Bild zeigt den Meister auch als Historienmaler gross. Die Figur ist edel, die Farben der Gewänder sind von ganz eigen- thümlichem Reiz in der Zusammenstellung, der Ton des Fleisches ist aber minder klar, als in seinen Portraiten,
In der Bildersammlung zu Luton House ist ein Portrait des Papstes Innocenz X. im Lehnstuhle. Die edle und zugleich höchst lebendige Auffassung, die meisterliche, breite Behandlung, der wahre, zarte Fleischton, rechtfertigen den grossen Beifall, welchen schon ältere Schriftsteller diesem Bilde zollen.
Lord Ashburton zu London besitzt eine Hirschjagd in der Nähe eines der Landhäuser des Königs von Spanien,
Im spanischen Museum zu Paris sind 10 Bilder dem Velasquez zugeschrieben, nach welchen man ihn jedoch nicht beurtheilen darf. Im Correo Nacional von 28. Juni 1838 richtet desswegen ein spani- scher Künstler einen Brief an Louis Philipp, und klagt, dass im Allgemeinen die grossen Meister in jener an 400 Bilder zählen- den Sammlung nicht würdig vertreten seyen. Dem Velasquez er- kennt er kein einziges Bild zu. Nach seiner Ansicht sind es Bil- der von Schülern, eines Martinez, Parreja, Carreno u. A. Man sieht da das Bildniss des Herzog von Olivarez, wo er nicht zu Pferd, wie in dem berühmten Bilde im Museo del Prado, sondern in Hoftracht dargestellt ist. Den Pendant bildet das Portrait des Kö- nigs Philipp IV. Dieses ist noch weniger schön, und viel weniger authentisch, als das des Herzogs. Die Beine sind dergestalt ver-
Velasquéz de Silva, Don Diego.
zeichnet, dass es eine wahre Sünde ist, sie dem strengen Velas- quez aufzubürden. Auch die Bildnisse der Gemahlinnen dieser Fürsten sind in dieser Sammlung. Als ein herrliches Originalbild gilt aber das Portrait der Hofdame Donna Juana Eminente, einer reizenden Spanierin, mit wunderschön modellirtem Kopfe. Von Velasquez's Meisterhand zeugt auch der unvollendete Kopf eines Inquisitors, dessen Blick mit der heiligen Hermandad zu drohen scheint. Dann ist auch ein wunderliebliches Bild der Tochter des Greco (Theocopolis) zu nennen. Die schwarzen stechenden Au- gen, die abgemagerten Gesichtszüge, die krankhafte Blässe ver-
Unruhe dieses weiblichen Herzens, und deuten auf eine leidenschaftliche Natur. Als ein Meisterstück erklärt man auch das eigene Bildniss des Künstlers,
Dann wird dem Velasquez auch eine Anbetung der Könige zugeschrieben. Dieses Bild soll nach der Angabe im Kunstblatte 1853 S. 166 ein Meisterwerk aus Velasquez erster Manier seyn, in dem oben genannten Corred heißt es aber, kein Kenner werde das Bild dem Meister zuschreiben; es sei eher ein frühes Bild des Zurbaran, selbst kein würdiger Repräsentant jenes Künstlers. Fer- ner zeichnet man ein Bild des heil. Ferdinand aus, und eine Landschaft.
Ehedem im Museum des Louvre, jetzt in der historischen Galerie zu Versailles ist das Bildniss der Infantin Margaretha The- resia, Tochter Philipp IV., als Kind. Sehr lebendig aufgefasst, fein gezeichnet und im zartesten Silberton der weissen Lichter und hellgrauen Schatten,
In der Galerie Aguado zu Paris waren bis 1843 mehrere Werke von Velasquez. Das Bild einer Dame mit dem Fächer wurde in dem bezeichneten Jahre um 12750 Fr. verkauft. Dann waren in dieser Gallerie auch mehrere Stillleben: Geflügel, Gemüse, Früchte, Blumen u. dgl.
In der Eremitage zu St. Petersburg ist ein Bildniss des Papstes Innocenz X., welches Velasquez auf Befehl des Königs von Spanien gemalt haben soll. Es war früher in der Gallerie zu Houghton Hall. Unübertrefflich ist die lebendige Wahrheit des Aus- druckes. Die Carnation geht ins Röthliche, wie bei mehreren Bild- nissen dieses Meisters. Von geringerem Werthe sind die grossen Bildnisse Philipp IV. und des Herzogs von Olivarez daselbst, so- wie die kleinen Reiterbilder des Königs und seiner Gemahlin. Auch ein historisches Gemälde ist in der Eremitage, den Tod des heil. Joseph vorstellend, eheherin in Houghton Hall;
In der grossherzoglichen Gallerie zu Florenz ist das Bild- niss Philipp IV. von Spanien zu Pferd, welches Velasquez für den Bildhauer Pietro Tacca als Vorbild zur Statue dieses Fürsten ge- malt hatte. Es ist mehr als lebensgross und galt früher für Ru- bens. In der Tribune der Gallerie sind zwei eigenhändige Bild- nisse des Meisters.
Rom besitzt wenig Werke von diesem Meister, es scheinen aber einige Bildnisse verschollen zu seyn, da der Künstler bei sei- nen wiederholten Aufenthalte daselbst mehrere malte, wie wir oben im Leben des Künstlers gesehen haben. Ehedem in der Gallerie Pamphili, jetzt Erbe der Doria, ist das berühmte Bildniss Inno- cenz X., dessen wir oben erwähnt haben. Auch in der Gallerie Corsini ist ein Bildniss dieses Papstes, welches dem Velasquez zu- geschrieben wird. In der capitolinischen Gallerie ist das Portrait eines unbekannten Mannes von herrlicher Färbung, nicht röth- lich, wie älter zu finden.
In der k. Pinakothek zu München sind gegenwärtig 7 Bil- der von Velasquez. Darunter wird das Brustbild eines Mannes mit Schnauz- und Knebelbart für ein eigenhändiges Bildniss des Meisters gehalten, 1 F. 7 Z. hoch. Dann sieht man das Bild eines lebensgrossen stehenden Bettelknaben, aus der Zeit seiner stren naturalistischen Richtung, das Bildniss des Cardinals Rospigliosi, damals Nuntius am spanischen Hofe, das Bildniss eines jungen Spaniers mit unvollendeter Hand, das Brustbild eines spanischen Kriegers im Harnisch mit einer Feder auf der Mütze, und das Brustbild eines Mannes. Das siebente Bild kam erst in letzter Zeit in die Pinakothek, und stellt Lot mit den beiden Töchtern in Lebensgrösse dar. Dieses Gemälde war mehrere Jahre im Han- del, bis endlich der verstorbene Gallerie-Direktor R. Langer um 1200 Gulden ein köstliches Bild von Velasquez erhandelt zu ha- ben glaubte. Das Bild zeigte Übermalungen, unter welchen aber Langer das vollkommene Original verborgen glaubte, während sich bei der Restauration der Grund des Bildes zeigte. Gegenwärtig ist das Gemälde hoch gehängt, damit man nicht sogleich erfahren kann, wie ein ächter Velasquez um einige hundert Gulden zu er- halten ist. Das anerkannte Gemälde mit dieser Darstellung war in der Gallerie Orleans, und kam später in den Besitz des Sir Henry Hope in London, welcher 500 Pf. St. dafür bezahlte. Der Alte schläft an der Felsenwand im Schoosse einer schönen Toch- ter, und die andere deutet nach der Ferne, wo die Stadt in Flam- men steht.
In der k. k. Gallerie des Belvedere in Wien ist das Familien- stück des Künstlers. Er malt im Grunde des Arbeitszimmers an einem Bilde, während im Vorgrunde seine Frau mit den Kindern und anderen Personen versammelt ist. H. 4 F. 9 Z., Br. 5 F. 5 Z. Daneben ist im Belvedere auch ein Bildniss Philipp IV. von Spanien, lebensgrosses Kniestück in schwarzer Kleidung mit einem Blatt Papier in der Rechten. Ferner sind hier drei Bildnisse einer kleinen spa- nischen Prinzessin, einmal als Kind neben einem Tische stehend, dann als kleines Mädchen mit dem Hunde auf dem Sessel, beide in ganzer Figur, und dann im Kniestück mit dem Sacktuch in der linken Hand. Velasquez malte bekanntlich für den kaiserlichen Hof in Wien das Bildniss der jungen Prinzessin Margaretha, welche später Kaiserin wurde. Im Belvedere ist auch das Bildniss eines spanischen Prinzen, der als Knabe neben dem Stuhle steht, le- bensgrosse ganze Figur. Dies ist wahrscheinlich der Prinz Don Baltasar Carlos, der Bruder der Prinzessin. Schliesslich findet man in dieser Gallerie das lebensgrosse Brustbild eines lachenden Bauern, der eine Blume hält.
In der Gallerie des Grafen Lamberg in Wien sind zwei Skiz- zen zu den grossen Reiterbildern Philipp IV. im Museum zu Ma- drid, dann ein treffliches Bildniss der Gemahlin dieses Fürsten. In der Sammlung des Grafen von Tourn daselbst ist ein Bild des Kindesmordes.
In der Gallerie des k. Museums zu Berlin ist das Bildniss eines Mannes mit langem, blonden Haar, in schwarzer Kleidung mit Degenkoppel, dann ein Portrait des Cardinal-Infanten Fer- nando von Spanien, im hellen und klaren Ton, sehr fleissig gemalt.
Eigenhändige Bildnisse des Meisters.
Man findet mehrere Bildnisse dieses Meisters, meistens in jüngeren Jahren, wo er einen leichten Schnurr- und Knebelbart, und etwas lange, krause Haare trägt. Der Hemdkragen ist über den Rock geschlagen, und mit Spitzen besetzt. Das Gesicht ist voll. Ein sehr schönes Bildniss dieser Art hat in neuer Zeit Pannier nach einer Zeichnung von Sandos gestochen. Paris chez Gavard, kl. fol. Ein in England vorhandenes Bildniss des Meisters hat neuerlich Bromley radirt, für O. Neil's Dictionary of span. Painters, B. Amettler hat ein solches 1804 für das Werk: Barones illustres espanoles gestochen, 4. G. Rossi stach das Bildniss, welches in der Sammlung der Künstlerportraite in der Tribune der Gallerie in Florenz sich findet. Da sind aber zwei Gemälde dieser Art. Sein Bildniss findet man auch im spanischen Museum zu Paris, in Landsdownhouse, und in Aspleyhouse zu London. In Rom malte der Künstler sein Bildniss, welches er an Pacheco nach Madrid schickte, wir kennen aber den jetzigen Besitzer nicht. Im Museum zu Madrid kommt sein Bildniss auf dem grossen Gemälde ; vor, welches unter dem Namen der Familie bekannt ist. Im Belvedere zu Wien findet man das Familiengemälde des Meisters, gestochen in S. von Perger's Galleriewerk, welches bei Haas in Wien erschien.
Stiche nach Werken dieses Meisters.
Papst Innocenz X., das Bild in der k. Gallerie zu St. Petersburg, ehedem in Houghtonhall, in Mezzotinto von V. Green, 4
Philipp III. von Spanien zu Pferd, radirt von F. Goya 1778, gr. fol.
Margaretha Theresia von Oesterreich, die Gemahlin des Obigen, zu Pferd, das Gegenstück zu obigem Blatte.
Diese beiden Bildnisse sind auch lithographirt, für J. Madraza's Galleriewerk, gr. fol.
Margaretha Theresia Infantin als Kind, das Bild in der hist. Gallerie zu Versailles, gest. von Conquy für Gavard's Gall. hist. de Versailles etc., gr. 8.
Philipp IV. von Spanien auf einem galopirenden Pferde, das berühmte Bild im Museum zu Madrid, radirt von F. Goya 1778, gr. fol.
Isabella von Bourbon, Königin von Spanien. Gemahlin Philipps IV. in ihrer Jugend zu Pferd, das berühmte Bild in Madrid, radirt von F. Goya 1778, gr. fol.
Philipp IV. und seine Gemahlin, beide in halber Figur, radirt von F. Goya, fol.
Philipp IV. zu Pferd von der Religion gekrönt und von allegorischen Figuren umgeben, nach dem Bilde der Gallerie in Florenz von C. Maragli gestochen, Cab. du Grand - Duc, gr. fol.
Don Baltasar Carlos, Sohn Philipps IV. zu Pferd, radirt von F. Goya, fol.
Don Baltasar Carlos, als junger Prinz zu Pferd in Carriere, Gest. von R. Earlom, qu. fol.
Don Fernando, Infant von Spanien, als Jäger mit Hunden, radirt von F. Goya, fol.
Das berühmte Bild der Familie (Theología de la pintura) im Museum zu Madrid, radirt von F. Goya, nach der Rothstein- zeichnung im Besitze des C. Bermudez, gr. fol,
Barbaroxa, ganze Figur mit gezogenem Schwerte, das Bild im Museum zu Madrid, von F. Goya radirt, fol.
Don Gaspar Guzman Graf von Olivarez, zu Pferd, das be- rühmte Bild im Museum zu Madrid, radirt von F. Goya 1778,
fol.
Derselbe, grosse Büste in Oval von Palmzweigen. Die Genien am Podestale sind von Rubens gezeichnet. P. Pontius sc., 8 gr. qu. fol.,
Dieselbe Büste, gest. von C. Galle, fol.
Der Carmeliter Bruder Joseph, gest. von S. Carmona, kl. fol.
Die Dame mit dem Fächer, nach dem Bilde der Gallerie Aguado von J. M. Leroux gestochen, gr. 8.
Ein junger Mann mit langen Haaren und kleinem Halskragen, angeblich ein Bildniß des Velasquez, lith. von Piloty für das Münchner Galleriewerk, fol,
Die Haare stimmen nicht für Velasquez, auch ähneln die Züge nicht mit jenen des ächten Bildnisses, welches Pannier gestochen hat,
Ein geharnischter Ritter zu Pferd, imitirte Handzeichnung, vielleicht zu einem Bilde Philipp IV., fol,
Ein Mann im Harnisch mit einer langen Feder auf der Mütze, lith. von Lorenz Quaglio, für das Münchner Galleriewerk, fol.
Bildniß eines Schreibers in ganzer Figur mit dem Hute auf dem Kopf, in einer steinigen Landschaft sitzend, und in einem grossen Buche blätternd. Auf dem offenen Buche zu seinen Fü- ßen steht ein Tintenfass. Dieses Blatt hat F. Muntaner nach dem Bilde im Museum zu Madrid gestochen, und in der Inschrift im Rande heisst es, dass man die dargestellte Person nicht kenne. Wahrscheinlich einer der Zwerge Philipp IV. Coleccion de las estampas grabados ä buril etc. Madrid 1704, fol,
Ein alter Herr in Amtskleidung, angeblich der Alcade von Ronquillo, radirt von F. Goya, fol.
Der Zwerg Philipp's IV. (el Nino de Ballecas) gestochen von B. Vazquez für das spanische Galleriewerk, gr. fol.
Die beiden Zwerge des Königs Philipp IV., die Bilder im Mu- seum zu Madrid, radirt von F. Goya 1778, 8
Loth mit seinen Töchtern, nach dem berühmten Bilde aus der Gallerie Orleans, dann bei Th. Hope zu London, von Ph. Triere gestochen, qu. fol.
Die Findung des Moses, die Scene, wie die Zofen der Prin- zessin das Kind im Korbe vorzeigen, das Bild aus der Gallerie Orleans, jetzt im Besitze des Grafen von Carlisle in London, gest, von Delaunay, fol.
Jakob mit dem Hirtenstab, und dem Pelzrachen auf dem Rü- cken an einer Felsenwand, wie er mit der rechten Hand eine Be- wehung macht. Rechts oben ist eine Schrift mit dem Namen Ra- chel, so dass diese den Hirten beschäftiget. Gestochen von L. Gruner, und dem Finanzrath Heinrich Wilhelm Campe dedicirt 1820. Halbe Figur, fol.
Christus am Kreuze, das berühmte Bild aus S. Placido, jetzt im Museo del Prado, lith. von Taylor für J. Madrazo's Gallerie- werk, gr. fol.
Christus am Kreuze, das berühmte Bild aus der Kirche des heil. Placidus, jetzt im Museum zu Madrid, gest. von S. Car- mona, fol.
Eigenhändige Radirungen.
Wir kennen folgendes radirte Blatt von diesem Meister, wel- ches sehr selten vorkommen dürfte. Es ist malerisch behandelt, zumeistentheils mit der kalten Nadel. Velasquez sah dabei besunders auf
Arbeit, weniger auf scharfe Umrisse, F. Goya scheint bei seinen Radirungen den Velasquez zum Vorbilde genommen zu haben.
Bacchus und die Bauern, das unter dem Namen los Borra- chos berühmte Bild im Museo del Prado zu Madrid. Der halbnackte Bauernbacchus sitzt gegen links auf einem Fasse, und krönt einen vor ihm Knieenden dicken Trinker mit Weinlaub. Hinter ihm hält eine bereits bekrönte hagere Gestalt das Kelchglas, und links vorn kauert ein bekleideter Mann mit Weinlaub um den Kopf. Rechts harret eine Gruppe von fünf anderen Durstigen, jeder mit seinem Trink- gefässe in der Hand, und schmachtend nach der Gabe des Bacchus. Links unten im schmalen Rande steht: Diego Ve- lasquez fe. H. 9 Z. 5 L., Br. 12 Z. 2 L.
Das Bildniss des Grafen Guzman Olivarez, von Heller er- wähnt. H. 5 Z. 2 L.? Br. 3 Z. 3 L. Selten. In der Spek- ter'schen Auktion 7 Thl. 18 gr.
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