Einleitung

Lückenhaftigkeit zu entgehen !

Nur eine kleine Strecke habe ich noch zurückzulegen, so dass mit dem folgenden Bande die ganze Masse gesichert ist, welche im Verlaufe von fünfzehn Jahren zum Berge ge- worden war. Dasjenige, was noch zerstreut liegt, werde ich dann gewissenhaft sammeln, wenn Gott es gibt, und das Va- terland unter den drohenden Kriegswürfel nicht erstarret.

München im .

Der Verfasser.

Ph. Veit machte seine Studien von 1809 — 1811 unter Profes- sor Matthäi in Dresden , wo er übrigens im Hause der Schwester des F. v. Schlegel die väterliche Obhut nicht vermisste. Nach Ver- lauf dieser Zeit begab sich der junge Künstler nach Wien, wo jetzt sein Pflegevater in Diensten des Erzherzogs Carl stand, durch seine Vorlesungen über Geschichte und Literatur einen gros- sen Kreis von Zuhörern um sich versammelte, und durch seine Dichtungen kühn und muthig die Vaterlandsliebe entfachte. Ph. Veit theilte die Begeisterung, und trat als Freiwilliger in die Reihe der preussischen Krieger, welche gegen Frankreich fochten. Nach hergestelltem Frieden warf sich Veit in Wien wieder der Kunst in die Arme, welche fortan die begeisterte Gefährtin seines

Veit wurde 1830 Direktor des Städel'schen Instituts zu Frank- furt am Main , da F. Overbeck dem Rufe nicht folgte. Von dieser Ernennung an war die Zeit des Künstlers getheilt, da er als Vor- steher der städtischen Kunstanstalt und ihrer Gallerie einen grösseren Wirkungskreis erhielt. Die neue Schule war jetzt von Rom aus nach Deutschland verpflanzt, da Cornelius in München, und Scha- dow in Düsseldorf einen Kreis von gleichgesinnten Jüngern um sich versammelt hatten. Nur Overbeck blieb in Rom, ebenfalls nicht ohne grossen Anhang. Was Veit seit dieser Zeit in Frankfurt leistete, kommt dem Höchsten gleich, welches die Schule hervor-

brachte, und er ist neben Cornelius derjenige, welcher mit Geist und Phantasie ein weites Feld bebaut. Die Richtung seiner geläu- terten späteren Kunst haben wir Eingangs bezeichnet. Zu seinen frühesten, in Frankfurt ausgeführten Werken gehört das Bild des heil. Georg, welches er 1835 für die kleine Kirche zu Bonsheim in Hessens ausführte. Die Auffassung ist ernst und würdig, und auch durch Schönheit in Zeichnung und Färbung spricht dieses Werk in hohem Grade an. Noch vorzüglicher ist aber das Bild im Städel'schen Institute, welches Simeon im Tempel vorstellt, wie er sich selig preiset, das Heil der Welt gesehen zu haben. Auch F. Bernus du Fay in Frankfurt kam in den Besitz eines herrli- chen Bildes, welches die heiden Marien am Grabe darstellt, und von einer späteren Darstellung dieser Art im Besitze des Königs von Preussen zu unterscheiden ist. Diese Bilder sind durch litho- graphische Nachbildungen bekannt, und sind gerade nicht die ein- zigen, welche des Rühmens werth sind. Es finden sich noch meh- rere andere Werke, welche auf gleiches Recht Anspruch machen, wie das herrliche Bild der Germania im Städel'schen Institute, wel- ches ebenfalls lithographirt ist.

Dieses Institut besitzt aber auch ein grossartiges Werk in Fresco, welches die Einführung des Christenthums und der Künste in Deutschland zum Gegenstande hat, und im Carton 1836 vol- endet war. Dieses berühmte Gemälde liefert namentlich den Be- weis, dass Veit im Stande ist, die umfangreichste Aufgabe mit philosophischem Geiste zu erfassen, und durchzuführen. Das Bild ist figurenreich, aber meisterhaft und sinnig geordnet, ein Haupt- werk der neueren Kunst im Allgemeinen. Als Seitenbilder dienen zwei großartige Figuren, welche die Germania und die Italia vor- stellen, erstere eine blonde Frau von zarten geistigen Zügen mit schwermüthigem Blicke, im Kaisermantel mit dem Reichsschilde, letztere eine kräftige Gestalt auf Bruchstücken antiker Pracht si- tzend von Pinien und Cypressen umgeben, wie sie gedankenvoll auf die Trümmer römischer Tempel und Paläste schaut. Das

Auch im Römer zu Frankfurt, dem ehrwürdigen Zeugen deutscher Größe, sind Bilder von Veit. Da sieht man die Bilder der Kaiser Otto I. und Friedrich II., letzterer mit dem Falken auf der Hand in dichterischer Begeisterung. Dieser Saal wurde bekanntlich erst vor einigen Jahren mit Kaiserbildern geziert, und somit bildet jetzt der Römer eine Galerie historischer Portraits von verschiedenen neuen Meistern. Die Concurrenz zur Darstellung des unlängst in Frankfurt vergebens projectirten Kaisers wird wohl nicht mehr stark seyn.

Im Jahre 1843 erhielt der Künstler von der Stadt Frankfurt den Auftrag, für den Dom daselbst ein grosses Altarbild zu malen. Er wählte die Himmelfahrt Mariä, welche 1840 zur Vollendung kam, und dem Künstler neue Lorbeeren brachte. Veit konnte von 1813 an wieder über seine volle Zeit gebieten, da er die Stelle eines Directors des Instituts niedergelegt hatte, um ungestört seinem Berufe zu leben. Nach Vollendung des Domwerkes führte er für den König von Preußen drei Gemälde aus, welche zu den schönsten Erzeugnissen des Meisters gehören. Das eine stellt die beiden Marien am Grabe dar, und wurde noch 1846 vollendet. Das zweite Bild schildert auf originelle Weise die Parabel vom barmherzigen Samariter. Unter diesem erscheint hier Christus, welcher den am Abgrund liegenden Verwundeten rettet, während Moses und Aaron vorbeigegangen sind, um das Gesetz am Sabathe nicht zu verletzen. Das dritte Gemälde hat die ägyptische Finsterniss und ihre Schrecken zum Gegenstande, ebenfalls in origineller Auffassung, da der Künstler seinen Gegenstand auf das Geistige bezog. E. Steinle copirte dieses Bild für den Lord Egerton in London. Die Cartons der drei genannten Bilder besitzt der Grossherzog von Baden. Im Jahre 1847 führte Veit für den König von Preußen eine grosse Zeichnung zu einem Frescobilde aus, in welcher sich das eigenthümliche Talent des Künstlers von glänzender Seite zeigt. Dieses Werk hat die Verherrlichung der christlichen Kirche und des preußischen Staates zum Gegenstande. Der König fand sich damit vollkommen befriediget, und ertheilte dem Künstler den rothen Adlerorden. Ueberdies malte P. Veit auch Porträts, die von wahrhaft künstlerischem Werthe sind. Sein eigenes, 1820 von C. Vogel von Vogelstein in Rom gezeichnet, ist in dessen Portrait-Sammlung. Allemand hat 1840 sein Bildniss lithographirt.

Stiche und Lithographien nach Werken dieses Künstlers.

Die fetten Jahre, nach dem Frescobilde in der Villa Bartholdi, gest. von C. Müller, nach dem Carton im Städel'schen Institute, für die Geschichte der neueren deutschen Kunst von Graf A. Raczynski 1836, qu. fol.

Das Gegenstück bildet C. Barth's Darstellung der mageren Jahre nach Overbeck's Bild.

Simson im Tempel, das Gemälde im Städel'schen Institute, lith. von N. Hoff, roy. fol.

Christus an der Thüre, nach einem berühmten Gemälde in Rom, gest. von F. Ruscheweyh, 1830, 8.

Christus bei den Jüngern in Emaus, lith. von C. Becker, gr. qu. 8.

Die beiden Marien am Grabe, das Bild bei Herrn F. Bernus du Fay zu Frankfurt, lith. von C. Becker, roy. qu. fol.

St. Anna, gest. von F. Ludy, gr. 8.

Der heil. Thomas berührt die Wunde Christi, gest. von E. Schäffer 1842, gr. fol.

Biblische Darstellungen, in der Bibel nach Dr. Luther's Ueber- setzung München, xylographische Anstalt von Schneider und Braun, roy. 8.

Germania, nach dem Bilde im Städel'schen Institute zu Frank- furt, lith. von Hahn, roy. fol.

Die Einführung der Künste in Deutschland durch das Chri- stenthum, das Frescobild im Städel'schen Institute, gest. von E. Schäffer. Mit einer Arabeskenverzierung und mit Medaillons nach Steinle. Als Seitenbilder dienen die allegorischen Figuren der Ger- mania und Italia, von Schäffer und Goebel gestochen 1840, gr. fol.

Die drei Künste, nach einer Zeichnung lith. von Hahn, gr. fol.

Ubi sunt compositiones, lith. von C. Becker für die Skizzen eines Compagnonsvereins (zu Frankfurt a. M.) I. Heft 1846, qu. fol.

Die Künstlerwerkstätte des Meisters, Holzschnitt von E. Graeff, Meisterwerke deutscher Holzschneidekunst (?). (Leipzig 1840) fol.

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