Verschiedene Studien und einzelne Figuren, Trachten u., s. w. Mehrere solcher Blätter findet man in Zanetti's seltenem Werke: Varie pitture a fresco. Venezia 1760. .
K
Landschaften..
Die landschaftlichen Compositionen dieses Meisters sind von grossem Interesse, da sie in Formen und Linien zu den schön- sten Kunstschöpfungen desselben gehören. Mehrere solcher Blät- ter haben wir schon oben nach ihrer Staffage erwähnt, die theils ins biblische, theils ins mythologische Gebiet einschlägt. Hier nen- nen: wir einige der vorzüglichsten Blätter, deren Staffage eigent- lich dem Genre oder der Idylle angehört. Ueberdiess verweisen
Grosse Landschaft mit Kühen und Ziegen, rechts eine Mel- kerin, und in der Mitte ein Knabe mit dem Fasse. Holzschnitt, immer dem Tizian selbst zugeeignet, aber wahrscheinlich von Bol- drini, s. gr. qu. fol,
— Landschaft mit dem Schäfer, welcher die Heerde gegen rechts den Berg hinauftreibt, wo ein bellender Hund zu sehen ist. Ein Bild dieser Art ist in der Sammlung der Königin von England , gest. von J. Linnell für das Galleriewerk des Buckingham Pala- stes, 1830, gr. fol. Der ältere Stich, vielleicht nach einer Ca- pitälzeichnung des Meisters, ist von M. Rota. Luc, Bertelli For- mis. Bartsch erwähnt dieses schöne Blatt nicht. H.6 Z.9L.,
Die Copie ist von der Gegenseite,
Der Pilger am Meeresstrande, nach der gewöhnlichen An- nahme P. Aretino, wie er das Gedicht an die Sirene recitirt, deren Gestirn ihm am Himmel erscheint, Helldunkel von zwei Platten, nach Tizian's oder Parmesano's Zeichnung, fol.
Es gibt Abdrücke ohne, und mit den drei Sonetten.
Der junge Bauer zu Pferde mit dem Hasen am Stocke, Hell- dunkel von Boldrini 1566, fol.
Der Stier und der Hirtenknabe, Helldunkel, anscheinlich von Boldrini, fol.
Gebirgslandschaft mit Gewitter, rechts ein nacktes Weib bei einem Manne, links bei Gebäuden eine Mühlwehr. Unten: Sem- per amat — — carentes. Breit radirt, die Nadelarbeit von Batt., del Moro oder von Brambilla, der Stich von B. Fratico, qu. fol.
Ein Jäger bei einem nackten Weibe, vielleicht Venus und Adonis, an einem Hügel in der Landschaft ruhend, links am Fusse der Gebäude. Im Charakter Tizian's componirt, und wahrschein- lich von B. del Moro radirt. Auch Dom. Barriere und Brambilla könnten diese breite Radirung geliefert haben, gr. qu. fol.
Die ländliche Meierei, im Vorgrunde die gemelkte Kuh, der Bauer und die Bäuerin am Baume. Aeusserst kräftig radirt, und dem Batt. del Moro zugeschrieben, qu. fol.
Die Bäuerin, welche die Kühe tränkt. Batt. del Moro fec., qu. fol.
Grosse Gebirgslandschaft mit einem Flusse, auf welchem ein Kahn zu sehen ist. F. van den Wyngaerde fec. et exc., kl. qu. fol.
Grosse Gebirgslandschaft, rechts ein grosser spitzer Felsen, links Landhäuser, Id. fec. et exc., kl. qu. fol.
Gebirgslandschaft, links einige spitze Felsen mit Burgen, am Fluss Waldung mit Hirschen und einer Mühle, rechts vorn ein hoher Baum, und links bezeichnet: D. B. (Dom., Barriere), gr. qu. fol.
Grosse Landschaft mit einem Alten am Grabmahl. In Dom. Barriere's Manier radirt, gr. qu. fol.
Dieselbe Darstellung, ganz leicht geätzt. Unten: Sat sibi — — dextre. qu. fol.
Landschaft mit einer Brücke. V. le Febre del. et fec., qu. fol. Landschaft mit Viehherde und dem schlafenden Hirten, V. le Febre fec., qu. fol.
Landschaft mit einer Schafheerde und dem flötenden Hirten, V. le Febre fec., qu. fol.
Landschaft mit einem alten Manne mit der Mandoline, der bei einem Weibe am Boden liegt. V. le Febre fec., qu. fol.
Landschaft mit Wäscherinnen beim Dorfe. V. le Febre fec., kl. fol.
Landschaft mit einem Hirten und einer Nymphe. Lisietius fec., kl. fol.
Landschaft mit einem Reiter, der sein Pferd am Flusse führt. Cornille fec., qu. fol.
Landschaft mit Staffage, von F. Bologni imitirt. Stockholm No 4820, qu. fol.
Eine Folge von 6 Landschaften mit historischer Staffage, von E. du Pérac radirt, einige mit Camocio's Adresse, kl. qu. fol. Eine Folge von Landschaften, Chez P. Mariette à Paris, qu. fol. Anhang.
Frühere Schriftsteller schrieben dem Tizian auch die Zeich- nungen zum Trachtenbuche des Cesare Vecellio zu. Wir haben darüber im Artikel desselben Näheres berichtet. Dagegen könnte Tizian an den Zeichnungen zu den Werken des G. M. Verdizotti Theil haben. An gehöriger Stelle ist darüber gehandelt.
Man findet auch angegeben, dass die Holzschnitte in Nico- lai's Reise in die Türkei (Antwerp, W. Silvius 1576, 4.) nach Ti- zian's Zeichnungen gefertigt seyen. Die fein geschnittenen Blät- ter dieses Werkes sind meist von A. Londerseel, und die übrigen von den Monogrammisten C. J. und A. S. (A. Silvius?). Die Zeichnungen sind wahrscheinlich von Peter Breughel, auf welchen das Zeichen P. B. in der oberen Bordüre des Titels deuten dürfte. Vgl. Weigel's Kunstkatalog Nr. 15493.
Dann schreibt man unserm Meister auch häufig die Zeichnun- gen zu Vesal's Anatomie zu, welche 1538 zuerst vollständig, 1543 im Auszuge erschien, und dann noch viele Ausgaben erlebte. Die berühmten Holzschnitte dieses Werkes sind nicht von Tizian, son- dern von seinem Schüler Johannes Stephan von Calcar gezeichnet. Über die Vesal'schen Abbildungen haben wir eine treffliche Ab- handlung von Choulant. Leipzig, Voss, 1843, 4.
Dann haben wir auch eine Folge von 18 anatomischen Figu- ren, welche Dom. Bonavera gestochen hat, fol. Auf einigen die- ser Blätter stehen die Buchstaben T. I. D., auf anderen T. D. J. und: D. B. S. Die ersteren sollen Titianus Invenit Delineavit be- deuten, die anderen auf den Stecher sich beziehen. Bonavera lebte im Jahrhundert nach Tizian, und gab dieses Werk zum Unterrichte für junge Künstler heraus. Ob er wirklich Tizianische Zeichnungen vor sich hatte, lassen wir dahingestellt.
Blätter, welche diesem Meister zugeschrieben werden.
Man schreibt diesem Meister nicht nur mehrere Radirungen, sondern auch Holzschnitte als eigenthümliche Arbeiten zu, allein weder das eine, noch das andere kann bewiesen werden. Ridolfi sagt nur, dass Tizian mehrere Zeichnungen auf Holzplatten aus- geführt habe, die er dann von anderen Künstlern nachschneiden ließ. Wir erwähnten schon oben eines Domenico dalle Greche,
welchen Tizian selbst zum Formschnitt anreizte, ferner des Nicolo Boldrini Vicentino, und eines anderen Meisters aus Vicenza, des Giu- seppe Scarioli, welche neben Matteo Bolzetta nach Zeichnungen Tizian's in Holz geschnitten haben. Als späterer Meister ist An- drea Andreani zu bezeichnen, welcher vielleicht zu einigen ältere- nen Platten Tonplatten hinzugefügt hat, um sogenannte Helldun- kel zu erzeugen. Doch schnitt Andreani auch andere Blätter nach Tizian in Holz. Mehrere von den älteren Formschnitten wurden dem Meister selbst zugeschrieben, wir führen sie aber hier nicht auf, da sie schon im obigen Verzeichnisse der Blätter nach Tizian vor- kommen, obgleich wir nicht bestreiten wollen, dass Tizian selbst sich im Formschnitt versucht haben könnte, da Beispiele dieser Art häufig vorkommen. Bartsch, P. gr. XVI, p. 65 ff., beschreibt neun radirte Blätter, welche unter einigen anderen dem Tizian mit eben so wenig Grund beigelegt werden, als die Formschnitte. Er hat wahrscheinlich gar nicht in Kupfer radirt, und wenn auf solchen Blättern Titianus f. steht, so gab vielleicht nur Handels- spekulation den Impuls dazu. Der Kenner, welcher Namen und Monogramm als zufällig zu betrachten gelernt hat, wird einsehen, dass diese Blätter nicht von Einer Hand kommen, sondern dass vier oder fünf Meister Theil haben. Sicher sind sie alle nach Tizian's Zeichnungen gefertigt.
- Die heilige Jungfrau bei einer drapirten Wand, mit dem ne- ben ihr stehenden Kinde, Rechts durch das Fenster sieht man auf Landschaft, in welcher ein einzelner Baum steht, und weiter ein kleines Schloss sich zeigt. Rechts unten am Steine: Titianus pinx. Diese Darstellung ist eben so schön, als das Blatt geistreich radirt ist. Die Arbeit gleicht Hollar. In der Gallerie des Belvedere zu Wien ist ein Ge- mälde, welches Jakob Mannich geschabt hat. H. 6 Z. 6 L., Br. 8 Z. 1 L.
Il. Wie oben, mit Tizian's Namen, und selten. Il. Mit Meyssens' Adresse.
- Die heil. Jungfrau mit dem Kinde in den Armen neben St. Catharina sitzend. Vor ihr kniet ein edler Venetianer in Anbetung. Rechts unten: Titianus f. Durch diese Bezeich- nung findet man ein Blatt als Werk Tizian's angegeben, welches in der Zeichnung mittelmässig, und nichts weniger als geistreich behandelt ist. H. 6 Z. 10 L., Br. 10 Z.
- Wie oben, mit Tizian's Namen. Il. Die retouchirten Abdrücke; F. V, Wyngaerde ex.
'3) Die jungen Flötenspieler, halbe Figuren am runden Tische, auf welchem das Notenbuch liegt. Links unten: tiziano inc. rechts oben A. P., äusserst fein gezeichnet. Diese Buch- staben bedeuten wahrscheinlich den Stecher, welcher in Holland gelebt haben dürfte. Das Blatt ist sehr mittelmäs- sig, und mager in der Behandlung. Solche Machwerke hätte Tizian nicht in die Welt hinausgegeben. H. 5 Z.
Bildniss einer Dame, mit einer Kette um den Hals, in welche sie mit dem Daumen der erhobenen Linken greift, Rechts oben: Titianus Pinx. et f. Dieses mittelmässige Blatt kann in keiner Hinsicht dem Tizian zugeschrieben werden. H. 6 Z. 1 L., 4 Z. 0 L.
Landschaft mit dem Drachen, welcher auf dem Boden ans-
- Wie oben, ohne Schrift, sehr selten.
Il. Mit der Adresse: Appresso Gio. Franc. Camocio.
Die Landschaft mit dem Schweinshirten (au gardeur de co- chon). Er schläft bei seiner aus einem Schweine, einer Ziege und einem Schafe bestehenden Herde. Rechts im Mittelgrunde schlafen zwei andere Männer, der eine sitzend am Fusse des Baumes, Links in der Ferne ist eine Stadt am Flusse. Unten gegen die Mitte: Ex diuino Titiani exem- plare exemplum. Schon diese Aufschrift beweiset, dass das Blatt nicht von Titian selbst herrühre. H. 7 Z. 7 L., Br. 12 Z. 2 L.
Der Flötenspieler (le flöteur). Landschaft mit einem Hir- ten, der am Ufer des Flusses vor seiner Herde nach links geht, und die Schalmei bläst. Links gegen den Grund zu ist eine andere Herde, vor welcher ein Hirte mit dem Hunde steht, während ein zweiter von hinten treibt, Ohne Namen.
H. 11 Z. 5 L., Br. 16 Z. 3 L. ; |
Von diesem Blatte gibt es eine leicht radirte Copie. Der Schäfer geht an der Spitze seiner Herde nach rechts. Eine solche Darstellung hat Valentin le Febre radirt. Es finden sich Contreindrucke,
Die Landschaft mit dem Pferdeknechte. Er führt das Pferd am Zaume den Abhang hin, und in der Mitte vorn sitzt derjenige, welcher das Pferd besteigen soll, mit dem Rü- cken nach dem Beschauer, Rechts unten: Ticianus manu propria. H. 12 Z. 3 L., Br. 16 Z. 4 L.
Die heil. Jungfrau sitzend mit dem stehenden Kinde auf dem Schoosse. Rechts ist St. Catharina, links knieen zwei Heilige, Wyngaerde exc. Man hält dieses Blatt für Tizian's Arbeit. H. 6 Z. 9 L., Br. 10 Z.
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