Veen, Octavius van

Veen, Octavius van, gewöhnlich Otto Venius oder O. Vaenius ge- nannt, wurde nach der gewöhnlichen Angabe 1556 in Leyden ge- boren, vermuthlich auf die Autorität des C. van Mander hin, wel- cher sagt (1604), dass der Künstler ungefähr 47 Jahre alt sei. Wenn sich nun dieses so verhält, so muss O. van Veen schon als Knabe von neun Jahren eine Übung im Zeichnen gehabt ha- ben, welche auffallend ist, und ein früheres Geburtsjahr bedingen möchte. In der Sammlung des Direktors Spengler in Copen- hagen war bis 1839 ein Bildniss mit folgender Aufschrift: Just. Lip- sius studiosus aet. XVIII. Die Zeichnung muss demnach 1565 ge- fertigt seyn, als O. Venius auf der Schulbank sass. Sie ist sehr alt mit farbigen Stiften ausgeführt, so dass man ein Pastell- bild vor sich zu haben scheint. Dass indessen O. Venius schon früh Übung im Zeichnen hatte, bestätiget auch van Mander, wenn er sagt, dass der Künstler schon im vierzehnten Jahre bei Isaak

Klaasz (Swanenburg) die Oelmalerei erlernt habe, ohne jedoch die wissenschaftliche Ausbildung zu vernachlässigen. Hierauf kam er unter Leitung des gelehrten Malers Dom. Lampsonius, des Ge- heimschreibers des Bischofs von Lüttich , und achtzehn Jahre war Octavius alt, als er zur weiteren Ausbildung nach Italien 'sich be- gab. Er hielt sich ungefähr sieben Jahre in diesem Lande auf, meistens in Rom , wo er mit F. und Th. Zuccaro in Berührung kam, welche auf seine weitere Kunstrichtung Einfluss hatten. Er suchte die Principien der italienischen Schule in sich aufzuneh- men, und bei einem glücklichen Sinne für Farbe ein, wirksames Helldunkel zu erzielen, wodurch er den Ruhm eines Vor- läufers der guten Zeit der belgischen Kunst sich erwarb. Doch erscheint er in einer manieristischen Richtung, wenn er auch mehr auf energische Handlung Bedacht nahm, als andere seiner Zeit- genossen. Als Mann von Gelehrsamkeit sah er strenger auf das Gestüm, als Rubens, welcher sich zu den Schülern des O. Venius zählt, und noch grösseren Ruhm erntete als der Meister, obgleich auch dieser mit Correggio sagen kann, er sei ein Maler.

Die Rückkehr aus Italien trat O. van Veen durch Deutsch- land an, und hielt sich einige Zeit an den Höfen in Wien, Mün- chen und Köln auf. Es ist aber gerade nicht anzunehmen, dass die Bilder, welche sich im Belvedere zu Wien von ihm fin- den, aus dieser Zeit herrühren; es kamen auch später noch Werke van Veen's nach der Kaiserstadt. Man sieht da die Bild- nisse des Erzherzogs Ernst von Oesterreich und des Erzherzogs Albert, General-Statthalters der Niederlande, welchen er erst später in Brüssel gemalt hatte. Dann ist im Belvedere ein Bild der Fortuna, welche auf dem Rade sitzt, mit der Rechten Kronen, Scepter und Reichthümer, mit der Linken Dornen austeilend. Ein viertes Bild, mit fast lebensgrossen ganzen Figuren, stellt die heil. Jungfrau dar, welche mit dem Kinde auf einer steinernen Erhöhung sitzt. Johannes deutet auf dasselbe, und zwei herab- schwebende Engel bringen Trauben. Auch in München fertigte O. Venius mehrere Gemälde, deren jetzt sechs in der k. Pinako- thek zu sehen sind. Sie stellen den Triumph der kath. Kirche dar. Sie erscheint immer auf einem Wagen in reichem Gefolge. Die Bilder sind auf Holz gemalt, 2 F. 4 Zoll hoch und 3 F. 3 Zoll und 5 Linien breit. In der Gallerie zu Schleissheim sind 16 Bilder auf Kupfer, welche in ganzen Figuren die Hauptscenen aus dem Leben und Leiden Christi vorstellen, von dem englischen Gruß bis zur Krönung Maria. H. 9 Zoll 5 Linien, Br. 1 F. 3 Zoll. Ausserdem findet man in Deutschland wenige Bilder von diesem gelehrten Künst- ler. In Salzdahlum sah man einst zwei kleine Bilder auf Kupfer, welche beide die Himmelfahrt Maria vorstellen, ferner das Opfer Abrahams in lebensgrossen Figuren auf Leinwand. In der Gal- lerie des k. Museums zu Berlin ist ein 3 F. 4 Zoll hohes, fast vier- eckiges Bild, welches die Musen auf dem Parnass vorstellt, wie sie vor Minerva ihr Spiel und ihren Gesang vernehmen lassen. Dieses Gemälde war in Sanssouci. Ein zweites, kleineres Bild dieser Sammlung schildert in phantastischer, doch erquicklicher Weise die Versuchung des hl. Antonius. In solchen Darstellungen ist Octavienius Vorgänger des D. Teniers. In Sanssouci ist noch eine le- bensgrosse Darstellung der Erweckung des Lazarus, vielleicht je- nes Bild, welches unter Napoleon das Central-Museum in Paris zierte, bei Landon XII. 37 im Umriss gestochen. Auch in St. Paun zu Gent ist ein Bild dieser Art. In der städtischen Gal- lerie zu Mainz ist ein grosses Bild der Anbetung der Hirten von ihm.

zwei Darstellungen aus dem Leben des heil. Nicolaus; wie er der armen Familie einen Sack mit Geld bringt, und dessen Vermeh- rung des Weizens. Ferner sieht man da ein Gemälde der Beru- fung des Matthäus zum Apostelamt, und ein anderes stellt Christus dar, wie er den Zachäus vom Feigenbaume herabkommen lässt. Ein weiteres Gemälde stellt St. Lucas im Hause des Proconsul dar. Dann sieht man da auch ein Bildniss des Bischofs Sonnius von Antwerpen.

O. van Veen lebte aber nicht beständig in Antwerpen, son- dern auch im Haag, und noch länger in Brüssel. Alexander Far- nese, Herzog von Parma, und spanischer Heerführer in den Nie- derlanden, ernannte ihn zum Ingenieur und spanischen Hofmaler. Nach dem Tode dieses Fürsten ging er in Dienste des Erzherzogs Albert, Statthalters der Niederlande, dessen Einzug er 1602 durch ein Kupferwerk verewigte. Auch das Bildniss desselben malte er, welches mit jenem seiner Gemahlin Isabella an den Hof Jakob II. von England geschickt wurde. Erzherzog Albert ernannte den Künst- ler zum Intendanten der Münze in Brüssel, wo er die letzteren Jahre seines Lebens den Pflichten seines Amtes, sowie der Kunst und Wissenschaft oblag. Aus Liebe zu seinem Fürsten schlug er jeden Ruf aus. Er sollte nach Wien, Salzburg und Spanien gehen, liebte aber im Vaterlande. Auch der König Ludwig XIII. von Frankreich machte ihm vergebens das schmeichelhafteste Anerbie- ten. Er ging nur nach Paris, um Zeichnungen für die Manufak- tur der Gobelins zu fertigen. C. van Mander sagt, der Künstler habe viele schöne Werke ausgeführt, und auch Portraits, ohne die Männer zu nennen, welche er malte. Übrigens erwähnt er ein grosses Gemälde von 1604, welches das Fest oder den Tri- umph des Bacchus vorstellt, ähnlich dem Bilde von Martin Heems- kerk, welches damals ein Herr Wijntgens zu Middelburg be- sass und im Stiche bekannt ist. Dann besass Wijntgens auch ein sehr schönes Bild, welches Zeuxis vorstellt, wie er fünf nackte Frauen nach dem Leben malt. Diese Bilder sind wahr- scheinlich noch in irgend einer holländischen Sammlung, wenn nicht verschollen, da in keiner unserer späteren Quellen Erwäh- nung davon geschieht. Wir müssen uns daher mit der Angabe einiger Gemälde begnügen, welche aus Kirchen und Palästen in ständige Gallerien übergangen. In der Kirche St. Bavon in Gent ist nach eine Erweckung des Lazarus in lebensgroßen Figuren, deren wir schon oben erwähnt haben, bei Gelegenheit der An- zeige einer ähnlichen Darstellung in Sanssouci, und in Paris zur Zeit der Napoleonischen Kunstbeuterei. Ein anderes grosses Bild stellt den Heiland im Hause des Pharisäers vor, wie ihm Magda- lena die Füsse salbt. Dieses Bild führte O. Veenius für das Re- fektorium des Klosters St. Vinox in Bergen aus, wo Descamps das Gemälde noch sah. Im Saale der General-Staten im Haag waren 127 Bilder, welche die Feste, Kämpfe und Thaten der alten Bata- ver unter Claudius Civilis vorstellen, und durch A. Tempesta's Stiche bekannt sind. Gegenwärtig sieht man diese Gemälde im Museum zu Amsterdam. Die Geschichte des batavischen Krieges

Dann fertigte van Veen auch viele Zeichnungen, die als sol- che nur zur Publication im Stiche bestimmt waren. Sie sind auf Naturpapier schwarz oder braun getuscht, und mit Oelfarben ge- hoben. Die Stiche nach diesem Meister geben einen Künstler von fruchtbarer Einbildungskraft kund, welcher immer gelehrt erschei- nen wollte. Besonders gerne sprach er sich in emblematischen Darstellungen aus, wobei die Mythe, die Geschichte und die christliche Symbolik die Hand bieten mussten. Seine Anschauungs- weise ist nicht finster, und obwohl streng katholisch, war er doch von dem spanischen Fanatismus damaliger Zeit weit entfernt. Sein erstes Werk, welches er (1607) durch den Stich bekannt machte, sind seine emblematischen Darstellungen aus den Dichtungen des Horaz, unter welchen aber nur wenige gelungen sind. Reichhalti- ger sind seine Embleme der weltlichen Liebe, welche 1608 er- schienen. Diese Darstellungen gefielen der Infantin Isabella, sie meinte aber, man könnte solchen Bildern auch einen geistli- chen Sinn unterlegen, da die Neigungen bei der göttlichen und natürlichen Liebe beinahe dieselben seyen. Der Meister sah dies als einen Auftrag an, gab 1615 seine vortreflichen Amoris divini emblemata heraus, und begleitete die Bilder mit Versen. Diese Bilder sind wirklich sinnreich und schön. Der Künstler war da- mals über die jugendliche Schwärmerei hinaus, nahe an die Sech- ziger. Er beendete damit den Cyklus, welchen er sich im Leben zu bearbeiten vorgenommen hatte. Doch starb der Künstler erst 1634, am 6. Mai. Houbracken setzt 1629 seinen Tod.

Literarische Werke dieses Meisters:

Vita D. Thomae Aquinatis. Antverpiae 1610, 4. Mit 30 schönen Kupfern nach O. Venius, von G. van Veen, Boel, C. Galle, E. Panderen und Swanenburg gestochen. |

Horatii Flacci emblemata imaginibus (et notis) illustrata, studio Othonis Vanii. Antverpiae, H. Verdussen;

Diese Ausgabe enthält die ersten Abdrücke. Spätere sind von 1612, 4. 1684, Amsterdam, gr. 8. 1683 Brux., gr. 4. 1777 Flo- renz, 4. Man findet alt colorirte und mit Gold gehobte Exemplare,

Theatre moral de la vie Humaine, represente en plus de 100 Tableaux tires d'Horace par O. Venius, expliqu. par de Cumber- ville, avec la table de Cbes. Bruxelles 1772 oder 1678, fol. A. la Haye 1755, 4.

Die Kupfer sind die der emblemata Horatii, und der Text jener der Doctrine des morveurs. Paris 1645. Die spanische Ausgabe (Theatro moral) erschien ebenfalls zu Brüssel 1660 und 1672, fol.

Amorum emblemata, versibus lat. et gallicis expressa, fig. aeneis incisa. Antverp. 1608, qu. 4.

Emblemata amatoria aliquot selectiora, versibus lat., belgicis et gallicis. Amstel., Janson 1618, qu. 16.

Historia septem infantium de Lara, a Don Rodrigo Calderon. Antwerpiae, Lisaert 1612, qu. 4.

Die 40 Blätter dieses Werkes sind von A. Tempesta.

Batavorum cum Romanis bellum, a C. Tacito libris IV. et V. hist. olim descriptum, nunc fig. aeneis expressum auctore O. Vaenio. Antuerpiae 1612, qu. 4.

Die 36 Blätter dieses Werkes sind von A. Tempesta gestochen.

Weitere Stiche nach Werken dieses Meisters.

Die Blätter, welche Gisb. van Veen nach ihm gestochen hat, kommen im Artikel desselben vor.

Otto Vaenius Batavus; Aetatis suae LXXII. Gertru- dis filia eius P. — Paul Pontius sculpsit. Halbe Figur vor der Staffelei in Oval, die linke Hand auf das Buch gelegt, kl. fol. — Im frühen Drucke fehlt die Umschrift.

Dasselbe Bildniss. P. Aeg. Rucholle sc., kl. 4.

Das Bildniss des Künstlers. Jansonius pinx. H. Hondius exe. In jüngeren Jahren, 8.

Das Bildniss des Meisters. N. de Larmessin sc., 4.

Dann kommt das Portrait des O. Venius auch bei Sandrart, Bullart, d'Argensville, und in J. de Jongh's Ausgabe des C. van Mander vor.

Albertus Card. Archidux Aust. Belgicar. Provinciar, Guberna- tor, In allegorischer Einfassung. O. Vaenius in. 3507. G. A. Vel- den fec., gr. qu. fol.

Alexander Farnese, Dux Parm. et Piacent., spanischer Heer- führer in den Niederlanden. Ottho. Vani. pinx. P. de Jode et Sichem tec. Büste, gr. 8.

Louis Duc d'Orléans. J. B. Vrints exc., fol.

Ernestus Archidux Austriae, halbe Figur mit dem Schwert,

P. de Jode exc., fol.

Willem Barnevelt, nach dem Bilde im historischen Museum zu Versailles von Thibault für Gavard's Gal. hist. de Versailles gestochen, gr. 8.

Tobias Verhaegh. Maler. P. Caukerke sc., 4.

Die Geburt Christi, oder Anbetung der Hirten, reiche Com- position. Pet. Fiens excud., kl. qu. fol.

Die Anbetung der Hirten, Composition von 10 Figuren. Quod te — —. OT.to inu,. Egb. van Panderen sculp., qu. fol.

Die heil. Familie mit zwei Engeln, welche dem Kinde Wein- trauben reichen, halbe Figuren. de Jode excud., gr. 8.

Christus im Hause des Pharisäers und Magdalena. H. Wierx sc., qu. fol.

Christus und Nicodemus, halbe Figuren. de Jode sc., 4.

Das Abendmahl des Herrn. H. Wierx sc. C. de Mallery exc., qu. fol.

Der Tod der hl. Jungfrau. mit Engeln. H. Wirix fec. J. B. Vrints excud. Vorzügliches Blatt, kl. fol.

Vero Esempio Dì Castità,

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_Io3rAAAAMAAJ/