Vecellio, Francesco

Vecellio, Francesco, Maler, der ältere Bruder des Tiziano, wurde 1525 zu Cadore geboren, und da seine Eltern in glücklichen Ver- hältnissen lebten, zu den Wissenschaften bestimmt. Allein er fühlte eine grössere Neigung zur Kunst, und somit schickte der Vater seine beiden Söhne nach Venedig , wo sie anfangs den Seb., Zuc- cati, und dann Gentile und Gio. Bellini zu Lehrern hatten. Fran- cesco machte bedeutende Fortschritte, und schon hatte er mehrere glückliche Versuche in der Malerei gemacht, als ihn die Einför- migkeit des Künstlerlebens auf den Gedanken brachte, in Kriegs- dienste zu treten. Francesco zog mit dem Heere gegen die Fran- zosen und gegen die Spanier zu Felde, und focht unter den

\ Mauern von Vicenza und Verona . Er diente unter den berühmten Hauptleuten Marcone Ferrarese und Serafin Caiese, und bewies bei jeder Gelegenheit grosse Tapferkeit. Endlich aber, als er in einem Zweikampfe mit einem feindlichen Schläger verwundet ward, und überhaupt die Mühen des Krieges zur Genüge kennen ge- lernt hatte, kehrte er in die Heimath zurück, und zog wieder die Palette hervor, mit dem festen Vorsatze, seinem Bruder nachzu- eifern, der mittlerweile schon den Ruf eines grossen Malers er- rungen hatte. Zu seinen früheren Arbeiten gehören die vier Ge- mälde der Orgelflügel in S. Salvatore zu Venedig, worunter das Bild des heil. Theodor auf dem ersten Blick an Giorgione erin- nert, wie Ridolfi behauptet. In dieser Kirche, und im Cenobium sind auch Fresken von ihm, welche Boschini beschreibt. Diese und andere Bilder erwarben auch dem Francesco Ruf, und einige derselben gingen später unter Tizian's Namen. Zu seinen Haupt- werken gehören drei grosse Kirchenfahnen für die Compagnia de'

S. Bombardieri, für die Kirche S. Eustachio und für die Confraternita degli Zoppi. In der Chiesa zu Oragio an der Brenta ist eine Tafel mit Christus als Gärtner, ein werthvolles Bild, welches theil- weise gelitten hat. In der Capelle des Campo San Piero ist ein Oelgemälde von ihm, und an der Decke der geschlossenen Stiege des Dogenpalastes ein Frescobild. In der Gallerie zu Venedig ist eine Verkündigung Mariä aus S. Nicolo di Castello. .

Im Jahre 1527 kehrte Francesco nach Cadore zurück, mit dem Vorsatze, die Malerei aufzugeben, und das einträglichere Geschäft des Handels zu pflegen. Nur in den Müssstunden ergriff er noch den Pinsel. In S. Mato zu Cadore ist ein Bild der Madonna mit dem Kinde, in Begleitung des Täufers, eines Bischofes und des Schutzheiligen der Pieve di Cadore. Dieses Altargemälde trägt die Jahrzahl 1528, und gilt für Tizian, so wie dessen Geburt, Christi in S. Giuseppe zu Belluno. Dann malte er auch noch viele Bildnisse von Freunden, und für die Kirche von Longarone einen heil. Hieronymus. In der Gallerie zu Dresden ist ein lebensgros- ses Kniestück, welches Pilatus vorstellt, wie er dem Volke den gebundenen Heiland vorstellt. Im Museum zu Berlin sieht man ein Altarbild mit der thronenden Madonna und zwei Heiligen.

Francesco starb unbeweibt 1560. Er war ein Mann von treff- lichem Charakter, ein warmer Freund, freigebig und grossmüthig, ein tapferer Soldat, ein trefflicher Maler, ein gechrter Kaufmann,

die Bürger rechneten sich ihn zum Ruhme. Über das Leben und Wirken dieses Mannes s. St. Ticozzi's Vite dei pittori Vecelli. Mi- lano 1817. Als Anhang dient die Leichenrede beim Begräbniss des Künstlers von Vincenzo Vecelli, der sich als Literat Ruf er- warb. Merkwürdige Beiträge gibt auch Dr. Jacobi Cadorin: Dello 'amore ai Veneziani di Tiziano. Venezia 1833. Zanotto fügte der Pinacotheca Veneta das Bildniss des Francesco Vecellio bei. Es ist einern Gemälde Tizian's entnommen, welches Dr. Jacobi (Cadorin) besitzt. Es stellt die heil. Jungfrau mit dem Kinde vor, in Beglei- tung des Apostels Andreas, des heil. Tiziano und eines Clerikers. St. Tiziano trägt die Züge Francesco's, und unter dem Cleriker stellte sich Tiziano Vecellio dar.

Ridolfi und Lanzi bringen unrichtige Angaben über diesen Künstler. Sie behaupten, Tizian sei auf sein Elitert eifersüchtig geworden, und habe ihn desswegen beredet, Kaufmann zu werden.

Dies ist ungegründet. Tizian hatte in ihm durchaus keinen Ne- benbuhler mehr zu fürchten.

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