Vavassore, Joanne Andrea, detto Guadagnino oder Va- dagnino, ein venezianischer Buchdrucker , gehörte ursprüng- lich zur Klasse der Briefdrucker, die zugleich auch Formschnei- der waren. Dass Vavassore in Holz geschnitten habe, nimmt man jetzt ziemlich allgemein an, nur ist es nicht ausgemacht, ob ihm auch jene Blätter angehören, welche mit den gothischen Buch- staben Z. A. und L. A. bezeichnet sind, die man einem Joan An- drea beilegt, und der dann mit Joan Andrea eine Person seyn soll, d. h. mit dem Träger der altgeformten Buchstaben Z. A. auf gleichzeitigen Holzschnitten. Diesen Meister führte Zani (Materiali etc. 109) in die Kunstgeschichte ein. Bartsch folgte nach, und sofort gewann Joan Andrea das Bürgerrecht, obgleich der Grund, auf welchem ihm die genannten Schriftsteller dieses zugestehen, unzureichend ist. Indessen spricht für einen Joan oder Giova Andrea die Copie von A. Dürer's Apokalypse, welche 1516 bei Alessandro Pallio in Venedig erschien. Auf einem Blatte steht der genannte Name des Meisters, auf acht Blättern das Zeichen Z. A., und auf einem anderen I. A. Dass hier von zwei Künstlern die Rede ist, scheint ausgemacht zu seyn, da man kaum annehmen kann, dass Meister Z. A. plötzlich von seiner gewöhnlichen Bezeichnung abging, und I. A. statt Z. A. setzte. Wir glauben daher, dass der Meister Z. A., der nach dem venezianischen Volksdialekt sich Joan, Giova oder Gioane Andrea geheißen haben mag, von I. A. zu unterschei- den sei, worunter
Der Meister A. (gotisch ) und G. A. ist wahrscheinlich der Briefdrucker und Formschneider Giovanni Andrea Vavassore, wel- cher länger lebte als Giovanni Andrea, dessen jüngstes bekanntes Blatt 1 mit 1516 datiert ist, während die Tätigkeit Vavassore's bis 1550 reicht. Es könnte sogar auf Vater und Sohn geschlossen werden, da in einem und demselben Werke beide Zeichen vorkommen.
Es scheint aber auch Vadagnino sich zuweilen der Initialen Z. A. bedient zu haben, denn die Form der Buchstaben ist von jener auf Kupferstichen, welche dem Giovanni Andrea zugeschrieben werden, verschieden,
Die zunächst genannten Werke erweisen den G. A. Vavassore sicher als Drucker und Formschneider.
Eine Biblia pauperum, mit einem kurzen in Holz geschnit- tenen Text, ein xylographisches Produkt ohne Datum. Die Zeichnung der Figuren ist roh. Auf der letzten Seite steht: Opera di Giovanni Andrea Vavassori ditto Vadagnino: stamp- ato nuovamente nella inclita citta di Venezia: Laus Deo.,
Eine grosse in Holz geschnittene Karte von Italien, mit der Inschrift im Täfelchen: Italia opera di Giovanni Andrea di Va- vassori ditto Vadagnino. Diese Karte ist äußerst selten. Im Cabinet Lloyd zu London ist ein Exemplar.
Ein grosser Holzschnitt in neun zusammengesetzten Blättern, mit der Überschrift: Labyrinthus. In den Ecken von diesen Blättern sind verschiedene Darstellungen: das Bad der Diana, Jagende etc. Auf dem Täfelchen des ober- sten linken Blattes steht: Impressum Venetiis per Joannem Andream Vaussorium cognomine Guadagninum, Höhe der einzelnen Blätter 9 Z. 6 L., Br. 14 Z. 8 Ln
Ein Exemplar dieses seltenen Werkes war in der Der- schau'schen Sammlung,
Die Arbeiten des Herkules, Folge von 10 Holzschnitten mit diagonalen Schraffierungen in kl. fol. Auf dem letzten Blatte mit der Selbstverbrennung des Heros steht auf dem am Baume hängenden Täfelchen: Opera di Giovanni An- drea Vavassori detto Guadagnino, Im k. Kupfer- stichkabinet zu Berlin findet sich ein Exemplar dieses sel- tenen Werkes,
Officia secundum sancte Romane ecclesie — cum famatissimo artis impressorie magistro Joanne Hertzog de Zandoja in Venetiarum inclita Urbe. Anno a partu virginis post mille- simum quaterque centesimum nonagesimo septimo Kalendis Octobris. Dieses höchst seltene Werk ist mit Holzschnitten geziert, welche die Buchstaben G. A. (gotisch) und G. A. tragen. 31
Ein deutsches Brevier in 4, auf Kosten des Christoph von F. Frangepan, Prinzen von Zeug und Modrusch, und seiner Gemahlin Apollonia Gräfin von Frangepan in Vene- dig gedruckt. Am Schlusse: Gedruckt vn Sarlischk. mit vntz fleissz volendet zu Venedig durch den erbarsten Meister Gregorii de Gregoriis. Im Jahr nach Christi unsern Herrn Geburt vnsers Herrn v. hundert vn XVIII iar am lestn Tag dessn monatz Oktobris. In diesem Werke sind Holzschnitte mit diagonal- len Schraffirungen, welche bis auf sechs unbezeichnete Blät- ter mit den gothischen Buchstaben i. a. und I. A. versehen sind. Die Zeichnungen sind grossentheils von Benedetto Montagna, und der Schnitt scheint von einer und derselben Hand zu seyn. Nur das Blatt vor dem Titel des Buches hat die Buchstaben Z. A. Es stellt die Krönung Mariae dar, unten St. Christoph und St. Apollonia, die Namenspatrone der oben genannten Fürstenpersonen. Dieses Blatt, welches im Schnitte ebenfalls den anderen gleicht, ist das grösste. H. 6 Z. 7 L., Br. 4 Z. 9 L.
Hypnerotomachia Poliphili, ubi humana omnia non nisi somnium esse docet, vique obiter plurima scita sane quam digna commemorat. Venetiis, Aldus 1499, fol.
Dieses außerordentlich seltene, und berühmte Werk ist mit Holzschnitten geziert, welche in der Behandlung jenen Blättern gleichen, welche mit i. a. bezeichnet sind, und die wir dem Valvassori beilegen. Einige Blätter haben das Zei- chen b., andere i. b. v. Unter b. könnte Benedetto Mon- tagna verstanden werden, die anderen Buchstaben bedeuten wahrscheinlich Giovanni Bellini Venetus, oder Giovanni Bu- onconsigli Vicentinus. Die bekannten Buchstaben i. a. und I. A. kommen nicht vor. Die zweite Ausgabe ist von 1545, mit denselben Holzschnitten. Die Pariser Ausgabe mit fran- zösischem Text von 1600 enthält Copien, 4.
- Missale Romanum: multis figuris hystoriisq. suis in locis recte appositis nec non bene correctum ac divinae scripture et doctorum sanctorum autoritatibus ad festiuitatum congrug- tiam decoratum etc. Venetiis, um 1500, 4.
Dieses Werk enthält viele und ausgezeichnete Holzschnitte, welchen wahrscheinlich Zeichnungen von G. Bellini zu Grunde liegen, da die Schönheit der Composition für ihn spricht. Mehrere Blätter tragen das bekannte Zeichen i. a., und es dürften sämtliche von diesem Meister herrühren.
Dieses sehr seltene Werk enthält 60 Holzschnitte nach Zeichnungen von B. Montagna, oder Gio. Bellini. H. 5 Z. 2 L., Br. 3 Z. 4 L. Sechzehn derselben tragen das Zei- chen i. a., andere n., was vielleicht Nicola il Giovane bedeu- tet. Auch das Zeichen J. G. (J. Guadagnino?) steht auf einem Blatte. Im Style gleichen sie jenen in der Hypneroto- machia Polyphili.
Die zweite Ausgabe schliesst: Venetiis Princeps Aelicis. Leonardo Lauredano die 41 maii MDIX. Der Drucker soll nach Panzer Giorgio de Rusconibus seyn. Die Darstellun- gen erscheinen hier in getrennten Einfassungen, und ste-
hen von den verzierten Leisten 3 Linien ab.
Die Copie der Apocalypse nach A. Dürer, 10 Blätter von der Gegenseite, welche 1516 in Venedig bei Alessandro Paganino erschienen, fol. Nur eines dieser Blätter trägt das Zeichen L. A., acht derselben sind Z. A. oder Z. &. D. bezeichnet, und auf einem anderen liest man Zova oder Zoya Andrea.
Le favole d'Esopo. Franz. Tuopps Übersetzung der Aeso- pischen Fabeln, welche in Neapel 1548 zuerst erschien, und dann in Venedig 1533. Die Blätter tragen das Zeichen i. a.
Fontana degli exempli, ein Werk mit Stickmustern, Venetia — 1550. Die Holzschnitte tragen das Zeichen i. a. Dieses und das obige Werk nennt Zanetti (Cabinet Ci- cognara p. 150), ohne genauere Angabe. Sie scheinen sehr selten zu seyn, da sie bei Brunet und Ebert nicht vorkommen.
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