Vasco, oder Gram-Vasco, Groß-Vasco, gilt in Portugal als der Verfertiger zahlreicher Gemälde, welche im gothischen Style auf Holz gemalt sind, und in die Zeit des Königs Emanuel (1405 — 1521, und Johann II. (1521 — 1567) fallen, und an welche dann andere gereiht werden, die unter der Regierung des Königs Sebastian (1557 — 1578) entstanden. Bilder dieser Art werden noch immer häufig dem Gram-Vasco zugeschrieben, besonders die älteren und besseren, während andere als Arbeiten der Schü- ler eines Meisters gelten, der selbst in den Bereich der Mythe gehört. Die Sage von der Existenz eines Gram-Vasco verbrei- tete sich in Portugal durch Guarienti, welcher 1733 — 36 in je- nem Lande war, und durch seine Ausgabe des Abecedario pitto- rico des Orlandi verbreitete sie sich auch im Auslande. Guarienti sagt, man habe in alten Schriften entdeckt, dass dieser Meister um 1480 geblüht habe, es ist aber darunter wahrscheinlich der Illuminirer Vasco zu verstehen, welchem Alphons V. ein Pa- tent ertheilte, der aber mit Gram-Vasco nicht Eine Person ist. Kurz vor Guarienti erwähnt Augustin de Santa-Maria, welcher die in Portugal vorhandenen Madonnenbilder untersuchte und sein Sanctuario Mariano herausgab, eines Malers Vasco de Vi- zeu. Er legt ihm das Epitheton insignis bei, aber Cardoso nennt ihn in seinem geographischen Lexicon von Portugal (1758) schon Grand Vasco, nach den Nachrichten, welche ihm die Pfar- rer des Landes einsendten, da diese von einem grossen Maler Vasco wussten, dem sie alte Bilder zuschrieben. Nur einer nennt ihn Vasco Casal, verwechselt ihn aber dadurch mit einem berühmten Edel- mann von Casal. Die Angaben von Seite der Pfarrämter scheinen theilweise auf jener in einem auf der Bibliothek in Porto aufbe-
Historisch ist nur der Maler Vasco Fernandes, der Sohn des Malers Francisco Fernandes, der um 1552 in Vizeu lebte, wo ihm den 18. September des genannten Jahres Vasco geboren wurde. Diesem Künstler schreibt Ribeiro Pereira, der ebenfalls aus Vizeu stammt, und nur ungefähr 40 Jahre jünger ist, ein Gemälde in der Cathedrale zu Vizeu zu, welches Christus auf Golgatha zwi- schen den Mördern am Kreuze vorstellt, mit vielen anderen Fi- guren auf dem Terrain der Schädelstätte. In derselben Cathedrale sind noch vier andere grosse Gemälde, welche Graf Raczynski nach Analogie ebenfalls dem Vasco Fernandes zuschreibt. Das schönste stellt den heil. Petrus im bischöflichen Ornate auf dem Throne dar. Beide Werke gibt der edle Graf im Dictionnaire historique in schönen lithographischen Nachbildungen: Ausserdem möchte er unter den alten Bildern, welche in Portugal dem Grande Vasco zugeschrieben werden, nur eines dem Vasco Fernandes zuschrei- ben, nämlich das Bild des heil. Michael im Besitze des Herzogs von Pamella. Die Gemälde in Vizeu weisen dem Künstler einen Rang unter den ausgezeichnetsten portugiesischen Malern damals- her Zeit an, und er verdient den Namen des Gram- Vasco, d. h. des grossen Vasco. Was man von seiner Schule sagt, ist ohne Grund, und absurd, wenn man derselben Bilder beilegt, welche augenscheinlich einer früheren Periode angehören. Ein Zeitge- nosse unsers Künstlers war der Portugiese Vasco Pereira, der nach C. Bermudez in Sevilla lebte. Man könnte glauben, dass dieser Meister mit Vasco Fernandes Eine Person sei, da Fernandes nur Sohn oder Nachkömmling des Fernando bedeutet, so wie Vasques, Sanches etc. Sohn des Vasco, Sancho heisst, und als patronymische Namen zu bezeichnen sind. Allein Graf Raczynski sah in Sevilla ein Gemälde von Vasco Pereira mit der Jahrzahl 1575, wo unser Künstler erst 23 Jahre alt war. Auch haben die Werke beider Künstler keine Analogie. Vasco Fernandes kam wahrscheinlich über das Gebiet von Vizeu nicht hinaus, und blieb daselbst in Vergessenheit, bis man das Manuscript von Ribeiro Pereira durchblätterte. Die Fabel von der unermesslichen Thä- tigkeit des Gram - Vasco und seiner Schule ist erst in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden. Guarienti hörte den Na- men eines berühmten Gram-Vasco schon häufig nennen, und sofort wurden fast alle alten Bilder einem solchen Meister zuge- schrieben. Es gereichte auch zu grossem Lobe, wenn man irgend- einen Meister den Gram-Vasco seiner Zeit nannte. Noch 1843 nannte Loureiro, Direktor der Akademie in Lissabon, in einer Rede den grossen Rafael von Urbino den Gram-Vasco Italiens.
Um 1455 lebte ein Medailleur Vasco Gonsalvez, welcher an der k. Münze betätigt war.
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