Vasari vor dem Könige leistete, die ihm anvertraute Summe

Vasari vor dem Könige leistete, die ihm anvertraute Summe, und

zerstörte so das Gebäude seines Glückes. Den Zorn des Monar-

chen fürchtend, lebte er in Florenz eine Zeitlang in Verborgen-

heit nahe beim Servitenkloster, wo jetzt die nächsten Werke des

Meisters zu suchen sind.

Im Garten des Servitenklosters zu Florenz malte er die Parabel

vom Weinberge noch in Grau, wovon sich aber nur mehr Reste

finden. Die Berufung der Arbeiter ist ganz unkenntlich, etwas

besser erhalten das Bild des Herrn, wie er den Lohn ausbezahlt.

Der Marquis Vincenzo Capponi besitzt davon eine gute Copie in

Öl, und Professor Sebastiano Castracani eine Skizze grau in Grau.

In einer Nische des Noviziats dieses Klosters malte er einen todt

Christus, welcher ausgesetzt in der Akademie zu Florenz aufbe-

wahrt ist. Er soll dafür ein Bündel Kerzen erhalten haben. Von

grösserer Bedeutung ist eine andere Pieta , welche er 1519 für das

Unter den Verhältnissen, in denen sich der Künstler gegen- wärtig befand, mag es ihm ohne Zweifel lieb gewesen seyn, die Fresken in dem benachbarten Lucale der Campagnia dello Scalzo wieder zu beginnen. Man zeigt daselbst noch ein kleines Zim- mer, welches er bewohnt haben soll. Die Gefangennehmung des Täufers gab den Stoff zum ersten Bilde. Herodes sitzt auf einem erhöhten Stuhle von zwei älteren Männern umgeben, im Mo- mente, die Gefangennehmung des Täufers zu gebieten, der ihm seinen sündhaften Wandel vorwirft. Zwei Häuscher fesseln ihn und binden ihm die Hände auf den Rücken zusammen. Lebendige Handlung, charakteristische Köpfe und schöne Gewänder zeigen auch in diesem Bilde das Talent des Künstlers. Im folgenden Bilde, dem Gastmahl des Vierfürsten mit der tanzenden Salome, herrscht aber zu wenig Leben und Bewegung. Andrea wusste sich selten in Gegenstände zu fügen, wo es auf weitverzweigte Grup- pirungen und Vereinigung vieler Personen zu einer Haupthand- lung ankam. Das dritte Bild stellt die Enthauptung des Johannes dar. Mit Zartgefühl hat der Künstler den Vollstrecker des Geset- zes, eine kraftvolle Gestalt, so gestellt, dass man weder sein Ge- sicht, noch den Hals des an den Block gefesselten Vorläufers sieht. Eine der Dienerinnen empfängt das Haupt in einer Schüssel, und die andere erschrickt entsetzt zurück. Das Schlussbild gibt die Scene, wie Salome beim Mahle das Haupt des Täufers empfängt, und selbes der Mutter überreicht, während Herodes mit verstellter Gleichgültigkeit hinblickt. Mehrere Personen, mit dem Ausdru- cke verschiedenartiger Gemüthsbewegungen, umgeben die Haupt- szenen.

In jener Zeit (1520) hatte sich Andrea mit erneutem Eifer zur Frescomalerei hingewandt. Vor dem Thore Pinti bei Florenz malte er in einem Tabernakel die Madonna in einer Landschaft, wie sie das Kind auf dem Schoosse hält. Johannes, die Wieder- holung jenes auf dem Gaddischen Bilde, zeigt mit der Hand auf ihn. Dieses einfach schöne Frescobild ist spurlos verschwunden, es haben sich aber Copien erhalten, besonders in florentinischen Häusern, dann in den florentinischen Gallerien, in der Gallerie Corsini zu Rom, und in der Stafford - Gallerie zu London, wo man das Bild für eine Wiederholung des Meisters hält. Im Lust- schlosse Poggio a Cajano, neun Meilen von Florenz, malte An- drea 1521 die Tierwelt, welche dem Caesar, dem Sieger des Pompejus, Tribut bringt, in Fresco. Vasari und Lanzi ertheilen diesem nicht ganz vollendeten Bilde grosses Lob. Es hat nach Reumont auch wirklich viel Gutes, aber der Charakter historischer Composition ist nicht verstanden, und das Werk ist ein Mittel- ding, das weder zur Historie noch zum Genre gehört. Die Fresken in Poggio a Cajano wurden erst 1580 vollendet, und zwar von A. Allori. Darauf deutet die Inschrift auf del Sarto's Bild: Anno Do- mini 1521 Andreas Sartius pingebat, et Anno Domini 1580 Alexan-

der Allorius sequebatur.

Andrea mochte indessen täglich mehr einsiechen, wie undank- bar und unüberlegt seine Handlungsweise gegen den französischen König gewesen war, und er gab den Gedanken nicht auf, dass es ihm gelingen könne, durch aufrichtige Reue Verzeihung zu er- langen, und wieder in seine früheren Verhältnisse zurückzukehren. Es fehlte ihm auch nicht an Gönner, welche ihm ihren Einfluss

Gegenstand malte er auch zu gleicher Zeit für Gio. Maria Benin- tendi, welcher das Bild dem Großherzog Cosimo schenkte; jetzt im Pitti aufgestellt, wo sich wahrscheinlich auch eine Kopie des Bildes für den Connétable befindet. Für den genannten Zanobi Bracci malte Andrea eine der ansprechendsten heil. Familien, wel- che wir von ihm besitzen, jetzt im Palast Pitti. Sie enthält vier Figuren mit dem auf dem Leintuche am Boden liegenden Kinde. In der Galerie zu Pommersfelden ist eine ähnliche Darstellung, und eine Wiederholung oder sehr schöne Kopie im Museum zu Madrid. Im Jahre 1523 war Andrea einer der jener Künstler, welche zur Ausschmückung der Brautkammer des Pierfrancesco Borgherini beitrugen, worüber Reumont S. 132 berichtet. Das Brautbett wurde von Andrea, Jacob da Pontormo, Franc. Gra- nacci und Franc. d'Ubertini Verdi mit Darstellungen aus dem Le- ben des Josephs geschmückt. Unser Künstler malte zwei Bilder, von denen jedes mehrere Momente der Geschichte enthält, mit einer Menge kleiner Figuren, jetzt in der Galerie Pitti. Diese Bilder haben alle Vorzüge des Andrea, und sind im Colorite leb- hafter als gewöhnlich. In demselben Charakter ist ein von Vasari im Leben des Franciabigio gerühmtes Bild behandelt, welches meh- rere Scenen aus dem Leben Davids enthält. Die Künstler malten es für G. M. Benintendi, und gegenwärtig sieht man dasselbe in der Galerie zu Dresden.

Um diese Zeit vollendete A. del Sarto auch die mehrmals un- terbrochenen Arbeiten für die Compagnia dello Scalzo. Noch fehl- ten die Anfangsbilder, und das erste, womit der Künstler hätte beginnen sollen, stellt Zacharias im Tempel dar, wahrscheinlich 1524 gemalt, eine ansprechende und harmonische Composition. Sie enthält die Scene mit dem Engel, Lukas 4, 10 ff. An dieses Bild schliesst sich die Heimsuchung Mariä, welche weniger gelungen ist. Nur die Gestalt des Joseph ist schön und ausdrucksvoll, die beiden Frauen entbehren jene sanfte Hoheit und rührende Schön- heit der Unschuld und Einfachheit, welche Rafael und Mariotto Albertinelli in ihre Darstellungen desselben Gegenstandes zu legen gewohnt haben. Selbst Pontormo hat in seiner Visitation im Vor- hof der Servitenkirche den Andrea übertroffen. Dagegen ist das letzte Bild, die Geburt des Johannes, das schönste dieses Cy- clus. Die Composition ist einfach. Hier ist kein Streben nach Effekt, und doch ist dieser sehr gross. Den Figuren scheint nach Vasari's richtiger Bemerkung zum Leben nur der Atem zu feh- len. Die Skizzen zu diesen Bildern sind in der Handzeichnungs- sammlung zu München. Ausser diesen Bildern malte del Sarto über den Thüren die göttlichen Tugenden des Glaubens, der Hoff- nung, der Gerechtigkeit und der Liebe.

Vielleicht nach Vollendung der genannten Bilder, doch Va- sari im Jahre 1525, fertigte del Sarto die bekannte Copie von Ra- faels Portrait des Papstes Leo X. mit den Cardinälen, jetzt in Neapel, und noch in letzter Zeit als Original angesprochen. Die Geschichte dieser Copie erzählt Vasari, wie nämlich der Papst Clemens VII. das Original dem Herzoge Friedrich II. von Mantua

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