Vasari starb 1574, nach der gewöhnlichen Angabe in Florenz , von wo aus seine Leiche nach Arezzo gebracht wurde. Dr. Gaye gibt einen Brief des Pietro Vasari, in welchem dieser am 27. Juni 1574 dem Grossherzog den Tod seines Bruders »Cavallier Maestro Giorgio« anzeigt. Sein eigenhändiges Bildniss ist in der floren- tinischen Sammlung, halbe Figur mit den Händen, vor einem Tische ernst und stattlich dastehend. P. A. Pazzi hat es für das Museo Fiorentino gestochen. Auch Baron stach sein Bildniss. Dann kommt es in Vasari's Vite de pittori etc. vor, in der flo- rentinischen Serie de' ritratti VI, 173., bei Sandrart I. Tab. S. u 6, W.
Vasari als Schriftsteller .
Wir verdanken diesem Künstler ein grosses literarisches Werk der Künstler-Biographien, in welchem er weniger als strenger und unpartheischer Forscher, wie als liebenswürdiger Novellist erscheint. Vasari musste daher von Einheimischen und Fremden Vorwürfe erfahren, wovon ihn Lanzi vergebens gerettet zu haben meint. In- dessen hat der Künstler viele Nachrichten überliefert, für welche ihm die Kunstgeschichte zu grösstem Danke verpflichtet ist. Sein Werk bietet daher in alter Ausgabe nur mehr oder weniger ge- nügende, theils mit Vorsicht zu benutzende und vielfach be- richtigte Beiträge zur Kunstgeschichte des 14., 15. und 16. Jahr- hunderts. Schon Baonari (1750) deckte in seiner Ausgabe der Vite Vasari's viele Unrichtigkeiten auf, und auch die folgenden, Com- mentatoren rügten Irrthümer und Mängel, aber ohne letztere zu ergänzen. Am ungenügendsten sind die Mittheilungen über die Schulen zu Mailand, Treviglio und Lodi, was schon Lomazzo rügt, aber ohne die Lücken auszufüllen. Auch die neueren Lo- kalschriftsteller haben nur mehr oder minder ausführlich berichtet, so dass noch vieles zu erforschen blieb. Eine erfreuliche Erschei- nung war daher die deutsche Uebersetzung der Lebensbeschrei- bungen Vasari's von L. Schorn, wovon 1832 der erste Band er- schien. Diese Ausgabe enthält die wichtigsten Anmerkungen der früheren italienischen Herausgeber, so wie die neueren Berichti-
gende von 1837 nicht mehr vollkommen, d. h. wenn man Vasari's Werk als Geschichte der italienischen Kunst hinnehmen wollte. Seit 1837 sind mehrere bei Vasari sichtbare Lücken ausgefüllt wor- den. Wir erinnern an Passavant's Beiträge zur Geschichte der alten Maler schulen in der Lombardei, Kunstblatt 1838 Nr. 10 ff., an Fürster's Briefe aus Italien im Kunstblatte desselben Jahres, an C. Promis notizie epigrafiche, Torino 1836, aus welchen sich er- weist, dass Vasari nirgends oberflächlicher ist als im Leben des Ar- nolfo di Lapo, an V. Marchese's Memorie dei più insigni pittori Domenicani. Firenze 1845 etc. Sowohl italienische, als besonders deutsche Forscher haben in neuerer Zeit Vasari's Kunstperioden ungemein beleuchtet, und der Kunstgeschichtschreiber hat daher ein reiches Material zur Benützung. Von höchster Wichtigkeit, auch für die Bearbeitung des Werkes von Vasari, ist der Carteggio inedito d'Artisti dei secoli XIV., XV., XVI. Publicato ed illustrato con documenti pure inediti dal Dr. G. Gaye. 3 tomi. Fiorenze 1839 — 4o. Weiter in die Literatur einzugehen finden wir uns nicht berufen, der Geschichtschreiber weiss, welche grosse Aufgabe ihm jetzt gegeben ist. Wir bemerken nur, dass nach dem gegen- wärtigen Standpunkte Vasari's Vite nur Beiträge zur alten Kunst- geschichte geben, an welche sich Gaye's Carteggio als Urkunden- werk schliesst.
Ausgaben der Lebensbeschreibungen von Vasari.
Vasari's Werk erlebte zahlreiche Ausgaben, und legte den Grund zu seiner Unsterblichkeit, welche ihm ausserdem nicht in dem Grade zu Theil geworden wäre. Ueber die Quellen des Schrift- stellers, und über dessen Ausgaben verdanken wir Fiorillo schätz- bare Beiträge, welche er in den kleinen Schriften artistischen In- halts, Göttingen 1803, I. S. 83 und 99 niederlegte.
Le Vite de più eccellenti Architetti, Pittori et Scultori Italiani da Cimabue insino a' tempi nostri descritte in lingua Toscana da Giorgio Vasari, Pittore Aretino. Con una sua utile e necessaria introduzzione a le arti loro. 3 Parti in 2 Volume, Fiorenza app- Lor, Torrentino impressor Ducale 1550, 4.
Diess ist die berühmte erste Ausgabe, welche selbst in Italien von der grössten Seltenheit ist. Sie hat keine Portraits, welche erst in der zweiten Ausgabe beigegeben sind. Diese Bildnisse, welche Cristoforo Coriolano (C. Lederer aus Sachsen) nach Va- sari's Zeichnungen in Holz geschnitten hat, erscheinen in Einfas- sungen oder Umgebungen, und wurden Anfangs auch apart abge- zogen, unter dem mit Holzschnittleisten versehenen Titel: Ritratti de" più eccellenti Pittori, Scultori et Architetti contenute nelle vite di M. Giorgio Vasari Pittore et Architetto Aretino, In Fiorenza Appresso i Giunti MDLXVIII, 4. Diese Ausgabe ist äusserst selten, und war allen früheren Bibliographen unbekannt. Nur R. Weigel, Kunstkatalog Nr. 15374, beschreibt ein Exemplar mit sorgfält- tig gezogenen Abdrücken, wie man sie im Buche selbst nie findet. Es enthält 133 (unten nummerirte) Blätter, welche aber damit nicht complet zu seyn scheinen, da auch noch Blätter über Nr. 133 vor- kommen, und eines die Nr. 152 trägt. In der zweiten Ausgabe des Vasari mit Text sind jedoch nur 143 Portraite, wo unten die Nummern weggeschnitten sind.
Weigel kennt auch noch eine andere Ausgabe dieser Künst- lerbildnisse, welche vor ihm nie erwähnt wurde. Dieses Exemplar-
entbehrt des Titels, und enthält 324 Blätter, worunter aber eines mit der Nr. 142 vorkommt, so dass das Werk nicht vollständig
ist. Dieses Exemplar enthält ein Vorwort, und auf dem Schluss-
blatte steht: Stampato in Firenze per Simone Ciotti L'Anno 1520, 8.
Hier fehlen die Einfassungen, das Oval ist nur durch eine einfach gezierte Bordure gebildet. Die Namen der Künstler sind mit an-
derer Schrift, als in der früheren Ausgabe, und die Zeit des Wir-
kens, meist aber das Sterbejahr, ist beigefügt.
Le vite de' piu eccellenti pittori, scultori e architettori. Scritte da M. Giorgio Vasari, pittore e architetto aretino, di nuovo dal medesimo riuiste et ampliate con i ritratti loro, e con Vaggiunta delle vite de' vili, et de' morti dall' anno 1550 in fino al 1567. Prima, seconda e terza parte in due volume., Con le tavole in ciascun volume, delle cose più notabili, de' ritratti, delle vite degli artifici, e de' luoghi dove sono l'opera loro etc. etc. Nebst Beschreibung der Feierlichkeiten bei der Vermählung des Prinzen Francesco de' Medici, und dem Leben des Autors, In Fiorenza appresso i Giunti 1568, gr. 4,
Dies ist die zweite, von Vasari selbst besorgte und vollständige Ausgabe mit Berichtigungen und Weglassungen. So fehlen z. B. die Ausführungen auf Rafael. Die von Vasari gezeichneten und von C. Coriolano in Holz geschnittenen 143 Portraits sind beige- bunden. In wenigen Exemplaren ist auf der Rückseite des Titels die Darstellung des jüngsten Gerichtes in Holzschnitt.
In demselben Jahre erschien noch eine zweite Auflage:
Le vite de' piu eccellenti Pittori, Scultori et Architettori, Scritte di nuovo ampliate da M. Giorgio Vasari Pittore et Archit., Aretino, In der Mitte des Titels ist die Darstellung des jüngsten Gerich- tes, und unten die weitere Schrift: Con i Ritratti loro et con le nuoue vite dal 1550 insino al 1567. Con Tavole copiosissime De' nomi, Dell' opere, E de' luoghi ove 'elle sono, In Fiorenza ap- presso i Giunti 1568, Con Licenza e Privilegio. Prima, Seconda e Terza Parte in due Volume. Con una breve memoria di tutti i più ingegnosi Artefici che fioriscano al presente nell' Academia del Disegno in Fiorenza — —, Con Licenza e Privilegio. In Fiorenza, appresso i Giunti 1568, 4,
Diese beiden Ausgaben gehören zu den Seltenheiten:
Le Vite de' più eccellenti Pittori, Scultori e Architetti, 3 Part. in 1 Vol. Mit Portraiten. Bologna 1647, 4, Seltene Ausgabe, aber nicht so geschätzt, wie die obigen.
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