Vasari spielt im florentinischen Kunstleben von da an die Hauptrolle, und neben ihm waren die Maler F. Zuccheri und Bronzino zu Helden des Tages geworden. Die alten Götter waren nicht mehr; Buonarroti und Tizian standen zwar noch da

Vasari spielt im florentinischen Kunstleben von da an die Hauptrolle, und neben ihm waren die Maler F. Zuccheri und Bronzino zu Helden des Tages geworden. Die alten Götter waren nicht mehr; Buonarroti und Tizian standen zwar noch da, sie näherten sich aber dem Ende ihrer über die gewöhnliche Dauer hinausgeschobenen Laufbahn. Sie konnten den Verfall der Kunst nicht mehr hindern, der jetzt mit Riesenschritten hereinbrach, da prahlende Handwerklichkeit und äussere Eleganz hinreichten, die Welt in Erstaunen zu setzen. Vasari's Thätigkeit übersteigt alle

ohne sich je Ruhe zu lassen, hat die Hand in allen grossen Un- ternehmungen, schrickt auch vor der riesigsten Aufgabe nicht zu- rück, wird allerwärts gesucht und gerufen, und scheint nichts Höheres auf der Welt zu kennen, als rasch fertig zu werden. Sein Leben und Treiben ist aber erst in neuerer Zeit ausführlich bekannt geworden, besonders durch die Briefe, welche wir von ihm haben. Er hat zwar am Schlusse seiner Vite de' pittori etc. auf naive Weise seine eigene Biographie beigegeben, und selbe bis fortgesetzt, worauf ein anderer den Schluss folgen liess. Die jetzt bekannten Briefe des Künstlers sind aber von eben so grosser Wichtigkeit. Die Passigische Ausgabe seines Werkes (Firenze 1832 — 38) enthält bis dahin in den 55 publicirten Brie- fen des Künstlers die vollständigste und correkteste Sammlung die- ser Art. Eine noch viel grössere Anzahl solcher Schreiben kam aber durch die Bemühungen des Dr. Gaye hinzu. Er gibt, im 2. Bande seines wichtigen und inhaltsreichen Carteggio inedito d'Ar- tisti etc, sieben solcher Briefe und der dritte Band enthält deren 131. Sie sind beinahe sämmtlich an Borghini, und an die beiden ersten Grossherzöge Cosmo und Francesco de' Medici gerichtet, und die Originale finden sich theils unter den Handschriften der Gallerie der Uffizien (die Borghinischen), theils im Mediceischen Archiv. Mit Borghini stand Vasari in dem freundschaftlichsten Verhältnisse, und es ist bekannt, dass dieser ihm bei seinen künst- lerischen, wie seinen schriftstellerischen Arbeiten mit Rath und That an die Hand ging. Vor allem aber glaubte Vasari an seine eigene göttliche Kunstbestimmung. Noch das Jahr vor seinem Tode schrieb er: „Mit jedem Wage werde ich mehr des Talentes bewusst, das Gott mir gegeben, denn je rascher ich renne, um so leichter, erfindungsreicher und kühner werde ich.« Dieses Ren- nen war von jeher sein Stolz, und er rühmt sich dessen in sei- nen Briefen. So sagt er 1572 in einem Briefe an Cosmus II., die Eile habe ihm im Frescobilde der Schlacht von Lepanto geholfen, und er habe seine Hände gebraucht wie in einem Türkenkampfe, Nach Herstellung der sechs grossen Cartons zu den Bildern im Vatikan schreibt er, dass dabei seine Hände wie die eines Pfeifers gingen, und er habe nie etwas Besseres gemacht. So nahm Va- sari das Arbeiten, er, der leichtsinnigste unter den Künstlern. Seine unzähligen Bilder legen Zeugniss davon ab. Viele sanken deswegen in Vergessenheit.

Vasari hatte schon vor seiner Ankunft in Florenz seine Ge- schicklichkeit in der Architektur gezeigt, als Baumeister kann man ihn aber doch erst in der genannten Stadt kennen lernen. Er rühmt sich in seiner Vita, den ersten Plan zur Villa des Pap- stes Julius III. vor der Porta del Popolo in Rom gegeben zu ha- ben, allein es scheint, dass Michelangelo beim Ganzen den gröss- ten Antheil hatte. Seine erste Bauunternehmung in Florenz war die angebliche Restauration des Palazzo vecchio, welchen er im eigentlichen Sinne umbaute, so dass nach eigener Aussage des Kunstlers die alten Meister ihr Werk nicht mehr erkennen wür- den. Er verzierte den Palazzo vecchio auch mit Wandgemälden, welche die Thaten der Mediceischen Familie verewigen sollen. Den Anfang mit diesen Gemälden machte es 1558 — 60. Im Jahre 1559 unterbrach aber eine Reise nach Rom mit dem Kardinal Gio- vanni de' Medici das Werk, weil er daselbst in der Sala regia des Vatikans grosse Arbeiten zu übernehmen hatte, welche noch in dem genannten Jahre begunnen, im folgenden an der grossen

den Arbeiten am Chore des Domes, zu den Pyramiden auf der Piazza St. Maria Novella, zu den Säulen bei S. Felice durfte nur Carrarischer Marmor genommen werden. Bei allen diesen Unter- nehmungen hatte Vasari die Leitung. Sein Werk ist auch die Kuppel der Madonna dell' Umilta zu Pistoia, es ist uns aber die Zeit nicht bekannt, in welcher der Plan dazu entstand. Im Jahre 1563 scheint eine Pause eingetreten zu sein, denn der Künstler fand Muse zur Organisirung einer Akademie, Rotunda degli Angeli genannt. Er schildert die Einsetzung in mehreren Briefen, und ein jeder Künstler durfte es sich zur hohen Ehre rechnen, wenn Vasari ihn in diese Rotunde einführte. Dem Stradanus wurde diese Ehre zu Theil, welcher in Italien zu den Lieblingsgehül- fen des Meisters gehörte. In dem genannten Jahre dachte man auch an die Vollendung der neuen Sakristei von S. Lorenzo. Va- sari legte den Plan vor, worüber Cosmus in einem Briefe vom 24. Februar 1563 sein Wohlgefallen ausserte. Bald darnach wurde der grosse Saal des Palazzo vecchio zum Malen in Verding gege- ben. Vasari hatte kurze Zeit vorher dem Herzog die Entwürfe für die Wand- und Deckengemälde zugesandt, Cosmus erwiederte, dass ihm diese Zeichnungen sehr gefallen, da sich die Entstehung und allmählige Vergrösserung des Staates darin zeige, nur meinte der Fürst, dass der Kreis und der Beistand der Räthe, welchen der Künstler dem Grossherzog in dem Bilde der Beschliessung des Krieges gegen Siena zutheilen wollte, unnöthig sei, da er es allein war, der den Beschluss fasste. Dagegen wollte er allenfalls die Verschwiegenheit hingeschrieben wissen, und irgend eine andere Tu- genschaft, die dasselbe ausdrücke, wie die Räthe. Vasari malte an- ders einer grossen Wand des Saales nämlich den Krieg gegen Siena, auf der anderen jenen gegen Pisa. In den vier Ecken sind Malereien späterer Künstler. Von J. Ligozzi ist der Empfang der 12 Gesandten bei Bonifaz VIII. im Anno santo 1300, und die Krönung Cosmus I. durch Pius V. Die Wahl des Herzogs malte Cigoli und Passignano dessen Bekleidung mit dem Mantel des militärischen heil. Geistordens. Im Jahre 1565 baute Vasari den fast eine halbe Meile langen Corridor, welcher den Palazzo vec- chio mit dem Pitti verbindet. Der Künstler rühmt sich, dieses hässliche Werk in weniger als fünf Monaten zu Stande gebracht zu haben. Hierauf traten Festlichkeiten ein, welche ihm gelegen- heit verschaffen, seine Kunst im Schnellmalen zu zeigen. Bei der Vermählung des Erbprinzen Francesco de' Medici mit Johanna von Oesterreich waren Festdecorationen nöthig, welche Vasari mit seinen Gehülfen in der kürzesten Zeit herstellte. Den Apparat beschreibt er in der zweiten Ausgabe der Vite in einer ausführli- chen Relation, und fühlt sich nicht wenig geehrt. Eine andere Gelegenheit dieser Art bot sich beim Einzuge des Kaisers Karl V.

Im Jahre 1566 unternahm Vasari eine neue Reise nach Rom, da die Arbeiten noch nicht vollendet waren. Auf der Rückreise besuchte er in Kunstangelegenheiten Ancona, Mailand, Mantua und Ferrara, denn überall wollte man das Urtheil und den Rath des Künstlers vernehmen. Im Jahre 1567 finden wir ihn wieder in Rom, wo er jetzt längere Zeit verweilte. Erst 1560 begannen die Gemälde im Palazzo vecchio zu Florenz, wo fast in jedem Zim- mer irgend eine That der Mediceer von ihm und seinen Schü- lern verewigt werden sollte; allein man beachtet diese Fresken wenig mehr. Im Jahre 1570 ging Vasari nach Rom zurück, wo er jetzt an die Vollendung der ihm übertragenen Arbeit ging, aber vieles seinen Schülern überliess, die nach den grossen Car- tons desselben arbeiteten. 1571 übertrug ihm Clemens die Vol- lendung der von Michelangelo begonnenen Laurentiana. Das Vestibul und die Stiege war noch in Arbeit zu nehmen, wurden aber nicht im Geiste des ursprünglichen Meisters durchgeführt, so dass Michelangelo an Vasari schrieb, es habe ihm von einer Treppe geträumt, welche von seiner Erfindung seyn soll, die er aber nicht als solche erkenne. Vasari hat sich auch mit der Re- staurierung der Kirche St. Croce keine Lorbeern errungen. Es fehlte ihm der Geist des Arnolfo di Lapo, an dessen grossartiges Pantheon er die Hand legte. Als eigene Erfindung nennen wir die Fassade der bizarren Grotte des Buontalenti in Bobali, wo Archi- tekt und Grottirer sich in Sonderbarkeiten gefielen. Dann machte er auch den ursprünglichen Plan zur Mediceischen Grabkapelle (terza sagrestia), und dieser Bau sollte sich im Style dem Buona- rotti'schen anschliessen. Die Zeichnung wurde aber bei Seite gelegt. Der eigentliche Architekt ist Matteo Nigetti, welcher 1604 den Grundstein gelegt haben soll.

Das Jahr 1572 sah endlich die Malereien im Palazzo vecchio und jene in Rom vollendet. Im Saale der Cancellaria, einem Prachtgebäude des Bramante mit Säulen von antiken Gebäuden, malte Vasari verschiedene Darstellungen aus dem Leben des Pap- stes Paul III., und er rühmt sich in einer Inschrift des Frieses, das ungeheure Gemach in 100 Tagen ausgemalt zu haben. Im Treppenhause, welches zur Sala regia im Vatikan führt, sind eben- falls Freskobilder von Vasari, und nach seinen Cartons von an- deren Meistern gemalt. In der Sala selbst malte er über dem Eingange Gregor IX., wie er den Kaiser Friedrich II. mit dem Bannfluch belegt. Der Papst tritt hier den am Boden liegenden Kaiser mit Füssen. Dann malte er die auf der Rhede von Mes- sina vereinigte Flotte der Spanier, Venezianer und Römer, ferner die Schlacht von Lepanto, wobei er nach eigener Aussage wie ein Türke mit dem Pinsel arbeitete. Das letzte Gemälde, welches er in der Sala regia ausführte, ist jenes, welches sich auf die Pariser Bluthochzeit bezieht. Er malte dieses Bild im Auftrage des Papstes Gregor XIII., »santo e notabile successo come fu l'Esse- cuzione contra gli Ugonotti in Francia«, sagt Francesco de' Me- dicı in einem Briefe an Vasari d. J. 20. November 1572. Vasari

Im Juli des Jahres 1573 finden wir den Künstler in Arezzo. Er baute da die Halle der Uffizien auf dem Platze, welche als Va- sari's Hauptwerk dieser Art bezeichnet werden kann. Früher schon hatte er daselbst die Kirche della Pieve restaurirt, was ihm nach eigener Aussage um so angenehmer war, da sich an diese Kirche die Erinnerungen seiner Kindheit knüpften, und seine Väter hier begraben lagen. Er rühmt sich auch, diese Kirche vom Tode ge- rettet zu haben; dafür vernichtete er aber die Bilder aus der Schule des Giotto. Seine eigenen bieten keinen Ersatz. In Arezzo steht auch noch das Haus des Meisters, grösstentheils im alten Stande. Es enthält mehrere seiner besten Zierarbeiten.

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