Vasari, GIOVANNI, Maler, Architekt und Schriftsteller , war der En- kel des obigen Künstlers, und wurde 1512 zu Arezzo geboren. Sein Vater Antonio war nicht Künstler, er zog aber den Sohn zu allem Guten, und namentlich auch für die Kunst, wie Giorgio in seiner Selbstbiographie erzählt. Daneben beschäftigte sich Va- sari auch mit den Wissenschaften, und schon als Knabe von neun Jahren sollte er den Virgil auswendig gewusst haben. Unter seinen Lehrern im Zeichnen nennt man einen Priore, worunter wohl der be- rühmte Borghini zu verstehen ist, welcher später als Spitalverwal-
lonne von Rafael's berühmtem Bilde des Papstes Leo X. mit den beiden Cardinälen, welches sich jetzt in Neapel befindet. Vor al- lem aber rühmt sich Vasari als Schüler des Michel Angelo, wel- chen er seinen göttlichen Meister nennt. Seine eigentliche Schule war Rom, wohin der Cardinal Ippolito de' Medici, der nachma- lige Papst Clemens VII., ihn führte, welcher der eigentliche Stifter seines Glückes war, da er ihm die Achtung der Medicei'schen Fa- milie in Florenz erwarb, die den Künstler nachwärts mit Eh- ren und Reichthümern überhäufte. In Rom zeichnete Vasari nach den besten alten und neuen Kunstwerken, sein Abgott war aber von jeher Michel Angelo, dem er sein Lebenlang den Hof machte, und häufig nachahmte, aber ohne jener urkräftigen Geist zu be- sitzen, welcher den Buonarotti auf einer schwindelnden Höhe er- hielt, die vielen seiner Nachahmer nur zum Verderben gereichte, Als Maler arbeitete Vasari zuerst in verschiedenen Klöstern der Camaldulenser und Olivetaner, dann in vielen Kirchen Italiens. Eine chronologische Aufzählung seiner Malwerke ist nicht mög- lich, und es lohnt auch nicht, strenge Forschungen anzustellen, da das Resultat doch nur ein unerfreuliches wäre, indem seine Richtung nur auf eine an Frechheit gränzende technische Fertigkeit geht, und der berühmte Schnellmaler nur selten etwas wahrhaft bedeutendes schuf. Als Nachahmer des Michel Angelo suchte er auch Rafael und Andrea del Sarto zu excerpiren, war aber nicht im Stande, diese fremden Ideen zu verbinden. In eigenen Composi- tionen wimmelt es von unnützen Figuren, welche oft ohne gegen- seitige Beziehung sich herumtreiben. Seine Zeichnung ist über- trieben, und das Colorit grau und matt. Es genügt daher einige seiner vornehmsten Malereien aufzuzählen, bevor wir zu den grossen Werken kommen, welche in Rom und Florenz Bewun- derung erregten. Im Jahre 1540 malte der Künstler im Kloster S. Michele in Bosco, wie wir unten sehen, und 1544 finden wir den Vasari in Neapel, wo er das Refektorium der Olivetaner Mön- che mit Fresken verzierte, von welchen Lanzi II, 310 ausführlich spricht. Im Dome daselbst bemalte er die Orgelthüren, auf der einen die Anbetung der Hirten, auf der anderen Seite mehrere Schutzheilige der Stadt, sämmtlich Bildnisse von Mitgliedern des Farnesischen Hauses, in den Formen an Michel Angelo erinnernd. Diese beiden Flügel sind jetzt über den Seitenthüren der Facade des Domes aufgestellt. Vasari hatte damals schon eine hohe Mei- nung von seiner Kunst, indem er sagt, er habe in Neapel die Geister geweckt, mit dem seine Eitelkeit verborgenden Beisatze:
*) Dieser Meister, angeblich von Marseille, wurde in neuerer Zeit näher bekannt. Er heisst Guglielmo di Piero de Marcillat. Vgl. Marchese, Memorie de' pittori etc. Domenicani. II, 211.
Bei dieser Gelegenheit erwähnen wir noch einiger anderer Bil- der, welche sich in Gallerien von ihm finden. In der Pinakothek zu Bologna sind zwei Gemälde aus San Michele in Bosco daselbst, Das eine stellt das Mahl Gregor des Grossen dar, welcher, wie Christus die Apostel, zwölf Arme speiset, in Gegenwart von vie- len Fürsten, Gesandten und anderen Personen. Vasari rühmt die- ses Bild als eines seiner besten Werke, und bemerkt, dass Gre- gor der Grosse das Bildniss des Papstes Clemens VII. sei. Un- ter den hohen Personen ist Alessandro de' Medici, der Abt Ser- raglio, der General D. Cipriano da Verona, und ein Bentivo- glio. Auch Olivetaner sind portraitirt. Das Tafelgeräthe hat nach Vasari's Angabe Cristoforo Gherardi gemalt. An einem Sesselfuss steht: Giorgio Aretino Faceva MDXXXX. Die Federzeichnung befindet sich im französischen Cabinet. Das zweite Bild stellt
Christus mit den Aposteln im Hause der Martha. Darin, wie Magdalena zu seinen Füßen auf die Worte des Lehrers horcht, und die Schwester den Tisch bereitet. Diese großen Bilder, und ein drittes, welches die Engel bei Abraham vorstellt, jetzt in der Gallerie zu Mailand, malte Vasari in Zeit von acht Monaten für das Refektorium. Er bemerkt dieses selbst in seiner Biographie. In der Gallerie Doria (früher Pamphili) zu Rom ist eine grosse Kreuzabnehmung, welche bei allen Fehlern (Vgl. Ramdohr S. 125) doch zu den besten Werken des Meisters gehört. An Reminiscenzen aus Daniel da Volterra's berühmtem Bilde fehlt es nicht. Im Palaste Albani zu Rom ist ein merkwürdiges Gesellschaftsbild, eine Versammlung der sechs Hauptdichter Italiens. Eine Wiederholung besitzt Thomas Hope in London. In der Gallerie des Louvre sieht man eine Verkündigung, ein in Charakter und Ausdruck nichts sagendes Bild. Ein anderes Gemälde dieser Sammlung stellt in zehn Abtheilungen die Passionsgeschichte dar, eine wahre Musterkarte von grellen, bunten Farben und manierirtem Wesen. In der Sammlung des Sir Thomas Baring in London sind zwei lebensgrosse, ungewöhnlich warm und gut colorirte Bilder der Evan gelisten Lucas und Marcus, deren Motive aber von Michel Angelo entlehnt sind. Sir Th. Hope erwarb aus der Gallerie Orleans das Gemälde, welches die Dichter Dante, G. Cavalcanti, Boccaccio, Cino di Pistoja, Guitone d'Arezzo und Petrarca vorstellt. Letzterer ist im Canonicats-Habit dargestellt, und zeigt auf dem Deckel des Buches den Kopf der Laura. Hope kaufte dieses interessante Bild um 100 Pf. St. Dieselbe Darstellung ist auch im Palaste Albani zu Rom. In der Pinakothek zu München sieht man eine heilige Familie. Maria hält das Jesuskind auf dem Schoosse, und Johannes deutet auf das Kreuz, welches es trägt. Rückwärts ist Joseph. Die Gallerie des Museums in Berlin bewahrt das Bildniß des Cosmus von Medici. Er ist im Harpunisch, und hat so eben den Helm abgenommen. Auf dem Tische liegt der Oelzweig. Ein zweites, grösseres Bild dieser Sammlung stellt die Apostel Petrus und Johannes dar, welche die Hände segnend auf die Häupter von vier knieenden Gläubigen legen, in Folge dessen im Lichtstrahl die heilige Geist herabschwebt. Im Grunde sind die übrigen Apostel und eine Frau mit dem Kinde. In der Gallerie zu Dresden ist ein kleines Gemälde mit dem Leichnam des Herrn auf dem Schoosse der Maria, und mit Magdalena zu den Füßen desselben. Im Belvedere zu Wien bewahrt man eine heilige Familie mit Figuren unter Lebensgrösse. Maria hält das Kind auf den Armen, und Johannes reicht ihm die Rolle mit Ecce Agnus Dei. Zur Seite sind Elisabeth und Joseph.
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