Vannucci, Pietro di Cristofano

Vannucci, Pietro di Cristofano, genannt P. Perugino, der Hauptmeister der Umbrischen Malerschule, wurde nach der ge- wöhnlichen Annahme 1446 zu Castello (Castro, Città) della Pieve geboren, wo seine Kinderjahre in drückender Armuth verflossen, wesswegen aber Vasari, der Biograph dieses Meisters, dessen Stre- ben nach innerem Verdienste nur mit so grösserem Lobe erhebt. Sein erster Lehrer war ein gewöhnlicher Maler, von einigen eben- falls Pietro Perugino genannt, der den armen Knaben arg behan- delte, so dass wirklich eine angeborne Kunstliebe dazu gehörte, um unter solchem Zwange nicht unter zu gehen. Pietro's Fleiss und sein ungewöhnliches Talent siegten aber über Kummer und Noth, und bald war der Knabe der Zuchtruthe des gemeinen Ma- lers entwachsen. Als weitere Meister nennt man Nicolò Alunno, B. Buonfigli (Mariotti, Fiorillo), Piero della Francesca, und irrig den P. G. lo Spagna; gewiss ist aber, dass Pietro in den wenigen früheren Bildern, die bestimmt werden können, der Richtung des N. Alunno nahe verwandt ist, welcher aus der alterthümlichen Behandlungsweise der Sieneser des 14. Jahrhunderts allmählig zu

einer volleren Durchbildung überging, seinen Gestalten etwas Ge- müthliches, Anziehendes, seinen männlichen Figuren zuweilen ei- nen ergreifenden Ernst, seinen Frauen- und Engelköpfen eine ungemeine Zartheit verlieh, Perugino machte sich diese Vorzüge zu eigen, und verband damit ein strengeres Formenstudium im Sinne der Paduaner. Seine Jugendarbeiten können aber nicht mit Bestimmtheit angegeben werden, es müssten denn verschiedene kleine Bilder in Tempera bei den Nonnen zu S. Jacopo di Napoli und andere im Kunsthandel dafür gelten. Im Museum zu Berlin ist ein Bild der Madonna mit dem Kinde auf dem Schoosse, je rechts und links ein verbrender Engel, Alles in Tempera gemalt, Diese kleinen Bilder müssen, wenn sie von Perugino herrühren, um 1470 entstanden seyn; später begab sich der Künstler nach Florenz zu Andrea Verrocchio, und eignete sich hier jene freie, auf naturalistische Auffassung begründete Durchbildung der Form an, in welcher die Florentiner ausgezeichnet waren. Er arbeitete bereits 1475 in jener florentinischen Manier, die Bestimmung der Folge in den Arbeiten dieses Meisters von diesem Jahre an durch das folgende Decennium ist aber schwierig, da er versäumt hat, das Jahr der Vollendung anzugeben. Ein charakteristisches Zeug- niss für seine Auffassung in der mittleren Zeit gibt die Anbetung der Könige in St. Maria nuova zu Perugia, welche aber keine an- dere Beglaubigung, als das Bildniss des Künstlers zur Linken un- ter dem Gefolge der Könige hat. Desswegen wollten diejenigen, welche den Perugino nur nach seinen späteren Werken aufgefasst haben, hier keine Spur seiner Hand erkennen, gegenwärtig ist man aber nicht mehr im Zweifel, und setzt das Werk um 1475. Es stimmt nach B. von Rumohr (ital. Forschungen II. 337 ff.): mit dessen Mauergemälden in jener Capelle, welche Papst Sixtus IV. 1480 in Rom erbauen und ausmalen liess. Ein Theil seiner Bil- der in der Sixtina ist aber nicht mehr vorhanden, da man sie, um das glänzende Gerichte von Michel Angelo Raum zu geben, unter Paul II. abgeworfen hatte, nämlich die Himmelfahrt der Ma-

Wenn nun dieses sich so verhält, so haben wir einerseits Werke aus seiner florentinischen Manier bezeichnet, anderseits in dem Bilde von 1481 den Wendepunkt des Künstlers gefunden, wo er von der florentinischen Richtung wieder zu seiner heimat- lichen Sinnesweise zurückkehrt, um auf dem Grunde einer freier entwickelten Meisterschaft eine Reihe von Werken zu schaffen, die eben so anmuthvoll und zart in der Form, und in einer ei- genthümlich blühenden Färbung sind, wie sie das Gepräge eines ungemein liebenswürdigen, innigen und schwärmerisch angeregten Genius tragen. Nur glauben wir, dass diese Periode etwas später fällt, als B. v., Rumohr sie setzt, da das Gemälde im Palazzo Al- bani nach Kugler (Handbuch, S. 682.) die Jahrzahl 1481 trägt, und gerade die schönsten Werke des Meisters dem letzten Decennium des 15. Jahrhunderts angehören. Wir erwähnen vorerst ein Fresco- gemälde, welches wahrscheinlich noch im vorhergehenden Jahr- zehnt entstanden ist, jenes im Kapitelsaale des Klosters St. Maria Magdalena de' Pazzi zu Florenz, welches zu Vasari's Zeit noch den Cisterziensern gehörte, und jetzt der Clausur unterliegt, so dass nur in wenigen Fällen der Zugang gestattet wird, weil über- dies dieser Saal die Schmerzenskapelle der Nonnen ist. Peru- gino malte da den Heiland am Kreuze, zu dessen Füssen Magda- lena kniet. Rechts ist die schmerzhafte Mutter, St. Johannes, Benedikt und Bernhard. Dieses Gemälde zeigt bereits Perugino's Bewältigung der Naturform zu seinem späteren Zwecke und eine, damals ganz ungewöhnliche Klarheit der Anschauung seines idea- len Genius. Die folgenden Werke entstanden wohl gröss- tentheils in Perugia, doch ist die Zeit nicht bekannt, in welcher er daselbst sich niedergelassen hatte. Er erhielt das Bürgerrecht,

Die Bilder aus seiner besten Zeit sind der Mehrzahl nach mit der Jahrzahl bezeichnet, und somit können sie in chronologischer Folge bezeichnet werden. Die nähere Beschrei-

Vannucci, Pietro di Christofano. Beschreibung folgt aber unten in der geographischen Uebersicht der Bilder Perugino's. Zuerst nennt Kugler 1. c. S. 682 die Verehr- ung des Christkindes im Palast Albani zu Rom von 1401 und un- gefähr gleichzeitig ist eine Madonna mit Engeln und Heiligen in der Sammlung des Königs der Niederlande, jetzt wohl im Haag. Im florentinischen Museum ist eine thronende Maria von 1403, gleichzeitig ein ähnliches Bild im Belvedere zu Wien, und ein solches von 1404 in St. Agostino zu Crema. Die Kreuzabneh- mung in der Gallerie Pitti trägt die Jahrzahl 1495, und eine Ma- donna mit Heiligen im Vatikan ist aus derselben Zeit. Hierauf folgt ein grosser Altar von 1495 und 1496, ehedem in S. Pietro maggiore zu Perugia, gegenwärtig zerstreut, das Hauptbild der Himmelfahrt in Lyon, die Predella in Rouen und der Rest in der Sakristei der Kirche. In St. Maria Nuova zu Fano ist aus dieser Periode eine Madonna mit Heiligen (1497), in St. Pietro Martire bei S. Domenico zu Perugia eine Madonna von 1508, und an diese Bilder schliesst sich eine Madonna mit St. Bernhard in München an. Dann folgt (1500) ein Cyclus von Frescobildern im Collegio del Cambio zu Perugia, und das schöne Fresco in S. Francesco del Monte bei Perugia.

Vom Jahre 1500 ab zeigt sich in Perugino's Bildern der Be- ginn einer flüchtigeren Behandlung, obgleich die Werke der näch- sten Jahre noch immer grosse Bedeutung haben. Zu diesen ge- hören eine Madonna mit Heiligen in der Akademie zu Florenz 1500, die Heiligen am Hauptaltare von S. Francesco del Monte bei Perugia 1502, der Hauptaltar in S. Agostino zu Perugia 1502, und das Wandbild zu Castel della Pieve. Später geht diese flüchtigere Behandlung in ein völlig handwerksmäßiges Wesen über. Er bildete die Typen eines innerlich bewegten Gefühls äus- serlich conventionell nach, und brachte somit eine sehr unerfreu- liche Wirkung hervor. Beispiele dieser Art gewähren die vielen Tafeln und Wandgemälde, mit denen er selbst und seine Schüler die Kirchen in Perugia und anderen Ortschaften des Bezirkes er- füllt haben. Übrigens sind diese Arbeiten nicht durchaus schlecht oder mittelmässig, es dürfte aber das Gute in diesen späteren Lei- stungen häufiger seinen besseren Gehülfen angehören. B. v. Ru- mohr glaubt sogar, dass Perugino's frische und belebte Hervor- bringungen nicht über 1500 hinausgehen. Wie wenig es ihm späterhin um die Kunst ein Ernst gewesen, wie handwerksmäßig er sein Geschäft betrieben, zeigt eine Tafel von 1518 in der Gal- lerie Ranuccini zu Florenz. Als Ursache dieser Verschlechterung nennt man den Geiz des Künstlers, in Folge dessen er nach dem Verdienste jagte. Doch scheint er nicht um geringen Lohngear- beitet zu haben, wenigstens nicht in seiner Blüthezeit, was fol- gendes Factum beweiset. Der Doge Agostino Barbarigo ertheilte ihm einen Auftrag, den Dogenpalast ausser einigen Bildnissen von Do- gen mit zwei Gemälden zu zieren, welche die Flucht des Papstes Alexander VI. vor Friedrich's II. Schaaren, und die Schlacht bei Lepanto vorstellen sollten. Der Contract ist vom 24. August 1498, und wird von Abate Giuseppe Cadorin (Dei miei studi negli Archivii. Venezia 1846) zuerst mitgetheilt. Die Geschichtsscenen waren bereits von Guariento gemalt vorhanden, Pietro Perugino sollte aber das Ganze reicher darstellen als Guariento, und es wurden ihm desswegen 400 Ducaten angewiesen. Gold, Silber, Azur und Farben sollte er selbst anschaffen, Leinwand, Bretter und Gerüste wurden ihm auf Staatkosten zugetheilt. Allein das Werk kam nicht zur Ausführung. Der Künstler scheint nach

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dem Schluss des Contraktes den doppelten Preis gefordert zu ha- ben. Dieses dürfte man aus einer von Cadorin mitgetheilten Supplik des Tiziano entnehmen, welcher die Arbeit um die Hälfte dessen, was Perugino gefordert, zu übernehmen versprach. Va- sarı wirft ihm das Laster des Geizes mit Bitterkeit vor, und sagt, das Geld sei der einzige Abgott des Künstlers gewesen, dem zu Liebe er auch das Schlechte verübt hätte, und an einen andern Gott, so wenig als an ein künftiges Leben, habe er nicht geglaubt. Nur die Leidenschaft, mit welcher er seiner Frau zugewandt war, besiegte zuweilen den Geiz, so dass er den Aufwand für sie oft bis zur Verschwendung trieb. Er selbst war karg gegen seine Person, denn er verwendete alles, was die geliebte Gattin übrig- liess, auf Häuser und liegende Gründe. Hatte er je Geld vorräthig, so nahm er es beim Ausgehen mit sich. Bei dieser Gelegenheit wurde er einmal beraubt, was der Künstler sich so zu Herzen nahm, dass er bald darauf starb. Sein Tod erfolgte 1524, nach einigen in Citta della Pieve, nach anderen im Hospital zu Fulig- nano. Er soll ausserhalb der Kirche begraben worden seyn, weil man den Künstler nicht für einen Ottimo Christiano hielt. Viel- leicht gab zu dieser Sage sein Bild in der Thomischen des Spitals Veranlassung, wo der Künstler auf die Idee kam, den Gottvater darzustellen, wie er zum Tanze der Engel die Flöte blässt. Fol- gendes Werk handelt ausführlich über diesen Meister: Vita, elo- gio e memorie dell' pittore P. Perugino ed agli scolari di esso, Roma 1804. Das Bildniss dieses Meisters finden wir am Pfeiler im Collegio del Cambio zu Perugia, und in andern Bildern des- selben. Im Holzschnitt ist es dem Werke von Vasari beige- geben. Gestochen finden wir es in der florentinischen Serie de' ritratti etc. I. 80, bei Bottari I. 487, bei Sandrart I, tav. M.

Verzeichniss der Werke dieses Meisters unter ihrem Standorte.

Perugino malte in der ersteren Zeit einzig in Tempera, hie- rauf scheint er aber die Bilder nur in Tempera angelegt, und sie dann mit Oelfarben lasirt zu haben, wie dies überhaupt bei den alten Italienern Gebrauch war, der sich aus früher Zeit her vererbte. Denn schon in der »Diversarum artium schedula« von Theophilus (neue Ausgabe Cap. 20. Lib. 1.) heisst es, dass man die Bilder in Wasserfarben anlegen, und dann mit Oelfarben über- malen könne, letzteres nach derselben Weise, wie man vorher in Wasserfarben verfuhr (sicuti superius aqua feceras); dasselbe Verfahren befolgten in früherer Zeit auch Rafael und Francia. Von Perugino ist es nachweisbar, denn Orsini bemerkte bei der Re- stauration des berühmten Gemäldes aus St. Maria de Fossi (jetzt in Marseille), dass es in Tempera gemalt, und mit einem Firniss überzogen ist. Den Gebrauch der Oellasuren finden wir in der Vita, elogio e memorie del Perugino, p. 180 Nr. 1., bestätiget,

Berlin. Die Gallerie des k. Museums besitzt nur zwei kleine Tem- perabilder von Perugino, und überdiess alte Copien grösserer Bil- der, die noch unter seiner Aufsicht gemacht wurden.

Maria mit dem Kinde auf dem Schoosse, wie sie mit der linken einen Apfel hält, Maria mit dem Kinde auf dem Schoosse, je rechts und links ein verchrender Engel,

Bologna. In der Pinakothek ist das berühmte Bild aus St. Giovanni in Monte,

welches die Madonna mit dem Kinde in der himmlischen Glorie

Citta della Pieve,

Bei den Serviten di St. Maria malte Perugino eine Kreuzab- nehmung in Fresco, von welcher aber jetzt durch ein barbarisches Verfahren nur noch die Gruppe der Maria mit den Frauen sicht- bar ist.

In der Capelle der Bruderschaft St. Maria de' Bianchi ist ein Frescobild der Anbetung der Könige aus der späteren Zeit des Meisters,

Von ausgezeichneter Schönheit ist dagegen das Fresco der Ge- burt Christi in der unter dem Namen la Chiesarella bekannten

Capelle. Gegenüber war Perugino's Haus, welches erst 1828 von einem Bürger niedergerissen wurde,

Crema. In S. Agostino sieht man eine thrönende Madonna mit St. Hieronymus und St. Augustin von 1494, eines der Hauptwerke des Meisters, welches sich im Central-Museum zu Paris befand.

Fano. In St. Maria nuova ist eine Madonna mit Heiligen, 1407 gemalt,

Florenz.

Im Capitelsaale des Klosters St. Maria Magdalena de' Pazzi ist das berühmte, leider unter Clausur sich befindliche Frescobild mit Christus am Kreuze, zu dessen Füßen Magdalena kniet, rechts die leidende Mutter, St. Johannes, Bernhard und Benedikt. Die Entstehung dieses noch gut erhaltenen Werkes fällt in den Beginn der Glanzperiode des Meisters,

In der alten Sakristei von S. Lorenzo ist ein schönes Bild des heil. Lorenz,

In der Kirche S. Giovannino della Calza sieht man ein von verschiedenen Engeln umgebenes Kreuz. Dieses Altarbild soll in der kräftigen und derben Charakteristik an L. Signorelli erinnern.

In S. Marco sieht man ein schönes Bild der Madonna mit Heiligen, aus der besseren späteren Zeit des Meisters. Eine Him- melfahrt, von einigen auch dem Albertinelli zugeschrieben.

Die heil. Jungfrau mit dem Kinde auf dem Schooß auf dem Throne, von dem Täufer Johannes und St. Sebastian umgeben, Im Grunde schöne Architektur, 1403. Im Palazzo Pitti.

Der Leichnam des Herrn von Maria, Johannes und Magda- lena beweint, ein schlecht erhaltenes Bild im Pitti.

Die Grablegung, berühmtes Gemälde aus St. Chiara zu Flo- renz, bezeichnet: Petrus Perusinus pinxit a. d. 14405. Dieses jetzt in der Gallerie des Pitti befindliche Bild galt nach Vasari gleich Anfangs als eines der vorzüglichsten Werke des Meisters. Dieser Schriftsteller wurde von der Schönheit desselben ganz hingerissen. Er sagt, die sich über den Leichnam neigenden Frauen hätten aufgehört zu weinen, um in Liebe und Verehrung den göttlichen Todten zu betrachten. Ueberdies ist dieses Bild auch ein Mei- sterwerk der einfachen Anordnung mehrerer Figuren zum ergrei- fenden Ganzen. Wie viel Fleiß er daran gewendet, zeigen die trefflichen Naturstudien in der Zeichnungssammlung der Gallerie der Uffizien.

Christus am Oelberg betend, aus der Kirche della Calza zu Florenz, jetzt in der akademischen Sammlung.

Der gekreuzigte Heiland, aus S. Girolamo delle Poverine, jetzt in der akademischen Sammlung.

Die Himmelfahrt der Maria, mit einem Chor von Engeln, welche verschiedene Instrumente spielen. Unten sind die Heili- gen Bernhard, Johannes Gualbert, Benedikt und der Erzengel Michael. Dieses schöne, aus der Vallombroser Abtei San Salvo stammende Bild trägt Perugino's Namen und die Jahrzahl, 1500. Jetzt ist es in der akademischen Sammlung.

Die Kreuzabnehmung aus der Annunziata zu Florenz, der obere Theil von Filippo Lippi, der untere Theil von Perugino, Jetzt in der Gallerie der Kunstakademie.

Zwei Bildnisse des Don Blasio, General des Ordens in Val- ombrosa, und eines Abtes aus demselben Orden. Beide in der akademischen Gallerie.

In der Gallerie Ranuccini ist eine Tafel mit dem Namen und der Jahrzahl 1518, eine Probe der handwerksmässigen Auffassung und Durchführung des Meisters,

Fulignano,

Im Hospital befinden sich einige der letzten Arbeiten des Mei- sters. In der Nische des Thores stellte er den Gottvater in der Glorie dar, wie er die Flöte bläst, während die Engelchen um ihn her tanzen. Dieses Bild wurde vor mehreren Jahren über- strichen.

Im Haag. In der Sammlung des Königs der Niederlande ist eine Ma- donna mit Engeln und Heiligen, um 1491 gemalt, und eines der schönsten Werke des Meisters,

London,

In der National-Galerie ist seit kurzer Zeit ein wunderbar rührendes und anziehendes Bild der Madonna mit dem Kinde auf dem Schoosse, und mit dem dasselbe verehrenden Johannes, halblebensgrosse Figuren. Dieses Gemälde wurde von Mr. Beck- ford um 800 Pf. St. gekauft,

In der 1792 in England verkauften Gallerie Orleans war ein großes Gemälde mit der Grablegung, welches Hr. Sykes mit 500 Thlr. bezahlte. Auch eine Madonna mit dem Kinde war in dieser Sammlung.

Hr. Domville kaufte aus Solly's Sammlung das halblebens- grosse Bild des ungläubigen Thomas,

Lucca, Im Chore der Carmeliter Kirche ist ein Bild von Perugino, welches der Restaurateur übel zugerichtet hat,

Lyon,

Im Palais des arts ist die Himmelfahrt Christi mit den Apo- steln, der mittlere Theil des grossen Altarwerkes aus S. Pietro maggiore in Perugia, ein Geschenk des Papstes Pius VII. Im Jahre 1846 wurde dieses meisterhafte Gemälde restaurirt.

Die Bilder der Predella sind im Museum zu Rouen,

Madrid,

Im Museo del Prado ist ein Altarbild mit Christus am Kreuze, wie ihm der Knecht die Seite durchbohrt. Auch die beiden Flü- gelbilder sind vorhanden. Das Museum bewahrt auch eine Aufer- stehung mit Seitenbildern, und den Kampf des Erzengels mit Lucifer,

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; Mailand. Die Bilder in der Gallerie des Duca Melzi sind unten unter Padua genannt. —

Marseille, In der Gallerie ist das berühmte Bild der Himmelfahrt aus St. Maria tra' Fossi, später in Orvieto. Es ist in Tempera gemalt und mit einem Firniss überzogen.

München,

In der k. Pinakothek ist ein herrliches Bild von diesem Mei- ster, die lebensgrossen Figuren der Maria, des Johannes und des heil. Nicolaus, welche alle den Blick zur Erde auf das leidende Kind wenden. Dieses Bild hat alle Kennzeichen der früheren Epoche des Meisters, und ist besonders schön in der gebrochenen harmonischen Färbung.

Dann ist daselbst das lebensgrosse Kniestück der Madonna mit dem Kinde auf dem Schoosse. Ein drittes Gemälde, in nicht ganz lebensgrossen Figuren, zeigt die Madonna mit zwei Engeln, wie sie dem in einer Halle lesenden St. Bernhard erscheint. Die- ses Gemälde dürfte um 1408 entstanden seyn.

Neapel,

In der Akademie der schönen Künste sieht man ein grosses Brustbild des Gottvaters mit Cherubim in glänzender Farbenpracht. Dann ist daselbst eine Anbetung der Könige, mit Perugino's und Rafael's Bildniss, ferner eine thronende Maria mit dem Kinde und zwei Heiligen, und ein Bild der Madonna mit dem Kinde in einer Landschaft.

Daselbst ist auch eine Himmelfahrt aus der Restituta, welche Vasari dem Künstler mit Unrecht zuschreibt. Dieses Bild ist von Pinturicchio. In S. Severino sieht man eine Taufe Christi von der Hand dieses Meisters.

Panicale,

Im Nonnenkloster sieht man die Marter des heil. Sebastian, in Tempera auf die Wand gemalt. Diese Darstellung hat Perugino zu wiederholten Malen ausgeführt, aber nirgends so schön wie hier,

Paris,

In der Gallerie des Louvre ist eine heil. Familie aus der bess- ten Zeit des Künstlers. Die Köpfe sind innig und schmachtend im Ausdrucke, die Formen sorgfältig gerundet, der Ton leuchtend und sehr warm. Ein zweites Gemälde stellt die Madonna mit dem Kinde dar, ein schwaches, den Einfluss des Alunno verrathendes Bild. Ferner sieht man im Louvre Christus mit der Dornenkrone zwischen Maria und Johannes, und den Heiland, wie er der Mag- dalena erscheint. Links in der Ferne geht er zum Schrecken der Wächter aus dem Grabe hervor. Das Louvre bewahrt auch ein Gouachebild von Perugino, den Kampf der Liebe und der Keusch- heit vorstellend, durch viele Figuren in einer Landschaft. Dieses Bild zeigt, dass der Künstler solchen dramatischen Aufgaben nicht gewachsen war. Es deutet auf die spätere, handwerksmässige Zeit des Meisters.

Pavia,

In der Carthause war ehedem ein grosser Altar in sechs Ab- theilungen, in welchem Raphael's Hand und Geist unverkennlich sind. An alter Stelle ist jetzt nur mehr das Obere Bild mit Gott Vater. Das Mittelbild stellt die heil. Jungfrau dar, wie sie knieend das Kind anbetet. Auf den Seitenflügeln erscheint der Erzengel Michal, und Rafael mit dem Tobias. Das Hauptgemälde und

In der Capelle des heil. Michael daselbst ist noch ein herrliches Bild von Perugino, die Madonna von Engeln umgeben, welche das Jesuskind anbeten.

Perugia,

In einer Capelle des Klosters St. Maria nuova ist eine Anbetung der Könige, eines der ältesten Werke des Meisters, welches unter Napoleon im Centralmuseum zu Paris war. Wir haben schon oben auf dieses Bild aufmerksam gemacht.

In S. Pietro fuori le Mura sind Fragmente eines großen Frescobildes, und andere Gemälde, die seinen Namen tragen.

In S. Francesco del Monte bei Perugia ist ein schönes Frescobild der Geburt Christi, um 1500 vollendet. Am Hauptaltare der Kirche sieht man Heilige von ihm 1502 gemalt. Sein heil. Sebastian zeichnet sich besonders aus.

In einer verlassenen Capelle bei St. Maria nuova findet sich eine Anbetung der Könige.

Für den Altar des heil. Joseph in der Cathedrale malte er 1495 die Verlobung der Maria, welche Rafael bei seinem berühmten Sposalizio benützte. Dieses Bild soll Papst VII. einem französischen General geschenkt haben, der es nach Lyon brachte. Im Museum daselbst ist aber nur eine Himmelfahrt. Nach einer weiteren Angabe befindet sich das Sposalizio in der Akademie zu Grenoble. An der alten Stelle im Dome ist eine Copie von Wicar.

Im Oratorio de la Giustizia ist ein schönes Bild der Madonna.

In S. Agostino sind mehrere große Bilder von Perugino, welche eine lehrreiche Uebersicht gewähren. Da sieht man eine Geburt Christi in symmetrischer Anordnung. Das Jesuskind liegt auf dem schön getäfelten Fussboden einer hohen Halle. Zu beiden Seiten knieen Joseph und Maria, im Hintergrunde zwei Hirten, und oben schweben zu den Seiten des Sterns zwei Engel. Dieses Bild ist von 1502. Dann sieht man in dieser Kirche ein Bild der Anbetung der Könige, die Taufe Christi, Gott Vater in einer Glorie von Engeln, zwei himmlische Conversationen, die eine von 1500, und die Bilder der Heiligen Hieronymus und Magdalena.

In der Sakristei sind kleinere Bilder: die Beschneidung Christi, Anbetung der Könige, das Abendmahl und die Himmelfahrt, ganz ähnlich den kleinen Vorstellungen von Rafael, welche mit der Krönung Maria in den Vatikan kamen. Dann sieht man da acht merkwürdige Köpfe, gleichsam die Studien zu den vornehmsten und häufig wiederkehrenden Lieblingsgesichtern dieses Meisters und seiner Schule.

Bei der Bruderschaft des heil. Augustin ist eine Madonna mit dem Kinde und drei Heiligen von 1520.

In S. Pietro Martire bei S. Domenico ist ein schönes Bild der Madonna von 1408.

In der Sakristei von S. Pietro waren ehemals zwei Bilder von ihm, die seit 1708 verschollen sind. Sie stellen die Taufe und die Auferstehung Christi dar. Rafael hat von beiden Copien gefertiget, die jetzt in München sich befinden. Im Oratorium der Kirche ist ein Madonnenbild, welches dem Rafael zugeschrieben wurde.

In S. Severo: sind unter dem Bilde, welches Rafael unvollendet hinterliess, mehrere Heilige als Abschluss des Ganzen. Bezeichnet: Petrus de Castro Plebis Perusinus sanctos sanctasque pinxit a. d. 1521.

St. Petersburg.

In der k. Eremitage ist eine heilige Familie von hohem Wer- the. Am Boden liegt auf einer Decke das Jesuskind, vor ihm seitwärts sieht man Maria in Andacht und Entzücken, und über dem Kopfe des Kindes steht Joseph auf den Stab gestützt. Rechts kniet Franciscus, links Hieronymus, und über der Scene schwebt ein Kranz von Engeln. Diese Composition ist geistreich, hat aus- drucksvolle Köpfe, eine kräftige lebendige Färbung, und beson- ders gelungen sind hier die vollen runden Falten, wie sie gewöhnlich nicht vorkommen.

Der Fürst von Galitzin erwarb aus einem Franziskanerkloster in Toskana ein Bild des Heilandes mit der Magdalena, umgeben

von Johannes und Hieronymus. Dieses Gemälde soll Rafael nach

einer Zeichnung von Perugino gemalt haben.

Rom.

Im Vatikan sind folgende drei Bilder von Perugino:

Die Geburt Christi, welche aus der Kirche der Minori riformatidella Spineta bei Todi kommt, und unter Rafael's Hülfe ent- stand. Die Auferstehung Christi aus der Franciskanerkirche zu Pe- rugia, vielleicht ganz von Rafael nach Perugino's Angabe gemalt. Der ältere schlafende Wächter ist Bildniss des Meisters, der junge jenes von Rafael.

Eine thronende Madonna mit vier Heiligen, ehedem in der Rathskepelle zu Perugia, dann im Centralmuseum zu Paris, und jetzt im Vatikan. Dieses ausgezeichnete Gemälde athmet Rafael's Geist, und trägt folgende Inschrift: Hoc Petrus de Castro plebis pinxit,

In der Kirche S. Marco sieht man ein gerühmtes Gemälde, welches den heil. Papst Marcus und den Evangelisten Marcus vorstellt,

In der Sixtina ist die Verleihung der Himmelsschlüssel an St. Pe- trus in Fresco gemalt, eines der frühesten öffentlichen Werke des Meisters. Andere Fresken der Sixtina sind, wie oben bemerkt, zu Grunde gegangen. Ausser der Schlüsselertheilung sieht man in dieser Capelle noch eine Taufe Christi,

Die Bilder am Plafond der Stanza di Torre Borgia, vier Run- dungen mit folgenden Compositionen: Gott Vater von Engeln um- geben; Christus in einer Glorie von Engeln; der Heiland in Mitte der Apostel; Christus zwischen zwei Heiligen von Engeln umge- ben. Der übrige Raum der Decke ist mit Arabesken auf Gold- grund geschmückt,

Im Palast Albani ist ein Bild der Madonna und kleine Engel, welche das Christkind knieend verehren, im Grunde die Erzengel, der Täufer Johannes und Hieronymus, in den anderen Abtheilun- gen die Verkündigung, Anbetung der Hirten, Kreuzigung, und mehrere Heilige. Mit der sonderbaren Inschrift: MC C VIII primo. Dieses berühmte Bild ist verwaschen, aber noch immer anziehend durch die Anmuth der Stellungen, Feinheit der Gesichts- bildungen und Reinheit des Ausdruckes,

Die Sammlung des Fürsten Lucien Bonaparte bewahrt das Bild- niss eines geistlichen Fürsten mit zwei knieenden Heiligen.,

In der Gallerie Doria ist ein durch den Stich bekanntes Ma- donnenbild.

Siena.

In S. Agostino ist ein Christus am Kreuze von St. Hierony- mus, Johannes und anderen Heiligen umgeben, alles in symme- trischer Anordnung, von vortrefflichem Einklang zwischen Gefühl und Farbe.

In der Akademie sieht man die Geburt Christi, und ein Bild der Madonna,

Turin.

Im k. Palaste ist ein grosses Bild des todtten Heilandes im Grabe, eines der prächtigsten Gemälde des Meisters,

Wien.

In der k. k. Gallerie sind folgende Bilder von ihm:

Maria mit dem segnenden Kinde auf dem Schoosse, rückwärts zwei heil. Frauen, die eine betend, die andere mit dem Palm- zweige. Bezeichnet: Petrus Perusinus Pinxit. Kniestück. -

Maria mit dem Kinde auf dem Throne von den Heiligen Pe- trus und Hieronymus, Paulus und Johannes umgeben, fast lebens- gross, Am Fussgestelle steht: Presbyter Johannes Christofori De- terreno Fieri Fecit MCCCCLXXXXV.

In der Gallerie Lichtenstein ist ein Bild der Madonna, welche das in einer Landschaft auf dem Kissen sitzende Kind hält.

Die Sammlung des Grafen Harrach bewahrt ein Bild der Ma- donna mit dem Kinde zwischen St. Magdalena und Catharina.,

Vannucei, Pietro di Christofano:

Stiche und Lithographien nach Werken dieses Meisters, ;

Die heiden Mönche von Valombrosa, nach den Bildern der florentinischen Akademie für die Galleria dell’ Imp. e Reale Aca- demia gestochen, 1845, gr. fol.

Die heil. Jungfrau mit dem auf einem Kissen in der Land- schaft sitzenden Kinde, nach dem Bilde der Gallerie Lichtenstein von C. Rahl gestochen 1825. Rund, gr. fol.

Die thronende Maria von St. Johannes und Sebastian umge- ben, nach dem Bilde von 1493 in der florentinischen Gallerie gest. von Colombini. Etruria pittrice XXX., gr. 4,

Maria mit dem Kinde auf dem Schoosse, halbe Figur, lith. von J. Kaltner, fol.

Die Madonna in Wolken mit dem Kinde auf dem Schoosse, welchem Johannes eine Traube reicht, gest. von N. Beatrizet. Ohne Namen, kl. fol.

Die sitzende Madonna mit dem Kinde, von einem Ungenan- ten in Helldunkel gearbeitet, nach Bartsch XL. 524 anscheinlich nach Perugino, *

Die Madonna mit St. Nicolaus und Johannes, welche das auf dem Boden liegende Kind verehren, nach dem Bilde in der Pina- kothek zu München lith. von Stürxner, gr. fol.

Maria mit dem Kinde auf dem Schoosse, welches einen Ro- senkranz hält. Nach einem Bilde in München von Strixner litho- graphirt 1813. Aus dem alten Galleriewerke, gr. fol.

Maria mit dem Sternenschleier das Kind haltend, halbe Figur, gest. von Bettelini, Oval fol.

Madonna mit dem Kinde zwischen zwei Heiligen, nach dem Bilde des Belvedere in Wien gest. von J. Steinmüller. Oesterrei- chischer Kunstverein 3834, gr. fol.

Die Madonna mit dem Kinde von St. Magdalena und Catha- rina umgeben, nach dem Bilde des Grafen von Harrach in Wien von P. Gleditsch gestochen, roy. fol.

Die Madonna mit dem Kinde, gest. von Schuppen nach dem Bilde der Gallerie Doria in Rom, gr. fol.

Christus am Ölberge, gest. für die Galleria dell’ Imp. e Reale Accademia di Firenze 1845, gr. fol.

Der gekreuzigte Heiland, nach dem Bilde aus S. Girolamo delle Poverine, Gest. in der Galleria dell’ Imp. e Reale Academia di Firenze, 1845, gr. fol.

Christus am Kreuze von Hieronymus und anderen Heiligen umgeben, das Gemälde in S. Agostino zu Siena, Jor. Rossi incis. 1828. In den Pitture di Siena, kl. fol.

Die Kreuzabnehmung, nach dem Bilde der florentinischen Aka- demie von Daverio gestochen, gr. fol.

Die Begräbniss Christi, nach dem Bilde aus der Gallerie Or- leans lith. von E. Duflos gestochen, für die Sammlung von Crozat.

Das Facsimile einer Skizze des obigen Bildes. Caylus fec. Ca- binet Crozat, kl. fol.

Zwei Skizzen einer ähnlichen Composition, leicht radirt von J. B. Langer, 4

Die Grablegung Christi, das berühmte Bild in der Gallerie des Palazzo Pitti, gezeichnet und lithographirt von N. Hoff 1835, gr. fol.

Die Himmelfahrt Christi, gest. von F. Cecchini, roy. fol.

Die Himmelfahrt Mariä, nach dem Bilde aus Vallombrosa für das Galleriewerk der florentinischen Akademie gestochen, 1845, gr. fol.

Die Fresken im Collegio del Cambio zu Perugia, gestochen von F. Cecchini, die reiche Composition mit den Helden, qu. roy. fol.

Herkules, der den Neid vom Parnasse jagt, Helldunkel von einem anonymen Meister, fol.

Anhang von Blättern, welche von einigen dem Stiche nach, von anderen der Zeichnung nach dem Peruginus zugeschrieben werden.

Man findet einige alte Blätter, welche mit einem aus den ver- bundenen Buchstaben P. P. gebildeten Monogramm bezeichnet sind. Durch die unteren Schenkel der neben einander stehenden Buch- staben geht ein Paragraph, der auf dem Blatte Nr. 3 fast einer liegenden, gedehnten Ziffer 8 ähnlich ist. Die Führung dieser Ver- bindungslinie ist nicht gleich. Auf dem Blatte Nr. 1. gibt sie den beiden Buchstaben fast das Ansehen von zwei R.

Dass diese Blätter wirklich von Perugino gestochen seyen, ist noch nicht entschieden, und was darüber verlautet, beruht nur auf der Vermuthung Lanzi's, welcher in der ersten Ausgabe seiner Storia das Monogramm dem P. Perugino beilegt. In der zweiten Ausgabe geht er davon wieder ab. Doch kommt Zani, Materiali etc. p. 120, darauf zurück, aber ohne zu behaupten, dass Perugino in Kupfer gestochen habe. Der genannte Schrift- steller sah in der Sammlung des Grafen Remondini zu Bassano das Blatt, welches die Kreuzabnehmung vorstellt, und wurde bei dieser Gelegenheit an die Bemerkung Lanzi's erinnert, welcher das Monogramm des Blattes dem Perugino zueignen wollte. Zani legt aber den Stich nicht unbedingt dem Perugino bei, wie Bartsch P. gr. XII. p. 254. von diesem Schriftsteller behauptet. Er fügt im Gegentheile bei, dass für Perugino kein Beweis geliefert wer- den könne. Was Zani noch weiter bemerkt, dass der Künstler mit Martin Schongauer in freundschaftliche Verhältnisse gestan- den sei, sagt schon Sandrart, Academia artis pictoricae 1682. p. 208. Es kann aber nicht gefolgert werden, dass Perugino in Kupfer

gestochen habe, weil jener deutsche Meister diese Technik übte. Zani will in dem genannten Blatte vielmehr den Styl des Nicolo da Modena, und jenen des Robetta erkennen.

Nach dem bisher Gesagten wissen wir noch nicht einmal, ob das erwähnte Monogramm den Stecher oder Zeichner bedeute. Dass aber der Stecher darunter zu verstehen sei, dürfte das Bac- chanal mit dem Silen beweisen, welches eine strichgetreue, sehr gute Copie eines Blattes von A. Mantegna ist. Das Monogramm zeigt die Buchstaben P P., der Art durch die quer durchgehende Linie verbunden, dass sie wie R R erscheinen. Die Löwen- jagd hat das ähnliche Zeichen, und könnte von derselben Hand sein. Wenn man dem Perugino je ein Blatt zuschreiben könnte, so wäre es jenes, welches die Macht der Liebe vorstellt. Bartsch bemerkt, dass die Zeichnungsweise genau mit jener des Perugino übereinstimme, und dass die geistreiche und verständige Manier, womit die Zeichnung auf Kupfer gegeben sei, den Zeichner auch als Stecher beurkunde. Wir fügen hier noch bei, dass sich im Museum des Louvre eine Gouachezeichnung von Peruginio befin- det, welche das Vorbild zum Stiche gegeben haben könnte. Es ist dies eine reiche Composition aus der späteren Zeit des Meisters, die wir aber nicht so genau beschrieben finden, um sagen zu kön-

Nagler's Künstler-Lex. Bd. XIX, 28

Dadurch wollen wir nicht behaupten, dass die Blätter von einer und derselben Hand herrühren. Sie gleichen sich im Gegen- theile sehr wenig im Stiche. Auch ist nach Zanetti ( Cabinet Ci- cognara p. 182) das Verdienst derselben nicht gleich; doch vielleicht nur im späteren retouchierten Abdruck. Die alten Abdrücke sind sehr delikat und mit viel Geist mit der kalten Nadel behandelt. Die Retouche wurde meistens mit dem Hammer vorgenommen, an- scheinlich von einem Goldschmiede, Bartsch 11. c. beschreibt nur

die ersten drei Blätter genau. Alle gehören zu den grossen Sel- tenheiten, besonders im vorzüglichen Drucke,

  1. Die Löwenjagd. Zwölf Ritter bilden das Gefolge eines jün- gen Prinzen zu Pferd, und der Zug geht nach rechts. Im Hintergrunde erscheinen vier Jäger zu Pferd, welche den Löwen verfolgen, der mit einem Hunde zwischen den Füs- sen nach dem rechts sich ausbreitenden Wald flieht. Vorn in der Mitte helfen drei Jungen dem vom Pferde gestürzten Reiter auf, rechts flöten zwei Hirten bei zwei Kühen; und ein nackter Mann liegt auf dem Boden. Den Grund bildet eine Landschaft mit Bergen. Links sind zwei Hütten; und gegen die Mitte zu breitet sich das Dorf aus. In der Mitte unten sieht man das Monogramm mit den Buchstaben: P P. verkehrt, so durchzogen, dass sie fast dem RR. gleichen, H. 4Z. 4L., Br. 5 Z. 2L.

  2. Das Bacchanal mit Silenus, letzterer in der Mitte des Blat- tes von zwei Faunen und einem Satyr getragen. Rechts steht ein Mann mit den Füssen im Wasser, und sucht eine dicke Weibsperson auf den Rücken zu heben. Zwischen diesen Gruppen trägt ein Mann den anderen auf dem Rü- cken, und links sieht man zwei Faune, den einen mit der Doppelflöte, den anderen mit der Schalmei. Genaue Copie nach A. Mantegna. Nach rechts unten das Zeichen mit den verbundenen Buchstaben PP., welche eher RR. gleichen. H. 5 Z. 5L., Br. 8 Z. f.

  3. Die Macht des Amor, betitelt man gewöhnlich eine allego- rische Darstellung, welche aber auch eine andere Bedeutung

haben kann. In der Mitte des Blattes steht ein nackter Mann auf dem Piedestal, mit der Rechten eine Fackel, mit der Linken einen Halbmond haltend, in dessen Run- dung die Figur eines Mannes galoppiert. Auf einem anderen Piedestal kniet ein Alter, wie er dem nackten Manne mit beiden Händen ein Idol darbietet. Auf einem dritten Piede- stal schläft ein Greis, und rechts sitzt ein Weib mit zwei Kindern in den Armen auf einem vierten. Zu ihrer einen Seite steht ein Weib mit dem Kinde auf der Schulter, zur anderen eine Mutter mit dem Kinde auf dem linken Arme. Links steht wieder ein nackter Mann und eine nackte Frau

auf dem Piedestal, wie sie eine grosse Vase tragen. Weiter vorwärts sitzt ein nackter Mann zu Pferd, und leitet neben sich ein anderes Pferd. Rechts vorn wäscht sich ein Mäd- chen die Füsse im Flusse, und gegen die Mitte zu sitzt ein

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