Vannucchi, Andrea, genannt del Sarto, eritt im Weichen, Gefühlten der Madonna nichts na ben , und es an Kraft und Pastosität der Behandlung ohne Zweifel erreichen. - Die Köpfe der vier Hauptpersonen überraschen durch ihre cha- rakteristische Verschiedenheit in den Uebergängen der verschiede- nen Altersperioden, und der Steigerung von sanfter Ruhe bis zum hervorbrechenden Feuereifer. Ueberall ist Würde in Miene und Haltung, überall sprechende Auffassung der Gemüthsbewegung.
Die heil. Familie für Zanobi Bracci. Das Jesuskind liegt auf dem Leintuch am Boden, und schaut lächelnd zur Mutter empor, welche am Felsenstück sitzend, mit Zärtlichkeit sich über dasselbe hinbeugt. Johannes steht neben dem Kinde, und Joseph schläft an der Felsenwand. Diess ist eines der schönsten Bilder des Met- ters, wenn auch das Colorit etwas hart, und eine sorgfältigere Vollendung zu wünschen ist.
Maria mit dem Kinde auf Wolken, unten St. Onuphrius, Lo- renz, Jakob und Sebastian, im Vorgrunde Magdalena und Johan- nes knieend. Ehedem im Besitze des Glasers Beccucci, wie oben bemerkt, und ein Bild aus der letzten Zeit des Meisters.
Maria mit dem Kinde auf dem Schoosse in einer Landschaft sitzend, dabei Johannes, welcher mit dem Finger auf den göttli- chen Knaben deutet, Copie des verschwundenen Frescobildes im Tabernakel vor dem Thore Pinti zu Florenz.
Der jugendliche Täufer Johannes, halbe Figur von vorn, fast unbekleidet, einen rothen Mantel über die Schulter. Geschenk des Gio. Batt. Benintendi an den Grossherzog Cosmus, aus der zweiten Manier des Künstlers. Eine andere Darstellung dieses Johannes, den Rücken wendend und den Kopf nach aussen dre- hend, ist wahrscheinlich Copie des verschollenen Bildes für den Connetable von Frankreich. Eine zweite Copie dieses Bildes ist in der Sammlung des Grafen Marescalchi zu Bologna.
Die Pieta aus dem Kloster S. Piero zu Luco, vom Grossher- zog Peter Leopold angekauft, und anfänglich in der Tribune der florentinischen Gallerie aufgestellt. Der todte Heiland, von Johan- nes in einer halb sitzenden Stellung erhalten, liegt auf einem Leintuche, hinter ihm fasst Maria knieend seine Hand, und zu den Füssen ringt Magdalena die Hände. Die Apostel Petrus und Paulus schliessen sich voll traurigen Ernstes der Hauptgruppe an, St. Catharina mit dem Rade befindet sich mit gekreuzten Armen neben Magdalena. Eine weitere Würdigung dieses berühmten Bil- des s. oben, S. 402. Auf der steinernen Unterlage steht das Mo- nogramın des Meisters. Den Entwurf zum Bilde findet man in der florentinischen Handzeichnungssammlung.
Die heil. Familie für Ottavian de' Medici, 1520. Maria sitzt mit dem Kinde, und dabei ist Elisabeth mit Johannes, Die Kin- der dieses anmuthigsten unter allen Bildern del Sarto's sind in Geberde, Haltung und Zeichnung vortreflich, und die Elisabeth erinnert an Rafael's schönste Darstellung.
Die heil. Jungfrau mit dem blondgelockten Kinde auf dem Schoosse, fast nur Wiederholung der obigen Figur.
Die Himmelfahrt der Maria, grosses Gemälde auf Holz, auf Bestellung des Bartolomeo Panciatichi gemalt, aber unvollendet, und in schlechtem Stande.
Dieselbe Composition mit einigen Veränderungen für den Dom in Cortona gemalt, Näheres findet man S. 403. über diese Bilder der Himmelfahrt.
Andrea del Sarto, genannt A. del Sarto, Eine andere Himmelfahrt, ehedem in S. Fedele zu Poppi und 3540 von V. Bonelli vollendet. Der heil. Jakob mit dem Pilgerstabe, wie er einen knieenden Knaben liebkoset. Ein zweiter Knabe trägt ein Buch. Bruder- schaftsfahne der Gesellschaft San Jacopo in Florenz von 1528, Der heil. Sebastian für die Gesellschaft des heil. Sebastian 1530 alt, nach Bottari und Baldinucci im Palast Pitti, wo man das Bild sieht, Sanfort in Florenz erhielt 1632 ein ähn- liches Bild. Akademische Sammlungen In der Sammlung der Akademie zu Florenz ist ein todter Chri- stus von meisterhafter anatomischer Zeichnung, kleines Fresco aus dem Noviziate der Serviten zu Florenz. Aus demselben Kloster stammt auch ein anderes kleines Frescobild, das Spitalzimmer mit kranken und dienenden Frauen, grau in Grau gemalt. Der Carton zur heil. Familie für Zanobi Bracci im Palast Pitti, Das Altarbild aus dem Paradisino des Klosters im Vallombrosa mit Johannes dem Täufer, St. Johann Gualbert, St. Bernhard und dem Erzengel Michael, schöne würdevolle Figuren. Zwischen diesen Heiligen waren ehedem zwei allerliebste Kinder, die jetzt ein- zeln aufgestellt sind. Die Predella enthält in vier kleinen Bildern Scenen aus dem Leben der genannten Heiligen, und in der Mitte davon war eine Verkündigung, die an einen Herrn C. Scitivaux verkauft wurde. Privatsammlungen. Im Hause des Herrn Gaddi-Poggi ist die hl. Familie mit dem Kinde, welches sich an die entblösste Brust der Mutter lehnt. Dabei St. Joseph und Johannes. Ursprünglich für Giovanni Gaddi gemalt, noch ziemlich erhalten aber nachgedunkelt. Von diesem Bilde, welches schon zu Vasari's Zeit für eines der vorzüglichsten Werke Andrea's gehalten wurde, gibt es Nachahmungen. In der Nocchi'schen Kunsthandlung war 1835 eine gute alte Copie, wo aber der Johannes jenem in Rafael's Bild der Madonna dell' Im- macolata nachgeahmt ist. In der Grosvenor-Gallerie zu London ist eine Wiederholung mit Veränderungen, Auch in der Gallerie Barberini zu Rom ist eine Nachahmung. Professor Ciampi besitzt eine alte Farbenskizze zur Madonna del Sacco, auf welcher Engel vorkommen, die im Fresco fehlen. Im Hause Zondadari ist eine unvollendete Darstellung des Opfers Abraham's, Für das Urbild wird jenes in Dresden erklärt. Im Hause des H. Sanford ist seit 1832 ein heil. Sebastian mit dem erhobenen Pfeil, vielleicht das Bild, welches ehedem im Pitti war, dann ein Bildniss del Sarto's in schwarzer Kreide auf grauem Papier, und ein Oelbild desselben, mit dem Glase in der Hand, wie er einige Äpfel vor sich liegen hat. Durch G. Saunders Stich bekannt. Im Hause des Marchese Capponi sieht man ein authentisches Bildniss des Meisters. Genua. Im Hause Brignola ist eine Wiederholung der anmuthigen heil. Familie für Ottavian de' Medici im Pitti zu Florenz. Ueber eine heil. Familie des Marquis Mari s. St. Petersburg. Gotha. In der herzoglichen Gallerie ist die Copie einer heil. Familie von Rafael, jetzt im Museum zu Neapel, Elisabeth hält dem auf dem Schoosse der Maria sitzenden Kinde das Aermchen empor.
Luco; Im Kloster S. Piero war ehedem eine berühmte Pietà, jetzt im Pitti zu Florenz. Ein Christuskopf, und der Besuch der Maria sind verschollen.
Lyon. Im Museum ist ein Bild Jele:s Opfers Abraham's, welches mit jenem in Dresden wetteifert. S. oben S. 402.
Madrid. In Spanien sind mehrere Bilder von Andrea del Sarto, theil im Escurial, theils im Museo del Prado. Das Opfer Abraham's, lebensgrosse Figuren, nach der Angabe der spanischen Schriftstel- ler das Bild für G. B. della Palla, welches nach Frankreich kam, und Geschenk des Marquis de Bescara an Carl V. Das Dresdner Bild soll Wiederholung seyn.
Der Prophet Isaias, im Escurial, in Lebensgrösse.
Die Erythräische Sibylle, in Lebensgrösse, scher dem Pietro da Cortona zugeschrieben, im Escurial,
Die Madonna am Fusse eines Palmbaumes sitzend, reicht dem Kinde die Brust, lebensgrosses Bild im Escurial,
Heil. Familie mit einem Engel, aus der Sammlung des Königs Carls I., jetzt im Museum zu Madrid.
Heil. Familie mit dem auf dem Leintuche am Boden liegenden Kinde, Wiederholung oder schöne Copie des Bildes für Zanobi Bracci im Palazzo Pitti zu Florenz.
Bildniss der Lucrezia del Fede, der Gattin Andrea's, im Museum.
Mailand.
In der Brera ist ein kleines Bild der Maria Magdalena, halbe Figur mit dem Salbengefäss, ehedem im Besitze des Erzbischofs von Mailand.
In der Sammlung Vallardi sicht man eine heil. Familie, wel- che namentlich hinsichtlich des Colorites sehr gelobt wird. Sie stammt aus der zweiten Periode des Meisters.
München,
In der k. Pinakothek:
Vier Originalskizzen zu den Fresken della Compagnia dello Scalzo zu Florenz, in brauner Farbe auf Papier: 1) die Predigt des Täufers in der Wüste, H. 1 F., Br. 11/2 L., 2) die Heimsuchung Mariä, H. 11/2 L., Br. 11/2 L., 3) Zacharias der Sprache beraubt, H. 11/2 L., Br. 11/2 L., 4) Die Salome mit dem Haupte des Täufers, H. 11/2 L., Br. 1 F., 3Z.
Heil. Familie mit Maria, welche am Fusse des Felsens in ei- ner Landschaft sitzt. Sie hält das nackte, neben ihr aufgerichtete Kind, welches nach oben deutet, aber mit dem sprechenden Ant- litz herausschaut. Maria beugt sich mit dem ganzen Oberleibe dreien Gestalten zu, die fast wie Kinder erscheinen, darunter Jo- hannes. Dieses schöne Bild, mit Figuren in halber Lebensgrösse, gehört der zweiten Periode des Meisters an. Das Colorit ist sanft und verwaschen, und spielt in grünlichen Tönen. H. 3 F., 9 Z.
Heil. Familie mit Elisabeth, welche den Johannes umfasst, der sich mit dem Jesuskinde unterhielt. Im Grunde stehen zwei Engel, deren einer die Flöte hält. Dieses anmuthige Bild ist in Idee und Ausführung gleich ansprechend, aber leider übermalt. Es ist eines der besten Werke aus der zweiten Periode des Meisters. Ehedem
in der Sammlung des Churfürsten von der Pfalz. H.4 F.2 Z. In Wien und Petersburg sind ähnliche Darstellungen.
Maria, lebensgross. in einer Landschaft sitzend, wie sie mit der Linken das stehende Kind hält. Zu ihren Füssen schaut ein Engel mit dem aufgeschlagenen Buch empor, gegenüber sitzt St. Marcus am Boden, Dieses Bild kommt nur in dem früheren Ver- zeichnisse von Dillis vor, im neuen nicht.
Neapel. Im k. Museum sieht man die berühmte Copie des von Rafael alten Portraits Leo X. mit den beiden Cardinälen, worüber oben S. 399 nachzulesen ist.
Paris,
Im Museum des Louvre:
Die Charitas, das bedeutendste Bild, welches Andrea in Paris hervorgebracht hat. Die schöne Frau hält zwei Kinder auf dem Schoosse, während das dritte auf dem zu ihren Füssen ausgebrei- teten Teppich schlummert. Die Composition ist einfach und sehr dramatisch, in den Formen etwas übertrieben. In der Ausführung verfuhr er mit seltener Sorgfalt, und die Färbung ist von ausneh- mender Kraft und Tiefe. Auf diesem Bilde, welches 1750 von Pi- cault von Holz auf Leinwand übertragen wurde, und dabei stark litt, liest man: Andreas Sartus me pinxit M. DXV, *
Die heil. Familie mit Maria, welche knieend das Kind um- schlingt, während Elisabeth ebenfalls knieend, den kleinen Johan- nes dem göttlichen Gespielen zuzuführen scheint. Hinter der Ma- ria stehen zwei Engel. Dieses Bild ist ein schönes Beispiel für die dem Andrea eigenthümliche Grazie, voll tiefen und gemüth- lichen Ausdrucks. Das Colorit ist etwas kalt, aber mit einigen schönen und durchsichtigen braunen Schatten.
Eine zweite heilige Familie ist, wenn nicht ansprechender in der Composition, doch weit vorzüglicher hinsichtlich der Tech- nik. Das Colorit ist wärmer, die Zeichnung wie gewöhnlich, mu- sterhaft.
Im Catalogue der Sammlung des Louvre wird dem Künstler auch eine Verkündigung zugeschrieben. Sie ist Copie oder Wie- derholung des Bildes für Giuliano Scala, jetzt im Palaste Pitti zu Florenz.
Das angebliche Bildniss des Baccio Bandinelli, mit einer klei- nen Statue der Venus in der Hand. Dieses Bild gilt in Paris für Sebastiano del Piombo, Waagen, K. u. K. III 431, sagt aber, dass die ganze Auffassung, das feine und strenge Formengefühl des schönen und jugendlichen Gesichtes und der linken ausge- streckten Hand auf eine überraschende Weise mit den früheren und schönsten Werken del Sarto's, den Fresken aus der Legende des heil. Filippo Benizzi im Servitenkloster zu Florenz stimmen, so dass er dieses auch in allen Nebentheilen mit grösster Liebe und Meisterschaft durchgeführte Bild nicht lange nach jenen gemalt hat. In der Grossvenor-Gallerie zu London ist ein weibli- ches Bildniss von Andrea, welches mit diesem grosse Uebereinstim- mung hat. Doch kann das Bild im Louvre nicht den Bandinelli vor- stellen. Es sieht dem eigenhändigen Bildnisse desselben nicht gleich.
M. d'Argensville wollte auch wissen, dass del Sarto für den König von Frankreich einen Tobias mit dem Engel gemalt habe. Ein solches Bild ist jetzt im Belvedere zu Wien, und zwei Schul- bilder bewahren die Gallerien des Pitti und des Palastes Corsini.
Zur Zeit Napoleon's war im Central-Museum auch eine Pietà aus Villeneuve-sur-Marne, welche dem Andrea zugeschrieben wurde.
/ Die Gemälde in der ehemaligen Gallerie Orleans kamen nach England. Ueber die Ächtheit derselben sagt Reumont nichts. Die Leda und die Lucretia sind gestochen.
In der Gallerie Aguado war bis 1846 eine Charitas, dann eine heil. Familie aus der Gallerie Sommariva, welche früher für Ori- ginal galt. '
St. Petersburg.
In der kaiserl. Eremitage sind mehrere Gemälde, welche Hand (Kunst in St. Petersburg I. 83 ff.) dem Andrea del Sarto zuschreibt, worüber aber Reumont schweigt. Man sieht da eine heilige Fami- lie, jener in München und Wien ähnlich, wo einer der beiden Engel im Grunde die Flöte hält. Das Gemälde der Eremitage steht nach Hand dem Münchener Bilde so nahe, dass dem einen oder dem andern die Originalität streitig gemacht werden könnte, wenn nicht beide von ausgezeichneter Schönheit wären. Das Gemälde in Petersburg hat im Colorite einen graulichen Ton. Als eine Eigentümlichkeit des Sarto's in diesem Werke hebt Hand die tiefliegenden dunkelumschatteten Augen, und die starke und volle Form der Knie hervor. Eine andere heil. Familie kam aus der Sammlung des Marquis Mari zu Genua in jene zu Houghton- hall und von da aus in die Eremitage. Dieses durch Bartolozzi's Stich bekannte Gemälde gehört nach Hand zu den anmuthigsten Bilder der früheren Zeit des Meisters. Auch hier findet er die tiefliegenden Augen und die angeschwellten Beine, aber die leben- dige Weichheit, welche sich über den Rücken des nackten Kindes verbreitet, die zart geschmolzenen Schatten und das frische Co- lorit des Fleisches soll zur Bewunderung stimmen. Aus der Gal- lerie in Malmaison kam auch eine Copie von Pontormo nach St. Petersburg. Eine dritte heil. Familie mit St. Catharina oder St. Anna kam aus Cassel nach Malmaison, und von da nach St. Pe- tersburg. Zwei andere heil. Familien dieser Gallerie, welche un- ter del Sarto's Namen gehen, sind nach Hand Copien. Uebrigens ist ein weibliches Bildniß in der Eremitage, von höchster Wahr- heit in der Darstellung.
Pisa.
In der Tribune des Domes sind fünf Oelbilder, welche die Heiligen Johann Baptist, Petrus, Catharina, Agnes und Marga- retha darstellen, schöne und graziöse Gestalten. Auf dem Altare der Madonna delle Grazie daselbst ist ein Bild der thronenden Madonna mit dem Kinde zwischen zwei Engeln. Unten sind Hei- lige dargestellt. Dieses Bild begann Andrea für die Confraternita delle Stimate, die es auf dem Hauptaltare bis 1785 bewahrte. G. A. Sogliani hat es nach dem Tode des Meisters vollendet. '
Poggio a Capiano.
In diesem neun Meilen von Florenz liegenden Lustschlosse
malte Andrea 1521 das Bild in Fresko, welches die Thierwelt vor-
stellt, wie sie dem Cäsar Tribut bringt. Diesem Gemälde fehlt
die letzte Vollendung.
Pommersfelden.
In der Gallerie des Grafen von Schönborn sieht man
eine der heil. Familie für Zanobi Bracci im Pitti sehr ähnliche
Darstellung,
Prag.
In der Sammlung des Fürsten Colloredo ist eine heil. Familie
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