Vanni, Francesco

Vanni, Francesco, Maler, wurde 1563 (nach Baldinucci 1565) zu Siena geboren, und stammte aus einer Familie, die von Lippo Vanni an bis ins 18. Jahrhundert viele Künstler zählte. Sein er- ster Meister war A. Salimbeni, bei welchem er die gewöhnliche Lehrzeit erstand. Als Jüngling von 16 Jahren begab er sich nach Rom , um die Werke Rafael's und jene der besten lebenden Mei- ster kennen zu lernen. Unter diesen stand ihm Gio. de Vecchi

am nächsten, da er diesen Meister Anfangs zum Vorbilde nahm; allein die Werke dieser Art gefielen nicht, und somit begab sich der Künstler nach Parma und Bologna , um durch das Studium der Werke der lombardischen Schule eine andere Richtung zu ge- winnen. Correggio und die Carracci blieben nicht ohne Einfluss auf ihn, und auch dem Passerotti hatte er vieles zu danken. Er stand zwei Jahre unter dessen Leitung, zugleich mit Cav. Josepho, welcher eifersüchtig ward, da er in Vanni einen mächtigen Ne- benbuhler fürchtete. In Bologna malte unser Künstler einige Bil- der in der Weise der carraccischen Schule, so wie er in anderen dem Correggio nahe zu kommen suchte; sein eigentliches Vorbild ward aber später Baroccio, welchen er so genau nachahmte, dass man ihre Bilder verwechselte. Kenner wollten aber jene Vanni's an der stylisirten Composition und an der freieren Behandlung er- kennen. Fiorillo I. 413 bemerkt dazu noch richtiger, dass das kritische Auge bei diesem Vergleiche bald wahrnehme, dass Ba- roccio den grossen Correggio, und Vanni nur den Nachahmer Baroccio vor Augen hatte. Es ist daher die Copie von der Copie zu unterscheiden. Man muss aber nicht vergessen, dass Vanni für jeden Preis arbeitete, und bei geringer Bezahlung auch wenig Mühe verwendete. In solchen Bildern ist Vanni kaum zu erken- nen. Die Färbung ist jedoch immer schön, da er sein Augenmerk vorzugsweise auf die Ausbildung des Colorits richtete. Seine Kö- pfe sind gefällig, aber nicht sehr bedeutend im Ausdrucke. Er vermied auch gewöhnlich Gegenstände, welche Strenge des Aus- druckes erforderten. Religiöse Bilder gelangen ihm am besten, er nahm es aber mit dem Costüm nicht genau, und auch mit der Draperie fand er sich leicht ab.

Vanni lebte mehrere Jahre in Rom, und fand da viele Freunde und Gönner, Fabio Ghigi, der nachmalige Papst Alexander VII., war sein Taufpathe, der ihn mit Gunstbezeugungen überhäufte. Dem Papste Clemens VIII. empfahl ihn der Cardinal Baronius. Die- ser Kirchenfürst ertheilte ihm den Auftrag, für die St. Peterskirche den Fall Simon's des Zauberers auf Schiefer zu malen, welcher ihm so wohl gefiel, dass er dem Künstler den Christus-Orden ertheilte. Von Rom aus begab sich Vanni nach Siena, wo er als der erste Maler der Zeit galt, und von Fürsten und Grossen be- sucht wurde. Er malte noch viele Bilder, befasste sich aber übri- gens auch mit der Architektur und Mechanik. In der Kirche S. Spirito und S. Julia sind zwei Hauptwerke des Meisters: Chri- stus, welcher auf dem Zuge nach Golgatha der Mutter begegnet, und eine Flucht in Aegypten im Style der Carracci. In S. Maria dell'Umiltà ist die Verkündigung Mariä, eines der früheren Bilder von Vanni. Die Kirche des Educatorio bewahrt von ihm ein pathetisches Gemälde, welches die Vermählung der heil. Catharina vor- stellt. In S. Spirito ist ein schönes Bild des heil. Hyacinth, in S. Bernardino ein Jugendwerk des Meisters, die heil. Jungfrau mit St. Bernhard und St. Catharina, und im Hause der heil. Ca- tharina von Siena, jetzt la Fullonica, sieht man drei Darstellun- gen aus dem Leben der genannten heil. Sieneserin: Christus, wie er ihr Herz nimmt, die zwei Kronen, welche ihr gereicht wur- den, und die Canonisation derselben. Im grossen Saale des Pa- lazzo publico zu Siena sind von ihm und seinen Schülern die Lu- netten geflort. Bei den Dominikanern daselbst soll nach Füssly ein auf dem Meere wandelnder St. Romuald seyn, welchen man für das beste Werk dieses Meisters hielt.

In der Kirche der heil. Catharina zu Pisa ist ein schönes Bild

Die genannten Bilder gehören zu den Hauptwerken des Mei- sters in Italien, es finden sich aber deren auch im Auslande. In der Gallerie des Louvre ist ein Gemälde, welches die Maria mit dem Kinde vorstellt, mit einem Engel, der ihr die Speise reicht; ferner eine heil. Familie mit Joseph, welcher dem auf dem Schoosse der Mutter sitzenden Kinde Früchte gibt. Ein drittes Bild im Louvre stellt die Marter der heil. Irene dar. In der k. Eremitage zu St. Petersburg ist das liebliche Bild einer Jungfrau mit dem Lamm mit ausserordentlichem Fleisse ausgeführt. Eine ähnliche Darstellung geht in der Gallerie zu München unter C. Dolce's Namen. Im Belvedere zu Wien ist eine Maria mit dem Kinde auf dem Throne, vor ihr St. Georg, und der heil. Geminianus mit einem Engel, der ein Modell seiner Kirche in Mailand trägt. Ein zweites Gemälde dieser Gallerie zeigt Christus, welchen ein Henker zur Geißlung führt, während Maria den Frauen in die Arme sinkt. Auch in der Gallerie zu Dresden ist ein Werk von Vanni, eine heil. Familie mit Elisabeth und Johannes, links Jo- seph auf den Stock gestützt.

Auch Zeichnungen findet man von Vanni, welche einen eben- so sorgfältigen als geistreichen Künstler erkennen lassen. Sie sind meistens mit der Feder umrissen, in Bister getuscht, oder auch mit Weiß gehöht. Andere sind mit Rothstein auf gefärbtes Papier ausgeführt. In den Catalogen der Sammlungen des Mr. Paignon- Dijonval, des Grafen Sternberg-Manderscheid, des Baron Rumohr etc. sind solche beschrieben. Vanni zeichnete auch den berühm- ten Mosaik-Fussboden nach Dom. Beccafumi's Composition im Dome zu Siena, wonach dann A. Andreani sein berühmtes Form- schnittwerk in Helldunkel ausführte. Allein Vanni's Name steht nur auf dem zweiten Abdrucke mit veränderter Dedication. Die Geschichte des Moses, welche Andreani auf sechs grossen Tafeln in Helldunkel ausführte, hat auf den meisten Exemplaren ausser der Dedication an den Cardinal Scipione Gonzaga von 1500 auch noch eine weitere Beischrift: Per inuentione di Dom. Beccafumi detto Mecarino Pittor Senese — — Andrea Andreani di Mantoua ha intagliato, stampata et digrande in questa forma ridotta —. Von F. Vanni als Zeichner wird nichts erwähnt; dieser scheint aber andererseits sein Recht geltend gemacht zu haben. Zani, enci- clopedia etc. II. 2. 183, sah im Cabinet Prieur einen in Helldunkel ausgeführten Abdruck des unteren Theiles dieses Werkes, welcher ebenfalls die Dedication an S. Gonzaga enthält, und neben den

F. Vanni war ein Künstler von edlem, sanftem Charakter. Ferne von Neid und Missgunst gönnte er jedem Kunstgenossen die Ehre, und freute sich ihm nützlich zu seyn. Sein Verhältniss zu Guido Reni war jenes der wärmsten Freundschaft. Auch seine Schüler standen ihm nahe. Unter diesen nennen wir R. Manetti, Astolfo, Petrazzio, und seine beiden Söhne Rafael und Michel Angelo. Der Meister starb zu Pisa. In S. Giorgio zu Siena ist das ihm von seinem Sohne M. A. Vanni gesetzte Denkmal, worüber wir im Artikel desselben handeln. Sein Bildniss findet man in der Tribune zu Florenz, gest. in der Serie de' Ritratii VIII. 419., dann bei d'Argensville I. 180., und von B. Capitelli,

Franciscus Piccolomineus 'nobilis philosophus an. aet. 85. Brustbild in Oval. Franciscus Vans. delineavit. Joannes Flori- mus sculp., gr. 8.

P. Teius, Mönch. J. Florimus sc. Oval, gr. 8.

Ein grosser Kopf, gest. von C. Coriolano, fol.

Stiche nach diesem Meister.

Die Anbetung der Hirten, gest. von Scacciati nach einer Zeich- nung, gr. fol. Maria stehend, gest. von Scacciati, 8.

Maria das Jesuskind anbetend. Gest. von Sadeler, und dann von de Varis, wahrscheinlich Copien nach Nr. 1. von F. Vanni's eigenem Blatte, 8.

Maria das Kind anbetend, von einem Ungenannten in Hell- dunkel ausgeführt. B. XII p. 50.

Maria mit dem Kinde. Gestochen von Th. de Leu, und von Sadeler, 8. Eine heil. Familie, gest. von H. L. Schärer, 4.

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Die heil. Familie in einer Landschaft, von P. E. Moitte für das Dresdner Galleriewerk gestochen, gr. fol.

Die heil. Familie mit der säugenden Maria, und Joseph als Zimmermann, gest. von Ph. Thomassin 1507, qu. fol.

Dieselbe Darstellung. Ragot sc. Mariette exc., qu. fol.

Die heil. Familie mit St. Catharina, gest. von J. Turpin, fol.

Die Rückkehr der heil. Familie aus Ägypten, links vorn drei Kinder mit Palmzweigen. Gest. von Vascellini, nach dem Bilde in S. Quirico zu Siena, gr. fol.

Dieselbe, oder eine ähnliche Darstellung. Franc. Leoncini Gemignano fecit. F. V. inventor, kl. fol.

Die heil. Jungfrau in einer Glorie betrachtet das Jesuskind, welches sie in die Arme des heil. Franz gelegt hat. Gest. von C. Galle, fol.

Der Leichnam des Herrn von einer heil. Frau unterstützt, Maria mit gekreuzten Händen auf den Knieen vor ihm. Gest. von J. Callot, fol.

Christus am Kreuze, unten Maria, St. Catharina und Fran- ziscus, Gest. von Dom. Custos, und von C. Galle, fol.

Die Geisslung Christi, gest. von P. de Jode, fol.

Der Heiland und die Maria erscheinen dem heil. Franziskus, in Zeichnungsmanier von Mulinari, fol.

Der Leichnam Christi auf Wolken, mit einem Engel. Ohne Namen des Stechers (Ch. Alberti). Oval fol.

Die heil. Jungfrau, und Christus wie er dem Volke nach der Geisslung vorgestellt wurde, gest. von P. de Jode, fol.

Die heil. Jungfrau auf Wolken mit dem Scepter vom Jesus- kinde gekrönt. Gest. von C. Galle, fol.

Die heil. Jungfrau zwischen St. Bernhard und einem anderen Heiligen. Gest. von C. Galle, fol.

St. Georg sitzend, neben ihm Margaretha und Magdalena,

L. Kilian sc., qu. fol.

Der sterbende St. Franz in einer Landschaft, radirt von A. Carracci, fol.

Der heil. Franciscus, gestochen von J. Sadeler, gr. 8.

Der heil. Franciscus in Entzückung, halbe Figur, radirt von A. Carracci 1505. Der heil. Franz in Entzückung, gest. von D. Custos, fol.

St. Franz in der Capelle knieend. Nach einer Zeichnung von A. Bartsch gestochen, 1787, fol.

Die Heiligen Franz, Dominicus und Bernhard in einer Land- schaft sitzend, radirt von J. Episcopus, gr. qu. 8.

Der heil. Petrus. Le Blon exe., kl. fol.

Die 12 Kirchenlehrer, stehende Figuren, 4 Blätter. Le Blon exc., 10

St. Magdalena vor dem Crucifixe, F. V. F. (F. Villamena fecit), gr. 8.

Die heil. Catharina von Siena mit dem Jesuskinde, gest. von D. Custos, gr. 8. ; grösser von Thomassin, fol.

Eine Nonne in der Capelle, nach einer Zeichnung von A. Bartsch gestochen, 8.

St. Bernhard von Siena, radirt von Ch. Alberti.

St. Hieronymus sitzend mit dem Crucifix, radirt von A. Car- racci, berühmtes Blatt, S. Girolamo del Vanni genannt. B. 74.

Das Leben und die Wunder der heil. Catharina von Siena: Vita, Mors, gesta — St Catharinae —, Folge von 12 schönen und reichen Compositionen, P. de Jode sce. Florini excud. 1597.

Seite 387. Die gegenseitigen Copien dieses Werkes haben die Adresse: Cornel. a Jode excud. 1697. Die heil. Lucia, in Helldunkel bearbeitet, nach Gandellini's Behauptung von Vanni selbst.

Der heil. Albert, stehend in ganzer Figur: Vita et miracula S. Alberti Carmelitae. Franc. Vannus inventor. Andreas Vacca- rius excud. — 16604, fol.

St. Dominicus lässt die Bücher der Albingenser verbrennen, nach dem Bilde des Cabinet B. d'Aiguilles gest. von J. Coelemans.

Der Tod der heil. Catharina von Siena, Cor mundum etc; Fr. Sen. inv. Von einem Ungenannten im Geschmacke Moro's gestochen, fol.

St. Maria Magdalena, gestochen von G. Balestra, nach dem Bilde in der Gallerie zu Turin. Reale Gall. di Turino, illust. da R. d'Azeglio, gr. fol.

Allegorische Darstellung mit drei Figuren in einem Bogen: Omnia sint operata Deo vita maxime Princeps etc. Mit Dedication an den Erzherzog Maximilian von Oesterreich von Dom. Custos, und gest. von L. Kiliau, qu. fol.

Das jüngste Gericht, reiche Composition, gest. von Ph. Tho- massin, fol. Eigenhändige Radirungen,

F. Vanni hat drei seltene Blätter radirt, welche an jene von Ventura Galimbene erinnern, nur dass sie weniger manierirt, und freier und breiter behandelt sind. Diese Blätter beschreibt Bartsch P. gr. XVII. p. 105. Von zwei anderen, welche ihm beigelegt werden, ist das eine zweifelhaft, das andere gehört einem anderen Meister an.

  1. Die heilige Jungfrau betet das vor ihr schlafende Jesuskind an. Sie ist in halber Figur ein wenig nach rechts gerichtet, wo man oben einen Cherubim sieht. Rechts unten: F. V. F. 159... Im Rande: Ego dormio et cor meum vigilat. H. 4 Z. mit 2 L. Rand, Br. 2 Z. 7 L.

Bartsch nennt nur einen Cherubim, Brulliot IV. Nr. 892 sah aber einen Abdruck, wo eine Krone von Cherubim um das Haupt der Jungfrau geht.

  1. Die heil. Catharina von Siena empfängt die Wundmale. Sie kniet vor dem Altare, über welchem der Gekreuzigte schwebt. Links oben Cherubim. Ohne Zeichen. H. 4 6 L., Br. 2 Z. 10 L.

  2. St. Franz in Entzückung, halbe Figur am Felsen sitzend, Links oben auf den Wolken spielt ein Engel die Violine, Im Rande unten zwei Distichen: Desine dulciloquas ales contingere chordas etc. Rechts unten: Franc. Van. Sen, fsc. Seltenes Blatt. H. 8 Z. 4 L., mit 5 L. Rand, Br. Z. 6 L.

Es gibt eine anonyme Copie im Stiche, wo links der Engel fehlt. H. 7 Z. 1 L., Br. 4 3/4. 10 L.

  1. Die heil. Jungfrau sitzend en face, wie sie in der Linken das Buch zum Lesen einporhebt, und mit der Rechten das auf ihrem Schoosse schlagende Kind unterstützt. Dieses Blatt kommt von einer wenig geübten Hand, und könnte als er- ster Versuch des F. Vanni zu betrachten seyn, da es im Zeschlage desselben gezeichnet ist. H. 6 Z. 3 L., Br.

Z. .

  1. Der heil. Franz halb am Felsen liegend mit dem Crucifixe in den Händen. Oben sind drei musicirende Engel. Un- ter dem rechten Beine des Heiligen: F. Vannius f. H. 5 Z 4 L., Br. 4 Z. 2 L.

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