Vanloo, Charles Andreas

Vanloo, Charles Andreas, genannt Carle Vanloo, der jüngere Sohn des Louis Michel Vanloo, wurde in Nizza geboren, und von seinem Bruder Jean Baptiste in den Anfangsgründen un- terrichtet. Dieser nahm ihn mit sich nach Rom , wo Carle an dem Bildhauer P. le Gros einen Lehrer fand. Er hatte Neigung zur Kunst dieses Meisters, trat aber nach dem erfolgten Tod des- selben in die Schule des Benedetto Lutti über, um sich mit der Malerei zu widmen. Doch war Vanloo erst 15 Jahre alt, als er nach Paris zurückkehrte, wo ihm 1723 die Akademie einen Preis

zuerteilte. In jener Zeit malte er für die Bühne des grossen Opernhauses mehrere Decorationen, und die Buntheit und Bra- vour der italienischen Decorationsmalerei spricht sich, in Verbin- dung mit der Geziertheit der damaligen französischen Schule, auch in vielen seiner Bilder in Ölg aus, nur mit mehr Maass in seinen späteren Werken, welche noch immer sehr manierirt sind. C. Van- loo malte nur in seiner frühesten Zeit Decorationen, musste sich

Vanloo, Charles Andreas. > 365 aber dann durch Bildnisse seinen Unterhalt sichern, da ihn seine Gegner um den Vortheil des grossen Preises brachten, wel- cher ihm 1724 zuerkannt wurde. Die Portraitmalerei setzte ihn in den Stand, zum zweiten Male nach Rom zu reisen, und hier er- hielt er durch Vermittlung des Fürsten Polignac endlich die aus- gesetzte Pension. Vanloo gründete jetzt in Rom einen ausgezeich- neten Ruf, der sich auch nach Frankreich und nach England ver- breitete, Der Papst ertheilte ihm 1720 die Ritterwürde, da er in der von Vanloo in S. Isidoru damals gemalten Apotheose dieses Heiligen ein Hauptwerk der Malerei erkannte. Hierauf berief ihn der König von Sardinien nach Turin, um für das k. Schloss einige Gemälde auszuführen. Er malte da für das sogenannte Spiegel- zimmer elf Darstellungen aus Tasso's befreitem Jerusalem, die an den Pfeilern und über den Thüren angebracht sind, und von Lanzi geührt werden. Zwei derselben sind von Porporati gestochen, im Lustschlosse zu Supigni ist ein Frescobild von ihm, Diana mit ihren Nymphen vorstellend, und der Prinz von Carignan be- saß ein lebensgroßes Bild des Bacchus und der Ariadne. Für die Kirche des heil. Philippus Neri malte er 1731 die unbefleckte Em- pfängniss Maria. In der Kirche der Nonnen des heil. Kreuzes da- selbst ist ein Abendmahl und das Wunder mit den Broden von ihm gemalt. Von Turin aus begab sich der Künstler wieder nach Rom, wo er die berühmte Sängerin Sonnini heirathete, welche 1734 die Pari- ser bezauberte. Alsobald öffnete ihm auch die Akademie ihre Thore, wobei er ein Gemälde überreichte, welches Apollo und Marsyas vorstellt, und durch den Stich bekannt ist. Man zählt es zu den Hauptwerken des Meisters. Vanloo blieb jetzt fortan in Pa- ris, und führte zahlreiche Werke aus, welche angestaunt wurden, indem der Künstler alle Bedingnisse erfüllte, welche man damals machte. Ja man wollte ihn sogar einem Rafael, Titian, Correg- gio gleichstellen, — eine wahre Ironie auf die Kunstschmecker seiner Zeit. Darunter zählen wir gerade den Diderot und Watteau nicht, allein auch diese spenden ihm zu grosses Lob. Selbst Fiorillo ist mit ihm noch nicht sehr unzufrieden, obgleich er die ma- nierirte Zeichnung und die gemäe Natur seiner Helden gerade nicht nachahmungswürdig findet. Dagegen erscheint ihm die Fär- bung voll Feuer und Kraft. Wenn Fiorillo darunter Buntheit, und das Haschen nach grellen Effekten versteht, hat er wohl recht. Lan- don (Annales II, 22.) erspart dem Künstler den Vorwurf der Gemein- heit und Leere, und behauptet im Gegentheile, Vanloo habe sich von Natur aus zum Edlen und Graziösen gewendet, d. h. zur thea- tralischen Geziertheit der damaligen französischen Schule. Die Fär- bung findet Landon blühend und mild, und im Technischen ge- steht er ihm, wie alle übrigen Schriftsteller, grosse Vorzüge zu. In jeder Hinsicht war Vanloo einer der tüchtigsten Bravourmaler seiner Zeit, der aber unausstehlich manierirt ist. Unter den fran- zösischen Critikern ist Gaultier de Saint-Germain (Les trois siecles de la peinture en France, Paris 1808, p. 234) derjenige, welcher den Vanloo am schärfsten charakterisirt, oder wie Füssly glaubt, fast ärger als nackt auszieht, — also schindet. Er erklärt die Werke Vanloo's, dessen Ruf im 18. Jahrhunderte ganz Frankreich erfüllte, für das Bild des Verfalls der "italienischen Kunst, welche aber durch ihn noch tiefer fiel. Die Franzosen haben jedoch seinem Ruhme ein Gerüst gebaut, welches sich auf den Trümmern des guten Geschmacks erhob. Es stürzte aber bald nach seinem Tode zusammen, und selbst seine bewundertsten Bilder wollten nicht mehr ziehen. Gault de St. Germain bemerkt richtig, dass! dem

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