Vallili, Rudolfo » Architekt zu Mailand

Vallili, Rudolfo » Architekt zu Mailand, machte seine Studien in Rom , und richtete da ein besonderes Augenmerk auf die Werke der classischen Kunst der Kaiserzeit. Später, nach Mailand berufen, trat er in Dienste des Staates, und zeichnete sich namentlich durch den Bau der Porta Orientale aus. Im Jahre 1827 wurde ihm zu Ehren eine Denkmünze geprägt, welche die Facade dieser Porta enthält. Diese Medaille ist in Silber und in Bronze ausge- prägt, in Silber 3 Thl. werth, Van Uden, s. van Uden. Vanvitelli, Gaspar, genannt Occhiale, Landschaftsmaler , stammt aus einer holländischen Familie, welche sich van Vitel oder Witel, nach andern van Kalf nannte. Baldinucci will auch einen älteren Gaspar Vanvitelli von Amersfoort kennen, der bei Mathias Wit- hoos (+ zu Hoorn 1630) die Baukunst erlernte; allein der genannte Schriftsteller scheint im Irrthum zu seyn, da erst unser Künstler den Namen van Vitel oder Witel in Vanvitelli italianisirte. Im Jahre 1647 zu Utrecht geboren, konnte er bei Withoos Unter- richt in der Architektur genommen haben, da gerade architekto- nische Darstellungen zu den Hauptwerken des Meisters gehören, und auch in andern Bildern die landschaftliche Umgebung nur der Bauten wegen da ist. Vanvitelli ging als Jüngling von 19 Jahren nach Rom, muss aber schon um diese Zeit Proben seiner Kunst geliefert haben, wenn die fein vollendeten Landschaften in Öl und Gouache, welche nach Brulliot, Dict. des monogr. II. Nr. 1133, G. V. W. bezeichnet sind, von ihm herrühren. Die alte Form des G. scheint uns für den Künstler fast nicht recht zu pas- sen, wir wagen es aber auch nicht zu behaupten, dass wirklich zwei Künstler dieses Namens gelebt haben. Etwagen entscheidend möchte der Umstand seyn, dass der Künstler in späterer Zeit nicht mehr so fein vollenden konnte, da seine Augen schwächer wurden, und er sich der Brillen bedienen musste, wodurch er den Beinamen G. degli Occhiali erhielt. Zuletzt verlor er beim Aufheben der Gläser ein Auge, und nun konnte er nicht mehr genau nach der Natur, und nur im Grossen malen.

Vanvitelli besuchte verschiedene italienische Städte, und gab theils Ansichten von denselben, oder malte einzelne Stadttheile und Paläste. Auch eine bedeutende Anzahl von Villen malte er, wobei auf die landschaftliche Umgebung Rücksicht genommen ist. Die Landschaften sollen aber weniger geistreich behandelt seyn, und keine Abwechslung bieten. Die Lüfte sind blass, und mit röthlichen Wölkchen durchzogen. Einen anderen Theil seiner Werke bilden die Marinen, worunter Ansichten italienischer See- häfen sich befinden. Ein grösserer Ruhepunkt seines Lebens ist in Neapel zu suchen, wo er vom Hofe begünstiget war. Der Vice-König Herzog von Medina-Celi stand sogar seinem Sohne Ludwig zur Taufe. Bei den durch Machia erregten Unruhen ging Vanvitelli nach Rom zurück, und schilderte da fast alle Pracht- bauten der modernen Stadt. Die Häuser Saccheti und Colonna erwarben viele Bilder von ihm, andere gingen ins Ausland. Er

Eigenhändige Radirungen.

Sehr malerische Blätter finden sich in folgendem Werke: L'arte di restituire a Roma la tralasciata navigazione del suo territorio, in 3 Folianten, dell' ingegniero Courn, Meyer, Olandese, Roma 1686, gr. fol.;

Von ihm sind wahrscheinlich auch 6 Blätter nach Zeichnungen von Guercino, welche anderwärts dem Carl Vanvitelli zuge- schrieben werden. Brulliot D. d. M. Nr. 1126 fand auf Blät- tern die Buchstaben G. V, etc., welche auf unsern Künstler passen.

M, Vanvitelli, Luigi, Maler und Architekt, geb. zu Rom 1700, war Schüler seines Vaters Gaspar Vanvitelli, und machte in der Ma- lerei solche Fortschritte, dass er schon als Jüngling von zwanzig Jahren den Auftrag erhielt, die Capelle der Reliquien der hl. Cäcilia in Trastevere im Fresco auszumalen. Für den Cardinal Acquaviva malte er um jene Zeit ein Bild der heil. Cäcilia in Öel. Andere Bilder von seiner Hand sind in St. Bartolomeo de' Berga- maschi, und in S. Suffragio zu Bergamo. Hierauf widmete sich der Künstler unter Leitung des Filippo Juvara mit solchem Erfolge der Architektur, dass er schon als junger Mann von 26 Jahren die Stelle eines Baumeisters der St. Peterskirche erhielt. Jetzt nahm die Baukunst seine grösste Zeit in Anspruch, und nur nebenbei copirte er Bilder in Öel und Wasserfarben für die römische Porzellanmanufaktur. Inzwischen trug ihm der Cardinal von S. Clemente die Restauration des Palastes Albani in Urbino auf, und nach Voll- endung der Arbeit begann er daselbst den Bau der Kirchen S. Fran- cesco und S. Domenico. Nach Rom zurückgekehrt, leitete er mit seinem Freunde Salvi das Wasser von Vermicino nach Rom, wo- bei verschiedene Bauten nothwendig waren. Dann concurrirte er mit 21 andern Künstlern für den Bau der Fassade von S. Giovanni in Laterano. Vanvitelli überreichte zwei Zeichnungen, wovon die eine, und jene von Salvi vorgezogen wurden, allein den Bau er- hielt zuletzt der Florentiner A. Galilei. Als Ersatz wurde dem Salvi die Anlage der Fontana de Trevi, und unserm Künstler der Bau des Hafens von Ancano übertragen. Da legte er auch das Spital an, welches in fünfeckiger Form erscheint, und dem Künst- ler grossen Beifall erwirkte. Während dieser Arbeiten fertigte er Zeichnungen zur Restauration der Kirchen al Gesü und S. Ago- stino in Rom, der Capelle della Misericordia in Macerata, der Olivetanerkirche in Perugia, der Magdalenenkirche in Pesaro, der Kirche des heil. Augustin zu Siena u. s. w. Mittlerweile wurde auch an der Cuppelle der St. Peterskirche eine Reparatur nöthig.

Die eisernen Reife wollten den Dienst versagen, und es musste daher die drohende Gefahr beseitiget werden. Im Jahre 1745 wurde er nach Mailand berufen, um eine Zeichnung zum Baue der Fa- cade des Domes zu fertigen. Sein Entwurf hielt die Mitte zwi- schen dem gothischen und griechischen Style, er kam aber nicht zur Ausführung, was gerade kein grosses Unglück ist, da die he- terogenen Theile nicht zum Vortheile des Gebäudes sich gefügt

Vanvitelli, Luigi. hätten. Wir ersahen daraus, dass Vanvitelli nicht im Stande war, in den Geist der germanischen Baukunst einzudringen. Dann re- staurirte er in Mailand den Palazzo di Corte. In Resina wurde um diese Zeit das Casino di Capolieto, zu Matalone ein Altar mit dem Tabernakel, und in Brescia die Sala del pubblico nach seinen Entwürfen ausgeführt.

Im Anno santo 1750 unternahm der Künstler in Rom mehrere Decorationsarbeiten. Es wurde die Tribune der Peterskirche ver- ziert, eine grosse Beleuchtung der Cupola angeordnet, eine Heiligsprechung vorgenommen, und das Leichengerüst der Ex-Kö- nigin von England aufgestellt. Dann baute er die Villa Rufinella um, welche unter Paul II. durch Monsig. Rufini gegründet wurde. Um diese Zeit führte er auch den Anbau zur Bibliothek der Gre- gorianischen Universität, und in Lissabon wurde nach seinem Tode die Capelle des Täufers Johannes in S. Roch erbaut. Diese Capelle ist reich ausgeschmückt und von sehr gutem Geschmack. Von weiteren Restaurationen, die er in Rom unternahm, brachten ihn besonders jene im Augustinerkloster und in der Carthause Ruhm.

Als Künstler von entschiedenem Verdienste erhielt er 1751 ei- nen Ruf nach Neapel, wo ihm Carl III. ein weites Feld zur Thä- tigkeit eröffnete. Er stellte die Hauptfagade des k. Palastes her, welche sehr baufällig geworden war. Dann baute er die neue Kirche dell’ Annunziata, welche für die schönste der Stadt gehalten wird. Auch die Kirchen S. Marcellino und della Rotonda, so wie die Capelle, Sakristei und Stiege della Concezione a S. Luigi di palazzo, und die dorische Colonnade vor S. Spirito ist sein Werk. Auch wur- den mehrere Paläste und Häuser nach seinen Plänen gebaut. Das Fo- rum Carolinum verdankt ihm ebenfalls den Ursprung. Sein Haupt- werk, welches er ausführte, ist aber das berühmte Schloss in Caserta mit dem Aquädukt, welcher auch unter dem Namen Ponte della Valle bekannt ist. Durch diesen Aquädukt wird das Wasser 26 Meilen weit hergeleitet, um für das Bedürfniss und die Pracht Caserta's zu sorgen. In Zeit von sechs Jahren war das Ganze vollendet, und kostete 600,000 Ducaten. Milizia beschreibt die Prachtanlagen von Caserta, und auch eine spätere Schrift ba- sirt nur auf Milizia: Descrizione delle reali delizie di Caserta. Napoli 1823. Der Verfasser ist ein Enkel dieses Künstlers. Von diesem jüngeren Vanvitelli haben wir auch eine Biographie des berühmten Meisters: Vita dell’ architetto Luigi Vanvitelli. Napoli 1823, 8. Ueber die Caserta veranstaltete Luigi ein Kupferwerk, welches auf 14 Blättern von Rocco Pozzi den Palast in Abbildung giebt, unter dem Titel: Dichiarazione dei disegni del Reale Palazzo di Caserta. Napoli 1756, roy. fol. Der Hafen und das Lazareth von Ancona sind von J. Vasi auf 3 Blättern gestochen. Aus diesen Kupferwerken kann man den Standpunkt beurtheilen, auf welchem Vanvitelli als Künstler stand. Es zeigt sich bei ihm und einigen anderen vorzüglichen italienischen Meistern das Streben, von der Willkür eines Bernini und Borromini zu einer grösseren Ruhe des Gefühls, und einer strengeren Schulrichtigkeit, zurückzukeh- ren. Doch bereiteten diese Künstler keine neue geistige Entwick- lung der italienischen Architektur vor; sie deuten nach Kugler, Handbuch S. 645., vielmehr auf einen Zustand der Ermattung, der nach der krankhaften Anstrengung ihrer Vorgänger nothwen- dig eintreten musste. Filippo Juvara steht auf derselben Stufe.

Vanvitelli starb zu Rom 1773. Kurz zuvor hatte er die Un- annehmlichkeit, dass er allein unter mehreren eine Entschädigung

Eigenhändige Radirung: „Aquacotto del real palazzo di Caserta. Vanvitelli fec., s. gr. qu. 10), .

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