Utrecht, Christoph von, Maler, wurde nach Palomino (Museo Pictorico 1655) 1408 in Holland geboren. Dieser Schriftsteller gibt uns zuerst Nachricht über ihn, da er Christoph's Spur in Madrid fand, wohin er den Antonio Moro beäeutete. Dem Palo- mino schrieben C., Bermudez (Diccionario hist. Madrid 1800), dann Taborda (Regras da arte da pintura. Lisboa 1616) und Cyrillo Volkmar Macäado (Collecao de memorias relat. as vidas dos pin- tores., Lisboa 1823) nach. Diese Schriftsteller sahen, Christoph sei Antonio Moro's Schüler gewesen, ohne zu bedenken, dass Letzterer 14 — 20 Jahre jünger war, als unser Künstler. Die früheren holländischen Schriftsteller haben keine Kunde von ihm, woraus man schliessen könnte, dass Christoph schon früh das Va- terland verlassen habe. Palomino weiss aber nicht, wann er nach Spanien gekommen, und wie lange er in diesem Lande gelebt habe. Einige nehmen jedoch an, dass Chr. von Utrecht 1552 mit dem portugisischen Gesandten nach Lissabon gegangen sei, wo ihn König Johann III. in seine Dienste nahm; allein der Künstler scheint früher nach Portugal gekommen zu seyn, und man bringt ihn wahrscheinlich ohne Grund mit Antonio Moro zusammen. Letzterer wurde von der Königin von Ungarn nach Lissabon ge- schickt, wo er 1552 für diese Fürstin das Bildniss des Königs Johann III. malte, wofür ihm nach einem Documente des k. Ar- chives, auf welches Graf A. Raczynski (Les arts en Portugal. Pa- ris 1846 p. 255) aufmerksam macht, 200000 Reis bezahlt wurden. Darauf stützt sich wahrscheinlich die Angabe, dass Christoph 1552 mit dem Maler A. Moro nach Lissabon gekommen sei. Cyrillo 1. c.
- 1655 kommt aber sicher der Wahrheit näher, wenn er sagt, der Künstler sei gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts an den portu- giesischen Hof gekommen, sei es mit Moro, oder wie andere wol- len, mit einem Gesandten. Damit stimmt auch Palomino's An- gabe, dass Chr. von Utrecht 1550 vom Könige zum Ritter des Christusordens ernannt worden sei. Guarienti (Abecedario pitto- rico d'Orlandi p. 134), welcher von 1733 — 36 in Portugal war, aber mit unserm Künstler nicht ins Klare kam, weiss auch von diesem Ritterschlag, bestimmt aber die Zeit nicht. Er beruft sich auf ein authentisches Document im Archive des Marchese d'Orisol (de Lourical), in welchem auch bemerkt ist, dass der König dem Künstler eine Präbende von jährlich 1500 Ducaten gab. Guarienti
Abbé de Castro, ein jetzt lebender portugiesischer Kunstforscher, auf welchen Graf Raczynski zu wiederholten Malen zurückkommt, schreibt unserm Künstler die Bildnisse des Königs Johann III. und der Königin Donna Catherina an den Pilastern des Chores der Kirche des heil. Rochus in Lissabon zu; ferner die kleinen Gemälde über den Wappen in der Sakristei des Klosters der Madre Deos. Dieses Kloster wurde 1500 von der Königin Eleonora ge- gründet und von Johann III vollendet, Eines derselben stellt die Vermählung dieses Königs dar, ein anderes die Prozession bei der Beisetzung der heil. Anta in diesem Kloster 1517. Diese An- gaben beruhen theilweise sicher auf einem Irrthum. Die beiden Bildnisse sind nach Graf Raczynski von Antonio Moro oder Moor. Die Bilder in Madre Deos stammen wahrscheinlich aus einer frü- heren Zeit, da anzunehmen ist, dass die Darstellungen bei Ge- legenheit der Feierlichkeiten gezeichnet wurden. Die Gemälde lassen nach Graf Raczynski keine Aehnlichkeit mit jenen von Peru- gino und Bellini, und Holbein hat nichts gemein mit der flamän- dischen Schule. In der obigen Angabe sind daher Widersprüche, und wir haben noch kein sicheres Werk von diesem Meister zu nennen. Taborda will die genannten Bilder in Madre Deos als Werke aus der Schule des Christobal de Utrecht erklären. Zu- vor müsste man aber die Schule und die Schüler desselben kennen, ehe ein Ausspruch dieser Art Berücksichtigung verdiente,
Graf A. Raczynski, 1. c. p. 335 — 355, 368, schreibt ihm mit grösster Wahrscheinlichkeit zwölf Gemälde zu, welche bis 1721
die Capella maior der Cathedrale in Evora zierten. Sie enthalten
Darstellungen aus dem Leben der heil. Jungfrau, und tragen das Gepräge der van Eyck'schen Schule, obgleich sie mehr als hun- dert Jahre später entstanden sind. Elf dieser Bilder brachte der Erzbischof Cenaculo zu Anfang dieses Jahrhunderts in seinen Pa- last, wo sie wohl erhalten sich noch befinden. Das zwölfte, die Disputa, ist auf der Bibliothek zu Evora, und restaurirt. Auf dem Gemälde der Disputa stehen phantastisch gezeichnete Initialen, welche nach Raczynski X. V. zu lesen sind. In dem ersten Buch- staben wollten andere ein F, erkennen, um das Monogramm auf Vasco Fernandez zu deuten; allein der Buchstabe V. müsste vor- ausstehen. Das X lässt sich auf unsern Künstler deuten, da der
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