Usteri, Johann Martin, Dichter und Künstler , wurde 1763 in Zürich geboren, und in allen jenen Wissenschaften unterrichtet, welche einen Mann von Bildung zieren. Dabei hatte er auch ein ausgezeichnetes Kunsttalent, welches aber nicht seine ganze Kraft entwickeln konnte, da Usteri in die Rathsstube verbannt war. Er benützte aber jede freie Stunde, und fertigte eine grosse Anzahl von Zeichnungen, welche theils als Resultat seiner geschichtli- chen Forschungen, theils als Ausflüsse seines dichterischen Geistes zu betrachten sind. Wir verdanken ihm historische Bilder, wel- che aus mittelalterlichen Geschichtsquellen flossen, und gewöhn- lich eine moralische Tendenz haben. Die Tugenden der Vorzeit jeden Alters und Geschlechtes, geübt in ihrer Einfachheit und Würde, suchte er seiner Generation vorzuführen, wobei sein ern- ster Sinn den Mangel an Grossartigkeit des Styles ersetzte. Über- diess haben wir von ihm liebliche Idyllen und geistvolle Hu- moresken. Wie Hogarth so liebte auch Usteri eine Reihenfolge von Bildern moralischer Tendenz, und selbst in der Karikatur zeigt sich sein hoher moralischer Sinn. Er zeichnete gewöhnlich im kleinen Formate in zarten und sicheren Umrissen, in einer Manier, welche an Chodowiecki erinnert, oder er tuschte und colorirte die Blätter miniaturartig aus, so dass diese Bilder an die älteren Miniatur- gemälde der alten Mess- und Evangelienbücher erinnern. Zu seinen frühesten und bekanntesten Compositionen gehört die Mut- tertreue und Kindesliebe in neun lieblichen Blättern, und die sa- tyrische Folge von acht Blättern, welche unter dem Namen des Vaterunsers eines Unterwaldners bekannt ist. Diese beiden Fol- gen haben in Meusel's Archiv I. 3. 38 — 40. eine zu strenge Kritik erfahren, woran theilweise auch die Aquatintatische Schuld eind. Anderseits sind sie in der Bibliothek der redenden und bil- denden Künste I. 309 — 310 mit übermässigem Lobe überhäuft, und dabei ausführlich beschrieben. Eine weitere Folge bildet sein Dankpsalm eines Unterwaldners, und 1805 brachte er seinen Künst- lerspiegel zur Ansicht des Züricher Publikums, mit beigefügte lächerlicher Erklärung in Knittelversen. Ein kleiner Roman: Die Geschichte eines Goldschmides, ist mit Zeichnungen geziert, die ähnlich im Sinn und Styl der feinsten Holzschnitte des 16. Jahrhun- derts behandelt sind. Die Zahl der einzelnen Zeichnungen ist sehr gross. Jene der Züricherischen Neujahrsgeschenke des Feuer- werker- Collegiums belaufen sich auf 88. In diesen Blättern schil- derte er mehrere alte Schweizerschlachten, worin er gründliche
Das Vaterunser eines Unterwaldners, 7 Blätter, erfunden von J. M. Usteri, ausgeführt von M. Wocher, 4. Bei Weigel 3 Thlr.
Das Vater-Unser eines Unterwaldners, erfunden von J. M. Usteri in Zürich. Folge von 7 Aquatintablättern mit Titel, fol. Bei Weigel 1 Thlr. 16 gr.
Mutterliebe, ein häusliches Gemälde des 16. Jahrhunderts, Folge von 12 Aquatintablättern.
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