Unterberger, Ignaz

Unterberger, Ignaz, Maler und Kupferstecher , geb. zu Cavalese 1748, war Bruder des Christoph Unterberger, und Schüler seines Onkels Franz. Hierauf copirte er einige Bilder Alberti's, deren er in Cavalese vorfand, und begab sich dann nach Rom , wo er un- ter Leitung seines genannten Bruders in kurzer Zeit rasende, Fortschritte machte. Der Umgang mit R. Mengs, P. Pittoni, A. Maron, u. a. Meistern, welche ihn auf die Meisterwerke der al- ten und neueren Kunst aufmerksam machten, hatte den wohl- thätigsten Einfluss auf ihn. Vor allen aber sagte Correggio seiner Individualität zu, aber weit entfernt in der Folge ein blosser Nach- ahmer zu werden, schöpfte er hauptsächlich aus der wahren Quelle der unendlich formreichen Natur, und aus den Idealen, welche die alte römische und griechische Kunst geschaffen hatte, Auch wählte er die besten italienischen, französischen und deutschen Schriftsteller zur Lectüre, so dass er nicht allein ein tüchtiger Künstler, sondern auch ein wissenschaftlich gebildeter Mann war.

Unterberger fertigte schon in Rom einige historische und allego- rische Gemälde, welche Bewunderung erregten und in Kunst- sälen aufbewahrt wurden. Besonders gelangen ihm Grottesken, kleine Figuren und Bambocciaden nach Art der Niederländer. In der Villa Pinciana bewunderte man die Darstellung eines Festes, welches der Fürst Borghese der verwittweten Churfürstin von Sachsen und ihrem Gefolge gab. Dann hatte Unterberger auch die Geschicklichkeit, ältere Meister täuschend nachzuahmen, so dass in Rom Kenner und Maler diese Bilder für Original hielten, Zwei solcher Bilder gaben zu merkwürdigen Täuschungen Veran- lassung, und das eine hat R. Morghen unter Correggio's Namen gestochen.

Das Factum selbst, und den Unterberger's Talent ehrenden Streit über das Alterthum des Gemäldes erzählt Hirt in einem grös- seren Aufsatze des Morgenblattes 1808, Nr. 143 — 146. Im Jahre 1786 — 87 erstand Lovera in Rom, der sich mit dem Ausbessern und Handel alter Gemälde abgab, einen Theil alter Bilder von Christoph Unterberger. Darunter befand sich eine Mutter mit drei Kindern. Das Bild war auf ein altes Brett gemalt, beschmutzt und nicht ganz fertig. Die Hauptfigur hat ungefähr anderthalb Fuss. Lovera reinigte und retouchirte das Gemälde, gab ihm

— einen Firniss, und war höchlich über seinen Fund erfreut. Die Sache ward in der Stadt bekannt; Künstler und Kunstrunde

Die Aussage Unterbergers erregte nicht weniger Aufsehen, als vorher das unerwartete Auffinden eines so seltenen Gemäldes. Der Künstler hatte als einer der vorzüglichsten Meister aus der Mengs'- schen Schule die allgemeine Achtung für sich; allein seine Äus- serung machte wenig Eindruck, man spottete vielmehr seiner und glaubte, er streue dergleichen nur aus, um die Blüsse zu decken,

den Werth eines solchen Gemäldes nicht erkannt, und um ein geringes verkauft zu haben. Kurz, das Gemälde blieb in den Augen der Kenner ein Original von Correggio. Es boten sich nun dem neuen Besitzer mehrere Gelegenheiten, das Gemälde sehr vorteilhaft zu verkaufen. Allein je mehr man ihm bot, desto höher steigerte er den Preis. Im Jahre 1792 erlaubte er dem eng- lischen Maler Day gegen eine namhafte Summe eine Zeichnung von dem Bilde zu nehmen, um es auf eigene Kosten von dem berühmten R. Morghen stechen zu lassen. Seitdem war das Werk als von Correggio herrührend, und als eine der vorzüglichen Ar- beiten des Morghenschen Grabstichels, durch ganz Europa be- kannt. Im Jahre 1795 kam der Fürst Nikolaus Esterhazy nach Rom, der als eifriger Freund der Kunst eine bedeutende Anzahl Klassischer Werke an sich brachte, und hiebei den Gelehrten und Kunstkenner Hirt zu Rathe zog. Er sah auch die Mutterliebe, hielt wie jeder andere das Geschichtliche des Bildes für eine Fabel, und erkaufte dasselbe für den Preis von 1200 Dukaten, und zwar unter folgenden Bedingungen, auf denen der Hofrath Hirt besonders bestand:

  1. Der Käufer Fürst Esterhazy bezahlt dem Verkäufer für ein allgemein von der Hand des Correggio gehaltenes Gemälde, die Mutterliebe, mit drei Kindern vorgestellt, die Summe von 1200 Dukaten, wovon 300 sogleich und die anderen 900 in den drei folgenden Jahren, jedes Jahr dreihundert, ausbezahlt werden. 2. Sollte sich aber während dieser Zeit erweislich entdecken, dass gedachtes Gemälde von irgend einem anderen Meister gemacht sei, so steht es dem Käufer frei, den Contract zu annulliren. Graf von Münster und Hofrath Hirt waren als Zeugen unterschrieben.

Als das Gemälde in Wien ankam, wurde es dem Ignaz Un- terberger zum Gutachten vorgelegt, und dieser erklärte in Gegen- wart von zwei Zeugen, dass er das Bild vor 25 Jahren während seines Aufenthaltes in Rom erfunden und gemalt habe, dass er aber bei seiner Abreise von dort dasselbe als eine unvollendete Arbeit, auf die er selbst keinen Werth gelegt, und welche er bloss als ein Studium gemacht hätte, bei seinem Bruder Christoph habe stehen lassen. Übrigens möchten Künstler und Kenner dieses Gemälde mit seinen andern Arbeiten, die er seitdem in Wien ver- fertigt habe, vergleichen und urtheilen, ob er im Stande sei, etwas zu verfertigen oder nicht.«

Nachdem der Fürst sich überzeugt hatte, dass Unterberger der Autor der Mutterliebe sei, schickte er dem Lovera eine mit Zeu- gen bestätigte Abschrift des Zeugnisses Unterbergers, und erbot sich, das Gemälde gegen die bereits erlegten 300 Dukaten zu be- halten. Der Brief des Fürsten mit der Abschrift des beigefügten Attestates erregte allgemeines Aufsehen und Unwillen gegen die

Brüder Unterberger. Ein jeder hielt sich überzeugt, dass Unter- berger in Wien ein solches Zeugniß nur auf Antrieb und gleich- sam zur Ehrenrettung seines Bruders von sich gegeben habe, und der Contract wurde aufgelöst. Im Jahre 1700 kam das Gemälde wieder in Rom an. Hirt, der ebenfalls das Gemälde für ein Werk Correggio's hielt, besuchte auf seiner Reise in Wien den Künstler, und überzeugte sich bei Betrachtung der Werke Unterberger's, dass es demselben möglich gewesen, ein Werk zu schaffen, das Correggio's Meister- hand in hohem Grade würdig sei. Der Anblick der Hebe hatte jede Spur von Zweifel über den Menschen sowohl, als den Künst- ler weggewischt. Jedoch ungeachtet des sehr positiven, und in das Einzelne gehenden Berichtes von Seite Hirt's, blieb die Mutter- liebe bei Lovera, und in den Augen der in Rom wohnenden Künstler noch forthin ein Original von Correggio. Das zweite Gemälde, welches Fürst Dstyn in Wien als von Correggio stammend um die bedeutende Summe von 4000 Gulden an sich gebracht hatte, aber ebenfalls Unterberger zugeschrieben wird, stellt gleichfalls eine Mutter mit mehreren Kindern um sie hergruppiert dar, doch ganz verschieden von dem römischen Bilde des Joseph Lovera. Unterberger's Arbeiten verrathen in jeder Hinsicht eine gewisse Ahnlichkeit und Ähnlichkeit mit den Werken Correggio's. Gleich ihm wählte er gerne gefällige Gegenstände, gleich ihm componirte und gruppirte er mit Anmuth, gleich ihm floh er das Breite, und suchte mehr das Geschlossene in der Beleuchtung. Beide wagten sich an idealische Lichteffekte, wie die Nacht des einen und die Hebe des andern beweisen. Jedoch erreichte er die diesem Mei- ster eigenthümliche Anmuth in den Gebärden, den Gesichtsbildun- gen und Mienen, den Hauch des Lebens nicht, der aus den Ge- stalten Correggio's athmet. Unterberger kam um 1776 nach einem kurzen Aufenthalte in Fleims nach Wien, wo er auf der gerade eröffneten Kunstausstel- lung der Akademie durch einige historische Bilder und auf Stein- art gemalte Arabesken und Cameen grosses Aufsehen erregte. Da- hin gehört der Einzug des Bacchus in seinen Tempel, ein Bas- relief in Elfenbein nachahmend, und eine Minerva nach Art ei- nes durchscheinenden Marmors. Dieses Bild ging in die Samm- lung des Rathsherrn Kirchhof über. Dann sah man damals auch das Bild einer Dame in griechischer Tracht. Unterberger erwarb sich als Maler und als Gelehrter den Bei- fall und die Hochachtung der Grossen und aller Menschen von höherer Bildung. Die Akademie der Künste in Wien machte sich eine Ehre daraus, ihn unter ihre Mitglieder aufzunehmen. Sein Ruhm verbreitete sich immer weiter, und er erhielt immerfort vorteilhafte Bestellungen vom In- und Auslande, für Gemälde- sammlungen und Cabinette. Unter seine vorzüglichsten Stücke ge- hört das Hochaltarblatt in der italienischen Kirche zu Wien: ein von Engeln getragenes Marienbild; das Hochaltarblatt im Dom zu Königgrätz: die Sammlung des heil. Geistes; ein Seitenblatt: Maria mit verschiedenen Heiligen, in der Kirche des Cardinals Migazzi zu Reudorf an der Badnerstrasse, und ein kleines Altar- bild: Mariä Himmelfahrt, in der Hauskapelle des Frhrn. von Ha- gen. Im Bildercabinett dieses Freiherrn sah man Armida und Rinaldo, nach Torquato Tasso, dann Aeneas mit der Sibylle von Cumae, und eine Madonna. Im fürstlich Auersperg'schen Sommer-

Unterberger, Ignatz. Dabei sind zwei Supraporten mit Genien in Basrelief; in der fürst- Pichl Lichtenstein'schen Gallerie eine Geburt Christi und zwei kleine Bambocciaden. Auch im Besitze von Privatpersonen sind treffliche Stücke. Neherher malte er auch manchmal Portraits, theils in hi- storischer Auffassung, theils mit passenden Nebenwerken, unter denen sich die der Grafen Ueberacker, Kohary, Pellegrini, Bren- tano, der Frau von Stettner und des Abtes Eberl ganz besonders ausnehmen. Auch malte er vortreffliche Arabesken mit menschlichen Figuren, auf weisse und andere Marmorarten in Oel ausgeführt. Das gerühmteste seiner Kunstwerke: Hebe, wie sie Jupiter in der Gestalt eines Adlers den Nektar reichet, H. 6 F. 6 Z., Br. 4 F. 10 Z., kaufte der Kaiser Franz I. für 10,000 fl., und zugleich er- hielt der Künstler dafür den Titel eines k. k. Hofkammermalers. Dieses Stück wird im k. k. Kunstkabinett aufbewahrt. Das Ge- genstück dazu, Hymenäus, dann eine sinnreiche Allegorie auf den Frieden und die Liebe, vorgebildet in einem unschuldigen Mäd- chen, das ein Lamm herzeht, waren Unterberger's letzte vollendete Werke. Unter den unvollendeten befinden sich zwei ovidische Stücke von gleicher Grösse, wofür ihm schon vorläufig 30,000 fl. geboten waren. Das oben erwähnte Bild der Hebe, welches 1709 zur Ausstellung kam, wurde mit Enthusiasmus betrachtet. In Meusel's Neuen Miscellen I. 04. heisst es, dass mehrere Tausend hohe Standespersonen und Kenner dieses mit eben so viel Studium als Fleiss verfertigte Meisterstück gesehen, und wieder gesehen, und das Geständniss abgelegt hätten, nie ein Gemälde von ähnlicher Wirkung gesehen zu haben. Sechst herabgestimmt ist dieses Urtheil an einer andern Stelle bei Meusel I. c. VI. 826. Da heisst es, diese Hebe sei nicht das beste Bild des Meisters, und nicht galleriefüh- rig. "Es ist auch wirklich nicht in der Gallerie des Belvedere aus- gestellt, 6 In den Erholungsstunden beschäftigte sich Unterberger gerne mit der Mechanik. Von ihm ist, neben mehreren anderen noch unversuchten Maschinen, der für den von einer patriotischen Ge- sellschaft unternommenen Kanalbau in Ungarn erdachte Karren, womit mit äusserster Geschwindigkeit die Erde aufgerissen und zu- gleich die Schollen weggeführt werden. Er erhielt dafür eine an- sehnliche Belohnung. Ferner erfand er eine Maschine, die Kup- ferplatten zum Gebrauche der Kupferstecherei spiegelblank zu schleifen, und wieder eine andere, die geschliffenen Platten von ziemlicher Grösse für die Schabekunst mit der leichtesten Mühe und in einigen Stunden rein und aushaltend zu grundiren. Dieser Erfindung haben wir mehrere, von ihm eigenhändig ausgearbeitete Kupferstiche zu verdanken. Obwohl die Abdrücke dieser Blätter sehr schön und vollkommen ausfielen, war doch die erfundene Maschine noch nicht ganz nach seinem Sinne; darum, oder weil ihm wieder neue Ideen gekommen waren, zerlegte er sie kurz vor seinem Tode, und kein Künstler war mehr im Stande, sie wieder zusammen zu fügen und in brauchbaren Stand zu setzen. Noch erfand und machte er für seine Harfe, die er sehr lieblich spielte, ein eigenes vortheilhaftes Fussgestelle. Seine Arbeitsamkeit und Anstrengung zog ihm die Brustwassersucht zu, und 1707 hatte seine Gattin und neun unversorgte Kinder den Verlust ihres Er- halters zu beweinen. Er wurde wegen seiner grossen Geistesgaben, wegen seiner Menschenfreundlichkeit und besonderen Herzengüte, und wegen seines angenehmen, immer heitern und gesellschaftli- chen Umganges allgemein betrauert. Im Sammler für Geschichte und Statistik von Tirol III. 2. findet man die ausführlicheren Nach- richten über diesen Künstler,

Eigenhändige Blätter. |

  1. Franz Georg Edler von Kees, kaiserlicher Hofrath. Ign, Unterberger inv. et sc. Viennae. Punktirt, fol.

  2. Büste eines Greises, en face, In schwarzer Manier, 12.

  3. Büste einer Frau im Profil, und jene eines bärtigen Alten, In schwarzer Manier, 19.

  4. Fürst W. Kaunitz (Büste) von der Unsterblichkeit bekränzt. Monument und Allegorie auf diesen, reiche Composition. Ignaz Unterberger inv. et sc. In Aquatinta behandelt, gr. fol.

  5. Venus auf dem Wagen von Amoretten umgeben, welche die Fackeln anzünden, halbe Figur. Schönes Blatt in schwar- zer Manier, qu. 4.

I Ohne Namen des Künstlers, II. Mit demselben,

  1. Hebe Jovis Aquilae Nectar ministrans. Ex pinacotheca pri- vata Francisci II. Imperatoris etc. Hebe, welche dem Ad- ler die Schale reicht. Invenit, pinxit et incidit Ignaz Unter- berger S. C. M. Pictor a cubice. Effektvolles Schwarzkunst- blatt, s. gr. fol. ;

I. Vor der Schrift und vor der Adresse von Molo. II. Mit der Schrift, III. Abdrücke in Farben,

  1. Ein junges Weib mit einem Buche in der Hand, in schwar- zer Manier, 8. ;

  2. Eine lesende Alte, in gleicher Manier, 8.

  3. Die Nacht, 4.

Im ersten Drucke vor der Schrift,

  1. Das Andenken der Freundschaft, 4.

  2. Eine Folge von 8 Blättern mit schönen Arabesken im grie- chischen Styl, Versuche in schwarzer Manier, 8.

  3. Zwei Blätter mit Ornamenten und Blätterwerk, in schwarzer Manier, 4.

  4. Anfangsüde zum Zeichnen, in Augen, Nasen und ande- ren Theilen bestehend, Folge von 6 Blättern in Kreide- manier, schwarz oder roth gedruckt, qu. fol. ;

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