Unger, Johann Gottlieb Friedrich

Unger, Johann Gottlieb Friedrich, Formschneider, der Sohn des obigen Künstlers, wurde 1755 zu Berlin geboren, und wie der Vater zum Buchdrucker herangebildet. Später arbeitete er gemein- schaftlich mit diesem an den Stöcken, deren wir im Artikel des Joh. Georg Unger erwähnt haben. Bald aber wagte er sich an größere Arbeiten, die höher zu achten sind, als jene des älteren Unger. Er hatte gewöhnlich Zeichnungen von Meil zum Vorbilde, welche er so fein auf Holz übertrug, dass er in den Schraffirun- gen dem Kupferstiche nahe kommt. Als Proben seiner Kunst für den weiteren Kreis gab er folgendes Werk heraus: Sechs Figu- ren für die Liebhaber der schönen Künste, in Holz geschnitten von J. Fr. Gottl. Unger dem jüngeren, Formschneider zu Berlin , und mit einer Abhandlung begleitet, worin etwas von den märkischen Formschneidern gesagt wird. Breslau 1779, 4. Die Nachrichten über Künstler sind von F. J. Wippel. Dann suchte er auch die deutschen Typen zu verbessern, was ihm aber durch den Formschnitt nicht gelang. Im Jahre 1786 theilte er seine Ideen und Muster dem berühmten Firmin Didot in Paris mit; die- ser sah aber bald ein, dass nur im Stahlstiche Reinheit erzielt werden könne, und er bewies dieses durch seine Druckwerke, wel- che allgemein bewundert wurden. Unger hatte es aber zunächst nur mit der deutschen Schrift zu thun, und wählte zum Zwecke der Verbesserung derselben ebenfalls den Stahlschnitt. Die Let- tern, welche er lieferte, sind nach seinem Namen bekannt, stehen aber an Geschmack und Reinheit den Didot'schen weit nach. Gu- bitz sen., half ihm bei dieser Arbeit, so wie andererseits der jün- gere Gubitz der Nachfolger unsers Künstlers im deutschen Form- schnitt ist, welcher den im Artikel des Joh. Georg Unger erwähn- ten englischen Meistern gegenüber tritt, welche aber die deutschen weit überflügeln. Die Schriftproben machte Ungar in einer Piece bekannt, unter dem Titel: Proben einer neuen Art deut- scher Lettern. Erfunden und in Stahl dazu geschnitten von J. F. Unger, Berlin 1793, kl. 8. Zwei Jahre früher gab er eine kleine Abhandlung über die Anwendung von Holzplatten zum

Unger, Johann Friedrich Gottlieb. Drucke von Karten heraus, unter dem Titel: Entwurf, geo- graphische Karten, in Holz geschnitten, um einen sehr billigen Preis abzudrucken. Dieser Schrift war eine von D. F. J. Sotzmann aufgenommene Karte der Colonien des Kreises Oppeln in Schlesien beigegeben. Unger dachte auch fortwährend auf neue Vortheile, welche der Buchdrucker-kunst aus dem Formschnitte er- wachsen könnte. Er sprach sich darüber in folgender Schrift aus: Etwas über die Holz- oder Formschneidekunst und ihren Nutzen für die Buchdrucker. Von J. F. Unger, Berlin (s. a.) roy. 4. Die Bemühungen dieses Meisters fanden vielseitige Anerkennung, da er nach immer grösserer Ausdehnung seines Geschäftes strebte. Er war auch Buch- und Kunsthändler, so wie akademischer Buch- drucker; Die Akademie in Berlin zählte ihn schon frühe zu ihren Mitgliedern, und machte dem Könige zuletzt den Vorschlag, eine Lehrstelle für den Formschnitt an derselben zu errichten. Unger wurde 1800 zum Professor der Holzschneidekunst ernannt, als welcher ihn Gubitz ersetzte. Er starb 1804, im 49. Jahre seines thätigen Lebens.

  1. Dr. Martin Luther. Oval mit Einfassung, ohne Zeichen, 4.
  2. D. W. A. Teller, Brustbild im Profil, in rundem Medaillon mit Einfassung. Unger jun. fec. 8.
  3. Der Kopf Homer's, nach der Antike, 8.
  4. Die Religion, allegorische Gestalt, 4.
  5. Les femmes de Weinsberg. Die Weiber von Weinsberg mit ihren Männern vor Kaiser Conrad, nach B. Rouge und Ro- senberg's Zeichnung, gr. fol. Dieses Blatt wurde als ein Meisterstück des Formschnit- tes erklärt.
  6. 24 Vignetten zu einem A, B, C. Buch für Kinder, mit ver- schiedenen Figuren und Thieren nach Zeichnungen von Meil, J. W. M. oder J. W. Meil inv. Unger f. oder U. j. u. U. jun. sc. 1770. H. 2 Z., Br. 3 Z.
  7. Sechs Figuren für die Liebhaber der schönen Künste, das oben erwähnte Werk, mit einer Abhandlung über die mär- kischen Formschneider (von F. J. Wippel). Breslau 1779, 4. Diese Blätter enthalten Figuren im Kniestück, Vier da- von stellen Weiber aus dem Volke dar, darunter eine bu- ckelige Alte. Die beiden anderen stellen ein Landmädchen mit dem Hunde am Stricke, und eine Gärtnerin mit dem Korbe dar.
  8. Eine Folge von 6 Blättern mit Bettlern, nach Meil U. j. oder U. jun. sc. 8.
  9. Denkmal eines berlinischen Künstlers und braven Mannes (des Joh. Georg Unger) von seinem Sohne. (Berlin 1780) 8.
  10. 12 Blätter für den Almanach von 1770, Kinderspiele ent- haltend. H. ½ Z., Br. 2 Z.
  11. Ein vornehmer Herr umarmt einen Bauer vor einer grossen Versammlung, schmal 1. 4.
  12. Zwei historische Darstellungen im Volkskalender 1790, 4.
  13. Zwei Titelinfassungen für den Haushaltungs- und Geschichts- kalender 1706, 8.
  14. Der auf eine Tafel schreibende Philosoph. Umschlag zu Gi- ranner's politischen Annalen. U. sc. 8.
  15. Ein Mädchen wird unter dem Baume vom Blitze erschlagen, schmal qu. 4.
  16. Verschiedene Vignetten für den Buchhandel.
  17. Das Brandenburgische Wappen, zu wiederholten Malen ge- schnitten,

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