Unger, Johann Georg, Formschneider , wurde 1715 zu Görs bei Pirna geboren, und trat in letzterer Stadt beim Buchdrucker Grü- tze in die Lehre. Seine Beschäftigung brachte ihn auf den Ge- danken, grosse Anfangsbuchstaben in Holz zu schneiden, und diese Übung setzte er als Schriftsetzer auch in Berlin fort. Doch ging er hier weiter, indem er Druckerverzierungen nach Kupfer- stichen zeichnete und componirte, welche, von ihm selbst in Holz geschnitten, grossen Beifall fanden. Der Buchdrucker Winter wendete mehrere solcher Stöcke an, welche gewöhnlich nach Sti- chen von Meil geschnitten waren. Vom Jahre 1757 an befasste sich Unger ausschließlich mit dem Formschnitt, hatte aber mit Nahrungssorgen zu kämpfen, bis ihn die Tabaks-Administration in Dienste nahm. Die Buchdruckerstöcke und die Tabak-Eti- ketten sicherten dem Künstler Erwerb, er suchte sich aber uner- müdet in seiner schwierigen Technik auszubilden, und so gelang es ihm endlich eigentliche Kunstprodukte zu liefern. Eine Folge von fünf Landschaften wurde als meisterhaft gerühmt, der Ab- satz war jedoch nicht dem Lobe gleich, und als auch die genannte Administration aufgehört hatte, sah sich Unger wieder der Sorge preisgegeben. Diese erdrückte ihn aber nicht. Er arbeitete un- verdrossen für Buch- und Kunsthandlungen, stets bemüht, sei- ner Kunst eine Vollendung zu geben, wie sie sich im 16. Jahr- hunderte erfreute. Rost II 118 will wirklich glauben machen, der Künstler habe diesen Zweck erreicht; allein ohne das Streben Unger's zu misskennen, war er doch noch ferne von den Lei- stungen jener Zeit. Sein Sohn Joh. Friedrich Gottlieb kam dem Ziele näher, und leistete im Mechanischen Vorzüglicheres als ein anderer Künstler des 18. Jahrhunderts. Mit den beiden Unger beginnt überhaupt die Periode des neueren Aufschwungs der Xy- lographie; sie blieben aber in ihrer kupferstecherische Regelmä- ssigkeit, welcher man damals huldigte, immer beschränkt. Sie stehen bei allem Talente weit hinter den englischen Meistern Be- wick, Clennel, Nesbit, Branston und Hole, welche bald nach Unger jun. dieser Kunst den Weg zu ihrem jetzigen Ruhme vor- zeichneten.
Unger sen. erfand auch eine Druckerpresse, welche mehr lei- stete als die gewöhnliche, was für ihn von so grösserem Vortheile war, als seine Schraffirungen gewöhnlich sehr fein sind. Man be- hauptete, der Künstler habe zu diesem Zwecke neben dem Messer den Grabstichel angewendet, welcher auf Holz nicht wohl anzu- wenden ist. Die letzte Erfindung des Künstlers war eine Ramm- maschine, welche zweckdienlicher ist. Im Jahre 1788 starb dieser ehrenwerthe und liebenswürdige Künstler. Er ging so arm aus der Welt, wie er als Buchdruckerlehrling war. Ein Jahr nach seinem Tode setzte ihm sein Sohn ein Denkmal, unter dem Titel: Denk- mal eines Berlinischen Künstlers und braven Mann.
nes, von seinem Sohne. Diesem Werke ist das von Bause nach Wagnec gestochene Bildniss desselben beigegeben. (Berlin 1780), 8.;
Eine kleine Schrift dieses Künstlers ist jetzt selten geworden: Fünf in Holz geschnittene Figuren nach der Zeichnung J. W. Meil's, wobei zugleich eine Untersuchung der Frage: ob Albert Dürer jemals Bilder in Holz geschnitten habe? Berlin 1779,
gr. 4.
- Friedericus Magnus, Brustbild im Profil nach links, mit dem Hute auf dem Kopfe, B. Calau del. J. G. Unger fecit. Rundes Medaillon, gr. fol.
In früheren Drucke fehlt der Name des Zeichners.
Fünf in Holz geschnittene Figuren, nach Meil, mit einer Abhandlung über A. Dürer, das oben erwähnte seltene Werk, Berlin 1779, gr. 4.
Eine Folge von fünf Landschaften mit Ruinen und ländli- chen Figuren, nach J. W. Meil. Ohne Zeichen, gr. 4.
Es gibt Exemplare, die leicht ausgetuscht sind.
Die Blätter zum Spectaculum naturae, nach J. W. Meil's Zeichnungen,
Jene zu Oelrich's Periclum diplomaticum de signo pontifi- ciali; Bene valete 1773. Nach Meil's Zeichnungen,
Eine Menge von Vignetten und Etiketten,
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