Udine, Martino da, genannt Pellegrino da San Daniele, war der Sohn eines Malers Battista von Udine, und in Venedig Schüler des Gian Bellino, welcher ihm wegen seines seltenen Talentes den Namen Pellegrino gab, wie Vasari im Leben des Pordenone III. 188 sagt. Der Künstler nannte sich dann selbst Pellegrino, mit dem Beisatze da San Daniele, von einem Orte bei Udine , wo sich der Künstler mit Elena Portuneria verehelichte. Das betreffende Document bringt Graf Maniago (Stor. delle belle arti Friulane, Udine 1823, p. 293 XV.) bei. Es ist von 1490, und der Künstler wird bereits Magister Pelegrinnus Pictor de Utino genannt. Der Meister heisst aber in allen bekannten Urkunden Peregrinus oder Pellegrino da Udine, so dass man fast glauben möchte, Vasari habe ihn mit dem älteren Martino da Udine, oder mit Gio. Mar- tini da Udine verwechselt, so dass die Namensänderung durch Gian Bellini eine Fabel ist. Pellegrino gehört zu den vorzüglich- sten Künstlern seiner Zeit, und ist mit Pordenone das Haupt der Malerschule in Friaul , in welcher Gio. Martini neben ihm das Feld behauptet. Beide zeichnen sich durch Einfachheit der Com- position, durch das Streben nach Charakter und Ausdruck, und durch sorgfältige Behandlung aus. Während aber Gio. Martini ent- schieden der Richtung Bellini's folgte, so spricht sich bei Pelle- grino schon früh eine originelle, grossartigere Kunstweise und Reinheit in der Bewegung aus. Den Beweis liefert das früheste Werk des Künstlers, der heil. Joseph mit dem Jesuskinde in den Armen, und dem kleinen Johannes als Hirtenknaben, im Dome zu Udine. Im Grunde sieht man die Ruinen einer antiken Colon- nade, und an der Basis des Gemäldes zwei kleine liebliche Bilder der Geburt Christi und der Flucht in Aegypten. Schon Vasari rühmt dieses Werk, und Lanzi sagt, dass das Gemälde selbst in dem beschädigten und verblichenen Zustande noch schön sei. Spä- ter wurde es restaurirt. Nach einem Documente bei Maniago 1. c. XV., legte der Künstler 1500 die Zeichnung vor, und sogleich wurde ihm die Ausführung für die Capelle des heil. Joseph über- tragen. Er erhielt 35 Dukaten, und alles, was er zum Bilde brauchte. Jacobus Ser Francisci Maronzoni von Venedig machte das Schnitzwerk für 25 Dukaten, die Vergoldung nicht mit ein-
gerechnet.
In demselben Style, und ziemlich gleichzeitigt auch das Bild des Täufers Johannes in der Wüste bei den Mönchen von St Maria in Valle zu Cividale, wofür nach urkundlichem Ausweis (Maniago, 1. c. XVII.) 1501 Elisabetha Formentina auf Rechnung des Ser Benedetto Nodaro dem »Mistro Piligrin depentor« 125 Dukaten ausbezahlte. Jetzt ist dieses Bild restaurirt.
Diese beiden Bilder sicherten dem Künstler bereits einen ent- schiedenen Rang vor Gio. Martini, seine Hauptwerke sind aber die Fresken in der kleinen Kirche des heil. Anton zu San Daniele, Am Gewölbe des Chores sind ältere Malereien, von ihm sind aber die Bilder an den Wänden des Chores und ein Theil der- jenigen im Schiffe der Kirche. Im Chore malte er die Kreuzig- ung Christi, eine reiche und verständige Composition. Der Hei- A
Außer dem oben genannten Bilde des heil. Joseph findet man in Udine auch noch andere Werke von Pellegrino. Im Jahre 1512 (Maniago, Doc. XIX,) erhielt er vom Rathe den Auftrag, das marmorne Denkmal des Luogotenente Andrea Trivisano in der Loggia des öffentlichen Palastes mit Bildern zu zieren, wofür ihm 2 Dukaten in Gold zugesichert wurden. Er malte da die allegori- schen Gestalten der Religion und der Gerechtigkeit in Helldunkel. Am Fronton sieht man zwei Ruhmesgöttinnen. Die ersten Figu- ren erscheinen im Kniestück, und in würdiger Auffassung. Hierauf (1519) mußte er die Flügel der Orgel des Domes hemalen.
Udine, Martinio da.
stellte auf diesen den heil. Petrus dar, wie er dem heil. Bischof Erma- goras den Hirtenstab reicht, und dann die vier Kirchenlehrer, gross- artige Gestalten. Für diese Bilder erhielt der Künstler nach dem Gut- achten der Maler Gio, Martini da Udine und Bastianello Florigiero 140 Dukaten. Maniago, 1. c. gibt p. 205, Doc. XX. und XXI. die be- treffenden Urkunden aus dem Stadtarchive, und das Gutachten der Taxatoren von 1521, welche das Werk des Mistro Peregrino ncosa excellente et laudabile nennen. Die Confraternita dei calzolai in Udine besass von diesem Künstler ein Bild der Verkündigung Ma- riä, mit der Aufschrift: Pellegrinus faciebat P. P. anno 1510. Die- ses Gemälde wurde nach der Auflösung der Bruderschaft nach Ve- nedig gebracht.
Das Hauptwerk des Künstlers in Oel, in welchem er die Gross- artigkeit seiner späteren Manier mit dem Fleisse seiner früheren Zeit vereinigte, ist in St. Maria dei Battuti in Cividale. In Mitte der Tafel sitzt die Madonna mit dem Kinde auf dem Throne, und an den Stufen desselben erscheinen vier aquileische Jungfrauen von süsser Grazie, wie es bei Pellegrino nirgends vorkommt. Be- sonders schön ist jene, welche im Lesen vertieft ist. Dabei steht der Täufer Johannes, und St. Donatus mit dem Modelle der Stadt. Ein Engelchen spielt die Zither. Auf den Seitenflügeln malte der Künstler den heil. Sebastian und den heil. Michael. Der Täufer erscheint auf diesem Bilde als ergrauter und strenger Sohn der Wüste. St. Sebastian ist von edlen Formen, und zeigt bereits von fleissigem Studium des Nackten. St. Michael erscheint im Kampfe mit dem Drachen, eine bewegte Gestalt mit der Milde eines En- gels im Gesichte. Der Dämon liegt zu seinen Füssen in kühner Verkürzung, aber nicht in hässlicher Gestalt. Im oberen Theile des Bildes war Gott Vater zwischen zwei Engeln dargestellt. Die Färbung dieses Gemäldes ist harmonisch, nur wäre in den Tinten eine grössere Wärme und mehr Abwechslung in der Carnation zu wünschen. Auch in der Zeichnung lassen sich Mängel nachwei- sen. Dennoch ist dieses Bild als eines der ausgezeichnetsten Werke der Malerei in Friaul zu rühmen. Der Altar ist aber nicht mehr vollständig in der Kirche. Das Bild des ewigen Vaters ist verlo- ren. Die Seitenflügel sind in der Sammlung des Grafen Maniago. Der Künstler erhielt für diese grosse Altartafel 100 Dukaten. Bei Maniago, 1. c. pag. 208, Doc. XXII.), ist ein Schreiben des Künstlers von 1525 abgedruckt, in welchem er bestäetiget, dass er (Pilligrin della) von der »Confraternita di Madonna Santa e Scolastica di Carugo di ponte di Cividal« das Geld für die Tafel erhalten habe.
Mehrere Werke dieses Meisters sind verschollen, oder sie müssen zu Grunde gegangen seyn; denn Vasari sagt, der Künst- ler habe in San Daniele viele Schüler gehabt. Unter diesen nen- nen wir Luca Monverde, Bastianello Florigerio, Francesco Flo- riani, Antonio Floriani, Liberale Gensio, Bernardo Blaceo und Girolamo da Udine. Alle diese Künstler fanden bei ihm Arbeit und gute Bezahlung. Diess bemerkt Vasari namentlich im Leben des Pordenone. Pellegrino muss daher viele Aufträge erhalten haben, welche ihm Vermögen eintrugen. Seine Tochter Laura, Gattin des Battista Maniaco, verkaufte 1548 ein Haus in Udine, welches ihr als Mitgift zufiel. Der Meister lebte noch 1535 in Friaul. Er kommt in diesem Jahre als Taxator eines Bildes von Pordenone in S. Michele vor, bei Maniago, Doc. LI. p. 315. Später wird er im Vaterlande nicht mehr genannt, obgleich der Künstler noch 1545 lebte. Vasari sagt, dass die Herzoge von Fer- rara den Künstler sehr begünstiget haben. Er könnte daher nach
1548 das väterliche Haus in S. Daniello verkaufte, dürfte er nicht mehr gelebt haben. ;
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_Io3rAAAAMAAJ/