Uccello; Paolo. Maler, eigentlich Paolo di Dono, detto Uccello, wurde nach Baldinucci zu Florenz geboren, und der Angabe dieses Schriftstellers folgen die meisten späteren Autoren. Allein der Künstler wusste selbst nicht, wann er geboren wurde; denn in einem Documente von bei Gaye (Carteggio inedito etc, I. Nr. 54) gibt er oder 1387, und dann als sein Geburts- jahr an. Zuerst kommt er vor, und zwar in dem mit Ghi-
berti erneuerten Vertrag über Herstellung der Bronzethüren von S. Giovanni (Gaye Nr. 34), wo er »Garzone di Bottega« genannt wird. Uccello könnte demnach als Schüler Ghiberti's betrachtet werden, man nennt aber gewöhnlich den Antonio Veneziano als Meister desselben.
Paolo di Dono bezeichnet mit Masolino da Panicale den Ueber-
gang aus der Richtung des germanischen Styles in die moderne Zeit, und er ist der Begründer der linearen Perspektive, welche als eines der wichtigsten Elemente der naturalistischen Auffassung zu betrachten ist. Schon Vasari (Deutsche Ausgabe von Schorn II. 1. 80) weiset auf Uccello's Erfindung in diesem Fache hin, und auf die perspektivischen Zeichnungen desselben, welche er mit Fleiss und Lust ausführte. Der genannte Schriftsteller meinte aber, dass ein zu vieler Gebrauch dieses Mittels ein unnützer Zeitverlust sei, und einem Figurenmaler mehr schade als nütze, indem er sich hiedurch eine trockene und ängstliche Manier an-
gewöhne. Auch Lanzi scheint die Wichtigkeit der Erfindung Pao- lo's, auf welche dieser durch den Mathematiciker Giov. netti geleitet worden seyn soll, nicht gehörig zu würdigen, weil er es zum Vorwurfe machen will, dass der Künstler darüber in den übrigen Theilen mittelmässig geblieben. Es ist aber immerhin hochzuhalten, wenn Paolo, wie Lanzi bemerkt, in jedem neuen Werke sich in jener Wissenschaft wieder neu gezeigt, und Bau- ten und Colonnaden in kleinem Raume gross darzustellen gewusst habe. Er brachte auch Figuren in Verkürzungen an, die den äl- teren Malern unbekannt waren, und keiner derselben hat sie so richtig hingestellt, als Uccello. Baldinucci und Bottari nen- nen ihn auch den ersten, der es verstanden habe, fliegende Ge- wänder (svolazzi) zu malen. Ueberdies ist nach Vasari's Be- merkung Paolo derjenige Künstler, der zuerst in den Land- schaften die Bäume richtig gestellt, und sie nach der Entfernung verkleinert hat. Diese Landschaften sind ausser den Figuren auch mit Thieren staffirt, welche kein früherer Künstler so getreu dar- zustellen wusste. Besonders zeichnete und malte er Vögel, nach der Natur, deren er viele in seinem Hause fütterte. Daher erhielt der Künstler den Beinamen Uccello (Vogel). Wenn wir in andern Werken lesen, der Künstler habe von Familie eigentlich Maz- zoechi geheissen, möchten wir fast glauben, es sei diess eine Verwechslung mit Antonio di Donino Mazzieri, welcher schon um 1500 durch handhabten mit Thieren Ruf erwarb.
Im Kreuzgange von St. Maria Novella (Chiostro verde) zu Florenz sind Frescomalereien von Uccello. Sie enthalten in Chia- roscuro Darstellungen aus dem Leben der Altväter Adam und Noah, und zeigen Paolo's vorherrschendes Streben für die Land- schafts- und Thiermalerei, zwei untergeordnete, jener Zeit mehr
Üccello, Alessandro. — Uccello, Alessandro. 187 fremde als geübte Zweige der Kunst. Die Linienperspektive ge- lang ihm zwar nicht immer, man findet aber nach Speth (Kunst- in Italien II. 304) hier und da in guten Verkürzungen der Theile an Menschen und Thieren auffallende Spuren, wie verständlich er sich bemüht gewesen, die Forderungen dieses schwierigen Theiles der Technik zu befriedigen. Uccello malte da die Erschaffung der Thiere und des ersten Menschenpaares, den Sündenfall desselben, das Opfer Noah's und dessen Berauschung. Diese Bilder sind, in Terra verde ausgeführt, und im Ganzen bizarr. Die früheren ita- lienischen Schriftsteller kamen dabei auf die Idee, den Meister den Bassano seiner Zeit zu nennen. Eines der berühmtesten ist das Bild des Noah im Rausche, welcher die Züge des Malers und Architekten Dello trägt. Auch die Söhne, welche vor ihm stehen, verrathen das Studium nach lebenden Figuren. In Marco Lastri's Etruria pittrice ist dieses Bild von C. Esinio gestochen. Dello scheint unserm Meister bei der Ausführung dieser Darstellungen geholfen zu haben. Seine Hand erkennt man in dem Bilde Isaak's, wie er den Esau segnet. Er besass weniger Gewandtheit in der Zeichnung, doch ist sein Streben, den Formen im Rundem Cha- rakter zu verleihen, nicht zu verkennen.
In der grossherzoglichen Gallerie zu Florenz befinden sich kleine Bilder, welche die Triumphe des Petrarca darstellen, und von einigen für Werke dieses Meisters gehalten wurden.
In St. Maria del Fiore zu Florenz ist ein colossales Reiter- bild von Uccello, jenes des Condottiere Gio. Akuto, eines Eng- länders (Hawkwood), welcher in florentinischen Kriegsdiensten stand, und von grausamen Charakter war. Vasari rühmt dieses Werk, obgleich das Pferd mit dem rechten Vorder- und Hinter- Fuss zugleich ausgreift. Dieses Bild malte Paolo 1436 über dem Grabe des Condottiere, und gegenüber ist ein ähnliches Gemälde, von Andrea del Castagno, das Reiterbild des Niccolò da Tolentino von 1455. Beide wurden 1838 von Gio. Rizzoli auf Leinwand übertragen, und jetzt sieht man sie über den ersten Thüren der Seitenfacaden. Ähnliche Riesenbilder malte der Künstler im Hause Vitali zu Padua.
Im Auslande sind die Werke dieses Meisters selten. In der Pinakothek zu München ist ein Bild des heil. Hieronymus, im weissen Habit, wie er in der Wüste die Brust mit dem Steine schlägt. Neben ihm liegt der Löwe und der Cardinalshut. Auf Holz, H. 2 F. 5 Z., Br. 1 F. 6 Z. 6 L. In der Gallerie des Museums zu Berlin wird ein Gemälde mit der Stigmatisation des heil. Franz als dem Paolo Uccelli zeit- und kunstverwandt be- zeichnet. Die noch ziemlich ungeschickt gruppirten Gebäude im Hintergründe dürften auf die früheste Zeit der Anwendung der Linear-Perspektive deuten.
Als Todesjahr dieses Künstlers wird 1472 gesetzt. Dr. Gaye fand, in seiner 1460 zum letzten Male erwähnt, Er liegt in St. Maria Novella zu Florenz begraben. Das Bildniss des Meisters finden wir bei Vasari, bei Bottari und in der florentinischen Serie de' Ritratti etc. II, 413.
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_Io3rAAAAMAAJ/