Tutian, s. Titian, Tutiani, Bartolomeo, angeblich Formschneider, welchen Papil- lon I. 192. in die Kunstgeschichte einführte. Er legt ihm ein Monogramm bei, welches mit jenem Ähnlichkeit hat, welches
Buchstabe B scheint durch den Querstrich auch ein T zu bilden. Es hat wahrscheinlich nie ein B. Tutilo gelebt. Auch den Hans Burgkmair bedeutet dieses Monogramm nicht. Vermuthlich ist der Maler Prev oder Brew von Am darunter zu verstehen, worüber wir bei anderer Gelegenheit handeln werden. Tutilo oder Tuotilo, ein Mönch des Klosters St. Gallen, wird von Lessing (Über das Alter der Oelmalerei S. 323 und 304, 302 und 363) ohne hinreichenden Grund mit dem Mönche Theophilus verwechselt, wie wir im Artikel des Letzteren bemerkt haben. Tutilo lebte im zehnten Jahrhunderte, und war nach dem Zeug- nisse eines alten Chronisten (Ekkhardus Casuum S. Galli cont. I. Apud Pertz, Monum. Germ. hist. Script. II. 94) ein Wunder sei- ner Zeit. Er war ein trefflicher Ciseleur (celaturae elegans), Mei- ster in der Malerei (picturae artifex), Architekt und in allen an- deren Künsten erfahren (in structuris et ceteris artibus efficax). Dann hatte er als Sänger Ruf (voce clarus), dichtete Lieder und konnte auf jeder Flöte und Pfeife spielen, wie kein anderer (in omnium genere fidium et fistularum prae omnibus). Er predigte in zwei Sprachen. Im Chore streng, und in der Celle leicht zu Thränen hingerissen, war er im Ernst und in der Freude liebens- würdig. Unser Karl (Karl der Dicke?), sagt der Chronist, fluchte einmal demjenigen, der einen Mann von solchen Vorzügen zum Mönche machte. Das Todesjahr Tutilos ist nicht bekannt. Der genannte Karl der Dicke starb 888. Sein Mitschüler und Freund, der heil. Notker, starb 912. Die Annahme, dass Tutilo 896 in St. Gallen gestorben sei, ist vielleicht ohne hinrei- chenden Grund.
Wenn dem Mönche Tutilo in früheren Schriften ein Werk über Malerei zugeschrieben ist, so wird er mit Theophilus Pres- byter verwechselt, welchem wir einen eigenen Artikel gewidmet haben. Dieses Werk ist die Diversarum artium schedula. Theo- philus erscheint als Techniker, aber nicht zugleich als ausübender Künstler, Tutilo war aber auch Künstler. In Metz bildete er nach Ekhardus auf einer goldenen Tafel eine sitzende Maria, nach da- maligem Begriffe so schön als wenn sie lebte. Unter diesem Bild- werke ist wahrscheinlich eine getriebene Arbeit zu verstehen. Man gab vor, die Himmelskönigin selbst habe ihm gesessen, wobei aber der Künstler gewaltig eiferte, und als man diese fromme Fa- bel weiter verbreitete, verliess er Metz. Auf der Bibliothek in St. Gallen befindet sich der Deckel eines Evangeliensbuches mit einem Bildwerke in Gold, und ein Elfenbeindeckel eines anderen von Sintgallen sehr schön geschriebenen Evangeliums, worauf die Him- melfahrt der heil. Jungfrau und der heil. Gallus geschnitzt sind.
Dieses Bildwerk wird von früheren Schriftstellern gerühmt, weil sie sich nach der Angabe der Alten eine treffliche Arbeit gedacht hätten. Man vermisst aber darin die höhere künstlerische Auffas- sung, sowohl in den Hauptumrissen als im Detail. Doch ist die Composition frei vom dem barbarischen Einflusse der damaligen italienischen Kunst. Man bemerkt auch keine Nachahmung by- zantinischer Motive. Auf dem zweiten Deckel dieses Evangeliums ist ein Bild von früherer Hand, den thronenden Christus mit den vier Evangelisten vorstellend. Nach früheren Angaben soll sich Karl der Grosse dieser beiden Platten zu Schreibtafeln bedient ha- ben, da man einen Wachsüberzug vermuthete. Kugler (Handbuch S. 378) behauptet, die Tafeln hätten ein Diptychon gebildet.
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