Tuscher, Carl Marcus

Tuscher, Carl Marcus, auch Discher, Tüscher und Tyscher, Ma- ler, Bildhauer , Architekt und Kupferstecher, wurde zu Nürn- berg geboren, und daselbst im Findelhause erzogen, da er als Frucht einer unehelichen Beiwohnung ohne Hülfe war. Bei ent- schiedenem Kunsttalente wurde Tuscher dem Kupferstecher J. D. Preissler in die Lehre gegeben, und es wird als Sonderbarkeit erzählt, dass der Lehrling im Verlaufe von acht Jahren nicht mehr gesprochen habe, als man auf ein Quartblatt hätte schreiben kön- nen. Im Jahre 1728 gab ihm seine Vaterstadt 200 Gulden zu einer Reise nach Italien, er musste aber einen Revers ausstellen, für diese Summe später entweder der Stadt zu dienen, oder selbe zu- rück zubezahlen. Tuscher studirte in Italien fast alle Zweige der Kunst, dann Geschichte, Archäologie und fremde Sprachen.

Tuscher fertigte in Italien auch viele Zeichnungen. Baron Stosch, bei welchem der Künstler 1737 in Livorno verweilte, be- sass von ihm einen ganzen Band mit Federzeichnungen, welche antike Steine und Münzen darstellen. Auch für den Pater J. M. Pancrazzi zeichnete er Münzen, indem dieser 1740 eine Geschichte Siciliens in Münzen herausgeben wollte. Tuscher lieferte in dem- bezeichneten Jahre das Probeblatt, worüber sich die Novelle lit- terarie di Firenze 1740 p. 360 sehr vortheilhaft aussprechen. Auch herkulauische Alterthümer zeichnete der Künstler . Von Gemälden, welche Tuscher in Italien ausführte, verlautet nichts. Auch ist es unrichtig, wenn ihn Mariette und Klotz unter die eigentlichen Edelsteinschneider zählen. Tuscher hat zwar 1733 in Rom sein eigenes Bildniss geschnitten, und dann auch einen Kopf der Mi- nera in harten Stein gearbeitet, er gab aber die weiteren Ver- suche auf.

Dann schreibt man diesem Künstler auch zwei Medaillen zu, die eine auf seinen Gönner Philipp Baron von Stosch, die andere auf den Alterthumsforscher Francesco Valesio, mit MTF 1738, und M. T. N. J. bezeichnet, wie Brulliot behauptet, mit der Be- merkung, Tuscher sei auch Medailleur gewesen. Auch landschaft- liche und architektonische Zeichnungen fertigte der Künstler in Italien. Den Einzug des Grussherzogs Franz III. und seiner Ge- mahlin in Florenz hat er selbst radirt. In der 1839 versteigerten

Ob der Künstler von Italien aus wieder nach Nürnberg zurück- gekehrt sei, um den Reichstädtlern die erwähnten 200 Gulden ab- zu verdienen, ist uns nicht bekannt, wahrscheinlich aber traf er eine Ausgleichung. Er muss das Innere des Zeughauses in meh- reren Zeichnungen dargestellt haben, denn A. W. Küßffner kün- digte 1804 den Stich von acht grossen Zeichnungen dieser Art auf Subscription an. Im kaiserlichen Schlafzimmer auf der Burg in Nürnberg sah man ein Gemälde von ihm, welches die heil. Jung- frau mit dem Kinde neben Joseph in der Landschaft sitzend vor- stellt.

Sein Aufenthalt in Nürnberg dürfte nicht lange gedauert ha- ben, denn der Künstler unternahm auch Reisen nach Frankreich, Holland und England. In London machte er die Bekanntschaft des Herrn von Norden, welcher auf Befehl des Königs von Däne- mark eine Entdeckungsreise in Aegypten und Nubien gemacht hatte und in der genannten Stadt starb. Tuscher ordnete die Pa- piere desselben, und reiste damit nach Kopenhagen, wo später unter seiner Leitung der Druck des Werkes begann. Christian VI, ernannte ihn zum Hofmaler und zu seinem Baumeister. Dann bekleidete er auch die Stelle eines Professors an der Akademie zu Kopenhagen, welche ihm mehrere gute Einrichtungen verdankte. Weinwich, Kunstens Historie etc. S. 130, nennt ein Gemälde, welches in fast lebensgrossen Figuren Venus und Vulkan vorstellt. Die erstere dieser Figuren soll weniger gelungen seyn, als der sitzende Mars. Das Colorit ist lieblich. Dann fertigte er auch die Zeichnung zu einer Statue des Königs Friedrich V., die in Erz gegossen auf dem Friedrichsplatze in Kopenhagen aufgestellt

werden sollte. Er fertigte 1740 auch den Plan zur Häuseranlage

auf dem octogonen Platze der Amalienburg, welcher in Kupfer

gestochen wurde: Plan général des bâtimens de la Place octogone à Amalienbourg à Copenhague, gr. 4,

Dann besorgte Tuscher auch die Herausgabe des Reisewerkes von Capitän Norden, unter dem Titel: Voyage de l'Egypte et de la Nubie. Copenhague 1755. Mit Tuscher's Radirungen nach Zeichnungen von Norden. Später kam der Rest der Auflage die- ses Werkes mit den Platten nach England, wo die französischen Unterschriften der Platten ausgeschliffen und mit englischen er- setzt wurden. Auch der Titel ist in englischer Sprache, 1757

Diese Abdrücke sind geringer, als die ersten; das Werk kommt aber nicht oft vor, da 1705 die vorräthigen Exemplare verbrann- ten. Die Bibliothek der Kunstakademie in Copenhagen bewahrt ein handschriftliches Werk von ihm: Abecedario dell' Architectura, in cui con nuova simetria e facolta si mostrano le giuste e facil- hıme regole de' cinque ordini coll' aggiunta d'un saggio d'un or-

M. Tuscher starb zu Copenhagen 1751. Nach seinem Tode fertigte M. G. Arbien eine Medaille auf diesen Künstler. Die Vor- derseite zeigt das Bildniss desselben mit der Schrift: Marcus Tu- scher Noricus obiit 1751. Auf dem Revers steht: ZTNAM'POTE- PON. Unter dem Embleme: ELIZ MNHMOZTNHN. M I. AP- BIEN EJ/I/OIEI. Marcus Meyers hat ebenfalls eine Medaille zu seinem Andenken gefertiget, welche in Will's Nürnbergischen Be- Jahrgängen gestochen ist. Das oben erwähnte von dem Künstler selbst in harten Stein geschnittene Bildniss ist in den literarischen Blättern 1803, II. Nr. IX, gestochen. In der Sammlung des Ba- ron Haller von Hallerstein in Nürnberg, welche 1841 versteigert wurde, war ein Fascikel handschriftlicher Collectionen, das Le- ben und die Werke Tuscher's betreffend.

Folgende Blätter sind nach ihm gestochen:

Joh. Dom. Mayer, Miniaturmaler, von Mayer selbst nach Tuscher's Zeichnung radirt, F. Rothschulz, Buchhändler, gest. von G. W. Knorr.

Die Titelvignette zu den Briefen über den gegenwärtigen Staat von Dänemark, Copenhagen: 1758, 8. Radirt von Th. Laan.

Ein Kronleuchter, welchen Spengler nach Tuscher's Zeich- nung in Bernstein ausarbeitete. Radirt von W. A. Müller,

Eigenhändige Radirungen.

Die Blätter dieses Meisters sind sehr geistreich und malerisch behandelt. Die meisten gehören zu den Seltenheiten,

  1. Tuscher's eigenes Bildniss, als von vorne gesehene Büste, unten das Abbild einer Medaille auf ihn (von M. Meyers?) C. Marcus Tuscher del. et sc. Sehr seltenes Blatt, kl. fol.

  2. Il famoso Cavaliere delle Carricature (Bildniss des Malers Ghezzi). M. Tuscher sc. 1743, fol.

  3. Christus und das Weib von Samaria am Brunnen. Marc.

Tuscher del. et sc. Sehr seltene Jugendarbeit des Künst- lers, qu. 8.

  1. Der Einzug des Grossherzogs Franz III. von Lothringen in Florenz, mit einer prächtigen Ehrenpforte. Francisco III. Lotharingiac, Barri et Magnae Etruriae Duci, Regi Hiero- solymarum inclyto, pivo, clementi, propagatori ampliatori- que egregiarum artium, Scenographiam Arcus triumphalis ante Portam divi Galli Florentiae ad solennem ejus Ingres- sum soli diretti An. Sal. MDCCXXXIX. Ex Archetypo a me delineatam aereque incisam Dedicat, Vovet ac Consecrat Marcus Tuscherus Noricus Pictor et Architectus Perenne devotissimi obsequii Testimonium., Londini MDCCXLII. Published according to Act of Parliament 1743, qu. roy. fol.

Diese reiche und grosse Composition ist geistvoll zu nennen und schön radirt, kommt aber selten vor. Nach 100 Abdrücken wurde die Platte vergoldet.

Digitized by Google

  1. Allegorie auf die Feier einer Hochzeit. Auf dem antiken Monumente mit einem Basrelief, welches die Hochzeit vor- stellt, liest man: Praemia Virtuti Dant Numina. Links un- ter K. M. Tuscher inv. pinx, et sculp. Liburni 1737 seltenes Blatt, gr. 4.

  2. Epitalamio per le nozze de' Signori A. Lefroy ed Elis, Langlois — in Livorno 1738. da M. Tuscher. Mit 1 Titel- kupfer, 2 Vignetten und 2 verzierten Anfangsbuchstaben. Diese Blätter, sowie der Text, sind von Tuscher selbst. Sehr seltenes Werk, fol.

  3. Landschaft mit einer Tempelruine im Mittelgrunde. M. Tuscher del. et sculp. Sehr seltene Jugendarbeit des Mei- sters, qu. 8.

  4. Ansicht des Vesuv nach dem Ausbruch von 1738. Marc. Tuscher, del. et sc. Sehr selten, qu.

  5. Vignette mit der Fama auf Wolken, und neben ihr ein ge- flügelter Rabe, der einen Kranz hält, 1743 in Rom radirt.

  6. Die beiden ersten Blätter zu L. Norden's Drawing: of some ruins and colossal statues at Thebes in Egypt, with an ac- count of the same in a letter to the Royal Society. Lon- don '741 4°.

  7. Die Blätter in der Voyage d'Egypte et de Nubie par F. L. Norden, Copenhague 1755, und später unter englischem Titel: Travels in Egypt and Nubia by F. K. Norden. F. R. S. Capitain of the Danish Navy etc. London 1767. Zwei Bände, gr., fol.

Dieses Werk enthält 158 radirte Blätter von Tuscher, grössten Theils nach Zeichnungen von L. Norden. Das mit allegorischen Figuren gezierte Titelblatt ist nach Tu- scher's eigener Composition, so wie er auch die Zeichnun- gen zu mehreren Vignetten machte. Das letzte Blatt, wel- ches Tuscher radirte, stellt Norden's Brustbild dar, und darunter ist eine Medaille nach der Erfindung unsers Künst- lers gestochen. Diese Platte brachte Tuscher nicht mehr zu Stande, da ihn der Tod ereilte.

I. Mit französischem Text. II. Mit englischem Text.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_Io3rAAAAMAAJ/