Turpin de Crisse, Lancelot Theodor

Turpin de Crisse, Lancelot Theodor, Graf , Zeichner und Maler, geb. zu Paris 1781, war der Sohn des Husaren-Obersten Chev. de Turpin, welcher unter den französischen Kunst-Dilett- anten eine so ehrenvolle Stelle sich erwarb, dass ihn die Aka- demie der Künste in Paris zum Ehrenmitgliede ernannte. Er lei- tete auch den Sohn zur Kunst an, und zwar mit solchem Erfolge, dass dieser in ihm seinen eigentlichen Lehrer erkannte. Turpin

Turpin de Crisse war ein Mann von umfassender Bildung, und einer der vorzüglichsten Künstler der französischen Schule, dessen Bilder eben so geistreich als schön behandelt sind, nur zuweilen nicht jene technische Fertigkeit zu erkennen geben, welche den Mei- stern von Profession eigen ist, wofür sie ihn zum Dilettanten stempelten, wie es Männern seines Standes ergeht. Er unternahm mehrere Reisen, und zeichnete bei dieser Gelegenheit viele inter- essante Ansichten von architektonischen Denkmälern, Ruinen und Gegenden. Er bereiste Frankreich , England , die Schweiz , Ita- lien und Sicilien, und in seinen Gemälden und Zeichnungen sprechen sich die Erinnerungen an diese Kunstreise aus. Eines seiner früheren Gemälde, welches 1808 entstand, schildert den Abschied Rene's von seiner Schwester, und erwarb dem Künstler eine goldene Medaille. Im Jahre 1808 kaufte die Kaiserin Jo- sephine die Ansicht von Civita Castellana; Hierauf folgten ver- schiedene Ansichten aus Rom und Tivoli , theils mit Staffage aus der römischen Kaiserzeit, theils mit Scenen des modernen Volksle- bens. Auch die alten classischen Idyllendichter boten ihm manch- mal Stoff zur Staffage seiner Landschaften. Sein Bild des Hora- tius Flaccus in Tivoli erwarb ihm das Lob eines der ersten fran- zösischen Landschaftsmaler, obgleich ihn der Zunftzwang zum Dilletanten verdammte. Andere Gemälde enthalten Ansichten aus Florenz, Gaeta, Caprea, Terracina, Pompeji und Neapel. Diese Stadt und ihre Umgebung bot ihm Gelegenheit zu einer grossen Anzahl von Zeichnungen, welche, meistens in Sepia ausgeführt, in Kupfer gestochen wurden, und »Souvenirs de Naples« bilden. Einige dieser Zeichnungen führte er in Oel aus. Eine reiche Aus- beute fand er auch an den alten Denkmälern Siciliens, deren er viele in Zeichnungen festhielt, wovon er dann einige in Oel aus- führte, mit Staffage aus den Dichtungen der Alten, oder mit Sce- nen des modernen Lebens. An diese Werke reihen sich viele Ansichten von alten Denkmälern in Frankreich und der Schweiz. Seine Ansichten aus Griechenland führte er meistens nach Zeich- nungen des Grafen Choiseul aus. Der grösste Theil seiner Werke sind in den Gallerien des Luxembourg, des Herzogs und der Herzogin von Berry, des Grafen Pourtales, im Museum zu An- gers und in verschiedenen Privatkabineten.

Ausser den lieblichen Souvenirs du golfe de Naples. Paris 1828, haben wir von Turpin de Crisse ein lithographirtes Werk: Souvenirs de vieux Paris, exemples d'architecture de temps et de styles divers, Trente vues dessinées d'après nature par le Cte. T. Turpin de Crisse. Avec des notes hist. et descript. par Mme. la Princesse de Craon, Mme. la comtesse de Meulan, et par M. M. de Beauchesne, Castel-Han etc. Deuxieme edition, Paris 1836, fol. Dann lieferte er auch Zeichnungen für das Werk: Le moyen age ' pittoresque, vues et fragments d'Architecture, meubles, Armes etc. en Europe du X. — XVII. Siecle, Avec texte explicatif. Paris 1836 ff. J. Poppel stach nach ihm für die Urania 1833 eine An- sicht von Neapel.

Turpin de Crisse war Ehrenmitglied des k. Instituts, General- Inspektor des Departement der schönen Künste, und Ritter der Ehrenlegion. Er starb 1845.

Turpinus Johannes und Philippus, Kupferstecher und Kunst- händler, Franzosen von Geburt, waren um 1500 in Rom thätig. Es finden sich mehrere Blätter mit ihren Namen, wovon aber nur wenige von Johannes herrühren.

  1. Heinrich IV. von Frankreich zu Pferd. Joannes Turpinus

foc. , fol.

  1. Die Ruhe der heil. Familie auf der Flucht in Aegypten, nach Vent. Salimbene. Jo. et P. Turpinus Socii exc. (Stich von Ph. Thomassin), qu. fol.

  2. Morte e miracolo del B. P. Filippo Fiorentino del Ordine di Servi della Madonna, nach L. Sabatini. Joes. Turpi- nus Gallus dicavit. Mit Dedication an den Serviten Gene- ral Gabriel, s. gr. qu. fol.

  3. Die Bekehrung des heil. Paulus, nach Vranx. Joannes Tur- pinus fec. et exc., qu. fol.

  4. Das Wunder mit den Broden. Phil. et Joh. Turpinus exc,

. fol.

  1. Die heil. Catharina von Siena vor der heil. Jungfrau und das Jesuskind, welches einem Heiligen den Rosenkranz reicht. Andere Darstellungen diesen als Rahmen gut be- handelten Blattes. Phil. et Joh. Turpinus exe., gr. fol.

  2. Gregor der Grosse, als Fürbitter gegen die Pest (nach F. Zucchero). Ph. et Joh. Turpinus exc. fol.

  3. Der heil. Sebastian, nach de Jode, (gest. von Ph. Thomas- sin). Phil. et Joh. Turpinus exc. Romae 1509, fol.

  4. Eine Armee auf der Flucht. Zuccaro pinx. Phil. et Joan, Turpinus exc., qu. fol.

  5. Die Malerei, Sculptur und Baukunst, von den Schrecken des Krieges vertrieben, werden von dem Ruhme nach dem Olymp geführt. Copie eines grossen Blattes von J. Müller nach B. Spranger, von Joh. Turpinus gestochen, und dem Marcello Vestri Barbiani dedicirt. Auf dem Schilde des Engels ist das Wappen desselben, während im Originale auf dem Schilde der kaiserliche Adler erscheint, roy. fol.

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