Troy, Jean François de, Maler und Sohn des Obigen, wurde 1678 zu Paris geboren, und unter Leitung des Vaters zur Kunst herangebildet. Im Jahre 1690 schickte ihn dieser auf eigene Ko- sten nach Rom , wo er neun Jahre verweilte, und nur in späterer Zeit eine königliche Unterstützung genoss. Im Jahre 1708 zum
—Mitglied der Akademie in Paris ernannt, überreichte er derselben ein Bild, welches den Tod der Kinder der Niobe vorstellt; eine Austellung konnte er aber in Paris nicht finden, da der Künstler dem Geschmacke Coypel's nicht huldigte, welcher damals als das Haupt der französischen Schule geehrt wurde. Allein de Troy hatte sich nichts weniger als die gute italienische Manier angeeignet, es wollten nur seine Niobiden nicht gefallen, weil er mehr die An- tike als die Schaubühne berücksichtigte. Er fand aber in Paris bald Eingang, weil er dem manierierten Geschmacke seiner Zeit mit vielem Talente huldigte. Er malte meistens historische Darstellungen, deren viele im Stiche bekannt sind, wie das unten folgende Verzeichniss von Blättern beweiset. Diess ist aber auch kein Beweis, dass de Troy Meisterstücke gefertigt hat; diese Blät- ter zeugen nur von dem damaligen französischen Kunstgeschmack, auf welchen die tüchtigsten Stecher rechnen konnten. Wenn wir indessen dem Hr. d'Argensville glauben wollten, so wäre J. F. de Troy ein Meister ersten Ranges gewesen. Nach der Ansicht dieses Schriftstellers war der Künstler mit einem schöpferischen Genie begabt, welches seinen Bildern Feuer und Leben verlieh. Er sagt ferner, dass man in den Compositionen des Meisters die rei- che Anordnung, die geschmackvolle Zeichnung, die edlen Gedan- ken, die Kunst des Ausdruckes der Neigungen und Leidenschaf- ten, die majestätische Einfachheit der Hintergründe, die reizende Färbung und die gediegene Behandlung bewundere. Bei solchen Vorzügen müsste de Troy allerdings hoch stehen; allein er ver- fiel ungeachtet seines langen Aufenthaltes in Italien in alle Fehler der französischen Manier. Seine Compositionen erscheinen zwar auf den ersten Anblick grossartig, und erdrücken das Auge durch ihren bunten Reichthum, die effectirten Helden sind aber der Bühne entnommen, und selbst der übertreibende Schauspieler tritt öfter noch mit grösserer Besonnenheit auf, als die handelnden Per- sonen unsers gepriesenen Meisters. Von strenger Charakteristik und gründlicher Durchbildung ist bei ihm keine Rede. Auch seine Färbung ist nicht vollkommen wahr, sie besticht aber das Auge, so wie sich überhaupt der Nichtkenner von de Troy hinreissen lässt. Die Ansicht eines solchen gibt d'Argensville in seinen Lo- beshochlobungen, welche dem Künstler wirklich einige Zeit gespen- det wurden, bis das Auge besser sehen lernte, und man erkannte, dass das Talent und Glück eines Mannes, wie de Troy, der Kunst nur gefährlich werden könne, sie aber nicht fördere. Seine Werke sind überallhin zerstreut. Das Museum des Louvre nahm nichts von ihm auf, und nur in einigen Kirchen zu Paris und Rom sieht man Werke von ihm. Für die Kirche des heil. Lazarus zu Paris malte er einige Darstellungen aus dem Leben des heil. Vincenz von Paula, welche im Stiche bekannt sind, und sehr gerühmt wur- den. Diess ist auch mit seinem Bilde der Pest von Marseille 1720 der Fall, so wie mit den Darstellungen aus der Geschichte der Esther in sieben Bildern, welche der Künstler in Rom malte, und auf deren Reproduktion der Kupferstecher J. Beauvarlet die grösste Mühe verwendete. Im Auslande sind seine Bilder selten. Seit 1844 sieht man im Museum zu Berlin ein am Tische sitzendes Mädchen, welches eine Tasse Chocolade trinkt, sehr lebendig und an- ziehend, im Geschmacke Watteau's behandelt. In kleineren Genre- bildern leistete der Künstler überhaupt Vorzügliches.
J. F. de Troy lebte die längste Zeit seines Lebens in Rom, wo er 1720 Professor an der französischen Akademie wurde. Später ertheilte ihm der König den Orden des heil. Michael, und 1753 erhielt er die Stelle eines Direktors der genannten Anstalt, welche
Er aber 8750 an Ch. Natoire abtreten musste, da de Troy in die Ungnade des Hofes fiel. Starb zu Rom 1752.
Blätter nach Werken dieses Meisters.
Jean François de Troy, halbe Figur nach Aved, gest. von N. de Launay, gr. fol. Derselbe, nach Aved, gest. von Halbeau, in ovaler Einfas- sung, fol. Derselbe, nach Campiglia, gest. von M. A. Corsi, fol. Derselbe im Kniestück an der Staffelei, nach dem eigenhän- digen Gemälde, gest. von S. Vallee, fol. Derselbe, Parrocel del., C. Nolli sc. 4. 4 Die Königin von Saba besucht Salomon. C. O. Gallimard sc. Rom. 1750, gr. qu. fol. Loth mit seinen Töchtern. L. Lempereur direx., qu. fol. Triumph des Mordechai. J. P. Parrocel del. et sc., A Paris chez Huguer fils. Radirtes Blatt, gr. qu. fol.
Die Geschichte der Esther, in sieben grossen Blättern; nach den Gemälden, welche J. F. de Troy in Rom malte, gest. von J. F. Beauvarlet, gr. qu. fol.
Bathscha im Bade von David belauscht, gest. von L. Cars.
Dieselbe Darstellung, gest. von Johnson in Mezzotinto, fol. Susanna von den Alten überrascht, gest. von L. Cars, gr. fol. Das Urtheil des Salomon, gest. von Beauvarlet, s. gr. fol. Das Urtheil Salomon's, gest. von J. L. le Lorrain, fol.
Salomon betet die Götzen an, gest. von demselben, fol.
Die Verkündigung Mariä, gest. von Hutin, fol.
Eine heil. Familie in halben Figuren, Joseph mit erhobenen Händen neben Maria, oben Gott Vater. J. L. le Lorrain sculp. 1742. Gut radirt, kl. fol.
Die Anbetung der Hirten, gestochen von L. Desplaces, qu. roy. fol. Darstellung aus dem Leben des Vincent de Paula in der Kirche des heil. Lazarus, gr. fol. Der Heilige am Todtbette derselben. Derselbe als Stiftsgeistlicher Pfründen. St. Vincenz vor Vermehnen und Armen predigend. Die Communion des Heiligen vor dem Hinscheiden.
Diese schönen Compositionen sind von Herisset, Scotin und Jeaurat gestochen. Jean André hat drei andere Darstel- lungen aus dem Leben des Heiligen gemalt, gest. von He- risset, Cars und Dupin. Diese Blätter machen einen Theil der Bilder aus dem Leben des heil. V. de Paula aus. J. Restout, B. Feret und L. Galloche malten ebenfalls Dar- stellungen aus dem Leben des Heiligen für jene Kirche.
Der heil. Hieronymus Emilianus stellt der heil. Jungfrau Kin- der vor, gest. von Gallimard 1749 fol.
Die St. Bartholomäus-Nacht, mit der Ermordung des Admirals Coligny, gest. von Desplaces, qu. fol.
La peste dans la ville de Marseille en 1720, wo der Chev. Rosen mit grossem Muth die Cadavres auf den Strassen durch die Sklaven aufheben lässt. Reiche Composition, gest. von S. Tho- massin 1727, s. gr. imp. qu. fol.
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