Trotti, Giovanni Battista, genannt Cav. Malosso, wurde zu Cremona geboren, und von B. Campi unterrichtet, der ihn so lieb gewann, dass er ihm seine schöne Nichte zur Ehe gab. Trotti ahmte aber nur in seiner früheren Zeit den B. Campi nach, spä- ter nahm er den Correggio zum Vorbilde, und am liebsten wollte er dem Sojaro gleichen, dessen geistreiche und lebendige Compi- sition ihn eben so sehr zur Nachahmung trieb, als die graziöse und reizende Kunstweise eines Correggio. Seine weiblichen Köopfe sind sehr schön, meistens lächelnd und affektirt. Nur wiederholte er sich, was man indessen nicht dem Mangel an Ideen zuschrieb, sondern der Eile, mit welcher er arbeitete, die ihn hinderte, um- fassende Studien zu machen. Indessen finden sich auch Bilder von ihm, in welchen die Mannigfaltigkeit der Köpfe zu loben ist, und in den Stellungen und Bewegungen der Figuren grosse Abwechslung herrscht. Dann strebte er nach einer glänzenden Färbung, die oft so sehr in's Helle geht, dass seine Arbeiten mit Porzellan verglichen wurden. Er stellte sein Weiss und an- dere helle Farben meist hin, ohne sie mit dunklen ehörig zu mässigen, so dass es den Bildern an Relief gebricht. Baldinucci macht ihm auch den Vorwurf der Härte, welcher theilweise be- gründet ist, wenn er nicht vielmehr die Arbeiten seiner Schüler trifft, wie Zaist meint.
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In S. Domenico zu Cremona ist eine Enthauptung des heil. Johannes von ihm, eines der Bilder, welches sich durch Mannig- faltigkeit der Formen empfiehlt. Eben so ist es mit seinen Dar- stellungen der Empfängniss Mariä, worin sich kein Mangel an Ideen kund gibt. In S. Agostino und in S. Francesco zu Piacenza sind
zwei schöne Gemälde dieser Art. Im Dome zu Cremona ist ein
gekreuzigter Heiland mit einem Heiligen, im besten Geschmacke der venetianischen Schule, wie Lanzi bemerkt. Eine aus dem
Tempel gewiesene Maria Aegyptiaca in S. Pietro daselbst ist nach
der Behauptung des genannten Schriftstellers fast im römischen Style behandelt, und die Pieta in S. Abondio zeigt, dass er zuweilen auch die Carraccische Schule berücksichtigte. In S. An- tonio zu Mailand findet man zwei Bilder von ihm, die Kreuzab- nehmung und die Auferstehung des Herrn. Bei den Carmelitern zu Pavia ist ein Crucifix von Malosso, und in St. Trinita vecchia zu Parma wird ihm ein schönes Gemälde zugeschrieben, welches die heil. Jungfrau vorstellt, wie sie das Jesuskind anbetet, dabei Johannes und St. Franz. Ausser den oben erwähnten Bildern der Enthauptung des Johannes und des gekreuzigten Heilandes findet man in Cremona noch andere Werke von Trotti. In S. Pietro al Po ist ein Bild der theologischen Tugenden, und im grossen Saale des Stadthauses die hl. Jungfrau mit dem Kinde, umgeben von S. Omobuono und dem Schutzengel der Stadt. In der kleinen, dem auferstandenen Heiland geweihten Kirche bei S. Luca sind Dar- stellungen aus dem Leben des Heilandes, theils in Oel, theils in Fresco gemalt. Unter den Frescobildern dieses Meisters stehen jene im sogenannten Gartenpalaste zu Parma oben an, und diese erwarben ihm die Ritterwürde. Auch die Cuppel der Kirche S. Abondio in Cremona malte er in Fresco aus, aber nach Zeichnun- gen von Giulio Campi, welche er meisterhaft und mit grosser Kraft in Farben setzte. In den Engelgruppen scheint Trotti Änderungen
vorgenommen zu haben, was aus der Abwechslung zu schliessen ist, welche in diesen Gruppen herrscht, während Campi und des- sen Schüler die Engel oft in eine Linie stellten, wie die Pferde an den drei- und vierspännigen Wägen der Alten,
Den Beinamen Malosso erhielt Trotti durch Agostino Carracci, welcher in diesem Meister einen gefährlichen Nebenbuhler er- kannte, der ihm manch arges Bein (malosso) zu nagen geben wollte. Baldinucci u. a. nach ihm wollen gleichsam darin einen Spottnamen erkennen, welchen ihm Agostino gab, als er eines Tages den Künstler an einem schlechten Beine nagen sah. Diese Annahme scheint unbegründet zu seyn, denn Trotti war über sei- nen Beinamen nicht unzufrieden, und nannte sich in der Folge selbst Cav. Malosso. Er vererbte diesen Namen sogar auf Euclio Trotti. Dieser war sein Schüler, sowie E. und M. Lodi, G. Calvi, St. Lambri und C. Augusta. Das Todesjahr des Cav. Malosso ist unbekannt. Er lebte noch 1611. Auf dem Bilde der Kreuzabneh- mung steht nämlich: Joan. Baptista Trottus dictus Malossus Crem. faciebat anno 1611.
Malosso gab A. Lamo's Abhandlung über die Malerei und Bildhauerkunst mit der Biographie des Bernardo Campi heraus, unter dem Titel: Discorso intorno alla scultura et pittura, dove si ragiona della vita e opere di Ber. Campi. Cremona 1584, 4. Eine neuere Ausgabe ist betitelt: Discorso di Aless. Lamo intorno alla scultura e pittura, dove ragiona della vita ed opere in molti Luoghi, ed a diversi Principi e personaggi, fatte di B. Campi, pit- tore Cremonese. Nebst Parere sopra la pittura di M. B. Campi,
Cremona 1774, 4. A. Scacciati imitirte einige Handzeichnungen dieses Meisters, darunter eine Darstellung der Venus, wie sie den Adonis von der Jagd zurückhält, qu. fol.
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