Troschel Julius, Bildhauer von Berlin

Troschel Julius, Bildhauer von Berlin , war Schüler des berühm-

ten Rauch, und hatte schon als solcher Arbeiten geliefert, welche

zu grossen Hoffnungen berechtigten. Dazu gehören einige Copien

nach Werken des Meisters, Basreliefs nach eigener Composition,

und ähnliche Büsten nach dem Leben. Unter diesen Jugendar-

beiten nennen wir die Büste der Tänzerin Elsler, jene der Schau-

spielerin v. Wrochem, ein Basreliefs in Thon nach Schinkel's Er-

findung, eine kleine Statue der Ariadne, welche für den Berliner

Kunstverein in Bronze ausgeführt wurde, und die Statuette eines

Knaben. Im Jahre 1833 wurde ihm der grosse Preis der Sculptur

zu Theil, mit dem Basrelief, welches Telemachos vorstellt, wie

er den Odysseus , welcher die Freier der Penelope dem Tode ge-

weiht hatte, um das Leben des Sängers Phemios bittet. Dieser

liegt flehend zu den Füssen des Helden. Troschel componirte

dieses Bildwerk im Geiste der homerischen Dichtung, und be-

wies dabei ein für einen Jüngling seltenes Studium der mensch-

lichen Form. Es wurde ihm daher vor allen anderen Bewerbern

der Preis zuerkannt, welcher ein Reisestipendium nach Rom ver-

band. Er reiste noch in demselben Jahre nach Italien , wo er den

Ruf eines der ausgezeichnetsten Künstler seines Faches gründete,

Im Palaste Torlonia zu Rom sind 14 Basreliefs von ihm, in wel-

chen er die Thaten des Kaisers Trajan nach Dio Cassius darstellte,

Muster von Studien der Antike und genialer Freiheit im Compo-

niren. Eine kleine Figur des Orestes führte er 1836 in Marmor

aus. In diesem Jahre modellirte er auch eine lebensgrosse Statue

des trauernden Ajax, welcher bis dahin als das gelungenste Werk

des Meisters betrachtet wurde. Einen Gypsabguss sah man 1838

auf der Kunstausstellung zu Berlin. Bei Gelegenheit der Feyer

des Geburtsfestes Winkelmann's 1837 fertigte er ein geistreiches

Basrelief, dessen Genius vorstellend, wie er im Greife die nordi-

sche, und in der Wölfin mit Romulus und Remus die südliche

Kunst und Mythe bekränzt. Im Jahre 1840 bewunderte man seine

im Lehnstuhl schlafende Spinnerin, und ein betendes Mädchen,

welches halb entkleidet dasteht, beide mit Sorgfalt der Natur ent-

nommen und von grosser Schönheit. Auch zweier Büsten müssen

wir aus dieser Zeit erwähnen, jener des Grafen Brühl und des

Beide von sprechender Aehnlichkeit. Im Jahre 1843 vollendete er das Modell des colossalen Perseus mit der Medusa, eine ausdrucksvolle ernste Gestalt von großartigen Formen, mit dem Drachen zu den Füßen. Dieses in edlem Style gehaltene Werk führte der Künstler im Auftrage der Prinzessin Albert von Preußen in Marmor aus, und es fand in der Villa Sommariva am Comersee seine Stelle. Weiter erwähnen wir die kleine Figur einer Flachsbinderin, eines zwölfjährigen Mädchens, eine wie eine Rosenknospe sich aufschliessende Weiblichkeit. Auf der Kunstausstellung zu Berlin sah man 1844 eine Marmorstatue des Bacchus als Kind in der Schlinge, Eigenthum der Fürstin von Liegnitz; ferner eine Marmorstatue des Amor, welche in dem Besitz des Banquier Fürst in Berlin sich befindet. Inzwischen erledigte Troschel einen Auftrag des Baron von Lotzbeck in Augsburg, für welchen er die antiken Reliefs im Palazzo Spada nachbildete, wobei er wirkliche Stylverbesserungen anbrachte. Diese Bildwerke waren 1846 vollendet. Hierauf fertigte er für den König von Preußen die Büste des Papstes Pius IX. in Marmor. Er legte dieselbe in einer jener öffentlichen Audienzen an, in denen dem Papste die verschiedenartigsten Anliegen vorgetragen werden, so dass hier die Auffassung des Herrschertalentes hineingekommen ist, was anderen Portraiten des Papstes zu fehlen pflegt. Man hält diese Büste für eines der besten Werke des Meisters.

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