Troostwijk, Wouter Johannes van, Zeichner und Maler, geb. zu Amsterdam 1782, äusserte schon in früher Jugend ent- schiedene Lust zur Kunst, und daher liessen ihm seine Eltern von Anton Andriessen regelmässigen Unterricht im Zeichnen geben. Jurian Andriessen machte ihn dann mit den Grundsätzen der Ma- lerei vertraut, und bald darauf betrat er die Akademie seiner Va- terstadt. Die erste Probe, welche er hier nach dem Modell ab- legte, fiel indessen so dürftig aus, dass seine Mitschüler darüber lachten. Troostwijk ging aber mit unermüdetem Fleiss auf seinem Wege fort, und am Ende des Jahres trug er den ersten Preis da- von. Er verdankte überhaupt Alles sich selbst, und was er ge- leistet, ist das Resultat des genauesten Studiums der Natur und der grossen Meister, welche vor ihm lebten. Er war der Bewun- derer Potter's, du Jardin's und van de Velde's; diesen Meistern und der schönen Natur eiferte er mit ganzer Seele nach. Er malte Landschaften mit Vieh, wie Potter, war aber mit seinen Arbeiten nie zufrieden, obgleich Kenner dieselben für vollkommen erklär- ten. Im Jahre 1807 ertheilte ihm die Gesellschaft »Felix Meritis« für eine Landschaft mit Vieh die goldene Medaille, aber Troost- wijk meinte, er sei noch weit vom wahren Ziele der Kunst ent- fernt, und habe seine viel vorzüglicheren Freunde beeinträchtigt. Er war überhaupt ein Mann von dem edelsten Charakter, der im Stande war, das Höchste zu opfern, was er besass: die Kunst, welche sein Himmel war. Als er die Stelle eines Vogtes des Stadt- hauses in Amsterdam erhielt, äusserte er seinen Schmerz über den Verlust der schönen Morgen, die ihm der Dienst raubte. Jede freie Stunde war aber der Kunst geweiht, und wenn er Wander- ungen unternahm, sah man ihn nie ohne Skizzenbuch. Der Och- senmarkt in Amsterdam war eine ergiebige Quelle seines Studiums, sowie er auch auf keinem Viehmarkt der Umgegend fehlte. Gooi- land, Gelderland und Drentsche boten ihm Gegenden zu land- schaftlichen Studien. So lebte Troostwijk nur seiner Kunst, und er wäre bei längerem Leben sicher einem Potter und A. van de Velde gleichgekommen. Seine Werke verdienen ausgezeichnete Beachtung, und lassen den frühen Tod des Meisters beklagen. Die Gemälde sind nicht zahlreich, Zeichnungen finden sich aber viele. Sie stellen Ochsen, Kühe und andere Thiere auf der Weide dar. Diese Blätter gehören zu den schönsten Erzeugnissen der Zeit des Künstlers. Er starb 1810 in einem Alter von 28 Jahren. In demselben Jahre sah man auf der Kunstausstellung zu Amster- dam einige preiswürdige Bilder von ihm, und darunter die Stube des Künstlers, wie er selbst mit Malen beschäftigt ist. Dieses Bild fand viele Bewunderer. Gleiches Lob erhielt eine Landschaft mit Rindern und einem braunen Pferde bei Sonnenaufgang. Eine zweite Landschaft ist mit Schafen, einem stehenden Esel und mit
7 derlandsche Lettersefeningen 13 wird desselben mit Ruhm ge- dacht. Ausführlich handelt auch R. van Eynden, Gesch. der va- derland. Schilderkunst II. 411 ff., über ihn.
Eigenhändige Radirungen.
Troostwijk hat auch einige Blätter radirt, die sich eben so sehr durch naturgetreue Darstellung, als durch geistreiche Behandlung auszeichnen. Sie gehören zu den schönsten Erzeugnissen der hol-
ländischen Schule alter und neuer Zeit. Sie sind mit den Buch- staben W. J. %. T. bezeichnet, und stellen Rinder auf der Weide; dann auch Hunde und Schafe, Thierköpfe u. s. w. dar, von 1800 und 1810. Das Format ist 4., qu. 4. und qu. fol. R. Weigel werthet das in 12 Blättern bestehende Werk dieses Meisters auf
Ein detaillirtes Verzeichniss dieser ausgezeichneten Blätter kön- nen wir leider nicht geben. Zu seinen Hauptwerken gehören folgende:
1). Ein grasender junger Stier in einer Landschaft, so schön ; wie A. van de Velde, qu. 4. 2). Das Viehstück mit der Melkerin, qu. fol. 3). Das Studium eines schlafenden Hundes, qu. 4. 4). Zwei am Fusse eines Baumes liegende Kühe, 1810, qu. 4. 5). Die stehende Kuh im Felde, 1810, qu. 4.
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