Tristán, Luis

Tristán, Luis, Maler, und einer der Hauptmeister der Kastilischen Schule, wurde 1586 in einem Dorfe bei Toledo geboren, und stand in dieser Stadt unter Leitung des Dom. Theotocopuli (el Greco), welchen aber der talentvolle Schüler bald übertraf. Er wusste sich die Vorzüge des Meisters anzueignen, und des- sen Mängel in dem Grade zu vermeiden, dass er schon in Gre- co's Schule Aufträge zu wichtigen Arbeiten erhielt. Dahin gehört das Abendmahl des Herrn im Kloster S. Gerónimo, genannt la Sala, wofür Tristán 200 Dukaten forderte, was den Mönchen zu hoch schien. Sie ließen deswegen den Theotocopuli rufen, und baten ihn den Preis zu bestimmen, da der Schüler wohl zu viel verlangt habe. Kaum hatte der Meister die Forderung gehört; als er den Tristan mit Stockschlägen bedrohte, als einen Menschen, welcher der Kunst Schande mache, und als die frommen Väter begütigend äusserten, der Junge (muchacho) wisse nur noch nicht, was man für ein Gemälde verlangen müsse, rief er: ja er weiss es wirklich nicht, und wenn ihr nicht gleich 500 Dukaten bezahlt, so mag er das Gemälde zusammenrollen und es mir schicken. Die Pätre waren zuletzt froh, dass Tristan sich mit der geringeren Summe begnügte, und sie versprachen ihm Absolution für alle ähnlichen Fehler. In seinem dreissigsten Jahre malte er die be- rühmten Bilder des Hauptaltares der Pfarrkirche von Yepes, wel- che die Geburt Christi, die Anbetung der Könige, die Geißelung, die Kreuzigung, die Auferstehung, die Himmelfahrt und mehrere Heilige in halben Figuren vorstellen. Im Jahre 1610 malte er das

Bildniss des Cardinals Bernard de Sandoval, Erzbischof von To-

Toledo, welches im Capitelsaale der Kathedrale aufbewahrt würde. Tristan führte viele, theils grosse Werke aus, welche in Auffas- sung und Durchbildung hohes Lob verdienen. Auch in der Zeich- nung und im Colorite verkünden sie einen Meister, welcher die gleichzeitigen italienischen Künstler weit übertrifft. In Spanien hielt sich in jener Zeit die Kunst noch auf einer Höhe, von wel- cher sie in Italien bereits herabgesunken war. Selbst der berühmte D. Velasquez nahm den Tristan zum Vorbilde. Dieser Meister hatte seinen Ruf zwar als Portraitmaler gegründet, aber auch Tri- stan hat Bildnisse gemalt, welche sich durch strenge Charakteri- stik und durch meisterhafte Durchbildung auszeichnen. In den letzten Jahren sind wahrscheinlich mehrere seiner Werke von der alten Stelle verschwunden, da die Aufhebung der Klöster und anderer geistlichen Institute den Kunstbeutern günstig war. Im spanischen Museum zu Paris, welches Louis Philipp zusammen- brachte, ist aber unseres Wissens nur ein Bild von Tristan, ein heil. Johannes. Wir zählen daher die Gemälde dieses Meisters auf, wie sie ausser den erwähnten C. Bermudez in seinem Die- cionario historico nennt. Toledo besitzt die grösste Anzahl. In der Kathedrale ist ein Bild des heil. Anton, ein treffliches Crucifix in der Sacristia de los Doctores, und das Bildniss des Erzbischo- fes Sadoval. In Santa Clara sind mehrere Gemälde am Haupt- altare, in S. Pedro Martir ist das berühmte Bild, welches den heil. Ludwig von Frankreich vorstellt, wie er den Armen Almosen reicht; in der Sakristei der Capuzinerkirche sieht man eine Scene aus der Apostelgeschichte mit lebensgrossen Figuren, bei S. Bar- tolomeo de Sonsoles eine Enthauptung des hl. Johannes, ein Bild von grosser Kraft des Heildunkels, und bei den Nonnen de la Reyna vier Bilder am Hauptaltare, die Geburt Christi, die Epiphanie, die Auferstehung und Erscheinung des heil. Geistes vorstellend. In la Trinitad findet man von Tristan den Heiland an der Säule, und das Abendmahl in la Sisla bei Toledo haben wir oben er- wähnt. In der Celle des Priors daselbst sind einige halbe Figu- ren von Heiligen. In der Kirche des Klosters Santiago zu Ucles sind einige grosse Gemälde. Auch in der Pfarrkirche zu Cuerva hinterliess Tristan Werke. Die Bilder in Yepes haben wir oben erwähnt. In Carmen Calzado zu Madrid sind die Bilder der Hei- ligen Damasus und Hieronymus von ihm gemalt, und auch für Carmen Descalzado daselbst führte er zwei Gemälde aus, zwei Apostel und St. Hieronymus vorstellend. In Madrid fand man zu Anfang unsers Jahrhunderts von Tristan auch Bilder in Privat- sammlungen. D. Nicolas de Vargas besass die Findung Mosis, und D. Pedro Rocca Christus unter den Schriftelehrern, so wie ein Bild der Dreieinigkeit mit lebensgrossen Figuren von 1626.

Im Auslande sind seine Werke selten. Ein Bild des Johannes im spanischen Museum zu Paris haben wir schon oben erwähnt, wir wissen aber nicht, ob die genannte Enthauptung des Vorläu- fers des Herrn darunter zu verstehen ist. In der k. Eremitage zu St. Petersburg ist Tristan's Bildniss des Schöpfers der spanischen Comödie, mit der Beischrift: Lupus de Vega Carpio.

Tristan starb zu Toledo 1640 im 54. Jahre, wie D. Lazaro Diaz de Valle versichert, nicht 1610, wie man gewöhnlich nach Palomino angegeben findet. Dieser Schriftsteller lässt ihn seine Hauptwerke in Yepes im 21. Jahre verfertigen, der Künstler zählte aber damals bereits 30 Jahre.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_Io3rAAAAMAAJ/