Tribolo, NICCOLO, Bildhauer und Architekt von Florenz , stammt aus der Familie Pericoli, und erhielt den Beinamen Tribolo nur von seinem ungestümen Wesen, und den ewigen Plagereien, welche er sich gegen seine Mitarbeiter erlaubte. Sein Vater, ein Zimmermann, hielt ihn desswegen zu harter Arbeit an, allein Nicolo blieb der alte Quälgeist, zeichnete sich aber durch das Streben aus, sich über das Handwerk zu erheben, was ihm bei seinem entschiedenen Talente in Bälde gelang, da er in Sansovino's Schule Zutritt gefunden hatte. Er galt noch als Zimmermann , als er statt Gerüste aufzuschlagen die Decorationen bei öffentlichen Fe- sten mit Figuren und Basreliefs in Gips zierte, und bereits den Wunsch rege machte, dass diesen ephemären Dingen eine gröss- ere Haltbarkeit zukommen möchte. Tribolo fuhr aber fort zu modelliren und in Stucco zu arbeiten und strebte nach immer grösserer Vollkommenheit. Er war ein besonderer Bewunderer des Michelangelo, gehört aber nicht zu den Nachahmern desselben. Sein Streben ging auf das Zarte und Gefällige; er huldigte viel- mehr dem malerischen Principe, und daher nennt ihn Cicognara den Parmigianino der Bildhauer des 16. Jahrhunderts. An der Facade von S. Petronio zu Bologna sind die Sibyllen an den Portalen sein Werk, wenigstens jene beiden gegen das Spital hin. Diese Figuren sind von ausgezeichneter Schönheit, von Rafaescher Eleganz. Auch einige Basreliefs fertigte der Künstler für diese prachtvolle Kirche, die mit der Einfachheit und Grazie eines Do- natello behandelt sind. Besonders schön ist die Heimsuchung der Maria bei Elisabeth. In der Capelle Zambeccari daselbst sind ei- nige Statuen von ihm, weit höher steht aber noch Tribolo's Bas- relief der Himmelfahrt Maria auf dem Altare der Capelle der Re- liquien. Valery (Voyages etc. II, 128.) nennt die Heilige «aörienne, vaporieuse.»
beschreibt Vasari wegen ihrer Neuheit und Pracht mit grosser Weitläufigkeit.
Dann leitete Tribolo auch viele Wasserbauten, wobei Brücken nothwendig waren. Eine solche baute er über den Mugnone aus serhalb der Porta S. Gallo. Ueber seine Wasserbauten im Val de Nievole von 1542 — 1548 geben die Documente Nr. 219 und 200 in Gaye's Carteggio inedito, Firenze 1839 Aufschluss. Die Arbei- ten, welche er als »Capo maestro de' Capitani di parte e de' Com- missarj de' fiumi« zu übersehen hatte, und das nasse Element, welches ihn umgab, wirkten nachtheilig auf seine Gesundheit, und beschleunigten seinen Tod. Tribolo starb nach Ticozzi den 7. September 1550 im 75. Jahre. Nach Vasari ereilte ihn 1565 in einem Alter von 65 Jahren der Tod, und er wurde bei den Bar- füssern in Florenz begraben. Erstere Angabe scheint die richti- gere zu seyn, da Dr. Gaye nach 1548 seiner nicht mehr urkund- lich erwähnt fand.
Vasari gibt das Bildniss dieses Künstlers, auch bei Bottari kommt es vor, und in der florentinischen Serie de ritratti VI. 4.
In Cicognara's Storia della scultura sind zwey Sibyllen an der Facade von S. Petronio abgebildet. F. Zuccharelli stach nach ihm eine Stucke der Victoria für Gori's Verlag, welcher aber die Com- position dem Michel Angelo zuschrieb, während Vasari dem Tribolo
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Es finden sich auch mehrere alte Blätter, welche architektoni- sche Ansichten, Abbildungen von Säulenbasen, Capitälen und an- deren Architekturtheilen enthalten. Diese Blätter sind mit den Buch- staben G. A. unter einer Fussangel bezeichnet. Auch die Buch- staben G, P. finden sich unter dieser Fussangel, wovon aber Bartsch nichts weiss. Dieser Schriftsteller nennt (P. gr. XV. p. 540) den unbekannten, wahrscheinlich der Schule des Marc-Anton angehö- rigen Stecher »le Maître de la chausse-trappe.« (Den Meister mit der Fussangel), und Christ (p. 187. T. F. p. 111) geradezu An- gel, weil er ihn wahrscheinlich für einen Deutschen hält, was nicht der Fall seyn kann. Nach einer handschriftlichen Bemer- kung des Hrn. Mariette könnten diese Blätter einem Meister Tri- bolo beigelegt werden; wenn man aber darunter den Tribolo des Vasari verstehen will, ist es jedenfalls eine gewagte Annahme. Das Wort Tribolo bedeutet, wie Chausse-trappe, die Fussangel. Wenn unser Künstler je an diesen Blättern Theil hat, so ist nur die Zeichnung von ihm. Die Buchstaben G. A. und G. P. passen nicht auf ihn. Andere haben daher unter dem Meister mit der Fussangel den Gio. Agucchia vermuthet.
- Ansicht eines antiken Triumphbogens. Mit der Fussangel und G. A. H. 9 Z. 1 L., Br. 7 Z. Selten, Im zweiten Drucke mit der Adresse von A. Salamanca,
- Eine Folge von antiken Capitälen und Säulenbasen, wenig- stens 14 Blätter, mit der Fussangel und den Buchstaben A., qu. 8. ; Eine solche Folge befand sich in der Sammlung des Grafen Sternberg-Manderscheid. Bartsch kannte diese sel- tenen Blätter nicht.
- Eine ähnliche Folge mit der Fussangel und den Buchstaben G. P., vielleicht ein Theil einer grösseren Folge von alten architektonischen Details,
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