Trevisani, Francesco

Trevisani, Francesco, Maler, geb. zu Capo d'Istria 1656, stand

zuerst unter Leitung seines Vaters, eines geschickten Baumei- sters, und erlernte dann von einem niederländischen Meister die Anfangsgründe der Malerei. Hierauf besuchte er in Venedig die Schule des A. Zanchi, in dessen Weise er einige Bilder malte, bis er endlich in Rom durch das Studium der Werke Correggio's, G. Reni's und des P. Veronese auf einen Weg gelangte, welcher ihn zum Ruhme führte. Er besass ein bewunderungswürdiges Ta- lent, jeden Styl nachzuahmen, vorzugsweise liebte er aber den Guido Reni und den Pietro da Cortona. Zum eigentlichen Copi- sten liess er sich indessen nie gebrauchen; sein universeller Geist waltete in mannigfaltigen Schöpfungen, die geläuterter erscheinen würden, wenn der Künstler nicht in der Zeit des Verfalles der Kunst gelebt hatte. Er zeichnete seine Figuren nach der damals üblichen akademischen Weise ziemlich richtig, und hatte Sinn für Anmut und Schönheit der menschlichen Form. Seine Compositi- onen sind daher alle gefällig, sie haben aber keinen streng aus- geprägten Charakter, der den Meister kenntlich macht, und gleich- sam als seine Namensunterschrift gilt. Er führte seine Werke im- mer fleissig aus, in der Färbung aber und in der Behandlung er- scheint er bald als glücklicher Nachahmer Guido's, bald liebte er die dunklen Schatten Cortona's, die aber gewöhnlich viel Wärme und Klarheit haben. Wenn auf einigen seiner Gemälde der Ton ins Braune und Ziegelrothe fällt, ist es indessen nur als Ausnahme zu betrachten. Auch den Cignani ahmte er glücklich nach, so wie den Maratti, welche beide viele Künstler mit sich fortrissen. Tre- visani malte historische Darstellungen, Portraits, Genrebilder, Land- schaften, Marinen, Thierstücke und Blumen. Er zeigt sich mei- stens als Künstler von Geist und Geschmack, praktisch in allen Theilen. Seine Werke sind sehr zahlreich, und sie rechtfertigen das Lob, welches ihnen von den früheren Schriftstellern gespendet wurde. Den Massstab der neueren Kunst darf man nicht an sie legen.

Unter den vielen Staffeleibildern dieses Meisters in der Gal- lerie Albicini zu Forli rühmt Lanzi eine Kreuzigung Christi in ganz kleinen, geistvollen und äusserst vollendeten Figuren. Die- ses Bild hielt Trevisani selbst für sein Hauptwerk, und er hätte es von dem Besitzer um einen hohen Preis wieder an sich gebracht.

Das Ausland ist ebenfalls reich an Bildern dieses Meisters. Im Museum des Louvre zu Paris ist ein sehr schönes Bild der Madonna, welche dem Kinde einen Granatapfel reicht. Ein zweites Gemälde daselbst, etwas ziegelroth im Fleisch und mit dunklen Schatten, zeigt Maria, wie sie vor Johannes und Engeln das schlafende Kind mit dem Schleier bedeckt. In der Gallerie zu Dresden sieht man sieben Bilder von Trevisani. Darunter ist ein Kindermord mit vielen lebensgroßen Figuren und mit Prachtgebäuden im Grunde. Etwas unter Lebensgröße ist ein schönes Bild der Ruhe der heil. Familie auf der Flucht in Ägypten mit vielen Engeln, welche Früchte sammeln. Ein lebensgroßes Kniestück zeigt Maria, wie sie den Schleier von dem Kinde hebt, um es dem Johannes zu zeigen. Eines der schönsten Bilder dieses Meisters in der Dresdner Gallerie ist die heil. Familie in kleinen ganzen Figuren, wo die heilige Elisabeth dem Kinde die Hände küsst, während Joseph im Buche liest. Ein anderes Bild dieser Sammlung stellt Christus am Oelberge dar, wie ihn ein Engel unterstützt. Zwei weitere Bilder sind der Legende entnommen. Auf dem einen heilt St. Anton von Padua den zerhaunenen Fuss eines Lahmen, auf dem anderen erscheint St. Franz in Entzückung. In der Gallerie des Belvedere zu Wien sieht man in lebensgroßen halben Figuren den Leichnam des Herrn von fünf Engeln gehalten. In der Gallerie zu Schleissheim ist ein heil. Sebastian, eine halbe Figur in Lebensgröße, und der den Satan stürzende Erzengel, in bier Lebensgrösse. Im Schlosse zu Sanssouci sah man eine Darstellung mit lebensgroßen Figuren: Diana und Endymion. In der Gallerie zu Pommersfelden sind zehn Gemälde von diesem Meister, darunter zwei Bilder mit lebensgroßen Figuren als Gegenstücke, die im Schatten sitzende Venus, und Galathea auf dem Meere. Vier lebensgroße Kniestücke stellen Amun und Thamar, Bathseba im Bade, Susanna mit den Alten, und den keuschen Joseph dar. Dann ist daselbst ein lebensgroßes Brustbild der Magdalena in der Wüste, Herkules mit dem Spinnrocken, die Verwandlung der Daphnis, der Raub der Proserpina, und das Bildniss des Künstlers. - Trevisani starb zu Rom 1740.

Stiche nach Werken dieses Meisters.

Das Bildniss Trevisani's, nach dem eigenhändigen Gemälde desselben in der florentinischen Gallerie, gest. von Gregori, fol.

Petrus Ottobonius Gall. Cardinalis, gest. von J. Audran, Oval, fol. 3 a.

&c. La Princesse Sobieski. F. Trevisani pinx. Romae 1727.

Cherecau exc. (et sc.), fol.

Daniel richtet die falschen Ankläger der Susanna, reiche Com- position, [nach Wachs muth sc. Philipp. Andreas Kilian Calcogr. excud. s. gr. qu. fol.

  1. Jakob und Rahel am Brunnen, gest. von W. Walker, fol.

Isaac segnet den Jakob, gest. von demselben, beide Blätter nach Bildern in der Sammlung des Herzogs von Devonshire.

Der Traum des heil. Joseph, nach dem Gemälde in der flo- rentinischen Gallerie von Langlois für Wicar's Gallerie de Flo- rence gestochen, fol.

Maria reicht dem Jesuskinde die Brust, rechts Johannes. F. L. Jungwirth sc., gr. 8.

Maria hält das schlafende Kind, und ergreift mit der Rech- ten die Windel, Ueber ihr drei Cherubim. Wagner sc. Zart ge- stochen, kl. fol.

Die heil. Jungfrau mit dem schlafenden Kinde im Buche le- send, gest. von Franz Bartolozzi, fol. Schönes und seltenes Blatt,

kleine Darstellung. Mater divinae etc. Vincent, Antonelli sc., kl. fol.

Der Kopf der Maria aus diesem Bilde, Döbler sc., 412,

Die Madonna mit dem schlafenden Kinde, gest. von J. G.

Maria vor dem in der Wiege schlafenden Kinde, dabei Johan- nes und drei musizirende Engel. Nic. Pignö sc. Nach dem Bilde im französischen Museum für Crozat gestochen, gr. fol.

Christus am Kreuze, gest. von J. Baroni, fol.

Christus am Kreuze. Birkhart sc., 8.

Der Tod des heil. Joseph, lith. von Gareis, fol.

Die Stigmatisation des heil. Franz, gest. von Sintes, fol.

Dieselbe Darstellung, oben eine Engelglorie. Vinc. Frances- cini SC. 720 S. gr. roy. fol.

Dieselbe Stigmatisation grösser und ausdrucksvoller gestochen. Petrus Bombelli incis. 1783, s. gr. roy. fol.

Das Urtheil des Paris, Franciscus Trevisani pinx. Lacombe exc. — Augustins, Mit Wappen und Dedication an den Herzog von Choiseul. Das Gemälde im Cabinet Reynoard, qu. fol.

Eine Darstellung dieser Art ist auch von Charpentier gesto- chen, vielleicht die vorhergenannte.

Diana und Endymion, von Robert in Schabmanier ausge- führt, fol.

Grosse philosophische These, oben das Bildniss der Maria Theresia, unten der Einzug Joseph's als Statthalter in Aegypten, sehr reiche Composition, Emanuel Eichell sc., Herz excud. 1745, s. gr. imp. qu. fol.

Acht Studien von Röpfen, nach Zeichnungen von Trevisani von Ropfs in Zeichnungsmanier ausgeführt, mit mehreren Platen, gr. fol.

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