Tredgold, Thomas, Ingenieur und Techniker , einer der berühm- testen Männer seines Faches, wurde 1788 im Dorfe Brandon (Hampshire ) geboren. Als der Sohn eines Holzförsters im Dien-. ste des Grafeu von Shaftesbury, gebrach es dem Knaben an einem
genügenden Schulunterrichte, und sein Vater konnte ihn nur im Geiste der Bauhölzer und der Holzverbindungen unterrichten. Ihm auch den Vortheil guter Lehrbücher zu gönnen, stand nicht in des Vaters Gewalt, und eben so wenig konnte dessen Umge- bung zur vollständigen Entwicklung des eigenthümlichen Charak- ters und der Geistesanlagen des Sohnes beitragen. In seinem vier- zehnten Jahre trat Thomas in Durham bei einem Kunsttischler in die Lehre, wo er sechs Jahre angestrengten Berufsarbeiten sich widmete, und nur in den wenigen Freistunden und zur Nachts- zeit seiner geistigen Ausbildung obliegen konnte. Nach erstande- ner Lehrzeit (1804) trat er als Zimmergesell in Arbeit, und zeich- nete sich jetzt 4 — 5 Jahre durch nichts von dem gewöhnlichen Handwerker aus, als durch seine lebendige Vorliebe für das Stu- dium. Diese Zeit war es aber, wo er seiner Gesundheit dadurch die unheilbarste Wunde schlug, dass er sich jede Erholung, und selbst fast allen Schlaf versagte. Die Gewohnheit des Nachts zu studiren, hatte er aber bis in seine letzten Lebenstage fortgesetzt, und sie war die Ursache seines vorzeitigen Todes. Die von ihm getroffene Wahl, selbst auf Kosten seiner Gesundheit seine Kennt- nisse zu erweitern, war aber eben so unklug als bedauernswerth; denn Tredgold fand 1813 im Hause des Architekten William At- kinson, seines nahen Verwandten in London, günstigere Gelegen- heit zur ferneren geistigen Ausbildung, und nur seine heisse Lern- begierde trieb ihn rastlos in die Nacht hinein. Bei Atkinson fand er auch Gelegenheit, zu den früher erlangten praktischen Kennt- nissen in der Baukunst die Theorie derselben hinzuzufügen, und
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Försters Bauzeitung 1838 Nr. 34, findet man den Nekrolog des Künstlers und dessen Bildniss.
Noch bleibt uns übrig, von der literarischen Wirksamkeit die- ses merkwürdigen Mannes zu sprechen. Schon vor dem Erschei- nen seines ersten Werkes, zu welchem er in Atkinson's Hause den grössten Theil der Materialien gesammelt hatte, lieferte er Auf- sätze für verschiedene Zeitschriften, wie für Tilloch's Philosophi- cal Magazine und in Thompson's Annals of Philosophy. Man kann schon daraus über das weite Feld seines Wissens urtheilen; denn man findet hier Aufsätze über die Elasticität der Luft, die Schnelligkeit des Schalles, über die Ursachen und Gesetze der Hitze, der Gase, der Schwere, über Gewichte und Masse, über die Gesetze der Curven, über Reibung, über die Grundsätze der Schönheit in der Färbung etc. Im Jahre 1820 übergab er dann sein vortreffliches Werk über Zimmerwerkskunst (Elementary Prin- ciples of Carpentery) dem Publikum. Das Werk erschien in Quart, und 1824 wurde eine zweite Auflage nothwendig. Dieses Buch wurde mit grosser Sehnsucht von seinen Freunden, und mit ho- hem Interesse von allen denen empfangen, welche in irgend ei- nem Zweige der Baukunst und Ingenieur-Wissenschaften beschäf- tigt waren. Die einzelnen Gegenstände, von welchen das Werk handelt, alle das Produkt eines selbstschaffenden Geistes, sind: Die Statik der Dachverbände und Holzwände, die Festigkeit des Bauholzes, die Construktion der Balkenlagen, Dachverbände, Bo- gen und Brücken. Hierzu kam noch eine Abhandlung über die natürlichen Eigenschaften des Bauholzes, und die Zeit, wann das- selbe zum Schneiden tauglich ist, über die Ursachen des Verder- bens desselben, über die Mittel demselben vorzubeugen und end- lich eine Beschreibung aller bei Bauten angewandter Holzarten. Auch enthält dieses Werk eine grosse Menge von Holztabellen, und endlich 22 Kupfertafeln. Im Verlauf des vorigen Jahrhunderts waren verschiedene Werke über Zimmermannskunst erschienen, aber keines derselben enthielt die statischen und mechanischen Ge- setze derselben. Alles, was bis dahin in dieser Art gethan wor- den war, beschränkte sich auf die Zusammenstellung weniger Regeln zur Berechnung der Stärke der Bauhölzer, und der grös- sere Theil jener Werke beschäftigte sich hauptsächlich mit der Projektionslehre, oder der descriptiven Geometrie, welche aber schon Peter Nicholson so vortrefflich und vollständig abgehandelt hatte, dass selbst dem Tredgold wenig zu sagen übrig blieb. Da- gegen gab der Künstler von den mechanischen Prinzipien, wel- che auf die Baukunst, namentlich in Beziehung auf Tragkraft und Widerstand gegen den Druck, genauere Kunde, als man durch die descriptive Geometrie erlangen konnte. Seine Schlussfolgerun- gen bestanden jede Prüfung, und gestatteten nach ihrer Entwicklung eine Anwendung im praktischen Leben, indem sie das Ungewisse durch Gewissheit, das Unsichere durch Sicherheit ersetzten, und den Baumeister in den Stand setzten, mit vollkommener Sicher- heit zu Werke zu gehen, Festigkeit mit Ökonomie zu verbinden und mit dem Minimum der Kosten das Maximum der Wirkung zu erlangen.
Im Jahre 1821 schrieb er eine Abhandlung über Tischlerkunst für Napier's Supplement zur Encyclopaedia Britannica, und im Jahre darauf erschien sein zweites grösseres Werk, sein praktischer Versuch über die Festigkeit des Gusseisens und anderer Metalle, mit praktischen Regeln, Tabellen und Beispielen, gegründet auf eine Reihe von Versuchen. Die zweite Auflage dieses Werkes
Im Jahre 1824 lieferte er für Napier's Encyclopaedia eine Ab- handlung über Maurer- und Steinmetzenkunst, und noch in dem- selben Jahre erschien sein drittes Werk, enthaltend die Grund- sätze der Heizung und Ventilation öffentlicher Gebäude, Wohn- häuser, Fabriken, Krankenhäuser etc., und die Construction der Feuerungsräume, Kessel, Dampfapparate, Röste und Trockenhäu- ser. Die zweite, verbesserte Auflage wurde 1826 von Kühn ins Deutsche übersetzt. Auch ins Französische wurden Tredgold's Werke übersetzt.
Sein viertes Werk, welches 1825 erschien, besteht in einer
praktischen Abhandlung über Eisenbahnen und Dampfwagen, und im Form einer Epistel an W. Huskisson erschien im demselben Jahre eine kleine Flugschrift über Dampfschifffahrt. Das erstere dieser Werke enthält viele Abbildungen und Tabellen, welche, nach richtigen Grundsätzen berechnet, stets volle Anwendung fin- den werden. Durch die eben genannten Schriften war Tredgold's Geist dahin geleitet worden, sich mehr mit der ungeheuren Kraft des Dampfes zu beschäftigen, und diess vermochte ihn, ein be- sonderes Werk darüber zu verfassen. Es erschien 1827, und war das letzte, welches er herausgab. F. N. Mellet übersetzte es bald ins Französische, Eine vermehrte Auflage erschien in London: The Steam Engine. A new edition revised and edited by S. B. With 125 engravings and numerous wood-cuts, 4, und fol.
Dann besorgte er 1823 eine neue Auflage dreier Abhandlun- gen über Hydraulik, von Smeaton, Venturi und Dr. Young. Fer- ner besorgte er 1823 eine erweiterte Auflage von Buchanan's Werk über Mühlen und andere Maschinen. G. Rennie bearbeitete wie- der eine neue Auflage.
Im Entwurfe vorhanden, und theilweise ausgeführt, hinterliess er bei seinem Tode drei Encyclopädien, welche in geschichtlicher und artistischer Hinsicht eine herkulische Aufgabe geworden wä- ren. Er wollte eine Encyclopädie der Architektur, eine Encyclo- pädie des Civil-Ingenieurs und eine Encyclopädie der höheren Philosophie bearbeiten. Über die Anlage dieser Werke s. För- ster's Bauzeitung 1858, Literaturblatt Nr. 10.
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