Torriggiano, Pietro Torrigiani, Bildhauer, wurde um in Florenz geboren, und von Bertoldo unterrichtet. Dieser Meister erkannte das entschiedene Talent seines Schülers, und bildete es mit Vorliebe heran. Er empfahl ihn auch dem Herzog Lorenzo il magnifico, als dieser in seinem Palaste eine Akademie errichtet hatte, um jungen Künstlern Gelegenheit zur Ausbildung zu ver- schaffen. Bertoldo war Aufsicht über die Antiken , Modelle und Zeichnungen, welche der Herzog gesammelt hatte, und im Garten desselben waren Statuen aufgestellt, die als Muster der alten und neueren Kunst zu betrachten waren. Alle diese Kunstschätze dien- ten den Schülern zum Studium, worunter Torrigiani von Bertoldo am meisten begünstigt war, obgleich noch mehrere andere junge Künstler von grossem Talente die Schule besuchten, wie Michel Angelo, F. Granacci, F. Rustici, Nicolo di Domenico Soggi, Lo- renzo di Credi, Giuliano Bugiardini, Baccio della Monte, die po, Andrea Contucci, Angelo Poliziano u. a. Allein Torrigiani genoß seine Vergünstigung nicht lange; neidisch und heftigen Tempe- raments wie er war, gerieth er mit Michel Angelo in Streit, und schlug ihm mit der Faust, oder wie andere sagen, mit einem stei- nernen Dintenfass das Nasenbein entzwei, so dass Buonarotti Zeit- lebens das Merkmal trug. Um der Strafe zu entgehen, floh er jetzt nach Rom , und fand da an Papst Alexander VI. einen Beschützer. Er verzierte einen Saal der Torre Borgia mit Stuccaturen, die mit großem Beifalle betrachtet wurden; allein als es, dass Torrigiani neuerdings in Unannehmlichkeiten gerieth, oder dass es ihm an Aufträgen fehlte, verliess er auf einmal die Kunst, und suchte im Heere des Duca Valentino als Soldat sein Heil. Sein Streben ging nach der Stelle eines Hauptmanns, und erst als er sich darin ergriffen fand, griff er wieder zu dem Meissel. Er fertigte jetzt in Florenz einige kleine Bilder in Marmor und in Erz, welche von florentinischen Kaufleuten erworben und im Privatbesitze als Meisterwerke bewundert wurden. Auch mehrere Zeichnungen führte er aus, deren Ertrag aber gering war, sodass der Künstler in England sein Glück zu verfolgen beschloss, welches ihn in London begünstigte. Walpole zählt mehrere Werke auf, wel- che dem Künstler zugeschrieben werden, worunter das Grabmal des
Königs Heinrich VII. und seiner Gemahlin Elisabeth von York zu
den Hauptwerken des Meisters gehört. Es ist sehr reich orna- mentiert und höchst fleißig in Erz ausgeführt. Der Künstler voll- endete es 1510 und erhielt dafür 1000 Pf. St. Man sieht dieses
Monument in der Capelle des Königs in der Westminster Abtei,
wo es vor allen anderen Denkmälern bewundert wird. C. du Bosc hat es nach Gravelot's Zeichnung gestochen. Dann fertigte Tor- riggiani nach Walpole auch das Grabmal der Gräfin Margaretha von Richmond, der Mutter des genannten Königs, was nicht be- gründet zu seyn scheint. Das Monument ist indessen von grosser Schönheit, und allerdings eines Torrigiani würdig. In Roll's Chapel (Chancery-lane) ist das Grabmal des Dr. Yonge von ihm gefertigt.
Von England aus begab sich Torrigiano nach Spanien, da er wahrscheinlich in Erfahrung gebracht hatte, dass in Granada den katholischen Königen kostbare Monumente errichtet werden sollten. Er fertigte daselbst als Probe seiner Kunst eine Charitas in halberhobener Arbeit, welche über der Thüre des Capitelsaales der h1. Kirche eingesetzt wurde. Diese Gestalt erscheint lebensgross in Medaillon, und ist jedenfalls eines Michelangelo würdig, sowie ein Ecce homo, welches ihm in der Kirche zugeschrieben wird. Dennoch soll dem Felipe de Vigarny (F. de Borgona) die Ausfüh- rung der Monumente übertragen worden seyn; welcher aber eben- falls nicht zur Arbeit kam. Torrigiano begab sich dann nach Se- villa, wo er nach Vasari für das Kloster der Padres Geronimos de Buenvista mehrere Werke ausführte. Er nennt ein Crucifix von Thon, ein bewunderungswürdiges Bild, wie kein anderes in Spa- nien zu sehen. Dann nennt Vasari noch ein zweites Werk dieser Art, ferner eine Statue des heil. Hieronymus mit dem Löwen, u ein Bild der Madonna mit dem Kinde, welches so schön befunden wurde, dass der Herzog von Arcos dem Künstler für eine Wie- derholung eine grosse Summe versprach. Vasari sagt, Torrig- giano habe das Madonnenbild selbst in den Pallast des Herzogs getragen, um die Summe zu empfangen, welche er, dem Sacke nach zu urtheilen, welchen der Duque de Arcos gefüllt hatte, über seine Erwartung hielt. Der Künstler schleppte sich damit müde, und fand zuletzt zu seinem Erstaunen, dass der Sack nur Maravedis enthielt, deren Werth sich nicht auf 30 Dukaten belief. Über diesen Spott in Zorn versetzt, lief der Künstler nach Vasari's Be- hauptung mit einem Beile nach der Wohnung des Herzogs, und schlug das Bild in Stücke. Allein diese That soll den Künstler als der Ketzerei verdächtig der Inquisition überliefert haben. Diese verurteilte ihn zum Gefängnisse, in welchem er 1522 starb, bevor sein Todesurtheil erfolgte.
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_Io3rAAAAMAAJ/