TORICC, Jean

TORICC, Jean, Zeichner und Kupferstecher , verband sich um 1509 — 1570 mit Jacques Perrissan zur Bearbeitung von Zeitbil-

Tortorel, Jean. dern, welche uns die Gräuel der Hugenottenverfolgung und an- dere Schrecken des Krieges damaliger Zeit vorführen. Diese sel- tenen Geschichtsscenen sprechen einzig für die Existenz der ge- nannten Künstler, deren Vornamen nicht ganz sicher sind, obwohl Malpe und Baverel, so wie Huber und Rost, und dann andere nach ihnen, ihre Angaben als ausgemacht hinzugeben scheinen, mit der weiteren Bestimmung, dass Perrissin um , und Tor- torel um 1540 geboren sei. Die Namen J. Tortorel und J. Per- rissin stehen fest, denn sie kommen auf den Blättern vor, und auch das gemeinschaftliche Monogramm der Meister ist klar, nur erscheint es in den bisherigen Monogrammenbüchern nicht genau nachgeahmt, indem statt der ovalen Einfassung ein C das Mono- gramm halb umgibt. Wenn aber die Initialen J. T. F, ausschließ- lich dem J. Tortorel beigelegt werden, so scheint dies willkür- lich zu seyn, indem Robert-Dumesnil, welcher im Peintre gra- veur francais VI. p. 42 ff. über diese Meister und ihre Werke Nachricht gibt, nie ein Blatt mit jenen Buchstaben fand.

Die genannten Darstellungen erschienen unter einem Titel mit Verzierungen im Geschmacke der Schule von Fontainebleau. Zu den beiden Seiten der Cartouche sieht man einen Mann und eine Frau, die in Laubwerk ausgehen, und in der Mitte unten zeigt sich ein Medaillon, in welchem eine vom Sturme umgestürzte Pyramide angebracht ist, mit der Devise: Ferme En Adver- site, und zu den Seiten steht: Perisinvs fecit. Die Cartouche enthält den Titel: »Premier Volume, contenant quarante ta- bleaux ou Histoires diuerses qui sont memorables touchant les Guerres, Massacres et Troubles advenus en France en ces der- nicres annces. Le tout recueilly selon le tesmvignage de ceux qui y ont este en personne, et qui les ont veus, Lesquels sont pourtraits a la verite,« Dieselbe Cartouche wurde auch zum Avis au Lecteur benutzt: Cognoissant Le desir que plusieurs ont de sauoir au vray les choses remarquables etc, etc.

Dieses Werk besteht aus 40 Blättern mit Titel und einer Er- klärung im Rande, auf welche meistens Buchstaben verweisen. Sie sind nach der Ansicht von Robert-Dumesnil alle von Tortorel und Perrissin radirt und stark geätzt. Der genannte Schriftsteller sah zwar kein vollständiges Exemplar dieser Art, sondern musste die Folge durch 16 Holzschnitte ergänzen. Es finden sich nämlich dieselben Darstellungen auch in Holzschnitten mit französischen Inschriften von gleicher Grösse, welche gewöhnlich den beiden fran- zösischen Meistern zugeschrieben werden, womit aber Robert-Du- mesnil nicht übereinstimmt, indem er den Schnitt von vier ver- schiedenen Künstlern erkennt. Ein uns unbekannter Olivier Co- dore, über welchen der genannte Schriftsteller weitere Nachrich- ten verspricht, soll einer derselben seyn, und dann ein Mono- gramm, J. D. G., vielleicht der J. D. Gourmont bei Papillon . 336, und bei Brulliot I, 1558, welcher einen Formschneider dieses Namens erweist, der aber in der Schweiz bei Tobias Stim- mer gearbeitet zu haben scheint. Auf den Blättern Nr. 18 und 20 findet sich sein Monogramm.

Robert - Dumesnil glaubt, dass die Copien im Holzschnitt von französischen Meistern gefertigt seyen, deren gegen Ende des 16. Jahrhunderts viele in Paris lebten. Es dürften nach seiner An- sicht nach und nach die abgenützten Kupferplatten durch Holzplat- ten ersetzt worden seyn, was der Wahrscheinlichkeit nicht entbeh- ret, da die stark geätzten Darstellungen im Holzschnitt leicht nach- zubilden waren. Robert-Dumesnil kennt indessen nur Ausgaben mit

I. Die Ausgabe der geätzten Folge von Blättern, wenn sie je in 40 Blättern existirt.

a) Mit lateinischem Titel und mit lateinischen Inschriften.

b) Mit französischem Titel und mit französischen Inschriften,

Die Blätter dieser Folge sind alle selten, und einige sehr selten zu finden. Die Abdrücke mit lateinischem Texte sind die ältesten und besten. Die mit französischen Inschriften sind im alten Drucke ebenfalls sehr schön. Beide Sorten sind ohne Nummern.

II. Die Abdrücke mit den Nummern, sowohl jene mit lateini- schem als mit französischem Text. Sie erreichen im Drucke nicht mehr die Schärfe und Frische der früheren Exemplare, und erscheinen, je nachdem die Platte abgenützt ist, bereits sehr schwach im Drucke. Ein vollständiges Exemplar der geätzten Blätter konnte Robert-Dumesnil nicht finden.

III. Die durch die Holzschnitte ergänzten Exemplare. Die Ra- dierungen können von den beiden oben genannten Sorten seyn. Die Holzschnitte haben denselben Text, wie die ge- ätzten Blätter, und sind im Drucke, wie die ersteren ver- schieden.

IV. Die Exemplare mit deutschem Text, in Radirungen und Holzschnitten bestehend. Original oder Copie? V. Die colorirten Exemplare. Solche finden sich mit lateini- schen und mit französischem Text, sie sind aber schlecht illuminirt.

Verzeichniss der Blätter nach Robert-Dumesnil. Etliche der- selben haben wir schon im Artikel von J. Perrissin genannt, da- mals konnten wir aber den Peintre graveur français noch nicht benützen. Die Blätter sind in gr. fol.

  1. Der Titel. Wie oben angegeben. Er kommt mit lateini- schem, französischem und deutschem Text vor. Robert-Du- mesnil gibt nur den französischen Text, in der Orthographie der Zeit,

  2. La Mercurialle tenue aux Augustins a Paris le

  1. de Juin, 15590, ou le Roy Henry 2. y fut en per- sonne. Der König sitzt unter dem Thronhimmel, und die Schottenwache führt mit anderen Gefangenen den Rath Anne
  1. La mort du Roy Henry deuxième aux tournelles à Paris, le X. Juillet 1550. Der sterbende König liegt im Zimmer auf dem Bette von seiner Familie umgeben. An der Bettstelle steht: Henri. R. II., und über dem Fenster: Tournelles. Am Querholz eines Tisches sieht man das Mo- nogramm Perrissin's. Holzschnitt.

  2. Anne Du Bourg Conseiller du Parlement de Pa- ris bruslé à S. Jean en Grève le 21. Decembre

  1. A. Dubourg wird auf dem Platze verbrannt. Der brennende Scheiterhaufen ist vor dem Rathhause errichtet. In einer Rauchwolke steht der Name des Unglücklichen, jener des Künstlers fehlt. Holzschnitt.
  1. L'entreprise d'Amboise découuerte le 13, 14. et 15. de Mars 1560. Links vorn durchbohrt der Baron d'Amboise den Baron de Pardaillan mit dem Degen, rechts im Grunde ist das Schloss von Blois. Links unten in der Ecke bemerkt man das vereinigte Monogramm der Künstler. Radirung, die Gruppe links unten mit dem Stichel 4a vollendet. — Die

Die Copie in Holzschnitt ist von der Seite des Originals und mit derselben Inschrift versehen. An der Terasse steht:

J. Tortorel-Ferrri, 04 R

  1. L'execution d'Amboise, Faite le 18. Mars 1560 : Rechts hängen am Schlosse von Amboise sieben Verschworne, in Mitte des Blattes ist: Renaudie am Galgen aufgeküpft, und rechts ist Villemongis auf dem Schaffot, wie er seine Hände in das Blut des Baron de Castelnau taucht. Links unten in der Ecke das Zeichen Perrissin's. Holzschnitt.

  2. L'assembléee des trois estats tenus à Orleans au mois de Janvier 1561. Carl IX. sitzt auf dem Throne, und ihn links zur Seite die Königin Mutter, umgeben von den Grossen des Reiches. Vor dem Tische der vier Sekre- täre steht M. Quentin. Gegen die Mitte unten: J. Tortorel, fecit 1670. (die 5 verkehrt).. Radirung.

  3. Le Massacre fait à Cahors en Quercy le 19. Novembre 1561. Die Mordscene geht im Hofe des Hauses von M. de Cabreyret vor, wo die Hugenotten der Predigt beiwohnten. Der Gräuel zieht sich vom Hause bis auf die Strasse. Rechts unten in der Ecke das Zeichen Perrissin's. Radirung. Die Copie in Holzschnitt ist von der Seite des Origi- nals. Sie trägt den Namen und das Zeichen Tortorel's, rechts unten: J. Tortorel. Fecit.

— 120) Le Colloque tenu à Poissy le 6. decembre 1561. Carl IX. die Königin Mutter, die Prinzen und Prinzessi-

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