Tizian und seine Geliebte, das Original so vieler Exemplare, welche in ganz Europa zerstreut sind. Wir haben aber schon im Leben des Meisters bemerkt, dass diese Benennung ungegrün- det ist. Arm und Brust sind durch Retouchen entstellt.
Alphonso d'Avalos, Marquis del Guasto, Feldherr Karl V., mit seiner Geliebten, welcher Amor seine Pfeile, Flora und Zephyr ihre Gaben darbringen. Der klare, etwas ins Röthliche gehende Goldton dieses Bildes ist von wunderbarem Reiz. Die Zeichnung ist schwächer.
Mehrere andere Porträte, deren Personen nicht bekannt sind.
La Vierge au lapin. Das Christkind auf den Armen der heil. Catharina verlangt nach einem weissen Kaninchen (lapin), welches Maria hält. Links ist Joseph und eine Heerde Schafe. Sehr inter- essant, als ein Beispiel in der entschiedensten naturalistischen Richtung des Tizian. Die Charaktere sind ganz portraitartig und gewöhnlich, die Falten kleinlich und styllos. Den Hauptreiz des Bildes macht der helle, klare, gesättigte Goldton, und die herr- liche poetische Landschaft, so dass man darüber auch die ziemlich schwache Zeichnung vergisst.
Maria mit dem Kinde auf dem Schoosse hebt den Schleier auf, der ihre Brust bedeckt, Gegenüber St. Stephan, Ambrosius und Mauritius. Recht im Gegensatz mit dem vorigen zeigt dieses Bild eine Würde und einen Adel in den Charakteren, eine An- dacht im Ausdruck, eine Bestimmtheit in Ausbildung der Formen, einen Styl im Gewandwesen, welche dem Giorgione nahe verwandt sind, und beweisen, dass es in die Zeit fallen muss, in welcher Tizian unter dessen Einfluss gestanden. Hiezu gesellt sich eine seltene Gediegenheit der Malerei, welche in der Maria und dem Kinde von hellerem, in den Heiligen von tieferem Goldton ist.
Christus und die beiden Jünger in Emaus, dabei ein aufwar- tender Knabe, für eine Kirche bei den Pregadi gemalt, und durch Jabach aus der Sammlung Carl I. erworben. Ohne gerade sehr ansprechend und bedeutend, sind die Charaktere durch angemes- sen. Mit Ausnahme des, noch in einem gemässigt goldenen Tone
erhaltenen Kopfes Christi, zeigen der dunkle Ton in allen Thei- len, die vernachlässigten Hände, die spätere Zeit des Meisters. Der Jünger zur Rechten des Heilandes soll Carl V., jener zur linken den Cardinal Ximenes, und der Page den König Philipp II. vorstellen.
Jupiter als Satyr, welcher das Gewand der in einer grossen Landschaft schlafenden Antiope aufhebt. Von einem Baume ge- trennt bemerkt man eine Gespielin mit dem Satyr im Gespräch. Im Mittelgrunde ist eine Hirschjagd. Dieses Bild, wahrscheinlich für Philipp II. gemalt, war in Spanien unter dem Namen der »Ve- nus del Prado« sehr berühmt. Später schenkte es Philipp IV. dem Prinzen von Wales, dem nachherigen Könige Carl I., und dann erhielt es Ludwig XIV. Bei dem Brande des Louvre 1661 be- schädiget, wurde das Bild zu scharf geputzt und restaurirt, bis endlich Ant. Coypel es herstellte. Neuerdings wurden die Retou- chen heruntergenommen und durch andere ersetzt. Die Land- schaft, vielleicht die schönste und schönste, welche von Ti- zian existirt, hat noch immer von dem tiefen, satten, harmoni- schen Ton viel behalten; ja selbst die feinen Formen der Antiope haben ihre Rundung, ihren warmen klaren Ton noch nicht ein- gebüsst.
Die erste Sitzung des Tridentinischen Conciliums am 13. De- cemb. 1545. Diese in einem glühenden Ton colorirte Skizze ist mehr als Curiosum, denn als Kunstwerk wichtig.
Die hl. Familie in einer schönen Landschaft mit Johannes, welcher dem Christkinde ein Lamm bringt. Dieses Bild erklärt Waagen für eine schöne alte Schulcopie. Das Exemplar aus der Gallerie Orleans, welches der genannte Schriftsteller bei Hrn. William Wilkins in London sah, ist vorzüglicher.
Die heil. Familie mit St. Agnes, ein in der Färbung vorzüg- liches, in allen anderen Theilen ziemlich schwaches Gemälde, er- klärt Waagen ebenfalls als Schulbild.
Vecchello, Maler. Maria mit dem Kinde und zwei anbetende Engel. Nach Waagen noch ungleich geringer. St. Hieronymus in der Grotte knieend, wie er die Brust mit dem Steine schlägt. Christus zwischen einem Kriegsknechte und einem Henker. Schwach in der Zeichnung, lahm in den Charakteren, doch edel in den Motiven, und besonders tief und warm in der Färbung er- klärt Waagen dieses Bild als Arbeit des And. Schiavone. In der Sammlung des Marschall Soult ist ein Bild des Heil- andes mit dem Pharisäer, ähnlich dem Christus mit dem Zinsgroschen in Dresden, Die Bilder der Galerie Orleans (Palais royal) wurden in Eng- land verkauft, und sind überall hin zerstreut. Im Schlosse von Vigny bei Pontoise, jetzt Eigenthum des Ben- jamin Rohan-Rochefort, wurde 1844 ein verstaubtes Bild aufge- funden, und für Tizians Werk erkannt. Es stellt den Auszug aus der Arche dar. Parma, S. die Bilder der k. Sammlung in Neapel. St. Petersburg. In der k. Eremitage werden dem Künstler 11 Gemälde zu- geschrieben. Das Bildniß des Herzogs Gaston de Foix, des berühmten nach der Schlacht von Ravenna 1512 gefallenen Helden. Dieses schöne Bildniß ist leider verdorben. Brustbild eines Mannes in dunkler Kleidung mit einem Lor- beerkrantz auf dem Haupte. Unten steht: Nosce te ipsum. Die- ses Portrait wird als jenes des Pietro Aretino genommen, es hat aber mit dem berühmten Bildniße desselben in Dresden keine Ähn- lichkeit. Auch paßt das Symbol nicht für Aretino, welcher aus Eitelkeit nicht zur Selbsterkenntniß gelangte. P. de Jode hat dieses Bild gestochen. Die sogenannte Geliebte Tizians, in weißem Kleide, über welches ein grüner, mit Pelz verbrämter Mantel fällt. Ihr violetter Hut ist mit Federn und Perlen geschmückt, um den Hals schlingt sich eine Schnur von Perlen, und den rechten Arm ziert ein Ju- welenband. Dieser, und die Hälfte des Busens ist unbedeckt. Die linke Hand sammelt und hält den Mantel, die rechte berührt schief erhoben das Gewand an der Schulter. Dieses reizende Bild ist im lichten Tone gehalten, und rundet sich in gehöriger Entfernung auf wunderbare Weise. Das Bild einer schönen nackten Frau in halber Figur, wel- che in den Spiegel blickt, der von zwei Knaben gehalten wird. Über diese sogenannte Venus sind alle Reize sinnlicher Schönheit ausgegossen. Ein warmer Hauch weht über die feine Haut des in einiger Entfernung sich herrlich rundenden Körpers. Früher war dieses Bild in Malmaison. Eine alte Frau, die einem Knaben Kirschen reicht, gewöhn- lich Tizians Sohn und seine Wärterin genannt. Dieses lebens- froße Bild kam aus dem Cabinette des Marquis Mari zu Genua in die Sammlung zu Boughton Hall, und von da nach St. Pe- tersburg. Die Alte ist ein Muster von Hässlichkeit. Auch eine nackte Venus ist in der Eremitage, welche dem berühmten Bilde in Florenz nachgebildet ist. Sie ruht auf einer grünen Sammtdecke.
Über das russische Galleriewerk s. Labensky.
Pommersfelden.
_ In der Gallerie des Grafen von Schörnborn wird dem Tizian ein Bild des erstandenen Heilandes mit der Siegesfahne zugeschrie- ben. Dr. Waagen erkennt darin Robustis Hand. Dann sind da zwei ausgezeichnete Portraits im Kniestück, jenes eines Mannes im Harnisch, und einer Frau mit dem Barett in der Hand. Eine Jebensgroße Venus, welche in den Spiegel blickt, den zwei Kin- der halten, erinnert an das ähnliche Gemälde in St. Petersburg. Diana mit ihren Nymphen im Bade ist Copie.
Rimini.
In S. Severino ist ein Bild des Heilandes mit dem Zinsgro- schen, dieselbe Darstellung wie in Dresden. Man hält es für eine eigenhändige Wiederholung Tizians.
In den Sammlungen der Stadt waren in früherer Zeit viele Bil- der von Tizian, ihre Zahl ist aber im Verlaufe der Zeit immer gerin- ger geworden. Die National-Gallerie in London besitzt jetzt drei ausgezeichnete Gemälde aus den Sammlungen Borghese, Aldobran- dini und Colonna. Die Giustinianische Sammlung kam nach Berlin.
In der vatikanischen Gallerie ist das Bildniss eines Dogen, angeblich jenes des Andreas Gritti, ehedem im Hause Aldrovandi zu Bologna. Ferner sieht man da ein grosses Altarbild aus S. Ni- colo de' Frari della Latuca in Venedig, von Papst Clemens XIV. erworben. Die Madonna erscheint in Wolken von Engeln umge- ben, und unten sieht man in andächtiger Stellung und voll lie- benswürdiger Bescheidenheit die Heiligen Nicolaus, Anton von Padua, Sebastian, Franciscus von Assisi, Petrus, Ambrosius, Ca- tharina etc. Dieses weitläufige Bild hat leider stark gelitten, ist aber von Palmaroli restaurirt.
In der capitolinischen Sammlung ist eine unter dem Namen der Vanitas bekannte Bild, ein schönes Bild des Erlösers mit der Ehebrecherin, und die Taufe Christi mit dem Profilbildnisse des Meisters.
Die meisten Werke, welche in Rom unter Tizian gehen, be- wahrt die Gallerie Borghese.
Das Bild der Judith, nach der gewöhnlichen Angabe das Por- trait der Frau des Künstlers. Es ist anziehend und sprechend, je- denfalls dem Leben entnommen.
Samson an die Säule des Tempels gefesselt, aus der früheren Zeit des Meisters.
Die Geburt der Maria, ein religiöses Genrebild aus dem ge- wohnten Kreise des Lebens, aber nicht von Tizian gemalt.
Die heil. Jungfrau mit dem Kinde und dem kleinen Johannes, ein schönes Bild von guter Erhaltung.
Christus unter den Pharisäern.
Die Parabel vom verlorenen Sohne, angeblich von diesem Meister.
Die Lebensalter des Menschen (Passeggio della vita dell'Uomo), Copie des herrlichen Bildes in der Bridgewater Gallerie zu Lon- don, von Sassoferrato gemalt. Dieses Bild ist sehr schön, so dass es selbst für Tizian gehen könnte.
Die Grazien. Auf diesem wunderbar gemalten Bilde sind die Conturen nur hingezeichnet, und die Köpfe von reizendstem Aus- druck, hier ideal gehalten, ohne vielen Schatten. Dieses Gemälde
ist nur eine Inspiration des Augenblicks. Eine nackte Frau, welche ins Bad steigt, ein reizendes Bild.
Ältere Verzeichnisse nennen auch ein Gesellschaftsbild mit Macchiavelli und dem Cardinal Borgia, und den durch Kupfer- stich bekannten Schulmeister, eine liegende Venus, jener in Flo- renz ähnlich, und das Bildniss Tizian's.
Im Palast Corsini ist ein Meisterwerk von diesem Künstler, das Bildniss Philipp II. von Spanien als Knabe, von bewunde- rungswürdiger Wahrheit und Lebendigkeit. Ein anderes Gemälde stellt Philipp II. und seinen Bruder Ferdinand I. als Kinder dar, ein drittes den Papst Paul II. als Cardinal.
In der Sammlung der Akademie S. Luca ist ein Bild des Hei- landes mit dem Pharisäer, welches für Original gilt.
Ein ähnliches aber stark beschädigtes Bild ist auch in der Gallerie Chigi, ferner das Bildniss des Pietro Aretino.
Im Palazzo Colonna bewundert man zwei Bildnisse, welche Luther und Calvin vorstellen. Der historische Beweis, dass Tizian diese Reformatoren wirklich gemalt habe, dürfte fehlen. Dann ist daselbst eine heil. Familie mit St. Lucia diesem Meister zuge- schrieben.
In der Gallerie Doria sieht man ein Gemälde, welches ein Kind mit dem Löwen vorstellt, dann die sogenannte Geliebte Ti- zian's, ein Bildniss des Jansenius, die halbe Figur der Magda- lena, das Opfer Abrahams, die heil. Jungfrau. mit dem Kinde, St. Joseph und Catharina.
Die Gallerie Sciarra bewahrt ein Madonnenbild, welches dem Tizian zugeschrieben wird, und ein anderes Gemälde, welches die Familie des Meisters vorstellt. Dann ist da auch ein Bild der Geliebten Tizian's.
Im Palazzo Spada findet man neben anderen Bildnissen ein schönes Portrait des Papstes Paul III.
In der Gallerie des Cardinal Fesch war bis 1845 ein ausge- zeichnetes Werk von Tizian, die thronende Maria mit dem Kinde, unten ein Papst und ein Cardinal im Ornate knieend, lebensgrosse Gestalten; Dieses Gemälde war die Hauptzierde der Sammlung.
Die Sammlung des Lucian Bonaparte rühmte sich eines gros- sen Gemäldes mit der Geschichte des verlorenen Sohnes. Unter den landschaftlichen Bildern des Meisters nimmt dieses eine hohe Stelle ein.
Der Maler V. Genucini besass ein berühmtes Bacchanal mit Götterfiguren in einer bergigen und baumreichen Landschaft, ehe- dem in der Villa Aldobrandini, und abgebildet bei d'Agincourt, Peinture Tav. 143. Dies ist wahrscheinlich jenes Bild, welches 1827 Jakob Irving besass, und es von Palmaroli restauriren liess. Die Figuren sind von Bellini, nur die Landschaft von Tizian. Ehedem sah man es im Palaste zu Ferrara.
Turin.
In der k. Galerie sieht man ein Gemälde, welches die Jünger in Emmaus vorstellt, eine Wiederholung des Bildes im Louvre. Zur Zeit Napoleons zierte diese Darstellung das Central-Museum in Paris. In dieser Gallerie ist auch ein Gemälde, welches ehedem in dem Versammlungssaale der Confraternita di S. Giovanni in Venedig war. Es stellt in der Mitte den Evangelisten Johannes in Betrachtung des geöffneten Himmels dar, Zehn Engelsköpfe und die Symbole der Evangelisten umgeben die Hauptfigur,
In der Sammlung des Sign. Cambiasi befindet sich eine liegende Venus, eine der reizendsten nackten Figuren des Meisters, Amor schläft neben ihr. ; ;
Das Turiner Galleriewerk erschien unter dem Titel: La Galla- ria di Torino. Illust. da Rob. d'Azeglio. Torino 1850 ff. gr. fol.
Im Schlosse des Grafen Giulio Spilimbergo ist das Bildniß der Irene de Spilimbergo, der Schülerin Tizian's, Kniestück an einer Säule, mit landschaftlicher Aussicht. L. Dolce fordert in einem Sonette (Rime di diversi etc.) den Tizian auf, das Bildniß dieser jungen Dame zu malen. G. Liruti sagt in seiner den Me- morie dei litterati friulani beigedruckten Biographie Tizian's, dass von diesem Künstler in Friaul viele Werke seyen, was auf einem Irrthum beruht, welchen Morelli und Ticozzi gerügt haben. An- dere erklärten den Tizian sogar als Haupt der Schule Friauls, während er nur dem Geburtsorte nach diesem Lande angehört,
Venedig.
Man kann den Koryphäen der venetianischen Schule, den unerreichten Coloristen, nur in Venedig kennen lernen. Hier sind seine grössten Gemälde hinsichtlich des materiellen Umfangs, hier seine reichsten und trefflichsten Compositionen, hier dasjenige seiner Werke, was an Glanz und Harmonie der Farben alle an- dern übertrifft. Ja, selbst wann er sich über die Sphäre des un- nachahmlichen Coloristen mit prosaischer Alltäglichkeit erhebt, wenn er edie Charaktere darstellt, und einen seelenvollen, tiefen Ausdruck in seine Köpfe legt, gleich Rafael und Francia, was leider nur zu selten der Fall ist, so sieht man auch dieses in Venedig, wie nicht leicht anderswo. Proben seines Wetteifers in der Weise zu malen, worin sein Zeitgenosse Michel Angelo sich auszeichnete, hat gleichfalls nur Venedig aufzuweisen. Endlich finden sich hier in einem Palaste (Barbarigo) einige Werke, die er recht con amore in seiner besten Zeit geschaffen, ausgezeichnet durch jene ihm eigenthümliche und einzige Fleischfarbe, welche durch die Zeit wenig, durch eine zerstörende Reinigung nur in einzelnen Thei- len gelitten haben. Auch ist beinahe von jedem seiner besten Schüler, deren Werke man in ihren Geburtsorten aufsuchen müsste, so viel Bedeutendes hier, dass man begreift, warum auswärts so vieles von ihnen für Tizian passirt. Ein Aufsatz von Schorn im Kunstblatt 1835 Nr. 91 ff. ist hierüber besonders wichtig.
In Venedig hält man allgemein für Tizian's besstes Werk: da- selbst, ja wohl für sein besstes überhaupt, die Himmelfahrt Mariä, ehemals auf dem Hauptaltare der Kirche St. Maria gloriosa dei Frari, jetzt die Zierde der k. Akademie in der Sala delle pubbl
che funzioni, 24 F. hoch und 12 F. breit auf Holz., Wohl be- sitzt es die meisten Vorzüge des tizianischen Pinsels im höchsten Grade, und imponirt durch Pracht und Harmonie der Farben; wenn nur nicht leider der Ausdruck in den Kuppen der zwei Haupt- figuren verfehlt, ja entwürdigt wäre. Aus dem Gesichte der - Madonna lässt sich von himmlicher Verklärung nichts herausfinden; es durchströmt eine ganz gewöhnliche irdische Freude das eben nicht unedle, aber gar nicht ätherische, brünette Antlitz, und blitzt aus den lebhaften schwarzen Augen. Von oben herab schwebt ihr Gott Vater in kunstvoller Verkürzung entgegen. Leider hat er ein gemeines Gesicht, mit struppig flatternden, schwarz und rau gemischten Haaren. Sinnvoll präsentiert ihm auf der einen Seite ein Engel die Königskrone der Himmelskönigin, auf der anderen einer die Marterkrone: der hl. Jungfrau, Ein von oben herab um Gott Vater sich herumziehender, weiter Halbkreis von Engelköpfchen im morgenröthlichen Dufte nur wie halbverwischt angedeutet, schliesst sich an einen anderen, von unten aufwärts laufenden Halbkreis von Engeln an, welcher Maria und die Wolke zu ihren Füssen umgibt, und so die Hauptfiguren zu einem Gan- zen verbindet. Die zweite Hauptgruppe der colossalen zwölf Apo- stel unten ist durch die allgemeine, nach oben gerichtete Theil- nahme auf das Schönste mit der ersteren verbunden; in allen Kö- pfen und Stellungen zeigt sich, bald stärker bald schwächer, der Ausdruck verwunderungs- und anbetungsvollen Nachschauens. Jede Stellung ist ungezwungen; jedes Antlitz mehr oder minder seelen- voll, der indessen zum reifen Manne gewordene, schöne Johan- nes, der interessanteste unter ihnen. Die Zeit der Entstehung dieses Bildes ist nach der Angabe in dem oben erwähnten Berichte des Kunstblattes unbekannt, und Vasari musste daher die Himmel- fahrt Mariä in Verona gemeint haben, wenn er sagt, Tizian habe dieses Bild in seinem 35. Jahre gemalt, also 1512. In Zanotto's Galleriewerk lesen wir noch bestimmter, dass das Gemälde 1518 aufgestellt worden sei. Allein wir sind mit dieser Angabe noch nicht im klaren; denn nach Schorn deutet das stärkere Helldunkel, welches Tizian in seinen früheren Werken nicht gebrauchte, auf die spätere Periode des Meisters. Er vereinigte hierin alles, was sein Hauptverdienst ausmacht: ein überaus kräftiges, hlares Colo- rit, Verbindung der Farben durch Mitteltinten zu der gefälligsten Harmonie, sorgfältige Unterordnung aller unter einem Hauptton, richtige und in den sanftesten Uebergängen sich verlierende Ab- stufung des Lichtes, passendes Hervorheben der Hauptpersonen durch stärkere Beleuchtung, ohne dass doch die anderen Firnen zu dunkel dagegen abstechen. Das dichte Lichtmeer von Glorie, das tiefe, kräftige Roth und Grün; ohne grell zu seyn, das über- raschende Leben und Hervortreten aller Gestalten möchte einen glauben machen, man habe das Werk einer ganz anderen Tech- nik vor sich. Es wird daher immer in den Augen der Kenner einen hohen Rang einnehmen, und das Entzücken der Mehrheit bleiben, die nicht höheres Geistiges in einem Gemälde sucht. Dieses in italienischen und deutschen Kunstberichten laut ge- priesene Werk hatte auf dem Altare der Kirche von Rauch und Kerzendampf gelitten, und war so unscheinbar geworden, dass die französischen Commissäre, welche drei andere Hauptwerke Tizian's fürs Pariser Museum in Requisition setzten, es der Mühe nicht werth hielten, auch dieses mitzunehmen. Eine anderweitige Angabe, dass das Gemälde seit 1600 vergessen gewesen sei, ist irrig; denn im Rittrato di Venezia 1684 geschieht noch Erwähnung davon, und auch in der Descrizione di tutte le pitture di Venezia 1733
Ein zweites hochgerühmtes Werk, etwa 10 F. hoch und 18 F. breit, in der Sala prima der Academie, ist die Opferung Maria im Tempel. Diese Composition ist reich an Figuren von ungezwunge- ner Stellung, jedoch sind nur wenige geistig interessante Köpfe darunter. Die kleine Maria, einzeln in Mitte auf der Tempel- treppe stehend, tritt als Hauptfigur vor. Ihr Köpfchen, der schönste Ausdruck kindlicher Freude und Unschuld, durch eine sanfte Glorie verklärt, deren durchsichtige Reflexe wie ein ätherischer Schleier sich über die nächsten Gegenstände verbreiten, muss der Meister dem lieblichsten Kinde abgestohlen haben, und ein zar- teres Fleisch hat er wohl nie gemalt. Unter den Personen, welche im Begriffe sind, die Treppe zum Tempel hinaufzusteigen, ist der Maler selbst, Cardinal Bembo, Pietro Aretino und andere Nota- bilitäten der Zeit. Zanotto sagt im Texte zum Galleriewerke der Akademie, Tizian habe das Bild 1529 gemalt, allein Bembo wurde erst 1530 Cardinal. Die Composition ist noch etwas zu symme- trisch. Das lichte Colorit, die sanfte Verschmelzung der Tinten, statt der etwas kühneren Pinselstriche auf der Himmelfahrt, und das nur sparsam benutzte Helldunkel setzen dieses Bild in Ti- zian's mittlere Zeit. Früher war es in der Confraternita della Carita. Seb. Santi hat dieses Gemälde restaurirt.
Ein drittes Gemälde Tizian's in der akademischen Sammlung stellt den Täufer Johannes in der Wüste dar, ein herrliches Werk aus St. Maria Maggiore zu Venedig. Es ist in Zeichnung und Farbung gleich vortrefflich, wie diess nicht in allen Gemälden des Meisters vorkommt.
Ferner sieht man da die Heimsuchung Maria, welche bis 1808 im Kloster S. Andrea sich befand. Dieses Bild wurde früher nicht erwähnt.
Ein anderes Gemälde, ehedem in St. Maria de' Frari, stellt Maria mit dem Leichnam des göttlichen Sohnes im Schoosse dar, zu den Seiten Magdalena und Joseph von Arimathea. Rechts und links vor der Nische erscheint Moses und die Sibylla hellespon- tica. Seb. Santi hat dieses Monument der Pietät restaurirt.
Auch zwei Bildnisse sind in der Akademie, jenes des Jacopo Soranzo, ehedem in der Stanza de' procuratori, und das der Mut- ter Tizian's, ein wahrer Typus der ganz eigenen Altweiberhäss- lichkeit, wie man sie so häufig in Venedig findet.
Beschrieben und abgebildet sind die genannten Werke in der Pinacotheca della J. Academia Veneta — illust. da Franc. Zanotto. 2 Voll. Venezia 1831. 37., gr. fol.
Wie wir oben gesehen haben, stammen die Werke Tizian's, welche die Akademie der Künste bewahrt, alle aus Kirchen, man findet aber auch noch in Gotteshäusern mehrere Bilder von ihm.
In der Kirche S. S. Giovanni e Paolo ist das berühmte Bild des Todes des heil. Petrus Martyr, dessen Lobeserhebungen etwas übertrieben sind. H. 18 F., Br. 8 F. Zwei Personen verüben die schwarze That in einer heiteren Landschaft, und oben zwischen den Baumzweigen zeigen sich zwei Engel mit der Palme, welche
In der Kirche der Jesuiten ist ebenfalls ein berühmtes Gemälde von Tizian, die Marter des heil. Laurentius, welche unter Napoleon das Central-Museum in Paris zierte. Dieses Bild ist von ergreifender Wahrheit. Den Contrast des Fackelglanzes und des himmlischen Lichtes von oben konnte nur Tizian so herrlich darstellen. Ferner wird in dieser Kirche auch eine Himmelfahrt erwähnt, als sinnreiches Bild, voll Leben und Bewegung, wie gewöhnlich in herrlichen Farben,
In der Scuola der Gesuati war über der Orgel ein Gemälde mit ungefähr 50 Figuren, 8½ F. hoch, und 7 F. breit. Es stellt Papst Urban V. vor, wie er den hl. Columbanus das Benedictiner-Klosterkleid ertheilt. Im Jahre 1847 besass dieses Bild G. Finke in Berlin.
In der Scuola grande bei S. Rocco ist eine Verkündigung Mariä mit lebensgrossen Figuren. Der Ausdruck des inneren Gemüthszustandes und die Nachahmung der äusseren Natur können nicht lebendiger und treuer seyn.
In der Kirche S. Salvatore ist eine Verkündigung Mariä aus der letzten flüchtigen Manier des Meisters. Der Besteller war damit nicht zufrieden, und wollte eine sorgfältigere Vollendung. Endlich überdrüssig schrieb der Künstler auf das Gemälde: Titianus fecit, fecit. Auf dem Hauptaltar ist die Verklärung Christi mit colossalen Gestalten der Apostel. Dieses Gemälde hat nachgedunkelt, oder es liegt unter Staub und Rauch begraben.
Für St. Maria della Salute malte Tizian die Erscheinung des heil. Geistes am Pfingstfeste. Dieses Gemälde gehört in die Jetztere Zeit des Künstlers. In der Sakristei der Kirche sind am Plafond drei Gemälde von Tizian befestiget, in welchen er mit Michel Angelo gewetteifert zu haben scheint. Der Ruhm des Letzteren erfüllte damals hinsichtlich der genauen Zeichnung des Nackten, der schwersten Stellungen des menschlichen Körpers und der kühnsten Verkürzungen Italien mit seinem Ruhm, und Tizian's bekannter Künstlerneid könnte dadurch angeregt worden seyn, ein Gleiches zu versuchen. Er malte für Madonna della Salute den Tod Abel's, das Opfer Abraham's und den erstiegten Goliath in etwas colossalen Figuren. Sie sind nackt, und zeigen die hervortretende und kunstvoll sich in einander verlierende Musculatur mächtiger Manneskörper in den mannichfaltigsten und forcirtesten Stellungen. Kühne Verkürzungen, dergleichen sonst Tizian gerne vermied, sind dabei häufig und kunstgerecht angebracht. Seine Leistungen in dieser Art sind hier wirklich tadellos und glorreich, und stellen ihn dem berühmten Florentiner würdig an die Seite. In dieser Sakristei ist auch eine Jugendarbeit von Tizian, ein Bild mit beinahe lebensgrossen Heiligen, etwas steil und kalt. Im oberen Raume erscheint St. Mar-
und Damian;
In der Kirche des hl. Marcus ist ein Mosaikbild nach Tizian's Carton. Im Halbkreise des Atriums sieht man den heil. Marcus, in den Ecken zwei andere Evangelisten, und darüber hin tragen Engeln Festons. Das Medaillon mit dem Bildnisse des Papstes Clemens VII. nimmt die Mitte dieses schönen Frieses ein.
Das Hauptwerk der Kirche St. Maria gloriosa de' Frari, die Himmelfahrt Mariä, ist jetzt in der Gallerie der Akademie zu Ve- nedig. Auf einem Seitenaltare (della Concessione) links in der Kirche sind Portraitfiguren von Personen aus der Familie Pesaro, als Donatoren in Verehrung der hl. Jungfrau und von Heiligen. Diese Bildnisse gehören zu den schönsten Werken Tizian's dieser Art. A. Viviani gab dieses Meisterwerk im Stiche als Gegenstück: zu N. Schiavone's Himmelfahrt,
Auch die Kirche S. Nicolo de' Frari della Latucca ist des Hauptschmuckes beraubt. Da sah man die Madonna in der Glorie von Engeln mit Heiligen, welche jetzt in der vatikanischen Gal- lerie sich befindet.
In einer anderen Kirche des heil. Nicolaus sind die vier Evan- gelisten in Fresco gemalt. Dann ist daselbst auch ein Bild der Madonna mit St. Nicolaus und einem Dogen als Donator,
In S. Sebastiano ist ein anderes Bild des hl. Nicolaus, in por- traitartiger Auffassung, so dass irgend ein Niccolo N. N. zum Vor- bilde gedient hat. Dieses Werk führte Tizian in seinen hohen Tagen aus, aber noch mit Meisterhand.
In St. Maria nuova ist ein Bild des heil. Hieronymus in der Wüste, eine charakteristische Gestalt, in der breiten Manier der letzteren Zeit des Meisters.
Bei der Aufzählung der Werke Tizian's in Venedig wird auch das Gemälde der Marter des hl. Laurentius in der Jesuitenkirche erwähnt; man kann aber jetzt nur von etwas Gewesenem sprechen. Die ganze reiche Composition mit den vielen Figuren in den ab- wechselndsten Stellungen, die ehemals so kunstreich und mannig- fach abgestufte Verdunklung durch Rauch, die auf diesem spie- genden Lichteffekte des Feuers sind zur blassen, fast bis auf die Grundlage verwischten oder ausgestorbenen Fläche geworden. Die Hauptfigur entsprach ganz der idealen Auffassung. Sanfte Ruhe, stille himmlische Heiterkeit ist über das edle, schöne Antlitz des Heiligen verbreitet und contrastirt mit den thierisch grim migen Gesichtern der Henker.
Dann findet man auch in den venetianischen Palästen Werke von Tizian. In den meisten Gallerien der Stadt ist irgend ein Bild von ihm. Oft begegnet man Bildnissen, welche voll Kraft, von lebendigem Fleische und individueller Wahrheit sind, wenn auch keine von van Dyck und Rembrandt an Feinheit und nachhaltigem Eindruck übertreffen. Mehrere Bildnisse venetianischer Staats- männer sind verschollen.
In der Sala delle quatro porte im Dogenpalaste ist ein grosses Gemälde (9 F. hoch, 14 F. breit), welches den Dogen Antonio Grimani vor der Madonna knieend zeigt, eine lange, dürre Figur mit scharfen Zügen. Dabei ist die Religion mit Kreuz und Kelch, eine Blondine in der Engelglorie, und St. Marcus mit dem Lö- wen, vielleicht die schönste und grossartigste Figur, welche Ti- zian je gemalt hat. Die zauberischen Lichteffekte, die ideale Figur des Evangelisten, der imposante Ausdruck von Grösse und Würde,
Nagler's Künstler - Lex. XIX. Bd. 34
Am Plafond des Santuario der Libreria malte Tizian eine mit Lorbeer gekrönte Frau mit einem Kinde.
Im Palazzo Barbarigo, wo Tizian der Sage nach das meiste gemalt, und daher Scuola di Tiziano genannt, finden sich gegen 20 Stücke von ihm, darunter einige seiner besten und berüh- mtesten. Leider sind sie grösstentheils zur Ruine geworden. Eine ungeschickte Hand hat sie bis auf die Grundfarbe verwaschen, sodass die Portraits Philipp II. von Spanien und Franz I. von Frankreich, an welchen die Farbe zerstört ist. Man sieht aber noch an den Grundzügen, dass der Charakter der Originale mit der genialen, scharfen Auffassungsgabe Tizian's, die seinen Portraitsen so viel Interesse gibt, auch hier richtig aufgegriffen ist. Das Bild der Venus, von welcher sich Adonis losreißt, 3 lebens- grosse Figuren, zeigt nur noch wenige Spuren der schönen Car- nation des wollüstig gebauten, zugekehrten Rückens. Ein Bild des heil. Sebastian, an welchem die Kunst die geistigen wie die materiellen Forderungen erfüllt hatte, ist dem Verderben preisge- geben. Alle Fleischpartien sind schwarz mit etwas durchschim- merndem Weiss. Der ganze rechte Schenkel zeigt die Grundfarbe der Leinwand. Die Reste des zerstörten Gesichtes zeigen aber mannskräftige Standhaftigkeit, durch Enthusiasmus des Glaubens und himmlische Zuversicht gehoben. Hier ist auch Titian's be- rühmte Venus mit der Eule, die ehemals mit der liegenden zu Florenz wetteiferte. Die Göttin, Kniestück in Lebensgrösse, schaut nach rechts in einen Spiegel, den ihr Amor vorhält. Auf der anderen Seite steht ein zweiter, der ihr einen Blumenkranz aufsetzt. Sie drapirt sich den untern Theil des nackten Körpers mit einem Purpurmantel. An diesem Bilde ist nur ein Drittel ver- waschen, und an dem grösseren Reste scheint durch eine leichte Patina des Alters noch die ganz eigene, täuschend lebendige Fleisch- farbe Tizian's durch. Schändlich verwaschen ist dagegen ein Ecce homo, welches ursprünglich seelenlos war. Gleiches Schicksal hatte auch der Faun, welcher mit abscheulich thierischer Lust mit der Nymphe buhlt. Letztere, eine gemeine, volle Figur, soll Ti- zian's Schwester seyn. Man sieht noch Spuren, wie wunderschön ihre Farbe vor der Zerstörung gewesen. Am besten davongekom- men ist Tizian's berühmte büssende Magdalena, eine etwas colos- sale volle Blondine, zwar nicht von edlen, aber doch ausdrucks- vollen, charakteristisch richtigen Zügen, die Augen roth von Wei- nen, das Gesicht in Reuschmerz halb erstarrt. Die ganze, viel Nacktes zeigende Figur, besonders aber das Gesicht, ist mittelst der sorgfältigsten Abstufung der Fleischtinten, die jedoch harmonisch einem Grundton untergeordnet sind, zum frappantesten Leben herausgehoben. Was Mengs u. A. in dieser Hinsicht an Tizian's besten Werken rühmen, findet sich hier in gleichem Grade, und
In der Gallerie Manfrin ist eine Grablegung Christi mit fast lebensgrossen Figuren, welche Kenner noch höher stellen, als die gepriesene Himmelfahrt und die kleine Maria im Tempel in der Akademie zu Venedig. Hier hat sich Tizian zur Poesie erhoben, und ein Seelengemälde geliefert, würdig neben Rafaels und Francia's Bildern zu glänzen. Besonders im Kopte der Maria ist der Gipfel des tragischen Pathos erreicht. Das Gesicht des Heilandes, in Farbe, Haltung der Glieder höchst gelogen, ist das einzige Ungenügende. Bei den Füssen hält ihn Joseph von Arimathäa, ein herrlicher Kopf mit dem schönsten schwarzen Bart. Sein Gesicht trägt eine unbeschreibliche, höchst anziehende Mischung von Ehrfurcht und Bedauern. Zwischen beiden Figuren steht ein anderer Helfer gemeinen Schlages, auf dessen Gesicht Mitleid und Theilnahme die Miene des Verdrusses angenommen hat. Links, zu äusserst am Bilde, kommt Maria. Das Gesicht der gebeugten Mutter ist in dem einzigen Zuge des tiefsten, tränenlosen Schmerzes erstarrt, die bleichen Hände sind krampfhaft ineinander gepresst. Johannes, in unübertreflichem Ausdruck der Theilung seiner tiefgefühlten Trauer und Sorgfalt zwischen den zwei geliebten Personen, hält die vorwärts Sinkende. Hier hat sich Tizian auch als einen der größten Seelenmaler gezeigt, was bei ihm so selten vorkommt, weil ihn seine sinnliche Umgebung verleiteten, sich mehr der Darstellung einer glänzend schönen Oberfläche zu befleissigen. Noch mehr würde dieses Bild bezaubern, wenn die unter einer gelben Patina versenkte Farbenpracht strahlen könnte. In der Gallerie des Louvre befindet sich dieselbe Darstellung, eine Wiederholung aus dem Atelier des Meisters. In der genannten Gallerie Manfrin ist auch eine Jugendarbeit des Tizian, eine Anbetung der Königin. Die hülfreiche, unsichere Pinselführung, die Verzeichnung, die steifen Töne, grellen Farben, der gänzliche Mangel eines Stils berechtigen zu der Vermuthung, es müsse Tizian's erster, oder höchstens zweiter Versuch gewesen seyn.
In dieser Gallerie ist ferner ein Bildniss des Ariosto, und jenes der schönen Königin Catharina Cornaro. Beide sind sehr interessant, und gehören zu den Hauptwerken dieser Art.
Im Besitze des Dr. Jacobi (Giuseppe Cadorin) ist ein herrliches Bild der Madonna mit dem Kinde, umgeben von St. Andreas, welches Bildniss des Francesco Vecellio ist, und dem heil. Tiziano in Pontificalibus. Dabei ein Cleriker, worunter sich Tizian vorstellte.
Im Hause de' Grassi sah Mengs ein Bild der Venus, und rühmte es als eines der schönsten Werke des Meisters.
Aus dem Palast Baldu kamen einige Bilder nach Berlin, Verona.
Im Dome sieht man ein Hauptwerk des Meisters, welches mit jenem in der Akademie zu Venedig wetteifert. Es stellt die Him-
Wenn Fiorillo unter der französischen Kunstbeute ein Bild der Ehebrecherin vor Christus aus Verona nennt, ist er im Irr- thum. Dieses Gemälde befand sich von jeher in Modena.
Wien.
In der k. k. Gallerie des Belvedere ist eine bedeutende An- zahl von Werken dieses Meisters, wovon viele aus der alten Brüs- seler Gallerie stammen, welche durch das Galleriewerk von D. Te- niers bekannt sind. Die Stiche dieses Werkes sind aber ungenü- gend. Das ältere Verzeichniss der Tizian'schen Bilder in Wien enthält 49 Nummern. Besonders ausgezeichnet sind die Bildnisse, wir nennen aber hier nur die bekannten,
Kaiser Carl V. in spanischer Kleidung im Sessel sitzend, le- bensgrosse Figur, skizzenhaft behandelt.
Derselbe Kaiser, stehend in schwarzer spanischer Tracht. Ca- rolus V. Rom. Imp. An. Aetat. L. MDL,. und das Monogramm Tizian's. Später wurde das Todesjahr beigefügt. Ganze Figur in Lebensgrösse.
Johann Friedrich der Grossmüthige im Armsessel, lebensgros- ses Kniestück im Pelzrock, das Barett in der Linken haltend.
Catharina Cornaro, als aufgedunsenes Weib. Wunderschön ist ihr Bild in der Gallerie Manfrin zu Venedig.
Isabella d'Este, Gemahlin des Herzogs Francesco Gonzaga I. von Mantua, sitzend in einem mit Pelz ausgeschlagenen Lehnsitz. Sie trägt eine mit Perlen und Edelsteinen gezierte Turban auf dem Kopfe. Lebensgrosses Kniestück, ehedem in der Sammlung
des Königs Carl I. von England.
Papst Paul III. im Sessel, lebensgrosses Kniestück,
Tizian's Bildniss mit einer schwarzen Mütze und einer drei- fachen goldenen Halskette, Lebensgrosser Kopf. Dieses Bild hat
gelitten. Ulysses Aldobrandini, berühmter Naturforscher, in jungen Jah- ren, mit einer Vogelkralle in der Hand. Nicht ganz lebensgrosses Kniestück.
Giacomo Strada von Rosberg, kaiserlicher Antiquar, im Zim- mer vor dem Tische stehend, worauf ein Torso, Münzen u. s. w. In beiden Händen hält er eine Statuette der Venus, Anno Aetat. LIX. Titianus F. Lebensgrosses Kniestück,
Fabricius Salvaresi im schwarzen mit Pelz verbrämten Kleide, wie ihm der Mohr einen Blumenstrauss reicht. Mit Tizian's Na- men und der Jahrzahl MDLVI. Lebensgrosses Kniestück,
Jacopo Sansovino, Bildhauer, im Hauskleide mit einer Gyps- statue. Halbe Figur in Lebensgrösse,
Benedetto Varchi, im schwarzen Pelzkleide mit dem Buche an die Säule gelehnt. Titianus F. Lebensgrosses Kniestück.
Maria mit dem Kinde auf dem Schoosse, vor ihr St. Hiero- nymus, St. Stephan und St. Georg. Halbe Figuren in Lebens- grösse. Ein ausgezeichnet schönes Exemplar ist im Louvre.
Maria mit dem auf einer Brüstung stehenden Kinde. Durch den Vorhang im Grunde sieht man auf Landschaft. Halbe Figu- ren in 3 Lebensgrösse,
Maria mit dem auf einem Tische stehendem Kinde, welchem Johannes Früchte gebracht. Zur Seite Joseph und Zacharias, halbe Figuren in Lebensgrösse,
Das grosse Ecce homo. Christus wird von Pilatus auf der Treppe dem Volke gezeigt. Unter diesem sind mehrere Bildnisse berühmter Personen. Carl V. erscheint im Harnisch, Sultan Soli- man zu Pferd, Aretino als Pilatus, und Tizian selbst kommt vor. Titianus Eques Caes. F. 1543. Ganze Figuren in Lebensgrösse, Dieses Bild gehört zu den Hauptwerken des Meisters in Bezug auf Wahrheit der Darstellung und Kraft der Färbung. Nur stö- ren die portraitartigen Figuren in ihrem ungeeigneten Costüm, Der Heiland gleicht einem Verbrecher. Dann ist dieses Bild nicht ohne Retouchen, .
Die Ehebrecherin vor Christus, vorzügliches Bild mit lebens- grossen halben Figuren. In Modena ist ebenfalls eine Darstellung dieses Gegenstandes, welche weit vorzüglicher ist. Das Gemälde im Belvedere ist flüchtig behandelt, ohne Auswahl der Formen und Charaktere. )
Die Grablegung Christi, Nicodemus und Joseph von Arima- thea legen in Gegenwart der trauernden Mutter, der Magdalena und des Johannes den Heiland ins Grab. Kniestück, mit Figuren in ½ Lebensgrösse, Bezeichnet: Titiani,
St. Catharina mit Rad und Palme, halbe Figur in Lebensgrösse.
Die Apostel Jacobus major, lebensgrosses Brustbild.
St. Aloisius Gonzaga. Ein junger Geistlicher mit zwei Pfeilen und einem Schwamm in der Linken, und die Rechte auf die Brust gelegt. Er blickt andächtig nach dem Himmel., Halbe Figur in ebengrösse, als eines der schönsten Werke des Meisters erklärt.
Lucrezia im Begriffe sich zu erdulden. Ein Mann hinter ihr sucht sie abzuhalten. Lebensgrosse halbe Figuren,
Lucrezia, wie sie den Dolch an die Brust setzt, Im Grunde steht: Sibi Titianus F. Halbe Figur in Lebensgrösse,
Diana im Bade mit den Nympben, welche sie auf den Fehl- tritt der Callisto aufmerksam machen. Beinahe lebensgrusse, ganze Figuren.
Danae auf dem Bette, über welche der goldene Regen in Ge- stalt von Münzen herabfällt, Die Alte hinter ihr sammelt sie in einer goldenen Schüssel. Titianus Eques Caes. Ganze lebensgrosse Figuren, Dieses Bild ist von hoher Schönheit, aber noch gelun- gener ist jenes in Neapel,
Venus sucht den Adonis von der Jagd zurückzuhalten, ganze Figuren in 3 Lebensgrösse. Aus der Schule Tizian's.
Ein junges Weib mit Pfeil und Bogen an der Seite Amors sich im Spiegel beschend, welchen ihr ein schwarzbärtiger Mann vore- hält, während neben ihm ein Mädchen begeistert auf der Laute spielt, Halbe Figuren in Lebensgrüsse,
— In den Hauptfiguren dieser beiden Bilder erkennt man den Alfonso d'Avalos und seine Geliebte. Jedenfalls sind die Figuren aus dem Leben gegriffen, und mit Sorgfalt vollendet,
Kniestück eines entblössten Mädchens mit übergeworfenem Pelzmantel, Lebensgross, Angeblich Tizian's Geliebte.
Ein nackter Knabe mit dem Tambourin unter dem Baume. Kleine Figur, wahrscheinlich das Bildniss des Tizianello. Vgl. Marco Vecellio.
Eine Landschaft mit Hirten und Heerden, im Grunde Jakobs Traum von der Himmelsleiter, schönes Staffeleibild, welches etwas nachgedunkelt hat,
In der Gallerie Lichtenstein sind ebenfalls Bilder von Tizian: eine heil. Familie mit St. Catharina, der heil. Sebastian, und die Gefangennehmung Franz I. von Frankreich. In einem früheren Verzeichnisse wird auch ein Bild der Ehebrecherin im Evangelia genannt, mit dem Beifügen, dass hinter ihr ein alter Mann mit Amor sei. Diese Darstellung ist sicher nicht biblisch.
In der Gallerie des Grafen Thurn ist ein Bildniss Philipp II von Spanien,
Stiche und Holzschnitte nach Werken dieses Meisters.
Eine grosse Anzahl von Bildern und Zeichnungen Tizian's ist durch Nachbildungen bekannt, wovon viele aus der Zeit desselben herrühren, sowohl Stiche, als Holzschnitte. Dass der Künstler die Zeichnungen unmittelbar auf die Holzplatten ge- macht habe, möge man glauben; allein dem Künstler standen wenigstens zwei Formschneider zu Diensten, welche selbst Maler- und Zeichner waren, und somit könnten sie unmittelbar nach den Entwürfen gearbeitet haben. Der eine ist der Maler Domenico dalle Greche, ein Schüler Tizian's, welchen der Mei- ster selbst auf den Holzschnitt gebracht haben soll. Dieser Kunst- stller lieferte treffliche Holzschnittwerke nach Tizian, die aber mei- stens zu den Seltenheiten gehören. Dass er mit Dom. Theotocopuli il Greco verwechselt werde, haben wir im Artikel des letzteren bemerkt. Der zweite Formschneider der Tizianschen Schule ist der von Vasari genannte Giannicolo Vicentini, welcher auch unter dem Namen Gio. Nic. Boldrini bekannt ist. Auch dieser Meister war Maler, und daher auch in der Zeichnung geübt, so dass er frei nach Zeichnungen und Entwürfen Tizian's arbeiten konnte. Ein anderer Formschneider heisst Matthäus Bulzetta, und ist jener wenig bekannte Meister Matheus unsers Künstlers-Lexicons. Giu- seppe Scolari ist ebenfalls als gleichzeitiger Formschneider zu nennen, und And. Andreani folgte auf diese Meister. Über die Formschneider aus Vicenza s. G. B. Bassegio, intorno tre ce- lebrì intagliatori in legno Vicentini. Ed. II. Bassano 1844. Abate G. Cadorin gibt Facsimiles seltener Holzschnitte nach Tizian's Zeichnungen; Fac Simile dei più rari intagli in legno disegnati da Tiziano. Auf Stein copirt von A. Tramontini. Venezia 1842. 1. 1. 2 roy. fol." Eben so fand Tizian Stecher, welche im Stande waren, seinen Anforderungen zu genügen, wie Giulio Bonasone, Martino Koth, Enea Vico, Gio. Batt. de Cavalleris, Corn. Cort, Jul. Sanuto, Jul.
Dann haben wir auch spätere Stiche nach Tizian, welche zu ganz- nen Werken vereinigt sind. Bekannt ist das Werk von Valentin le Febre, unter dem Titel: Opera celectiora quae T. Vecellius Cadu- briensis et Paulus Calliart Veronensis inventarunt et pinxerunt, quaeque V. le Febre Brux, delineavit et fsculpsit. Venezia 1680,
r. fol. Diese Ausgabe hat die besten Abdrücke. Eine neuere, noch nicht retouchirte Ausgabe ist von J. van Campen 1682. Die Ausgabe von 1638 ist retouchirt. Am schlechtesten sind die Ab- drücke, welche J. Wagner 1749 in Venedig besorgte. Nur über Tizian's Werke in Venedig gibt folgendes Werk Aufschluss: Il gran Teatro delle pitture e prospettive di Venezia. Venezia 1720, gr. fol. Der Engländer J. B. Jackson beabsichtigte die Herausgabe eines Werkes in der Holzschnittmanier des Hugo da Carpi, und darin kommen auch Blätter nach Tizian vor. Der Titel dieses Formschnittwerkes lautet: T. Vecelliü, P. Caliari, J. Robusti et J. a Ponte opera selectiora, a J. B. Jackson ligno incisa et colori- bus adumbrata (Helldunkel). Venezia 1745, gr. fol.
Von viel grösserer Bedeutung, als diese Werke sind jetzt die verschiedenen Galleriewerke, da die Stiche und Lithographien, wel- che darin von Bildern Tizian's vorkommen, theilweise zu den 1 Meisterwerken ihrer Art gehören, vor welchen die Blätter von Le Febre in Schatten treten. Nur einige alte Stiche und Holzschnitte stehen vielleicht noch höher, da die Seltenheit ins Spiel kommt. Jackson kommt mit seinen Schnitten keinem der Alten gleich. Die Bilder der k. Akademie in Venedig sind durch ein neues Werk bekannt: Pinacotheca della J. R. Galleria Veneta — illust. da F. Zanotto. 2 Voll. mit 100 Bl. Venezia 1893. gr. fol. Das Turiner Galleriewerk ist von Roberto d'Azeglio heraus- gegeben: La Reale Galleria di Turino. Illustr. da R. d'Azeglio. Tu- rino 1836 ff., gr. fol. Über das florentinische Galleriewerk s. Wicar in diesem Lexikon, den Herausgeber desselben. Ein neue- res Werk über diese Kunstschätze hat den Titel: Imp. e Reale Galleria Pitti, illust. per cura di L. Bardi. Firenze 1830 ff., gr. fol. Die spanischen Kunstschätze sind durch zwei Werke bekannt, im Stiche unter dem Titel: Coleccion de Jas estampas grabados ä& buril de los cuadros pertenecientes al Rey d'Espana. Madrid 1792- 04, roy. fol. Über das spanische Galleriewerk in Lithographien s. José de Madrazo. Das Werk der englischen National - Gallerie hat die neuen Erwerbungen von Tizian nachzutragen. Es erschien unter dem Titel: Engravings from the pictures of the National- Gallery. Published by Authority. London 1781, 33, 1834, 30, 37, 4c., gr. fol. Die Gallerie des Herzogs von Marlborough hat ebenfalls ein eigenes Werk: T. Vecellii opera exstantia in aedibus Ducis de Marlborough a J. Smith aere incisa, fol. Reich an Abbildungen von Werken Tizian's ist das französische Galleriewerk, welches unter dem Titel: Musee francais, publ. par Robillard - Peronville et Laurent. Paris 1803, gr. fol., erschien, dann Musée Napoleon, publ. par H. Laurent. Paris 1812, betitelt wurde, und dann wie- der unter folgendem Titel erschien: Le Musée francais. Recueil de 543 pl. d'apres les plus beaux tableaux — qui existaient au Louvre avant 1815. Paris 1829, 4°. fol. Die jetzt in England u. s. w. zerstreuten Werke der Gallerie Orleans sind ebenfalls durch Stiche bekannt: Gallerie du palais royal — avec une description hist. par Mr. Abbé de Fontenay. Paris 1786, fol. Über das russische Galleriewerk s. Labensky. Von den Werken Tizian's in Wien,
wo auch jene 'der Brüsseler Gallerie' vereiniget sind, geben die Galleriewerke von David Teniers, Prenner und Stampart, und Sig- mund Perger Abbildungen; s. daher die betreffenden Artikel im Lexicon. Die Gallerie in Dresden besitzt ein Werk in Kupfersti- chen: Recueil d'estampes d'apres le plus célèbres tableaux de la
gall. roy. de Dresde, 2 Voll, Dresde 1753, 57, gr. roy. fol. Der 3. Band gehört der neueren Zeit an, und enthält bis jetzt 38 Blät- ter. Auch ein lithographirtes Galleriewerk besitzt Dresden: Die vorzüglichsten Gemälde der k. sächsischen Gallerie in Dresden, in lith. Nachbildungen von F. Hanfstängl u. a. Dresden 1835— 43, roy. fol. Die kleine Ausgabe erschien von 1843 an in gr. Ueber das Münchner Galleriewerk s. Piloty in diesem Lexicon, über jenes der herzoglich Leuchtenhergischen Sammlung Jos. Mu- xel. Die Schätze des k. Museums in Berlin enthält folgendes Werk; Die Gemälde - Gallerie des k. Museums in Lithographien, Berlin 1841 ff., roy. fol. Ist auf 40 Lieferungen berechnet,
Bildnisse des Meisters,
Es finden sich mehrere Gemälde, in welchen Tizian eigenhändig seine Züge verewiget hat, doch gedenken wir hier nicht jener Bilder, in welchen er sich nach einer weit verbreiteten, un- gegründeten Sage mit seiner Geliebten zur Schmach des Alters ab- bildet haben soll. Im Louvre ist das Original zu vielen Wie-
erholungen. Der Beglaubigung bedarf das erwähnte jugendliche Bildniss im Santa zu Padua, sicher ist aber jenes im Bilde, wel- ches Abb. 6 Giuseppe Cadorin zu Venedig besitzt. Auch jenes auf dem grossen Ecce homo im Belvedere zu Wien ist ächt, sowie das auf dem Bilde der Dreieinigkeit im Escurial u. s. w. Auch in anderen grösseren Gemälden könnte man wohl seine Züge herausfinden. Ein zelne Bildnisse des Meisters sind in Berlin, Wien, Florenz, Mad- rid, in der englischen National-Gallerie zu London, bei Mr. Chaix d'Est-Ange in Paris u. s. w. Im vatikanischen Museum ist seine Büste, von Alessandro d'Este in Marmor ausgeführt,
Die eigenhändigen Gemälde haben wir an gehöriger Stelle ge- nannt, und hier fügen wir Stiche bei,
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