Torre oder Torri, Flaminio

Torre oder Torri, Flaminio, genannt Flaminio degli Ancinelli, Maler von Bologna , war Schüler von Jacopo Cavedone und Giulio Reni, und besuchte dann auch die Schule Cantarini's. Diesen letzteren Meister nahm er besonders zum Vorbild, verschmähte aber dessen aschgraue Färbung, und genügte demnach den An- forderungen in höherem Grade. Er copirte auch grosse Meister mit solcher meisterhaften Leichtigkeit, dass seine Copien in grö- sserem Werthe standen, als die Originale. Guido, Cantarini und die Carracci copirte er häufig. Torre malte aber auch nach ei- gener Composition, meistens religiöse Darstellungen, mit kräftiger

Stiche nach Werken dieses talentvollen Meisters,

Maria mit dem Kinde unter einem Zeltein, links St. Ambros, rechts St. Anton von Padua, radirt von A. Baädiale, fol. _

Die Anbetung der Könige, gest. von Cäctioli, qu. 4.

Dieses Blatt kannte Bartsch nicht. Es ist unter Caccioli näher zu beschreiben.' Im Cataloge der B. v. Aretiv'schen Sammlung ist es angegeben. /

Die heil. Familie am Fusse zweier Palmen, radirt von A, Badiale. , /

Die Kreuzabnehmung, nach dem Bilde in S. Giorgi von A, Badiale radirt. , /

Büste eines Heiligen mit aufwärts gerichtetem Blicke. G. M. f, (Mittelli fec.) qu. 8.

Eigenhändige Radirungen.

F. Torre hat einige Blätter radirt, welche in Zeichnung und Radirung trefflich sind. In der Manier erinnern sie an Pesarese, Bartsch beschreibt deren sieben, P. gr. XIX, pag. 213 ff. Der Künstler wollte auch die Darstellungen aus der Geschichte des Aeneas, von den Carracci im Palaste Fava gemalt, in Kupfer ra- diren. Er hatte die Zeichnungen bereits vollendet, als er starb. Mitelli kaufte sie von den Erben des Künstlers und brachte sie in Kupfer. Dann zeichnete Torre zu diesem Zwecke auch die Ge-- mälde von L. Carraccı in S.: Michele in Bosco. Füssly sagt, der Künstler habe den auf einem Steine sitzenden bösen Geist auch selbst in Kupfer radirt, wir fanden aber anderwärts keine Bestät- tigung dieser Angabe. Der ältere Füssly nennt als von Torre selbst radirt auch einen todten Christus, und St. Carolus Borro- mäus mit einem Fahnenträger, ein großes Blatt. Diese Blätter beschreibt Bartsch nicht.

  1. Samson tötet die Philister. Er setzt den Fuss auf einen derselben , und hält den Eselskinnbacken in die Höhe, um Wasser aus demselben träufeln zu lassen. Guid. Ren. pinx. Oben gewölbt. H. ı13 Z. 10 L.; Br. 11 Z.2L.

  2. Die heil. Jungfrau mit dem Kinde und dem kleinen Johan- nes in einer Landschaft sitzend. Der Jesusknabe hält einen Vogel am Faden. Links unten das Zeichen und die Jahr- zahl 16539. H. 6 Z., Br. 8 Z. 5 L.

  3. Die heil. Jungfrau mit dem Kinde auf dem Halbmonde zwi- schen St. Franz und St. Hieronymus, Links unten: Lo- douico Carracci I., rechts: Flaminio Torri F.H. 15 Z.6L.,

  4. Der Evangelist Johannes mit der Papierrolle. Er schreitet hinter dem Adler, nach rechts. In der Mitte unten: F. 7. F. H. 11 Z. 9 L., Br. 8 Z. 8 L.

Bartsch hatte einen Abdruck vor sich, wo der Rand mit der Dedication abgeschnitten war.

  1. Zwei Kinder mit einem Credenzseller, und ein drittes, wel- ches eine Platte mit Glas und zwei Vasen emporhält, nach G. Reni. Letzterer hat dieselbe Darstellung radirt (Nr. 18 aber ohne landschaftlichem Grund. Einen solchen zeigt das Blatt von Torre. Guido brachte drei Gläser an, Torre und setzte zwei derselben durch Vasen. Rechts unten stehen bei ihm die Buchstaben G. R. T. (G. Reni, Torre). 4 6 Z. 6 L., Br. 5 Z. 6 L.

  2. Amor und Pan. Letzterer ist mit einem Knie auf dem B oden, und wehrt sich gegen den kleinen Gott, der ihn zu- werfen will. Agostino Carrazza, J. Flamino Torri, F. Flucht ig und geistreich radirt. H. 10 Z. 6 L., Br. 7 Z. 9 L.

  1. Badalocchio hat dieselbe Darstellung radirt.