Tomé, Narciso

Tomé, Narciso, Bildhauer und Architekt von Medina de Rioseco,

war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Toledo thätig, und wurde da mit seinen Bauten der Geschmacklosigkeit ange- sehn. Die Kirchenpfleger der Catedral von Toledo vergaben-

ten für eines seiner aussehendsten Geisteskinder 200,000 Dukate.

Es ist dies ein unter dem Namen Transparente bekannter, buntscheckiger Aufbau mit Säulen, Reliefs, Statuen, Malereien

und barocken Ornamenten. Als dieses Monstrum in der Cate-

drale aufgedeckt ward, veranstaltete man Volksfeste, bei welchen die Beschreibung und Abbildung des Werkes vertheilt wurde. Der

Domdekan besang es als das achte Weltwunder, und er brauchte

die glückliche Vorsicht, die Dichtung durch den Druck der Nad

druck zu überliefern, unter dem Titel: Octava maravilla cantada

en octavas rimas: breve descripcion del maravilloso transparente,

que costósumente erigió la primada iglesia de las Espanas, Con-

puestas por el P. R. Predicador Fray Francisco Rodriguez Galiano,

Toledo 1732. An einem der Basreliefs des Transparente verewigte sich Tomé seinen Namen, und daraus ersehen wir zugleich, dass ihn

das kunstverständige Kapitel auch zum Architekten der Catedral ernannt hatte, als welcher ihm aber nur die Dachreparaturen zu-

standen. Man liest an diesem Basrelief: Narciso y Tome hizo

S. Ecclesiae Prim. Architec. major totum opus per ipsum marmore,

jaspide, aere fabrefac, delineavit, sculp. simulque depinx.

Nach Vollendung dieses Kunstwerkes wollte das Kapitel von Leon ebenfalls ein Produkt seines Geistes haben, und er machte sich mit Bewilligung seiner Vorstände 1738 an die Arbeit, welche aber erst nach seinem Tode von Simon Tomé Gavilán vollendet wurde. Nun musste der alte kostbare Hauptaltar weichen, und der neue Transparent stand vor den Blicken des vandalischen

Kapitels von Leon,

Der genannte Architekt und Bildhauer S. Tomé Gavilán, war Nachfolger Narciso's, und fuhr fort, wie jener gegen den guten Geschmack zu sündigen. In den Kirchen von Castilien findet man

viele Statuen von ihm. Um 1730 trieb er in Salamanca sein Ur- geschaft. Er entfernte mehrere schöne Altäre, und setzte andere seiner geschmacklosen Erfindung an die Stelle. Später stand er dem Narciso Tomé, seinem Meister und Verwandten, als Gehülfe zur Seite. Er selbst war der erste Meister des D. Manuel Alvar.