Tkadlik, Franz

Tkadlik, Franz, Historienmaler , geb. zu Prag 1787, sollte sich dem geistlichen Stande widmen, und hatte sich bereits der Theo- logie zugewendet, als er seiner unabweisbaren Neigung zur Malerei nachgab. Direktor Bergler ward ihm Freund und Lehrer, und bald auch der kunstliebende Graf Rudolph Czernin ein thätiger Gönner. Er gewann mehrere Schulpreise, und 1815 den grossen Preis mit dem Bilde, welches Hagar mit Ismael in der Wüste vorstellt, wie ihnen der Engel als Retter erscheint. Im Jahre 1817 berief ihn Graf Czernin nach Wien, um dem Künstler Gelegenheit zur höheren Ausbildung zu verschaffen, und 1824 ernannte er ihn zum Kammermaler. Die Werke dieses Meisters gehören der kirchlichen Richtung an, und sind in der Weise der früheren religiösen Schule behandelt. Zu seinen vorzüglichsten Bildern gehören folgende: St. Johann von Nepomuk im Gebete, Altarbild zu Warnsdorf in Böhmen 1820; der betende Jesus- knabe mit zwei Engeln zur Seite, im Grunde Joseph und Maria in andächtiger Betrachtung, im Besitze des Kaufmanns Szinko in Prag; Johannes in der Wüste, in der Sammlung des Grafen Czernin; die Ruhe der heil. Familie auf der Flucht in Ägypten , im Besitze der Gräfin; Glaube, Hoffnung und Liebe; der Schutz- engel, welcher ein holdes Kind beten lehrt; der Heiland bei den Jüngern in Emaus, 1825 vom Fürsten Metternich gekauft; die Madonna mit dem schlafenden Kinde und dem kleinen Johannes, ein Werk von besonderer Lieblichkeit, wie die oben erwähnten Bilder des Schutzengels und der theologischen Tugenden; St. Adel- bert sein Vaterland segnend; Christus am Kreuze mit Maria, Johannes und Magdalena, Altarbild; der Tod des Abel; die Auffind- ung des heil. Kreuzes; St. Ludmilla von Böhmen mit ihrem Eski kel, dem heil. Wenzel im Gottesdienste. Alle diese Bilder bieten in Zeichnung und Färbung grosse Vorzüge, und verkünden einen in technischer Hinsicht vollkommen gebildeten Meister, dessen Hauptstreben auf das Gemüthliche, Seelenvolle geht, weniger auf Energie des Ausdruckes. Indessen möchten mehrere seiner Werke in Folge eines Mangels an tiefer Religiosität mehr als religiöse Genrebilder zu betrachten seyn, die aber als solche den Anforde- rungen vieler entsprechen. Auch treffliche Bildnisse finden sich von Tkadlik. Darunter ist jenes des berühmten Slavisten Do- browsky, welches er auf Kosten einer Gesellschaft von Verehrern

Tkadlik wurde nach Bergler's Tod Direktor der Akademie in Prag und starb 1840. An seine Stelle trat Ruben. Die Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde in Prag errichtete ihm ein Denkmal, welches Juseph Max ausführte.

Stiche und Lithographien nach Werken Tkadlik's.

Abbe Dobrowsky, gest. von Benedetti, fol.

Das betende Kind mit dem Schutzengel, lith. von B. Edinger und W. Manes, für den Böhmischen Kunstverein 1838, fol.

Das betende Christuskind von zwei Engeln umgeben, lith. von A. Gareis, kl. fol.

Das schlafende Jesuskind von Johannes und einem Engel ver- ehrt, liebliche Composition, lith. von P. Fendi, gr. fol.

— Der schützende Engel und das betende Kind in einsamer Ge- birgslandschaft. Schöne Composition, gest. von Joh. Passini, r. fol. Spielende Kinder, welchen ein Engel vorsingt, gest. von Döbler, 8.

Der Leichnam des Herrn auf dem Schoosse der Maria mit zwei Engeln. Nach dem Bilde bei J. C. Endris von F. Leybold lithographirt, für das 7. Heft des Werkes: Christliches Kunststre- ben in der Osterreichischen Monarchie. Prag 1830, gr. qu. fol.

Die Zeit und die Jugend, gest. von Döpler, 8.